define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":196,"date":"2014-05-31T17:44:03","date_gmt":"2014-05-31T15:44:03","guid":{"rendered":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=196"},"modified":"2019-01-11T14:29:29","modified_gmt":"2019-01-11T13:29:29","slug":"3-krabbelzeug-maenner-und-andere-schwierigkeiten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=196","title":{"rendered":"3. Krabbelzeug, M\u00e4nner und andere Schwierigkeiten"},"content":{"rendered":"

19. August<\/p>\n

Als ich am Mor\u00adgen auf\u00adwa\u00adche, ist mei\u00adne Unter\u00adlip\u00adpe auf der lin\u00adken Sei\u00adte ganz taub und auf etwa das Dop\u00adpel\u00adte angeschwollen.<\/p>\n

Offen\u00adbar habe ich mir im Schlaf irgend\u00adein Insekt vom Mund gewischt, wahr\u00adschein\u00adlich eine der gro\u00ad\u00dfen schwar\u00adzen Amei\u00adsen, die hier am Strand unter\u00adwegs sind, und das Ding hat mich gebissen.
\nEigent\u00adlich nicht wei\u00adter dra\u00adma\u00adtisch, abge\u00adse\u00adhen davon, dass mir beim Trin\u00adken dau\u00adernd die H\u00e4lf\u00adte der Fl\u00fcs\u00adsig\u00adkeit wie\u00adder aus dem Mund raus und \u00fcbers Kinn l\u00e4uft. <\/span>Au\u00dfer\u00addem sehe ich offen\u00adbar urko\u00admisch aus mit mei\u00adner schie\u00adfen \u201edicken Lip\u00adpe\u201d, denn selbst Anna, der ver\u00admut\u00adlich mit\u00adf\u00fch\u00adlends\u00adte Mensch unse\u00adrer Rei\u00adse\u00adgrup\u00adpe, kann sich ein lei\u00adses Kichern nicht ver\u00adknei\u00adfen, als ich mich zur Fr\u00fch\u00adst\u00fccks-Run\u00adde geselle.
\nTrotz\u00addem \u2013 ich habe zum ers\u00adten Mal seit Ham\u00adburg rich\u00adtig gut geschla\u00adfen und f\u00fch\u00adle mich wun\u00adder\u00advoll erholt, und den Ande\u00adren geht es ebenso.
\nEs gibt daher nicht den gerings\u00adten Wider\u00adspruch, als Rolf erkl\u00e4rt, wir w\u00fcr\u00adden noch eine wei\u00adte\u00adre Nacht hier verbringen.<\/p>\n

Auch unser zwei\u00adter Tag am Strand ver\u00adgeht mit Baden und Faulenzen.<\/p>\n

Am sp\u00e4\u00adten Nach\u00admit\u00adtag bre\u00adchen Inge, Rosi, Agnes und ich zu einer klei\u00adnen Wan\u00adde\u00adrung ost\u00adw\u00e4rts auf, wo es nach Rolfs Aus\u00adsa\u00adge ein Restau\u00adrant geben soll.
\nDie Zur\u00fcck\u00adblei\u00adben\u00adden wol\u00adlen sich Reis mit Miso und Gem\u00fc\u00adse kochen, aber uns reizt die Vor\u00adstel\u00adlung eines grie\u00adchi\u00adschen Essens mit fri\u00adschem Salat und Wein mehr. Tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich errei\u00adchen wir nach zehn Minu\u00adten eine Art Strand-Bar, wo auch ein paar ein\u00adfa\u00adche Gerich\u00adte ange\u00adbo\u00adten wer\u00adden. Wir bestel\u00adlen Sou\u00adv\u00adla\u00adki<\/a>, und Inge, Rosi und ich tei\u00adlen uns dazu eine gro\u00ad\u00dfe Fla\u00adsche Rotwein.
\nAgnes ver\u00adsucht, sich einen Pfef\u00adfer\u00adminz\u00adtee zu bestel\u00adlen, kapi\u00adtu\u00adliert aber irgend\u00adwann ange\u00adsichts der Unm\u00f6g\u00adlich\u00adkeit, dem freund\u00adlich l\u00e4cheln\u00adden Kell\u00adner die\u00adses Ansin\u00adnen mit Mimik und Ges\u00adtik zu ver\u00admit\u00adteln, und ordert resi\u00adgniert eine Fan\u00adta. Der Kell\u00adner nickt ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis\u00advoll \u2013 und bringt ihr eine Limo\u00adna\u00adde aus hei\u00admi\u00adscher Pro\u00adduk\u00adti\u00adon, die so quiet\u00adschoran\u00adge ist, dass Rosi ver\u00admu\u00adtet, sie m\u00fcss\u00adte im Dun\u00adkeln leuch\u00adten. Das son\u00adder\u00adbar aus\u00adse\u00adhen\u00adde Getr\u00e4nk inspi\u00adriert uns zu den wil\u00addes\u00adten Spe\u00adku\u00adla\u00adtio\u00adnen hin\u00adsicht\u00adlich der Inhalts\u00adstof\u00adfe, und sogar Agnes, die es mit Todes\u00adver\u00adach\u00adtung durch ihren Stroh\u00adhalm schl\u00fcrft, betei\u00adligt sich an unse\u00adren Albernheiten.
\nAls wir uns in der D\u00e4m\u00adme\u00adrung auf den R\u00fcck\u00adweg machen, sind wir \u2013 abge\u00adse\u00adhen nat\u00fcr\u00adlich von Agnes \u2013 ziem\u00adlich anges\u00e4uselt.<\/p>\n

Heu\u00adte klop\u00adfe und sch\u00fct\u00adte\u00adle ich mei\u00adnen Schlaf\u00adsack beson\u00adders gr\u00fcnd\u00adlich aus, bevor ich hin\u00adein\u00adkrie\u00adche und fast augen\u00adblick\u00adlich einschlafe.
\n
\n20. August<\/p>\n

\u201e<\/span>Heu\u00adte wer\u00adden wir in der T\u00fcr\u00adkei essen gehen!\u201d ver\u00adspricht uns Rolf, als wir aufbrechen.
\nAm fr\u00fc\u00adhen Nach\u00admit\u00adtag ist es soweit \u2013 die grie\u00adchisch-t\u00fcr\u00adki\u00adsche Gren\u00adze liegt hin\u00adter uns, und in einer Art Cafe\u00adte\u00adria am Stra\u00ad\u00dfen\u00adrand keh\u00adren wir ein.
\nPrak\u00adti\u00adscher\u00adwei\u00adse kann man die Spei\u00adsen am Tre\u00adsen hin\u00adter einer Glas\u00adschei\u00adbe aus\u00adsu\u00adchen. Ich zei\u00adge auf gef\u00fcll\u00adte Papri\u00adka, und als sie wenig sp\u00e4\u00adter hei\u00df und duf\u00adtend auf dem Tel\u00adler vor mir liegt, beschlie\u00ad\u00dfe ich, dass t\u00fcr\u00adki\u00adsches Essen min\u00addes\u00adtens genau\u00adso gut ist wie das grie\u00adchi\u00adsche. Wenn nicht sogar besser.<\/p>\n

Gegen Abend fah\u00adren wir auf Istan\u00adbul<\/a> zu, und ich kann nicht fas\u00adsen, was sich da drau\u00ad\u00dfen auf der Stra\u00ad\u00dfe abspielt. Es ist so etwas wie eine Auto\u00adbahn, mehr\u00adspu\u00adrig, mega\u00adbreit, gut asphal\u00adtiert sogar \u2013 aber es sind Fu\u00df\u00adg\u00e4n\u00adger dar\u00adauf unterwegs!
\nAu\u00dfer\u00addem noch klei\u00adne Motor\u00adrol\u00adler, Pfer\u00adde\u00adkar\u00adren und alle m\u00f6g\u00adli\u00adchen Fahr\u00adzeu\u00adge, die man auf einer deut\u00adschen Auto\u00adbahn nie zu Gesicht bek\u00e4\u00adme, aber was mich am meis\u00adten ver\u00adbl\u00fcfft, sind die\u00adse Leu\u00adte, die \u2013 immer wie\u00adder zwi\u00adschen den Spu\u00adren ste\u00adhen blei\u00adbend \u2013 die \u201eAuto\u00adbahn\u201d zu Fu\u00df \u00fcber\u00adque\u00adren. Aller\u00addings fah\u00adren die Autos auch rela\u00adtiv lang\u00adsam, und die Fah\u00adrer schei\u00adnen st\u00e4n\u00addig in Alarm\u00adbe\u00adreit\u00adschaft zu sein und Aus\u00adschau den nach poten\u00adti\u00adel\u00adlen Selbst\u00adm\u00f6r\u00addern zu halten.
\nEs ist wohl doch kei\u00adne rich\u00adti\u00adge Auto\u00adbahn, denn als wir der Stadt immer n\u00e4her kom\u00admen, taucht pl\u00f6tz\u00adlich eine Ampel auf\u2026 um die sich offen\u00adsicht\u00adlich nie\u00admand k\u00fcmmert.
\n\u201eDie war rot!\u201d ruft Rosi erschro\u00adcken, als wir dar\u00adan vor\u00adbei fahren.
\nOhne den Blick von der Fahr\u00adbahn abzu\u00adwen\u00adden, ant\u00adwor\u00adtet Rolf ach\u00adsel\u00adzu\u00adckend: \u201eJa. Das ist Istanbul.\u201d<\/p>\n

Ein Blick zur\u00fcck best\u00e4\u00adtigt, dass er sich ein\u00adfach nur dem hier \u00fcbli\u00adchen Fahr\u00adstil anpasst \u2013 alle fah\u00adren sehr vor\u00adsich\u00adtig und auf\u00admerk\u00adsam, aber Ver\u00adkehrs\u00adre\u00adgeln im mir bekann\u00adten Sin\u00adne scheint es nicht zu geben.
\n\u201eDoch, die gibt es schon,\u201d meint Rolf, als ich ihm mei\u00adne Ver\u00admu\u00adtung mit\u00adtei\u00adle, \u201eaber Nie\u00admand h\u00e4lt sich dran. Und Vie\u00adle ken\u00adnen sie wohl auch gar nicht.\u201d<\/p>\n

Er parkt den Bus mit\u00adten im his\u00adto\u00adri\u00adschen Stadt\u00adzen\u00adtrum, im Vier\u00adtel Sul\u00adta\u00adnah\u00admet<\/a>, wo an einer Bus\u00adkeh\u00adre vor der Blau\u00aden Moschee schon Dut\u00adzen\u00adde von \u2013 mit mehr oder weni\u00adger Auf\u00adwand zu \u201eWohn\u00admo\u00adbi\u00adlen\u201d umge\u00adbau\u00adten \u2013 Bus\u00adsen und LKWs stehen.
\nKaum ist der Motor des 608 abge\u00adstellt, da \u00f6ff\u00adnet sich schon die T\u00fcr eines gel\u00adben, mit Rost\u00adschutz\u00adfarb\u00adfle\u00adcken gespren\u00adkel\u00adten Trans\u00adpor\u00adters (an der Sei\u00adte ist noch die Auf\u00adschrift \u201eDeut\u00adsche Post\u201d zu erken\u00adnen), und der her\u00adaus\u00adsprin\u00adgen\u00adde, b\u00e4r\u00adti\u00adge Insas\u00adse begr\u00fc\u00dft Cathe\u00adri\u00adne und unse\u00adren Fah\u00adrer \u00fcber\u00adschw\u00e4ng\u00adlich. Der ers\u00adte Indi\u00aden\u00adfah\u00adrer-Treff\u00adpunkt ist erreicht; dies ist einer der Orte, an denen Geschich\u00adten und Infor\u00adma\u00adtio\u00adnen aus\u00adge\u00adtauscht wer\u00adden \u2013 zwi\u00adschen den Leu\u00adten, die auf der Hin\u00adfahrt, und denen, die auf der R\u00fcck\u00adrei\u00adse sind.<\/p>\n

\u201e<\/span>So, Leu\u00adte, das Restau\u00adrant da dr\u00fc\u00adben,\u201d Rolf zeigt auf die Laden\u00adzei\u00adle auf der ande\u00adren Sei\u00adte der Haupt\u00adstra\u00ad\u00dfe, \u201edas ist der ber\u00fchm\u00adte \u201ePud\u00adding Shop\u201d<\/a>. Da k\u00f6nnt ihr mich mor\u00adgen Mit\u00adtag tref\u00adfen. Wir blei\u00adben ein paar Tage in der Stadt, Genaue\u00adres wei\u00df ich mor\u00adgen. Jetzt hab\u2019 ich aber erst mal Fei\u00ader\u00adabend\u2026 Schnappt euch euer Gep\u00e4ck und sucht euch ein Hotelzimmer!\u201d<\/p>\n

Rosi, Agnes, Inge und ich bie\u00adgen hin\u00adter dem \u201ePud\u00adding Shop\u201d rechts in eine schma\u00adle, absch\u00fcs\u00adsi\u00adge Gas\u00adse ein, weil wir dort eine preis\u00adg\u00fcns\u00adti\u00adge\u00adre Unter\u00adkunft zu fin\u00adden hof\u00adfen als direkt vorn an der Hauptstrasse.
\nEs wird dun\u00adkel, und wir gera\u00adten immer tie\u00adfer in das Vier\u00adtel hin\u00adein, in dem es zahl\u00adrei\u00adche M\u00f6bel\u00adtisch\u00adle\u00adrei\u00aden und Tee\u00adstu\u00adben, aber kaum Hotels oder Pen\u00adsio\u00adnen zu geben scheint.
\nIch bin mitt\u00adler\u00adwei\u00adle tod\u00adm\u00fc\u00adde und des\u00adhalb froh, als wir an einer Haus\u00adecke ein schief h\u00e4n\u00adgen\u00addes \u201eHotel\u201d-Schild ent\u00adde\u00adcken. Rosi und Agnes gehen hin\u00adein und tau\u00adchen wenig sp\u00e4\u00adter mit der fro\u00adhen Bot\u00adschaft wie\u00adder auf, sie h\u00e4t\u00adten ein Vier-Bett-Zim\u00admer gefun\u00adden, das umge\u00adrech\u00adnet nur sie\u00adben Mark kos\u00adten w\u00fcr\u00adde, also weni\u00adger als zwei Mark f\u00fcr Jede von uns!<\/p>\n

Als wir das Zim\u00admer betre\u00adten \u2013 das die Bei\u00adden sich (typi\u00adscher Anf\u00e4n\u00adger\u00adfeh\u00adler!) vor dem Anmie\u00adten nicht ange\u00adguckt haben \u2013, wird auch klar, war\u00adum. Es ist eine win\u00adzi\u00adge, enge Kam\u00admer, in der zwei Eta\u00adgen\u00adbet\u00adten, nein, \u2011prit\u00adschen so dicht neben\u00adein\u00adan\u00adder ste\u00adhen, dass dazwi\u00adschen kaum noch Platz f\u00fcr Gep\u00e4ck ist. Selbst\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adlich gibt es kei\u00adne Dusche, nicht ein\u00admal ein Wasch\u00adbe\u00adcken; nur ein schma\u00adles WC<\/span> im Flur, in dem es zwar nicht ganz so \u00fcbel aus\u00adsieht wie in den \u201ePlumps\u00adklos des Grau\u00adens\u201d am Auto\u00adput \u2013 aber immer noch schlimm genug.
\nWir sind so kaputt, dass wir beschlie\u00ad\u00dfen, unse\u00adre ers\u00adte Nacht in Istan\u00adbul in die\u00adser Bruch\u00adbu\u00adde zu ver\u00adbrin\u00adgen. Mor\u00adgen fr\u00fch wer\u00adden wir uns gleich etwas Ande\u00adres suchen.<\/p>\n

Voll beklei\u00addet lie\u00adge ich auf mei\u00adnem Schlaf\u00adsack, den ich auf der d\u00fcn\u00adnen, schmud\u00adde\u00adli\u00adgen Matrat\u00adze aus\u00adge\u00adbrei\u00adtet habe. Ich glau\u00adbe, ich bin noch nie so schreck\u00adlich m\u00fcde gewe\u00adsen, aber ich kann trotz\u00addem nicht einschlafen.<\/p>\n

Es ist uner\u00adtr\u00e4g\u00adlich warm und sti\u00adckig in dem Kabuff; das klei\u00adne, ver\u00adgit\u00adter\u00adte Fens\u00adter haben wir zwar weit ge\u00f6ff\u00adnet, aber die Luft steht trotz\u00addem. Statt eines erfri\u00adschen\u00adden Hauchs dringt der Gestank von Abga\u00adsen, ver\u00adbrann\u00adtem Fett und fau\u00adli\u00adgen Abf\u00e4l\u00adlen von der Stras\u00adse herein.
\nOffen\u00adbar sind alle umlie\u00adgen\u00adden L\u00e4den noch ge\u00f6ff\u00adnet, und der Schein unge\u00adz\u00e4hl\u00adter Gl\u00fch\u00adbir\u00adnen taucht unse\u00adre Schlaf\u00adkam\u00admer in ein fahl\u00adgrau\u00ades Licht. Dazu ist es irr\u00adsin\u00adnig laut \u2013 Autos hupen, Men\u00adschen schrei\u00aden, meh\u00adre\u00adre Radi\u00ados (oder Fern\u00adse\u00adher) ver\u00adsu\u00adchen, sich in punk\u00adto Laut\u00adst\u00e4r\u00adke zu \u00fcbertreffen.
\nDirekt unter unse\u00adrem Fens\u00adter f\u00fchrt eine Grup\u00adpe Jugend\u00adli\u00adcher eine l\u00e4r\u00admen\u00adde Unter\u00adhal\u00adtung, sie lachen laut und br\u00fcl\u00adlen sich an, als h\u00e4t\u00adten sie alle\u00adsamt einen Geh\u00f6rschaden.<\/p>\n

Ich w\u00e4l\u00adze mich hin und her, so gut das auf die\u00adser schma\u00adlen, quiet\u00adschen\u00adden Prit\u00adsche \u00fcber\u00adhaupt geht, und glau\u00adbe st\u00e4n\u00addig, irgend\u00adwel\u00adche Krab\u00adbel\u00adtier\u00adchen auf mei\u00adner Haut zu sp\u00fc\u00adren. Sehn\u00ads\u00fcch\u00adtig den\u00adke ich an die N\u00e4ch\u00adte an dem grie\u00adchi\u00adschen Strand zur\u00fcck, an die wun\u00adder\u00adbar mil\u00adde, fri\u00adsche See\u00adluft, den kla\u00adren, wei\u00adten Sternenhimmel\u2026
\nIn mir w\u00e4chst die Wut \u2013 auf die Ver\u00adant\u00adwort\u00adli\u00adchen f\u00fcr die Zust\u00e4n\u00adde in die\u00adsem Loch, das sich \u201eHotel\u201d zu nen\u00adnen wagt, auf die\u00adse gan\u00adze lau\u00adte, stin\u00adken\u00adde Stadt, und ganz beson\u00adders auf die kei\u00adne zwei Meter Luft\u00adli\u00adnie neben mir kra\u00adkee\u00adlen\u00adden t\u00fcr\u00adki\u00adschen Jungm\u00e4nner.
\nIrgend\u00adwann, ich wei\u00df nicht, ob zwei oder drei Stun\u00adden ver\u00adgan\u00adgen sind, hal\u00adte ich es ein\u00adfach nicht mehr aus. Der L\u00e4rm\u00adpe\u00adgel ist nur mini\u00admal gesun\u00adken, ich kann nicht schla\u00adfen, mir ist schlecht, ich bin ver\u00adschwitzt und kleb\u00adrig, und mein Brust\u00adkorb f\u00fchlt sich an wie in ein zu enges Kor\u00adsett gezw\u00e4ngt. Ich habe das Gef\u00fchl, nicht mehr atmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n

Auf der Prit\u00adsche hin\u00adge\u00adkau\u00adert, rol\u00adle ich mei\u00adnen Schlaf\u00adsack zusam\u00admen und packe ihn ein. Dann zer\u00adre ich mei\u00adnen Kof\u00adfer unter dem Bett her\u00adaus und mein Gep\u00e4ck zwi\u00adschen den bei\u00adden Eta\u00adgen\u00adbet\u00adten hin\u00addurch zur T\u00fcr.
\nRosi mur\u00admelt im Schlaf, als ich ihre Matrat\u00adze streife.
\nIch ver\u00adlas\u00adse das \u201eHotel\u201d und wan\u00adde\u00adre schwer bepackt durch das n\u00e4cht\u00adli\u00adche Istan\u00adbul, den Schlaf\u00adsack in der lin\u00adken, mei\u00adnen Kof\u00adfer in der rech\u00adten Hand.<\/p>\n

Es muss schon nach Mit\u00adter\u00adnacht sein, aber in den Gas\u00adsen tobt immer noch das Leben \u2013 aus\u00adschlie\u00df\u00adlich m\u00e4nn\u00adli\u00adches Leben, wie mir nach weni\u00adgen Minu\u00adten klar wird.
\nOffen\u00adbar bin ich die ein\u00adzi\u00adge Frau, die hier um die\u00adse Zeit noch unter\u00adwegs ist. Die gr\u00fcpp\u00adchen\u00adwei\u00adse vor Tee\u00adstu\u00adben und Hof\u00adein\u00adfahr\u00adten sit\u00adzen\u00adden oder umher\u00adschlen\u00addern\u00adden M\u00e4n\u00adner kom\u00admen\u00adtie\u00adren das mit gezi\u00adschel\u00adten Bemer\u00adkun\u00adgen und Zuru\u00adfen, die ich zwar nicht ver\u00adste\u00adhe, deren Anz\u00fcg\u00adlich\u00adkeit aber aus dem Ton\u00adfall und dem dar\u00adauf\u00adfol\u00adgen\u00adden Gel\u00e4ch\u00adter deut\u00adlich wird.<\/p>\n

Den Blick gesenkt, damit sich ja kei\u00adner der Typen zu mehr als dum\u00admen Spr\u00fc\u00adchen ermu\u00adtigt f\u00fchlt, bie\u00adge ich an der n\u00e4chs\u00adten Ecke links ab und gehe eine schma\u00adle Stra\u00ad\u00dfe hin\u00adauf (da wir vor\u00adhin ja berg\u00adab gegan\u00adgen sind, wer\u00adde ich so hof\u00adfent\u00adlich wie\u00adder ins Zen\u00adtrum kommen\u2026).
\nAls die Gas\u00adse dann jedoch nicht zur nor\u00admal brei\u00adten Stra\u00ad\u00dfe, son\u00addern eher noch enger, d\u00fcs\u00adte\u00adrer und so lang\u00adsam auch stil\u00adler wird, muss ich mich der Erkennt\u00adnis stel\u00adlen, dass ich mich wohl ver\u00adlau\u00adfen habe. Ers\u00adte Angst\u00adschau\u00ader krie\u00adchen mir den R\u00fccken hoch, aber ich beschlie\u00ad\u00dfe, sie eben\u00adso zu igno\u00adrie\u00adren wie die Spr\u00fc\u00adche und Rufe der M\u00e4n\u00adner, und stap\u00adfe wei\u00adter bergauf.
\nDa wer\u00adde ich pl\u00f6tz\u00adlich an den Schul\u00adtern gepackt; ein Typ hat sich vor mir in den Weg gestellt und h\u00e4lt mich fest, redet mit hei\u00adse\u00adrer, dr\u00e4n\u00adgen\u00adder Stim\u00adme auf mich ein. In blan\u00adker Panik hebe ich den Kopf und star\u00adre ihm ins Gesicht \u2013 und sehe, dass es kein T\u00fcr\u00adke ist, son\u00addern ein West\u00adeu\u00adro\u00adp\u00e4\u00ader (oder Ame\u00adri\u00adka\u00adner) mit lan\u00adgem, str\u00e4h\u00adni\u00adgen Haar, ein mage\u00adrer, blas\u00adser Jun\u00adkie mit unru\u00adhig fla\u00adckern\u00addem Blick.
\nJetzt ver\u00adste\u00adhe ich auch, was er redet; er erkl\u00e4rt mir auf eng\u00adlisch, dass er aus\u00adge\u00adraubt wor\u00adden ist und \u2013 was sonst? \u2013 ganz drin\u00adgend etwas Geld ben\u00f6tige.<\/p>\n

Er hat defi\u00adni\u00adtiv am fal\u00adschen Ort und zum fal\u00adschen Zeit\u00adpunkt die fal\u00adsche Per\u00adson angesprochen.
\nDer gan\u00adze Zorn und die Angst, die sich in den letz\u00adten Stun\u00adden in mir auf\u00adge\u00adstaut haben, ergie\u00ad\u00dfen sich \u00fcber den bedau\u00aderns\u00adwer\u00adten Kerl. \u201ePiss off, you bloo\u00addy fuck\u00ading bas\u00adtard!\u201d br\u00fcl\u00adle ich ihm so laut ins Gesicht, dass das Gemur\u00admel eini\u00adger am Stra\u00ad\u00dfen\u00adrand her\u00adum\u00adste\u00adhen\u00adder T\u00fcr\u00adken schlag\u00adar\u00adtig ver\u00adstummt, sich alle K\u00f6p\u00adfe in unse\u00adre Rich\u00adtung dre\u00adhen und der Typ mich erschro\u00adcken los\u00adl\u00e4sst, als h\u00e4t\u00adte er sich die Fin\u00adger verbrannt.
\nOhne ihn noch eines Bli\u00adckes zu w\u00fcr\u00addi\u00adgen, trot\u00adte ich weiter.<\/p>\n

Zwar scheint mein Kof\u00adfer von Minu\u00adte zu Minu\u00adte schwe\u00adrer zu wer\u00adden, und ich kann mich kaum noch auf den Bei\u00adnen hal\u00adten, aber wenigs\u00adtens ist die Angst von mir abge\u00adfal\u00adlen. Die weni\u00adgen T\u00fcr\u00adken, die sich noch drau\u00ad\u00dfen auf\u00adhal\u00adten, sind von einer m\u00f6g\u00adli\u00adchen Bedro\u00adhung zu poten\u00adti\u00adel\u00adlen Ver\u00adb\u00fcn\u00adde\u00adten gewor\u00adden. Nach dem Erleb\u00adnis eben bin ich mir ziem\u00adlich sicher, dass mir zumin\u00addest Eini\u00adge von ihnen zu Hil\u00adfe gekom\u00admen w\u00e4ren, wenn der Jun\u00adkie mich aus\u00adzu\u00adrau\u00adben ver\u00adsucht h\u00e4tte.
\nAls w\u00e4re die\u00adse Erkennt\u00adnis der Schl\u00fcs\u00adsel f\u00fcr einen Aus\u00adgang aus die\u00adsem Alp\u00adtraum, taucht hin\u00adter der n\u00e4chs\u00adten Bie\u00adgung die Haupt\u00adstras\u00adse und dahin\u00adter die Blaue Moschee auf.
\nDoch in allen Restau\u00adrants und Hotels ist es schon dun\u00adkel. Rat\u00adlos ste\u00adhe ich auf dem B\u00fcr\u00adger\u00adsteig vor dem geschlos\u00adse\u00adnen \u201ePud\u00adding Shop\u201d.<\/p>\n

Mir f\u00e4llt nichts Bes\u00adse\u00adres ein, als hin\u00ad\u00fcber zum 608 zu mar\u00adschie\u00adren und \u2013 erst zag\u00adhaft, dann kr\u00e4f\u00adti\u00adger \u2013 an die Bei\u00adfah\u00adrer\u00adt\u00fcr zu klop\u00adfen. Es dau\u00adert einen Moment, bis sie von einem ziem\u00adlich ver\u00ad\u00e4r\u00adgert und zer\u00adsaust aus\u00adse\u00adhen\u00adden Rolf ge\u00f6ff\u00adnet wird. Er hat offen\u00adsicht\u00adlich schon geschlafen.
\nBevor er los\u00admot\u00adzen kann, erz\u00e4h\u00adle ich ihm has\u00adtig von mei\u00adner Klaus\u00adtro\u00adpho\u00adbie-Atta\u00adcke in dem Hotel\u00adzim\u00admer und mei\u00adner Nacht\u00adwan\u00adde\u00adrung quer durch Istan\u00adbul und bit\u00adte ihn inst\u00e4n\u00addig, mich im Bus schla\u00adfen zu las\u00adsen. \u201eIch leg mich ein\u00adfach vorn hin\u00adter die Sitz\u00adbank, es ist ja nur f\u00fcr heu\u00adte nacht \u2013 bit\u00adte, bit\u00adte!\u201d Ich bin kurz davor, in Tr\u00e4\u00adnen auszubrechen.<\/p>\n

Er guckt schon etwas bes\u00e4nf\u00adtigt, und als dann auch noch Cathe\u00adri\u00adne von hin\u00adten ruft \u201eNun lass sie schon rein, um die\u00adse Zeit kriegt sie ja wirk\u00adlich kein Zim\u00admer mehr!\u201d, tritt er bei\u00adsei\u00adte und l\u00e4sst mich einsteigen.
\nIch rol\u00adle schnell mei\u00adnen Schlaf\u00adsack auf dem Wagen\u00adbo\u00adden aus und schl\u00fcp\u00adfe hinein.
\nBevor ich in ohn\u00admacht\u00adar\u00adti\u00adgem Schlaf ver\u00adsin\u00adke, h\u00f6re ich Rolf noch grum\u00admeln, wenn er nicht am Steu\u00ader s\u00e4\u00dfe, w\u00e4re der Bus nun mal sein \u201eZuhau\u00adse\u201d, und er sei unser Fah\u00adrer, nicht unser Kin\u00adder\u00adm\u00e4d\u00adchen\u2026 Aber mir ist voll\u00adkom\u00admen egal, wie genervt er gera\u00adde von mir ist \u2013 solan\u00adge ich nur den Rest der Nacht in sei\u00adnem Bus ver\u00adbrin\u00adgen darf.<\/p>\n


\n21. August<\/p>\n

Am n\u00e4chs\u00adten Mor\u00adgen sehe zu, dass ich aus Rolfs \u201eZuhau\u00adse\u201d ver\u00adschwin\u00adde, bevor er mun\u00adter genug ist, um mir einen Vor\u00adtrag zum The\u00adma \u201eFah\u00adrer, nicht Kin\u00adder\u00adm\u00e4d\u00adchen\u201d zu halten.<\/p>\n

Auf dem Weg Rich\u00adtung \u201ePud\u00adding Shop\u201d kommt mir Inge entgegen.
\nSie ist erleich\u00adtert, mich wohl\u00adbe\u00adhal\u00adten wie\u00adder\u00adzu\u00adse\u00adhen, und erz\u00e4hlt mir stolz, dass sie bereits eine neue Unter\u00adkunft orga\u00adni\u00adsiert hat: \u201eIch hab ein Dop\u00adpel\u00adzim\u00admer genom\u00admen, denn das wird dir auch gefal\u00adlen!\u201d Auf mei\u00adnen skep\u00adti\u00adschen Blick hin schl\u00e4gt sie vor, direkt dort\u00adhin zu gehen, um mein Gep\u00e4ck dort zu deponieren.
\n\u201eEs ist gleich da vorn um die Ecke, schr\u00e4g gegen\u00ad\u00fcber der
Hagia Sophia<\/a>.\u201d<\/p>\n

\"77014_istanb.jpg\"<\/p>\n

Das Geb\u00e4u\u00adde, zu dem sie mich f\u00fchrt, nennt sich \u201eYouth Hos\u00adtel\u201d, hat aber mit einer Jugend\u00adher\u00adber\u00adge, wie ich sie aus Deutsch\u00adland ken\u00adne, wenig \u00c4hnlichkeit.
\nAls ers\u00adtes betritt man einen mit Blu\u00admen\u00adk\u00fc\u00adbeln und Rank\u00adge\u00adw\u00e4ch\u00adsen anspre\u00adchend gestal\u00adte\u00adten Innen\u00adhof, in dem eine Art Bis\u00adtro unter\u00adge\u00adbracht ist. Fast alle Tische sind mit jun\u00adgen Leu\u00adten besetzt, die sich auf eng\u00adlisch, aber auch in diver\u00adsen ande\u00adren Spra\u00adchen unterhalten.<\/p>\n

Inge durch\u00adquert den Hof und f\u00fchrt mich die Trep\u00adpe hin\u00adauf zu \u201eunse\u00adrem\u201d Zim\u00admer, und ich bin sehr ange\u00adtan \u2013 es ist zwar nicht gro\u00df und recht ein\u00adfach in der Aus\u00adstat\u00adtung, aber daf\u00fcr hell und sau\u00adber. Als sie mir auch noch sagt, wie g\u00fcns\u00adtig die\u00adses Zim\u00admer\u00adchen ist, bin ich voll\u00adends begeistert.
\n\u201eWie hast du das gefun\u00adden?\u201d will ich von ihr wissen.
\n\u201eIch hab ein\u00adfach zwei Kana\u00addie\u00adrin\u00adnen gefragt, wo sie woh\u00adnen. Die sahen n\u00e4m\u00adlich so benei\u00addens\u00adwert frisch geduscht und aus\u00adge\u00adruht aus!\u201d erkl\u00e4rt Inge grinsend.
\n\u201eApro\u00adpos Duschen\u2026 \u201a\u201d sie deu\u00adtet mit dem Dau\u00admen zur T\u00fcr, \u201edas Bad ist im Flur. Und gar nicht mal so \u00fcbel. Aller\u00addings kann\u2019s dir pas\u00adsie\u00adren, dass das war\u00adme Was\u00adser pl\u00f6tz\u00adlich alle ist und du dir die Haa\u00adre kalt aus\u00adsp\u00fc\u00adlen musst.\u201d<\/p>\n

Wenn es wei\u00adter nichts ist\u2026
\nNach\u00addem ich geduscht und mei\u00adne Sachen ver\u00adstaut habe, gehe ich in den Hof hin\u00adun\u00adter, wo Inge bei einem Glas Tee sitzt und Gr\u00fc\u00ad\u00dfe auf Ansichts\u00adkar\u00adten schreibt, die sie in der Rezep\u00adti\u00adon gekauft hat. Ich bestel\u00adle mir auch einen Tee und ein Sand\u00adwich und kom\u00adme lang\u00adsam zu der Auf\u00adfas\u00adsung, dass Istan\u00adbul \u2013 bei Tages\u00adlicht bese\u00adhen \u2013 doch eine ganz sch\u00f6\u00adne und inter\u00ades\u00adsan\u00adte Stadt zu sein scheint.<\/p>\n

Als Inges Kar\u00adten fer\u00adtig beschrie\u00adben sind und ich mei\u00adnen Imbiss ver\u00adputzt habe, schlen\u00addern wir zum Bos\u00adpo\u00adrus-Ufer hin\u00adun\u00adter und bewun\u00addern die vor vier Jah\u00adren fer\u00adtig\u00adge\u00adstell\u00adte H\u00e4n\u00adge\u00adbr\u00fc\u00adcke<\/a>, die den euro\u00adp\u00e4i\u00adschen Kon\u00adti\u00adnent mit Klein\u00adasi\u00aden verbindet.<\/p>\n

\"77012_istanb.jpg\"
\nFast noch mehr bin ich von den alten Autos fas\u00adzi\u00adniert, die hier \u00fcber\u00adall her\u00adum\u00adfah\u00adren. Ich fra\u00adge mich, wann und wie die\u00adse zum Teil bemer\u00adkens\u00adwert gut erhal\u00adte\u00adnen Old\u00adti\u00admer (soweit ich es erken\u00adnen kann, han\u00addelt es sich \u00fcber\u00adwie\u00adgen um ame\u00adri\u00adka\u00adni\u00adsche Fabri\u00adka\u00adte) wohl nach Istan\u00adbul gekom\u00admen sind.
\nF\u00fcr mei\u00adnen Vater, der in jun\u00adgen Jah\u00adren als Karos\u00adse\u00adrie-Ent\u00adwurfs\u00adzeich\u00adner bei der Auto Uni\u00adon in Chem\u00adnitz gear\u00adbei\u00adtet hat und lei\u00adden\u00adschaft\u00adli\u00adcher Auto\u00adnarr ist, foto\u00adgra\u00adfie\u00adre ich ein paar der inter\u00ades\u00adsan\u00adtes\u00adten Modelle.<\/p>\n

\"77011_istanb.jpg\"<\/p>\n

\"77013_istanb.jpg\"<\/p>\n

Dann geht es zum \u201ePud\u00adding Shop\u201d, denn es ist schon fast Mittag.
\nRolf, Cathe\u00adri\u00adne, Anna und Ulli sit\u00adzen dort bereits, in einer aus meh\u00adre\u00adren zusam\u00admen\u00adge\u00adscho\u00adbe\u00adnen Tischen bestehen\u00adden Run\u00adde, zusam\u00admen mit eini\u00adgen \u00fcber\u00adwie\u00adgend lang\u00adhaa\u00adri\u00adgen und braun gebrann\u00adten Typen, deren Fahr\u00adzeu\u00adge ver\u00admut\u00adlich eben\u00adfalls auf dem Park\u00adplatz gegen\u00ad\u00fcber stehen.
\n\u201eNa, da kommt ja die n\u00e4cht\u00adli\u00adche Ruhe\u00adst\u00f6\u00adre\u00adrin,\u201d begr\u00fc\u00dft mich Rolf, wie\u00adder bes\u00adtens gelaunt. Zur Gau\u00addi der Umsit\u00adzen\u00adden schil\u00addert er mei\u00adne Flucht vor Bett\u00adwan\u00adzen und Jun\u00adkies und mei\u00adnen \u201e\u00dcber\u00adfall\u201d auf den Bus um ein Uhr in der Fr\u00fch\u2019 (\u201eIch dach\u00adte schon, die Poli\u00adzei von Istan\u00adbul w\u00fcr\u00adde neu\u00ader\u00addings um Mit\u00adter\u00adnacht Fahr\u00adzeug\u00adkon\u00adtrol\u00adlen durch\u00adf\u00fch\u00adren\u2026\u201d) in h\u00f6chst dra\u00adma\u00adti\u00adschen T\u00f6nen.<\/p>\n

Ob wir denn inzwi\u00adschen wenigs\u00adtens eine anst\u00e4n\u00addi\u00adge Unter\u00adkunft gefun\u00adden haben, will der B\u00e4r\u00adti\u00adge aus dem Post-Trans\u00adpor\u00adter wis\u00adsen, sonst k\u00f6n\u00adne er uns ein paar Hotels emp\u00adfeh\u00adlen. Als Inge erkl\u00e4rt, wo sie ein Zim\u00admer gemie\u00adtet hat, wird rund\u00adum bei\u00adf\u00e4l\u00adlig genickt; ja, das ist eine gute Adres\u00adse, g\u00fcns\u00adtig, aber wanzenfrei.
\nWir blei\u00adben \u00fcber zwei Stun\u00adden im \u201ePud\u00adding Shop\u201d, essen da zu Mit\u00adtag und erfah\u00adren von Rolf, dass wir bis zum Mor\u00adgen des 25. August (\u201eWer bis zehn Uhr nicht beim 608 auf\u00adge\u00adtaucht ist, muss sehen wie er allein wei\u00adter\u00adkommt \u2013 ich<\/em> fah\u00adre dann jeden\u00adfalls los!\u201d) in der Stadt blei\u00adben wer\u00adden. Auch Rosi und Agnes tau\u00adchen auf; sie haben inzwi\u00adschen eben\u00adfalls eine akzep\u00adta\u00adble\u00adre Blei\u00adbe gefunden.<\/p>\n

Immer wie\u00adder l\u00e4sst einer der \u201ealten Hasen\u201d an unse\u00adrem Tisch eine abf\u00e4l\u00adli\u00adge Bemer\u00adkung \u00fcber Leu\u00adte fal\u00adlen, die \u201eals Hip\u00adpies ver\u00adklei\u00addet\u201d das legen\u00add\u00e4\u00adre Restau\u00adrant betre\u00adten und, da der\u00adzeit s\u00e4mt\u00adli\u00adche Tische besetzt sind, betont l\u00e4s\u00adsig in der Gegend herumstehen.
\n\u201eDer ist wahr\u00adschein\u00adlich f\u00fcr drei Tage nach Istan\u00adbul geflo\u00adgen und erz\u00e4hlt hin\u00adter\u00adher im B\u00fcro von seinm \u2018gro\u00ad\u00dfen Aben\u00adteu\u00ader Ori\u00adent\u2019,\u201d hei\u00dft es dann bei\u00adspiels\u00adwei\u00adse, oder \u201epass mal auf, der M\u00f6ch\u00adte\u00adgern-Mick-Jag\u00adger da dr\u00fc\u00adben bestellt sich bestimmt gleich einen Hasch-Pud\u00adding!\u201d, oder \u2013 und das ist wohl die schlimms\u00adte Belei\u00addi\u00adgung, die die Jungs sich vor\u00adstel\u00adlen k\u00f6n\u00adnen \u2013 \u201eNecker\u00adm\u00e4n\u00adner!\u201d.
\nMir gegen\u00ad\u00fcber sind sie jedoch aus\u00adge\u00adspro\u00adchen zuvorkommend.
\nDabei ist die Geschich\u00adte mei\u00adner pani\u00adschen Nacht\u00adwan\u00adde\u00adrung durch Istan\u00adbul doch wohl Beweis genug, dass ich ein eben\u00adso ahnungs\u00adlo\u00adses Green\u00adhorn bin wie die \u201eM\u00f6ch\u00adte\u00adgern-Mick-Jag\u00adgers\u201d und \u201eNecker\u00adm\u00e4n\u00adner\u201d. Auch ich bin schlie\u00df\u00adlich Jemand, der nicht \u2013 oder zumin\u00addest noch nicht \u2013 wirk\u00adlich zum erle\u00adse\u00adnen Kreis der Indi\u00aden- und Nepal\u00adfah\u00adrer dazu\u00adge\u00adh\u00f6rt<\/em>.
\nAls Inge und ich auf\u00adbre\u00adchen, weil wir uns den
\u201eGro\u00ad\u00dfen Bazar\u201d<\/a> anse\u00adhen wol\u00adlen, und mein Blick noch ein\u00admal durch den gut gef\u00fcll\u00adten \u201ePud\u00adding Shop\u201d schweift, ahne ich den Grund f\u00fcr die freund\u00adli\u00adche Nach\u00adsicht, die mir zuteil wird.<\/p>\n

Mir f\u00e4llt auch wie\u00adder ein, was ich heu\u00adte mor\u00adgen dach\u00adte, als ich zwi\u00adschen den Wagen der Indi\u00aden\u00adfah\u00adrer hindurchging:
\nOhne m\u00e4nn\u00adli\u00adche Beglei\u00adtung rei\u00adsen\u00adde Frau\u00aden gibt es fast gar nicht.
\nBei den M\u00e4n\u00adnern hin\u00adge\u00adgen ist der allein oder mit ande\u00adren M\u00e4n\u00adnern zusam\u00admen rei\u00adsen\u00adde Indi\u00aden\u00adfah\u00adrer die Regel. Nur eini\u00adge weni\u00adge sind, wie Rolf, mit Freun\u00addin oder Frau unterwegs.<\/p>\n

\u201e<\/span>Wei\u00dft du eigent\u00adlich, dass uns die M\u00e4n\u00adner bald scha\u00adren\u00adwei\u00adse zu F\u00fc\u00dfen lie\u00adgen wer\u00adden?\u201d fra\u00adge ich Inge, w\u00e4h\u00adrend wir in die Rich\u00adtung gehen, in der sich der Kapa\u00adl\u00c4\u0460\u00ad\u00c7ar\u015f\u00c4\u047c<\/a> befin\u00adden soll. Sie sieht mich erstaunt an.
\n\u201eNa, \u00fcber\u00adleg\u2019 doch mal: lau\u00adter jun\u00adge Kerls, die zum Teil mona\u00adte\u00adlang allein umher rei\u00adsen \u2013 und kei\u00adne M\u00f6g\u00adlich\u00adkeit haben, irgend\u00adei\u00adne Frau n\u00e4her ken\u00adnen zu ler\u00adnen. Ich mei\u00adne, selbst wenn es ihnen gelingt, mit einer Ein\u00adhei\u00admi\u00adschen anzu\u00adban\u00addeln, dann m\u00fcs\u00adsen sie die nor\u00adma\u00adler\u00adwei\u00adse schleu\u00adnigst hei\u00adra\u00adten. Und gleich Mit\u00adglied eines Gro\u00df\u00adfa\u00admi\u00adli\u00aden\u00adclans wer\u00adden, das will bestimmt nicht jeder\u2026\u201d
\n\u201eDas bedeu\u00adtet doch aber nichts ande\u00adres, als dass die\u00adse Typen irgend\u00adwann jeder<\/em> Frau aus dem Wes\u00adten zu F\u00fc\u00dfen lie\u00adgen \u2013 selbst wenn sie aus\u00adsieht wie God\u00adzil\u00adla mit Br\u00fcs\u00adten,\u201d lacht Inge mich aus. \u201eNach ein paar Mona\u00adten ste\u00adhen die Jungs der\u00adar\u00adtig unter Druck, dass du dir als Frau wirk\u00adlich nichts dar\u00adauf ein\u00adbil\u00adden kannst, wenn sie dir sab\u00adbernd hin\u00adter\u00adher laufen!\u201d
\n\u201eStimmt, da hast du recht.\u201d So hat\u00adte ich das noch gar nicht gesehen.
\n\u201eOkay, ver\u00adges\u00adsen wir das. Irgend\u00adwie hat man eh\u2019 immer nur Sche\u00adre\u00adrei\u00aden mit den Kerls.\u201d Ach\u00adsel\u00adzu\u00adckend gehe ich weiter.
\n\u201eMach dir nichts draus,\u201d tr\u00f6s\u00adtet mich Inge. \u201eunse\u00adre Rei\u00adse wird bestimmt auch ohne M\u00e4n\u00adner inter\u00ades\u00adsant. Hey, guck mal, da vor\u00adne geht\u2019s in den Bazar\u2026\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

19. August Als ich am Mor\u00adgen auf\u00adwa\u00adche, ist mei\u00adne Unter\u00adlip\u00adpe auf der lin\u00adken Sei\u00adte ganz taub und auf etwa das Dop\u00adpel\u00adte ange\u00adschwol\u00adlen. Offen\u00adbar habe ich mir im Schlaf irgend\u00adein Insekt vom Mund gewischt, wahr\u00adschein\u00adlich eine der gro\u00ad\u00dfen schwar\u00adzen Amei\u00adsen, die hier am Strand unter\u00adwegs sind, und das Ding hat mich gebis\u00adsen. Eigent\u00adlich nicht wei\u00adter dra\u00adma\u00adtisch, \u2026 3. Krab\u00adbel\u00adzeug, M\u00e4n\u00adner und ande\u00adre Schwie\u00adrig\u00adkei\u00adten<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":183,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"class_list":["post-196","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/196","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=196"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/196\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1817,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/196\/revisions\/1817"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=196"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}