define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":200,"date":"2014-05-31T17:51:09","date_gmt":"2014-05-31T15:51:09","guid":{"rendered":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=200"},"modified":"2019-01-11T14:30:38","modified_gmt":"2019-01-11T13:30:38","slug":"4-froehliche-frauen-und-ein-frommer-mann","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=200","title":{"rendered":"4. Fr\u00f6hliche Frauen und ein frommer Mann"},"content":{"rendered":"

Der Gro\u00ad\u00dfe Bazar<\/a> von Istan\u00adbul ist wirk\u00adlich gro\u00df.<\/p>\n

Wenn man, wie wir, die Aus\u00adla\u00adgen der Tex\u00adtil- und Schmuck-L\u00e4den gr\u00fcnd\u00adlich in Augen\u00adschein neh\u00admen und Prei\u00adse ver\u00adglei\u00adchen will, soll\u00adte man wirk\u00adlich etwas mehr Zeit mit\u00adbrin\u00adgen und den Rund\u00adgang nicht erst am sp\u00e4\u00adten Nach\u00admit\u00adtag begin\u00adnen. <\/span> Inge und ich beschlie\u00ad\u00dfen also, dass wir am n\u00e4chs\u00adten Tag noch einen Bazar-Bum\u00admel machen werden.
\nZumin\u00addest habe ich schon eine Idee, was ich mir hier zule\u00adgen m\u00f6ch\u00adte. In eini\u00adgen Juwe\u00adlier\u00adge\u00adsch\u00e4f\u00adten habe ich Fin\u00adger\u00adrin\u00adge mit ein\u00adge\u00adar\u00adbei\u00adte\u00adten Blu\u00admen\u00adran\u00adken oder Tier\u00adk\u00f6p\u00adfen aus bunt email\u00adlier\u00adtem Sil\u00adber gese\u00adhen, die mir gut gefallen.
\n Bevor ich mir aber so einen Ring (mit einem L\u00f6wen\u00adkopf) kau\u00adfe, wer\u00adde ich mir von den erfah\u00adre\u00adnen Asi\u00aden\u00adfah\u00adrern erst ein\u00admal ein paar Tipps zur hohen Kunst des Feil\u00adschens geben lassen\u2026<\/p>\n

Am Abend essen wir nur noch eine Klei\u00adnig\u00adkeit im Hof des \u201eYouth Hos\u00adtels\u201d und unter\u00adhal\u00adten uns mit einem kana\u00addi\u00adschen P\u00e4r\u00adchen, das eben\u00adfalls auf dem Weg nach Nepal ist; sie wol\u00adlen das K\u00f6nig\u00adreich im Hima\u00adla\u00adja mit \u00f6ffent\u00adli\u00adchen Ver\u00adkehrs\u00admit\u00adteln erreichen.
\nAuch nach Son\u00adnen\u00adun\u00adter\u00adgang ist es immer noch sehr warm.
\nSelbst wenn man es den Ein\u00adhei\u00admi\u00adschen nach\u00admacht und sich gem\u00e4ch\u00adlich und ohne jede Hek\u00adtik bewegt, schwitzt man st\u00e4n\u00addig und braucht ent\u00adspre\u00adchend viel Fl\u00fcssigkeit.
\nDa Cola oder Limo\u00adna\u00adden nur noch durs\u00adti\u00adger machen, habe ich den gan\u00adzen Tag lang vie\u00adle Gl\u00e4\u00adser s\u00fc\u00dfen und star\u00adken
\u00c7ay<\/a> (Tee) getrun\u00adken \u2013 und mache mir jetzt Gedan\u00adken, ob ich wohl wer\u00adde schla\u00adfen k\u00f6n\u00adnen. Aber die Sor\u00adge ist unbe\u00adgr\u00fcn\u00addet \u2013 nach\u00addem ich mir kurz den Schwei\u00df abge\u00adsp\u00fclt und (mit Mine\u00adral\u00adwas\u00adser\u2026) die Z\u00e4h\u00adne geputzt habe, schla\u00adfe ich s\u00fc\u00df und selig.
\n
\n22. August<\/p>\n

\u201e<\/span>Fr\u00fch\u00adst\u00fc\u00adcken wir hier oder im Pud\u00adding Shop?\u201d
\nIch schla\u00adge den
\u201ePud\u00adding Shop\u201d<\/a> vor, denn dort habe ich ges\u00adtern am Schwar\u00adzen Brett einen Wer\u00adbe\u00adzet\u00adtel f\u00fcr ein \u201eHamam<\/a> for Women\u201d gese\u00adhen. Und in so ein \u201eT\u00fcr\u00adki\u00adsches Bad\u201d woll\u00adte ich schon immer mal.
\n\u201eDas ist doch so etwas \u00c4hn\u00adli\u00adches wie eine Sau\u00adna,\u201d meint Inge stirn\u00adrun\u00adzelnd, \u201eist es dir etwa immer noch nicht hei\u00df genug?\u201d
\n\u201eOch, ich fin\u00adde Sau\u00adnen im Hoch\u00adsom\u00admer ganz ange\u00adnehm. Da hat man ja auch jede Men\u00adge kal\u00adtes Was\u00adser zum Abk\u00fch\u00adlen. Au\u00dfer\u00addem soll es in die\u00adsen Dampf\u00adb\u00e4\u00addern viel sch\u00f6\u00adner sein als in einer Sau\u00adna, alles sehr edel, viel Marmor\u2026\u201d
\n\u201eUnd weit und breit kein ein\u00adzi\u00adger Mann,\u201d feixt Inge. Mei\u00adne Spe\u00adku\u00adla\u00adtio\u00adnen hin\u00adsicht\u00adlich der Mas\u00adsen von Ver\u00adeh\u00adrern, die uns dem\u00adn\u00e4chst zu F\u00fc\u00dfen lie\u00adgen m\u00fcss\u00adten, schei\u00adnen sie immer noch zu am\u00fc\u00adsie\u00adren. \u201eOkay, du hast mich \u00fcber\u00adzeugt. Lass uns ins T\u00fcr\u00adki\u00adsche Bad gehen.\u201d<\/p>\n

<\/p>\n

Im \u201ePud\u00adding Shop\u201d sitzt schon wie\u00adder (fast) die glei\u00adche Run\u00adde von Indi\u00aden\u00adfah\u00adrern wie ges\u00adtern. Istan\u00adbul ist so eine auf\u00adre\u00adgen\u00adde Stadt, den\u00adke ich, und die sit\u00adzen hier den lie\u00adben lan\u00adgen Tag her\u00adum und erz\u00e4h\u00adlen sich Geschich\u00adten von woanders.
\nViel\u00adleicht hat sich Cathe\u00adri\u00adne gera\u00adde etwas \u00c4hn\u00adli\u00adches \u00fcber\u00adlegt, oder die pala\u00advern\u00adde Her\u00adren\u00adrun\u00adde f\u00e4ngt an, sie zu lang\u00adwei\u00adlen. Jeden\u00adfalls will sie mit\u00adkom\u00admen ins Frau\u00aden-Hamam, und auch Anna schlie\u00dft sich uns an.
\nDank einer Skiz\u00adze auf dem Wer\u00adbe\u00adzet\u00adtel haben wir das Bad schnell gefunden.<\/p>\n

<\/p>\n

Als wir uns ent\u00adklei\u00addet und gewa\u00adschen haben und mit einem um die H\u00fcf\u00adte geschlun\u00adge\u00adnem Baum\u00adwoll\u00adtuch den gro\u00ad\u00dfen Haupt\u00adraum betre\u00adten, schl\u00e4gt uns schw\u00fc\u00adle Hit\u00adze ent\u00adge\u00adgen. Hier drin\u00adnen ist es tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich noch <\/em>w\u00e4r\u00admer als drau\u00ad\u00dfen, und die Luft\u00adfeuch\u00adtig\u00adkeit ist so enorm, dass das Kon\u00addens\u00adwas\u00adser in klei\u00adnen B\u00e4chen an den W\u00e4n\u00adden hin\u00adab rinnt..
\nEs ist wirk\u00adlich ein pr\u00e4ch\u00adti\u00adger Bau. Die Kup\u00adpel \u00fcber dem hohen, run\u00adden Raum ist reich mit Mosai\u00adken aus\u00adge\u00adschm\u00fcckt, W\u00e4n\u00adde, Boden und das Stu\u00adfen\u00adpo\u00addest zum Sit\u00adzen bestehen aus Mar\u00admor. In den W\u00e4n\u00adden rings\u00adum gibt es stei\u00adner\u00adne Was\u00adser\u00adbe\u00adcken und Zug\u00e4n\u00adge zu wei\u00adte\u00adren, klei\u00adnen Waschr\u00e4umen.
\nAu\u00dfer uns sind nur wei\u00adte\u00adre drei Frau\u00aden anwe\u00adsend, zwei Fran\u00adz\u00f6\u00adsin\u00adnen und eine \u00d6ster\u00adrei\u00adche\u00adrin, wie sich her\u00adaus\u00adstellt. Auch sie haben durch den Aus\u00adhang im \u201ePud\u00adding Shop\u201d hier\u00adher gefun\u00adden. \u201eDas ist hier anschei\u00adnend ein Hamam f\u00fcr Tou\u00adris\u00adten-Frau\u00aden,\u201d mut\u00adma\u00dft Catherine.<\/p>\n

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Mit der Zeit gew\u00f6hnt man sich an die war\u00adme, feuch\u00adte Luft, und wir schwit\u00adzen erge\u00adben vor uns hin. Zwi\u00adschen\u00addurch, erkl\u00e4rt uns die \u00d6ster\u00adrei\u00adche\u00adrin, geht man immer wie\u00adder zu einem der Wasch\u00adbe\u00adcken, l\u00e4sst war\u00admes oder kal\u00adtes Was\u00adser in einen Plas\u00adtik\u00adkrug lau\u00adfen und \u00fcber\u00adgie\u00dft sich damit. Das Plas\u00adtik\u00adge\u00adf\u00e4\u00df ist ein\u00addeu\u00adtig ein Stil\u00adbruch, ange\u00adsichts des vie\u00adlen Mar\u00admors und der Was\u00adser\u00adh\u00e4h\u00adne, die zwar wohl kaum aus Gold sind, aber so gl\u00e4n\u00adzen, als w\u00e4ren sie es\u2026
\nZwei in T\u00fccher gewi\u00adckel\u00adte t\u00fcr\u00adki\u00adsche Frau\u00aden kom\u00admen her\u00adein und fra\u00adgen, ob wir \u00c7ay m\u00f6ch\u00adten. Ja, wir alle wol\u00adlen Tee, und als Anna auf ihre Ziga\u00adret\u00adten zeigt und mit den H\u00e4n\u00adden eine Scha\u00adle formt, bekom\u00admen wir auch Aschenbecher.<\/p>\n

Es ist eine wun\u00adder\u00advol\u00adle Oase der Ent\u00adspan\u00adnung inmit\u00adten die\u00adser l\u00e4r\u00admen\u00adden, stau\u00adbi\u00adgen Gro\u00df\u00adstadt. Wir sit\u00adzen oder lie\u00adgen auf dem Mar\u00admor\u00adpo\u00addest her\u00adum, rau\u00adchen, trin\u00adken Tee, schwit\u00adzen und schwatzen.
\nAls wir nach meh\u00adre\u00adren Stun\u00adden wie\u00adder auf die Stra\u00ad\u00dfe hin\u00adaus\u00adtre\u00adten, ler\u00adnen wir eine der gro\u00df\u00adar\u00adtigs\u00adten Wir\u00adkun\u00adgen eines \u201eT\u00fcr\u00adki\u00adschen Bads\u201d ken\u00adnen: Obwohl es voll\u00adkom\u00admen wind\u00adstill ist und die Tem\u00adpe\u00adra\u00adtur nach wie vor um die 35 Grad betr\u00e4gt, kommt uns die tro\u00adcke\u00adne Luft hier drau\u00ad\u00dfen auf ein\u00admal bei\u00adna\u00adhe k\u00fchl vor!<\/p>\n

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Herr\u00adlich erfrischt machen Inge und ich uns auf zum Kapa\u00adl\u00c4\u0460\u00ad\u00c7ar\u015f\u00c4\u046c dem \u201eGro\u00ad\u00dfen Bazar\u201d.
\nDass wir uns ges\u00adtern gr\u00fcnd\u00adlich umge\u00adguckt, aber nichts gekauft haben, zahlt sich heu\u00adte aus. Inge ersteht eine Umh\u00e4n\u00adge\u00adta\u00adsche aus Tep\u00adpichstoff und ich kau\u00adfe mei\u00adnen L\u00f6wen\u00adring aus email\u00adlier\u00adtem Sil\u00adber \u2013 und bei\u00addes erste\u00adhen wir f\u00fcr etwa die H\u00e4lf\u00adte des Gel\u00addes, das wir ges\u00adtern ver\u00admut\u00adlich bezahlt h\u00e4t\u00adten. Auf dem R\u00fcck\u00adweg keh\u00adren wir im Pud\u00adding Shop ein, um dort zu Abend zu essen \u2013 und nat\u00fcr\u00adlich, um den Ande\u00adren unse\u00adre Ein\u00adk\u00e4u\u00adfe zu zei\u00adgen. \u00dcber\u00adra\u00adschen\u00adder\u00adwei\u00adse sehen wir aber dies\u00admal kein bekann\u00adtes Gesicht im Restaurant.<\/p>\n

\"01d_pudd.jpg\"<\/p>\n

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Nat\u00fcr\u00adlich sind trotz\u00addem, wie um die\u00adse Zeit \u00fcblich, alle Tische besetzt.
\nInge und ich wol\u00adlen gera\u00adde wie\u00adder gehen, als ich ganz hin\u00adten links einen Tisch ent\u00adde\u00adcke, an dem eine ein\u00adzel\u00adne Frau sitzt. Ich tip\u00adpe Inge auf den Arm und mache sie auf den Tisch auf\u00admerk\u00adsam \u2013 \u201ekomm, wir fra\u00adgen mal, ob wir uns da mit hin\u00adset\u00adzen k\u00f6nnen.\u201d
\nEs ist eine \u00e4lte\u00adre Frau mit grau\u00aden, zu einem dicken Zopf gefloch\u00adte\u00adnen Haa\u00adren, und sie hat nichts dage\u00adgen, dass wir an ihrem Tisch Platz neh\u00admen. Im Gegen\u00adteil, sie scheint es sogar ganz nett zu fin\u00adden, beim Essen Gesell\u00adschaft und Gespr\u00e4chs\u00adpart\u00adner zu haben, denn als pl\u00f6tz\u00adlich Cathe\u00adri\u00adne neben dem Tisch steht und fragt, ob sie sich auch noch dazu\u00adset\u00adzen darf, lacht sie freund\u00adlich und l\u00e4dt sie mit einer Hand\u00adbe\u00adwe\u00adgung ein, neben ihr Platz zu nehmen.<\/p>\n

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Als der Kell\u00adner an unse\u00adre Tisch kommt, fragt sie uns nach unse\u00adren W\u00fcn\u00adschen und gibt dann die Bestel\u00adlung in flie\u00ad\u00dfen\u00addem T\u00fcr\u00adkisch auf.
\nWir erfah\u00adren, dass sie Ame\u00adri\u00adka\u00adne\u00adrin ist, dass sie als jun\u00adge Frau zum ers\u00adten Mal nach Istan\u00adbul kam und danach immer wie\u00adder, und dass sie nun schon seit 16 Jah\u00adren in die\u00adser Stadt wohnt.
\nSie k\u00f6n\u00adne sich gar nicht mehr vor\u00adstel\u00adlen, irgend\u00adwo anders zu leben, sagt sie \u2013 in Istan\u00adbul tr\u00e4\u00adfen nicht nur Euro\u00adpa und Asi\u00aden auf\u00adein\u00adan\u00adder, son\u00addern man k\u00f6n\u00adne in die\u00adser Stadt auch das Bes\u00adte aus den Kul\u00adtu\u00adren bei\u00adder Kon\u00adti\u00adnen\u00adte finden.
\nSie erz\u00e4hlt von einem t\u00fcr\u00adki\u00adschen Gesch\u00e4fts\u00admann, des\u00adsen Gelieb\u00adte sie vie\u00adle Jah\u00adre lang war. Als sie ihn w\u00e4h\u00adrend ihrer ers\u00adten Euro\u00adpa\u00adrei\u00adse ken\u00adnen lern\u00adte, war sie mit einem Ame\u00adri\u00adka\u00adner ver\u00adlobt, den sie nach ihrer R\u00fcck\u00adkehr in New York hei\u00adra\u00adte\u00adten soll\u00adte. Wegen des wesent\u00adlich \u00e4lte\u00adren Man\u00adnes aus Istan\u00adbul \u2013 \u201ebut I tell you, I had the best sex in my life with this guy\u2026\u201d \u2013 lie\u00df sie die Ver\u00adlo\u00adbung plat\u00adzen, nahm einen Job in der euro\u00adp\u00e4i\u00adschen Nie\u00adder\u00adlas\u00adsung einer ame\u00adri\u00adka\u00adni\u00adschen Com\u00adpa\u00adny in Genf an und reis\u00adte mehr\u00admals im Jahr in die T\u00fcr\u00adkei zu ihrem Liebhaber.
\nAls er starb, erb\u00adte sie zu ihrer \u00dcber\u00adra\u00adschung das \u201esum\u00admer house\u201d am Bos\u00adpo\u00adrus-Ufer, in dem sie w\u00e4h\u00adrend ihrer Besu\u00adche in der Stadt immer gewohnt hat\u00adte. Sie spricht mit gro\u00ad\u00dfer W\u00e4r\u00adme von dem Ver\u00adstor\u00adbe\u00adnen. Sie berich\u00adtet auch von den K\u00fcnst\u00adlern, die in jenen Tagen in ihrem Haus zu Gast waren, von Musi\u00adkern, Schrift\u00adstel\u00adlern und Schauspielern.<\/p>\n

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Inge, Cathe\u00adri\u00adne und ich lau\u00adschen hingerissen.
\nBei\u00adna\u00adhe ver\u00adges\u00adse ich zu essen.
\nNie\u00admals zuvor habe ich eine Frau in die\u00adsem Alter ken\u00adnen gelernt \u2013 sie ist bestimmt eini\u00adge J\u00e4hr\u00adchen \u00e4lter als mei\u00adne Mut\u00adter \u2013 die ein so unkon\u00adven\u00adtio\u00adnel\u00adles, eigen\u00adwil\u00adli\u00adges Leben gef\u00fchrt hat. Und auch noch der\u00adart frei\u00adm\u00fc\u00adtig davon erz\u00e4hlt.
\nSie hat sich ganz offen\u00adsicht\u00adlich nie dar\u00adum gek\u00fcm\u00admert, was ihre Fami\u00adlie \u2013 oder \u201eman\u201d, die Gesell\u00adschaft \u2013 von ihr erwar\u00adtet haben, son\u00addern ist unbe\u00adirrt ihren Weg gegangen.
\n\u201eAnd here I am \u2013 sit\u00adting in the Pud\u00adding Shop, when\u00adever I feel like having a litt\u00adle eng\u00adlish con\u00adver\u00adsa\u00adti\u00adon,\u201d been\u00addet die Ame\u00adri\u00adka\u00adne\u00adrin l\u00e4chelnd ihre Geschichte.<\/p>\n

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Nun will sie wis\u00adsen, was uns nach Istan\u00adbul gef\u00fchrt hat und was wir denn, zum Bei\u00adspiel, heu\u00adte gemacht h\u00e4tten.
\nZuerst sind wir ein biss\u00adchen befan\u00adgen, aber dann erz\u00e4h\u00adlen Inge und ich von unse\u00adrem Baz\u00adar\u00adbum\u00admel und zei\u00adgen unse\u00adre Ein\u00adk\u00e4u\u00adfe. Sie fin\u00addet mei\u00adnen Sil\u00adber\u00adring sehr h\u00fcbsch (zumin\u00addest sagt sie es), und das freut mich unge\u00admein. Auch ist sie der Mei\u00adnung, dass wir Schmuck\u00adst\u00fcck und Tasche recht preis\u00adg\u00fcns\u00adtig erwor\u00adben haben.
\nDen Bericht \u00fcber unse\u00adren Hamam-Besuch fin\u00addet sie erhei\u00adternd \u2013 und best\u00e4\u00adtigt Cathe\u00adri\u00adnes Ver\u00admu\u00adtung, dass es ein \u201eTou\u00adris\u00adten-Hamam\u201d gewe\u00adsen sei. T\u00fcr\u00adki\u00adsche Frau\u00aden w\u00fcr\u00adden dort aus meh\u00adre\u00adren Gr\u00fcn\u00adden nicht hin\u00adge\u00adhen: Weil sich dort zu vie\u00adle Frau\u00aden aus dem Wes\u00adten auf\u00adhiel\u00adten, weil es zu teu\u00ader sei und weil trotz des hohen Ein\u00adtritts\u00adprei\u00adses \u00fcber\u00adhaupt kein Ser\u00advice gebo\u00adten w\u00fcrde.
\nWir wider\u00adspre\u00adchen \u2013 gar kein Ser\u00advice sei nicht rich\u00adtig. Man hat uns dort immer\u00adhin Tee serviert\u2026
\nDie \u00e4lte\u00adre Frau lacht, bis ihr Tr\u00e4\u00adnen in den Augen stehen.
\nTee, prus\u00adtet sie, bek\u00e4\u00adme man in der T\u00fcr\u00adkei \u00fcber\u00adall ser\u00adviert. Das sei kein \u201eSer\u00advice\u201d.<\/p>\n

\u201e<\/span>Did a nat\u2019r give you a massage?\u201d
\nNatir? Mas\u00adsa\u00adge? Wir sehen sie fra\u00adgend an.
\n\u201eOkay, wait a minu\u00adte.\u201d Sie wischt sich eine Lach\u00adtr\u00e4\u00adne aus dem Auge, kramt einen Kugel\u00adschrei\u00adber aus ihrer Tasche und krit\u00adzelt einen gro\u00adben Lage\u00adplan auf eine Serviette.
\n\u201eHere we have the Pud\u00adding Shop. And you\u2019ve been in this Hamam today, right? Look, here ist the bazar\u2026\u201d Wir gucken auf die Skiz\u00adze und nicken.
\n\u201eOkay. Tomor\u00adrow you should go the\u00adre\u2026\u201d Sie malt ein gro\u00ad\u00dfes Kreuz etwas wei\u00adter rechts. \u201eThe\u00adre you\u2019ll find out, what \u2019ser\u00advice\u2019 in a Hamam means!\u201d
\n
\n23. August<\/p>\n

Inge und ich haben uns mit Cathe\u00adri\u00adne f\u00fcr etwa zehn Uhr ver\u00adab\u00adre\u00addet, weil wir nun nat\u00fcr\u00adlich auch noch in das \u201erich\u00adti\u00adge\u201d Hamam wol\u00adlen. Treff\u00adpunkt ist \u2013 was sonst \u2013 der \u201ePud\u00adding Shop\u201d. Als wir dort ankom\u00admen, sit\u00adzen auch Anna, Rosi und Agnes in der Run\u00adde der Indi\u00aden\u00adfah\u00adrer, und wol\u00adlen eben\u00adfalls mit.
\nZum ers\u00adten Mal unter\u00adneh\u00admen alle sechs Frau\u00aden aus dem 608 etwas gemeinsam\u2026
\nDie\u00adses
Hamam<\/a> ist nicht ganz so leicht zu fin\u00adden wie das, in dem wir ges\u00adtern gewe\u00adsen sind, der Ein\u00adgang f\u00fcr Frau\u00aden liegt ver\u00adsteckt in einer Neben\u00adstra\u00ad\u00dfe. Nach dem Aus\u00adklei\u00adden und Duschen geht es hin\u00adauf in den ers\u00adten Stock in das eigent\u00adli\u00adche, von einer Kup\u00adpel gekr\u00f6n\u00adten Dampfbad.
\nHier sind wir die ein\u00adzi\u00adgen Aus\u00adl\u00e4n\u00adde\u00adrin\u00adnen, und es wird aus\u00adschlie\u00df\u00adlich t\u00fcr\u00adkisch gespro\u00adchen. Eine Ver\u00adst\u00e4n\u00addi\u00adgung ist nur mit H\u00e4n\u00adden und F\u00fc\u00dfen m\u00f6g\u00adlich, was aber \u00fcber\u00adra\u00adschend gut klappt.
\nDie Istan\u00adbu\u00adler Besu\u00adche\u00adrin\u00adnen fin\u00adden uns h\u00f6chst am\u00fc\u00adsant und bedeu\u00adten uns kichernd, was wir in wel\u00adcher Rei\u00adhen\u00adfol\u00adge tun sollen.<\/p>\n

Es sind Frau\u00aden jeden Alters, wun\u00adder\u00adsch\u00f6\u00adne jun\u00adge M\u00e4d\u00adchen mit h\u00fcft\u00adlan\u00adgen, raben\u00adschwar\u00adzen Haa\u00adren, mol\u00adli\u00adge Mamas mit Kin\u00addern \u2013 zu unse\u00adrem Erstau\u00adnen lau\u00adfen sogar zwei f\u00fcnf- oder sechs\u00adj\u00e4h\u00adri\u00adge Jun\u00adgen im Haupt\u00adraum umher \u2013 und auch eini\u00adge alte Frau\u00aden, man\u00adche ganz d\u00fcrr, ande\u00adre eher unf\u00f6rmig.
\nIch habe noch nie eine alte Frau nackt (oder zumin\u00addest fast nackt) gese\u00adhen und bin total fas\u00adzi\u00adniert, bem\u00fc\u00adhe mich aber, die Ladies nicht anzustarren.<\/p>\n

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Da habe ich nun immer geglaubt, Wun\u00adder wie auf\u00adge\u00adkl\u00e4rt und unver\u00adklemmt zu sein \u2013 schlie\u00df\u00adlich brach in West\u00adeu\u00adro\u00adpa die \u201esexu\u00adel\u00adle Revo\u00adlu\u00adti\u00adon\u201d aus, als ich grad in der Puber\u00adt\u00e4t war \u2013 und habe mit\u00adlei\u00addig (was in die\u00adsem Fall nichts ande\u00adres bedeu\u00adte\u00adte als: hoch\u00adm\u00fc\u00adtig) auf die auch bei die\u00adser Affen\u00adhit\u00adze von Kopf bis Fu\u00df ver\u00adh\u00fcll\u00adten t\u00fcr\u00adki\u00adschen Frau\u00aden her\u00adab\u00adge\u00adse\u00adhen\u2026 von denen die meis\u00adten wohl nur die Chan\u00adce auf einen ein\u00adzi\u00adgen Sexu\u00adal\u00adpart\u00adner im Leben haben, ihren Ehe\u00admann. Und den haben wom\u00f6g\u00adlich ihre Eltern f\u00fcr sie ausgesucht.
\nHier sit\u00adzen sie nun, die von mir Bedau\u00ader\u00adten, und machen abso\u00adlut kei\u00adnen bedau\u00aderns\u00adwer\u00adten Ein\u00addruck. Sie waschen oder f\u00e4r\u00adben sich gegen\u00adsei\u00adtig die Haa\u00adre, lachen, scher\u00adzen, haben enorm viel Spa\u00df mit\u00adein\u00adan\u00adder und genie\u00ad\u00dfen offen\u00adsicht\u00adlich jede Minu\u00adte in die\u00adser fried\u00adli\u00adchen klei\u00adnen Welt ohne M\u00e4n\u00adner. Ob es fr\u00fc\u00adher in einem osma\u00adni\u00adschen Harem wohl auch so ent\u00adspannt und hei\u00adter zuging?<\/p>\n

Ich den\u00adke an mei\u00adne Mut\u00adter, deren ein\u00adzi\u00adges Ver\u00adgn\u00fc\u00adgen mit ihren Freun\u00addin\u00adnen ein Kegel\u00adabend alle 14 Tage ist, und an ihr gest\u00f6r\u00adtes Ver\u00adh\u00e4lt\u00adnis zum eige\u00adnen K\u00f6r\u00adper. Ich \u00fcber\u00adle\u00adge, wie sel\u00adten ich in Ham\u00adburg mit ande\u00adren Frau\u00aden zusam\u00admen Spa\u00df hat\u00adte \u2013 weil wir jun\u00adgen, unge\u00adbun\u00adde\u00adnen Din\u00adger im Grun\u00adde genom\u00admen immer und \u00fcber\u00adall Kon\u00adkur\u00adren\u00adtin\u00adnen im Ren\u00adnen um die hei\u00ad\u00dfes\u00adten Typen sind. Und ich begrei\u00adfe, dass ich noch nie\u00admals neben einer nack\u00adten alte Frau geses\u00adsen habe, weil sich im Deutsch\u00adland der 70er Jah\u00adre eben nur jun\u00adge (und dem g\u00e4n\u00adgi\u00adgen Sch\u00f6n\u00adheits\u00adide\u00adal eini\u00adger\u00adma\u00ad\u00dfen ent\u00adspre\u00adchen\u00adde) M\u00e4dels in eine \u00f6ffent\u00adli\u00adche Sau\u00adna trau\u00aden\u2026 W\u00e4h\u00adrend hier, in die\u00adser \u201ealt\u00admo\u00addi\u00adschen\u201d Kul\u00adtur, schon klei\u00adne Kin\u00adder ganz selbst\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adlich und am leben\u00adden Bei\u00adspiel ler\u00adnen, wie ver\u00adg\u00e4ng\u00adlich die glat\u00adte Sch\u00f6n\u00adheit der Jugend ist.
\nWer hat da wohl das unver\u00adklemm\u00adte\u00adre Ver\u00adh\u00e4lt\u00adnis zum mensch\u00adli\u00adchen K\u00f6rper?<\/p>\n

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Nach\u00addem wir etwa eine Vier\u00adtel\u00adstun\u00adde lang geschwitzt, Tee getrun\u00adken und uns ein ums ande\u00adre Mal mit Was\u00adser \u00fcber\u00adgos\u00adsen haben, kommt eine gro\u00ad\u00dfe, alte Frau auf son\u00adder\u00adba\u00adren Holz\u00adlat\u00adschen her\u00adein, die ein Tuch um die H\u00fcf\u00adte tr\u00e4gt und von den Frau\u00aden beson\u00adders respekt\u00advoll behan\u00addelt wird.
\nEine t\u00fcr\u00adki\u00adsche Bad\u00adbe\u00adsu\u00adche\u00adrin, die ein paar Wor\u00adte Eng\u00adlisch spricht, erkl\u00e4rt uns, dies sei die \u201eNatir\u201d, die Bade\u00adfrau, und sie wol\u00adle wis\u00adsen, wer von uns eine \u201eMas\u00adsa\u00adge\u201d w\u00fcnscht.
\nDie Natir ist zwar alt, sieht aber bemer\u00adkens\u00adwert mus\u00adku\u00adl\u00f6s aus\u2026 Mei\u00adne Mit\u00adrei\u00adsen\u00adden win\u00adken eine nach der ande\u00adren ab, und am Ende ris\u00adkie\u00adren es nur Cathe\u00adri\u00adne und ich, uns in die H\u00e4n\u00adde die\u00adser alten Dame mit der Rin\u00adger\u00ads\u00adta\u00adtur zu begeben.<\/p>\n

Sie winkt mich zu einer stei\u00adner\u00adnen Lie\u00adge\u00adbank und bedeu\u00adtet mir, mich b\u00e4uch\u00adlings dar\u00adauf zu legen. Was dann pas\u00adsiert, hat mit einer \u201eMas\u00adsa\u00adge\u201d, wie ich sie ken\u00adne, wenig zu tun.
\nDie Bade\u00adfrau streift sich eine Art Wasch\u00adhand\u00adschuh aus gro\u00adbem, krat\u00adzi\u00adgen Mate\u00adri\u00adal (ich hal\u00adte es f\u00fcr Sisal, erfah\u00adre aber sp\u00e4\u00adter, dass es Zie\u00adgen\u00adhaar sein soll) \u00fcber die rech\u00adte Hand und beginnt, mich damit von oben bis unten kr\u00e4f\u00adtig abzuschrubben.
\nEs brennt ordent\u00adlich, aber ich will mich nicht bla\u00admie\u00adren und gebe kei\u00adnen Mucks von mir, auch nicht, als sie mich hand\u00adgreif\u00adlich dazu n\u00f6tigt, mich umzu\u00addre\u00adhen, und mei\u00adne emp\u00adfind\u00adli\u00adche\u00adre Vor\u00adder\u00adfront mit den\u00adsel\u00adben ener\u00adgi\u00adschen Bewe\u00adgun\u00adgen abrubbelt.
\nEnt\u00adspann dich, sage ich mir, die macht das dau\u00adernd, die wird dich schon nicht ver\u00adlet\u00adzen. Schlie\u00df\u00adlich hat so eine Natir einen Ruf zu ver\u00adlie\u00adren\u2026 Und wirk\u00adlich: als ich mich in mein Schick\u00adsal erge\u00adbe, ist das Geschrub\u00adbel gar nicht mehr so \u00fcbel.<\/p>\n

\n
\"01_hamam.jpg\"<\/div>\n<\/div>\n

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Nach einer Wei\u00adle \u2013 es d\u00fcrf\u00adte sich inzwi\u00adschen kei\u00adne abge\u00adstor\u00adbe\u00adne Haut\u00adzel\u00adle, kein ein\u00adzi\u00adges Schwei\u00df- oder Schmutz\u00admo\u00adle\u00adk\u00fcl mehr auf mei\u00adnem Leib befin\u00adden \u2013 packt die Alte den Hand\u00adschuh bei\u00adsei\u00adte und nimmt von einem Sta\u00adpel wei\u00ad\u00dfer T\u00fccher das oberste.
\nEs han\u00addelt sich, wie ich jetzt sehe, um einen Stoff\u00adbeu\u00adtel, den sie kne\u00adtet und auf den Stein schl\u00e4gt und in den sie dann hin\u00adein\u00adbl\u00e4st, bis er anf\u00e4ngt, dicke Schaum\u00adflo\u00adcken abzu\u00adson\u00addern. Die S\u00e4cke sind offen\u00adbar mit Sei\u00adfe getr\u00e4nkt.
\nNun wer\u00adde ich mit wei\u00adchem, wun\u00adder\u00advoll duf\u00adten\u00adden Schaum bedeckt, und zwar so fl\u00e4\u00adchen\u00adde\u00adckend, dass ich vor\u00adsichts\u00adhal\u00adber die Augen schlie\u00ad\u00dfe und mich ganz aufs F\u00fch\u00adlen (und Rie\u00adchen) beschr\u00e4nke.
\nUnd ich f\u00fch\u00adle, ich wer\u00adde eingeseift\u2026<\/p>\n

Die Natir beginnt mit dem Gesicht, streicht \u00fcber die Wan\u00adgen, umkreist mei\u00adne Ohr\u00admu\u00adscheln, und pl\u00f6tz\u00adlich f\u00fch\u00adle ich ihre sei\u00adfi\u00adgen Fin\u00adger in<\/em> mei\u00adnen Ohren.
\nIch sto\u00ad\u00dfe unwill\u00adk\u00fcr\u00adlich ein lei\u00adses Kiek\u00adsen aus, weil das ein wenig kit\u00adzelt \u2013 und ich es ein\u00adfach voll\u00adkom\u00admen irre fin\u00adde, dass mir (einer erwach\u00adse\u00adnen jun\u00adgen Frau) jemand anders die Ohren w\u00e4scht.
\nUndeut\u00adli\u00adche Kind\u00adheits\u00ader\u00adin\u00adne\u00adrun\u00adgen stei\u00adgen an die Ober\u00adfl\u00e4\u00adche mei\u00adnes Bewusst\u00adseins, Erin\u00adne\u00adrun\u00adgen dar\u00adan, in einer klei\u00adnen Plas\u00adtik\u00adwan\u00adne mit war\u00admem Was\u00adser geses\u00adsen zu haben, w\u00e4h\u00adrend die sei\u00adfi\u00adgen Fin\u00adger mei\u00adner Mut\u00adter mei\u00adne Ohren reinigten\u2026
\nDie Bade\u00adfrau f\u00e4hrt fort, jeden Qua\u00addrat\u00adzen\u00adti\u00adme\u00adter mei\u00adnes K\u00f6r\u00adpers mit Sei\u00adfen\u00adschaum zu mas\u00adsie\u00adren. Sie dreht und wen\u00addet mich auf dem Mar\u00admor wie einen glit\u00adschi\u00adgen Fisch, hebt mei\u00adne Arme und Bei\u00adne an und cremt zuletzt jeden ein\u00adzel\u00adnen Zeh ein\u00adzeln mit Sei\u00adfe ein.
\nWie\u00adder ist es so, dass ich mich nur in die\u00adses unge\u00adwohn\u00adte Gef\u00fchl hin\u00adein\u00adfal\u00adlen las\u00adsen muss, und schon ist es nicht mehr unan\u00adge\u00adnehm. Nein, von die\u00adser alten Bade\u00adfrau ein\u00adge\u00adseift und gewa\u00adschen zu wer\u00adden wie ein Baby, ist sogar wundersch\u00f6n!<\/p>\n

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Am Ende der Mas\u00adsa\u00adge wer\u00adde ich mit meh\u00adre\u00adren Was\u00adser\u00adg\u00fcs\u00adsen abge\u00adsp\u00fclt und sit\u00adze leicht benom\u00admen auf der Marmorbank.
\nDie Natir kramt in ihrer Kis\u00adte, und als sie wie\u00adder zu mir her\u00ad\u00fcber kommt, ist sie dabei, ein alt\u00admo\u00addi\u00adsches Rasier\u00admes\u00adser an einem Wetz\u00adstein zu sch\u00e4r\u00adfen. Ich rei\u00ad\u00dfe mei\u00adne Augen miss\u00adtrau\u00adisch-fra\u00adgend auf und mache mit den H\u00e4n\u00adden eine abweh\u00adren\u00adde Bewe\u00adgung \u2013 was soll das jetzt wer\u00adden? Sie deu\u00adtet mit dem Mes\u00adser auf mei\u00adnen Scho\u00df. Sie will mein
Scham\u00adhaar ent\u00adfer\u00adnen<\/a>.
\nIch sch\u00fct\u00adte\u00adle ener\u00adgisch den Kopf: Nein, die\u00adsen Teil der Pro\u00adze\u00addur las\u00adsen wir weg.
\nDie Natir redet auf mich ein. Es h\u00f6rt sich an, als wenn sie mit einem unge\u00adzo\u00adge\u00adnen Kind schimpft. Auch eini\u00adge der Frau\u00aden im ande\u00adren Teil des Raums mischen sich ein, und die Frau, die etwas eng\u00adlisch kann, kommt her\u00ad\u00fcber und erkl\u00e4rt mir, dass unra\u00adsiert zu sein \u201eno good\u201d w\u00e4re. Viel\u00adleicht spricht sie aber auch nur \u201eno god\u201d etwas eigen\u00adar\u00adtig aus und meint, dass sich nicht zu rasie\u00adren irgend\u00adwie gott\u00adlos sei.
\nVor\u00adher habe ich gar nicht dar\u00adauf geach\u00adtet \u2013 die meis\u00adten Frau\u00aden tra\u00adgen ja auch ein Tuch um die H\u00fcf\u00adte \u2013 aber nun sehe ich, dass alle T\u00fcr\u00adkin\u00adnen Ach\u00adsel- und Scham\u00adhaar abra\u00adsiert haben.
\nTrotz\u00addem muss ich die net\u00adten Frau\u00aden ent\u00adt\u00e4u\u00adschen und wei\u00adge\u00adre mich ent\u00adschie\u00adden, die Nadir mit dem Rasier\u00admes\u00adser an mei\u00adnen Pelz zu las\u00adsen. Wie lan\u00adge habe ich \u2013 k\u00f6r\u00adper\u00adlich ein ech\u00adter \u201eSp\u00e4t\u00adent\u00adwick\u00adler\u201d \u2013 als Teen\u00adager dar\u00adauf war\u00adten m\u00fcs\u00adsen, bis da end\u00adlich ein paar H\u00e4r\u00adchen spros\u00adsen! Die wer\u00adde ich doch jetzt nicht die\u00adser alten Dame opfern, blo\u00df weil sie mir die Ohren gewa\u00adschen hat.<\/p>\n

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Als wir nach eini\u00adgen Stun\u00adden aus dem Hamam kom\u00admen, f\u00fch\u00adle ich mich gr\u00fcnd\u00adli\u00adcher gerei\u00adnigt als je zuvor \u2013 auf son\u00adder\u00adba\u00adre Wei\u00adse auch innerlich\u2026
\nInge und ich schlen\u00addern zur Blau\u00aden Moschee, die wir uns end\u00adlich auch mal von innen angu\u00adcken wol\u00adlen. Aber als wir dort ankom\u00admen, ruft der Muez\u00adzin gera\u00adde zum Gebet, und die Gl\u00e4u\u00adbi\u00adgen str\u00f6\u00admen zum Ein\u00adgang der Moschee. Wir beschlie\u00ad\u00dfen also, statt\u00addes\u00adsen zum Ufer des Bos\u00adpo\u00adrus hin\u00adun\u00adter\u00adzu\u00adge\u00adhen und dort ein Restau\u00adrant zu suchen. So ein Hamam-Besuch macht hungrig!
\n\u201eAber ich will unbe\u00addingt noch mal da rein,\u201d sagt Inge, \u201eimmer\u00adhin ist mor\u00adgen unser letz\u00adter Tag hier in Istan\u00adbul, und wir haben weder die Blaue Moschee, noch die Hagia Sophia, noch das Top\u00adka\u00adpi Muse\u00adum besich\u00adtigt. Ich wet\u00adte, Rosi und Agnes waren damit schon nach dem ers\u00adten Tag durch\u2026\u201d
\n\u201eDann machen wir eben mor\u00adgen das vol\u00adle Kul\u00adtur\u00adpro\u00adgramm,\u201d ver\u00adspre\u00adche ich ihr. \u201eSul\u00adtan Ahmed Moschee, Hagia Sophia, und wenn wir\u2019s schaf\u00adfen, auch noch den Topkapi-Palast!\u201d<\/p>\n

\"01c_ist.jpg\"<\/p>\n

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Wir kom\u00admen an einem Haus\u00adhalts\u00adwa\u00adren-Gesch\u00e4ft vor\u00adbei, und mir f\u00e4llt ein, dass ich mir noch eine Ess-Scha\u00adle kau\u00adfen woll\u00adte. Jeder von uns hat ja eige\u00adnes Geschirr und Besteck mit (f\u00fcr die unter\u00adwegs selbst zube\u00adrei\u00adte\u00adten Mahl\u00adzei\u00adten), aber ich habe in Grie\u00adchen\u00adland gemerkt, dass der Blech\u00adtel\u00adler, den ich dabei habe, unge\u00adeig\u00adnet ist \u2013 viel zu flach f\u00fcr auf dem Cam\u00adping\u00adko\u00adcher zube\u00adrei\u00adte\u00adte, ein\u00adto\u00adpf\u00adar\u00adti\u00adge Gerichte.
\nDer Laden ist gro\u00df, ver\u00adwin\u00adkelt und so voll\u00adge\u00adstopft mit den erstaun\u00adlichs\u00adten Din\u00adgen, dass wir uns eine gute Vier\u00adtel\u00adstun\u00adde dar\u00adin auf\u00adhal\u00adten. Schlie\u00df\u00adlich fin\u00adde ich eine email\u00adlier\u00adte Scha\u00adle (mit einem herr\u00adlich kit\u00adschi\u00adgen Rosen-Dekor), die umge\u00adrech\u00adnet weni\u00adger als eine Mark kos\u00adtet, und bezah\u00adle sie bei dem alten Herrn an der Kasse.<\/p>\n

Wir sind schon fast am Ende der Stra\u00ad\u00dfe ange\u00adkom\u00admen, als wir ein lau\u00adtes \u201eHal\u00adlo! Hal\u00adlo!\u201d hin\u00adter uns h\u00f6ren. Als wir uns umdre\u00adhen, sehen wir einen Jun\u00adgen ange\u00adrannt kom\u00admen, der wild die Arme schwenkt und mit sei\u00adnen Rufen offen\u00adbar uns meint.
\n\u201eYou come, you come shop,\u201d st\u00f6\u00dft er atem\u00adlos her\u00advor, als er uns erreicht hat.
\nErst bin ich etwas unwil\u00adlig \u2013 hat der Alte sich etwa \u00fcber\u00adlegt, dass er von einer Tou\u00adris\u00adtin mehr ver\u00adlan\u00adgen k\u00f6nn\u00adte? \u2013 aber dann beschlie\u00ad\u00dfen wir doch, dem Kna\u00adben zur\u00fcck zum Laden zu folgen.<\/p>\n

Dort steht der alte Mann vor dem Ver\u00adkaufs\u00adtre\u00adsen. Und reicht mir freund\u00adlich l\u00e4chelnd mei\u00adnen Brust\u00adbeu\u00adtel, in dem sich mein Pass, mein Impf\u00adaus\u00adweis, mei\u00adne Ame\u00adri\u00adcan Express Tra\u00advel\u00adler Schecks und etwa acht\u00adhun\u00addert Mark in bar befin\u00adden. Ich hat\u00adte ihn zusam\u00admen mit mei\u00adner Klein\u00adgeld-B\u00f6r\u00adse her\u00adaus\u00adge\u00adholt und auf den Tre\u00adsen gelegt \u2013 und dann offen\u00adbar nur mei\u00adne B\u00f6r\u00adse wie\u00adder ein\u00adge\u00adsteckt. Ich krie\u00adge ganz wei\u00adche Knie.
\nDer Laden\u00adin\u00adha\u00adber n\u00f6tigt mich, nach\u00adzu\u00adschau\u00aden, ob etwa fehlt.
\nIch wer\u00adfe einen fl\u00fcch\u00adti\u00adgen Blick hin\u00adein \u2013 Aus\u00adwei\u00adse, Geld, Schecks, alles ist noch da.<\/p>\n

<\/p>\n

Was bin ich froh, dass ich mir in jedem Land, in das ich kom\u00adme, als Ers\u00adtes immer die fol\u00adgen\u00adden (mei\u00adner Ansicht nach wich\u00adtigs\u00adten) vier Wor\u00adte in der Lan\u00addes\u00adspra\u00adche ein\u00adzu\u00adpr\u00e4\u00adgen ver\u00adsu\u00adche: \u201eJa\u201d, \u201eNein\u201d, \u201eDan\u00adke\u201d und \u201eBit\u00adte\u201d. So kann ich mich wenigs\u00adtens in sei\u00adner Spra\u00adche bei ihm bedanken.
\n\u201eTe\u015fek\u00adk\u00fcr, Te\u015fek\u00adk\u00fcr eder\u00adim,\u201d wie\u00adder\u00adho\u00adle ich immer wieder.
\nDer alte Herr l\u00e4chelt nur und winkt ab. Er erkl\u00e4rt mir etwas, was ich nicht ver\u00adste\u00adhe, aber ich h\u00f6re das Wort \u201eAllah\u201d her\u00adaus. Als er dann noch gen Him\u00admel deu\u00adtet und wei\u00adse l\u00e4chelnd mit dem Kopf nickt, wei\u00df ich trotz der Sprach\u00adbar\u00adrie\u00adre, was er gesagt hat:<\/p>\n

\u201e<\/span>Gott sieht Alles.\u201d<\/p>\n

<\/p>\n

\u201e<\/span>Mensch, was bin ich f\u00fcr ein schus\u00adse\u00adli\u00adger Trot\u00adtel,\u201d seuf\u00adze ich, als wir wie\u00adder auf der Stra\u00ad\u00dfe ste\u00adhen, \u201ew\u00e4re der gute Mann nicht so ehr\u00adlich gewe\u00adsen, dann h\u00e4t\u00adte das eben f\u00fcr mich das Ende der Rei\u00adse bedeutet.\u201d
\n\u201eVor allem bist du ein Rie\u00adsen-Gl\u00fccks\u00adpilz,\u201d ant\u00adwor\u00adtet Inge. \u201eWenn ich bei die\u00adser Geschich\u00adte nicht selbst dabei gewe\u00adsen w\u00e4r\u2019, w\u00fcr\u00adde ich sie dir nicht glauben.\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Der Gro\u00ad\u00dfe Bazar von Istan\u00adbul ist wirk\u00adlich gro\u00df. Wenn man, wie wir, die Aus\u00adla\u00adgen der Tex\u00ad\u00ad\u00adtil- und Schmuck-L\u00e4den gr\u00fcnd\u00adlich in Augen\u00adschein neh\u00admen und Prei\u00adse ver\u00adglei\u00adchen will, soll\u00adte man wirk\u00adlich etwas mehr Zeit mit\u00adbrin\u00adgen und den Rund\u00adgang nicht erst am sp\u00e4\u00adten Nach\u00admit\u00adtag begin\u00adnen. Inge und ich beschlie\u00ad\u00dfen also, dass wir am n\u00e4chs\u00adten Tag noch einen Bazar-Bum\u00ad\u00admel machen \u2026 4. Fr\u00f6h\u00adli\u00adche Frau\u00aden und ein from\u00admer Mann<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":183,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"class_list":["post-200","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/200","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=200"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/200\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1818,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/200\/revisions\/1818"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=200"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}