define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":2024,"date":"2021-08-23T21:21:31","date_gmt":"2021-08-23T19:21:31","guid":{"rendered":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=2024"},"modified":"2024-04-16T18:02:11","modified_gmt":"2024-04-16T16:02:11","slug":"dieselstrasse-roman-von-franz-stadelmann","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=2024","title":{"rendered":"Dieselstra\u00dfe - Roman von Franz Stadelmann"},"content":{"rendered":"\n

Im Zusammenhang mit unserer Europarundfahrt 1978 hatte ich unter anderem auf Franz Stadelmann verwiesen, der mit seinem LKW die Orientroute befahren hat, auf der wir damals ebenfalls unterwegs waren, wenn auch nur bis Istanbul.<\/p>\n\n\n\n

Seine Erlebnisse und vieles, was er in Gespr\u00e4chen mit Fernfahrerkollegen auf dieser Route erfahren hat, hat er in seiner romanhaften Erz\u00e4hlung Dieselstra\u00dfe <\/em>verarbeitet, die jetzt wieder erh\u00e4ltlich ist.<\/p>\n\n\n\n

Franz Stadelmann: \u00abDieselstrasse\u00bb,  Neuauflage, Basel 2008, ISBN 978-3-033-01816-7, zu beziehen im Buchhandel oder \u00fcber die Website Orienttransport.ch<\/a><\/p>\n\n\n\n

\"Franz<\/a>
Franz Stadelmann, 1986 in Ankara<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Zum Verst\u00e4ndnis hilft es zu wissen, dass in den Siebzigern die \u00f6lf\u00f6rdernden Staaten des Nahen und Mittleren Ostens im gro\u00dfen Stil ihre Petrodollars in Europa ausgaben f\u00fcr Industrieanlagen, aber auch Annehmlichkeiten des pers\u00f6nlichen Bedarfs, von Waffen ganz zu schweigen. Diese wurden aus den europ\u00e4ischen Herkunftsl\u00e4ndern teils per Schiff, w\u00e4hrend der Siebziger aber vor allem per LKW angeliefert, obwohl jede Tour f\u00fcr Material und Fahrer eine enorme Strapaze darstellte.<\/p>\n\n\n\n

In diese Welt der Lastwagenfahrer f\u00fchrt uns das Buch ein. Peter Walter f\u00e4hrt Maschinenteile aus der Schweiz nach Teheran. Christine, eine junge Studentin, begleitet ihn auf Vermittlung ihres Vaters auf seiner Tour, vordergr\u00fcndig f\u00fcr eine Materialsammlung f\u00fcr ihre wissenschaftliche Arbeit. Neugier und Unzufriedenheit in ihrer eingefahrenen Beziehung spielen auch eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n

Nicht ganz \u00fcberraschend l\u00e4uft die erste Kontaktaufnahme zwischen dem alleine fahrenden, geschiedenen und als Unternehmer gescheiterten Fernfahrer und der reflektierten, k\u00fchlen Studentin der Sozialwissenschaften etwas holprig ab. Aber sie haben w\u00e4hrend der Fahrt genug Zeit um sich kennenzulernen. Christine akzeptiert, dass im herausfordernden Zeitplan einer 10.000 km-Tour ihre pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnisse wenig Platz haben und findet Gefallen an der minimalistischen Unterhaltung mit Peter. Peter nimmt sie auf in den Mikrokosmos seines Scania-Lastwagens, sie teilen die kleinen Annehmlichkeiten, mit denen Peter sich seine langen, einsamen Touren ertr\u00e4glich gemacht hat. <\/p>\n\n\n\n

W\u00e4hrend Kilometer um Kilometer auf Schotterpisten vorbeiziehen, \u00f6ffnet er sich und erz\u00e4hlt mehr von sich und von den Freuden und Risiken der langen Fahrt. Bei den wenigen l\u00e4ngeren Stopps treffen sie auf andere Fernfahrer, meist Bekannte von Peter, der nur die Marke ihres LKW benutzt, wenn er \u00fcber sie spricht. \"N\u00f6, der Fiat ist schon weg\". Die meisten Protagonisten sind irgendwie traumatisiert und geheimnisvoll, und man fragt sich, ob der Job ihnen das angetan hat oder ob es eine Voraussetzung war.<\/p>\n\n\n\n

Mir hat die genaue Beschreibung der langen Tour viel Spa\u00df gemacht. Der allwissende Erz\u00e4hler steht in keiner Weise \u00fcber den Dingen und hat einen richtigen Hass, wenn an der Grenzkontrolle jemand vordr\u00e4ngelt, der keine Tiere transportiert. Der Hass ist nicht reflektiert und moralisch, er sucht nach keine L\u00f6sung oder Vers\u00f6hnung. Er resigniert auch ein St\u00fcck weit vor einer Welt, deren Sprache er nicht versteht und deren Regeln fragw\u00fcrdig sind.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr Christine ver\u00e4ndert die Reise vieles.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierende Impressionen aus einer Welt, die es so heute nicht mehr gibt.<\/p>\n\n\n\n

Interview mit Franz Stadelmann auf bluewin.ch<\/h2>\n\n\n\n

Um sein Studium an der Universit\u00e4t Basel zu finanzieren, w\u00e4hlte der aus dem Kanton Luzern stammende Franz Stadelmann einen ganz speziellen Weg: Er fuhr Lastwagentransporte in dem Mittleren Osten. Das war damals, Anfang der 1980-er Jahre, eine harte und nicht ungef\u00e4hrliche Arbeit. Der Weg nach Teheran und wieder zur\u00fcck dauerte, beispielsweise, \u00fcber drei Wochen - und der Fahrer war dabei meistens allein und ganz auf sich gestellt.<\/p>\n\n\n\n

Dennoch \u00fcbte die Fahrt auf der \u00abDieselstrasse\u00bb eine gro\u00dfe Faszination auf Stadelmann aus - so gro\u00df, dass er seine Erlebnisse in einem Roman festhielt. Und 2009, 30 Jahre nach seinen ersten Fahrten in den Orient, machte er mit Kollegen die Reise noch einmal, um dabei alte Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.<\/a><\/a><\/p>\n\n\n\n

Franz Stadelmann befuhr alle damals wichtigen Destinationen: Saudi-Arabien, Kuwait, Irak und Iran. Er war auch im Libanon und in Libyen.<\/p>\n\n\n\n

Der Fernfahrer, Ethnologe und Buchautor hat f\u00fcr uns in sein Archiv gegriffen und eine Handvoll Fotos hervorgeholt, die er auf seinen Orientfahrten selbst aufgenommen hat. Au\u00dferdem hat er unsere Fragen beantwortet:<\/p>\n\n\n\n

Herr Stadelman: Wie kam es, dass Sie gerade diese Arbeit gew\u00e4hlt haben, um in den Semesterferien Geld zu verdienen?<\/h2>\n\n\n\n

Ich wuchs in einem Transportunternehmen auf und machte gleich mit 18 den F\u00fchrerschein. Mit 20 begann ich das Studium der Ethnologie an der Universit\u00e4t Basel und musste mich selber finanzieren. Die Arbeit als Fernfahrer in den Nahen Osten war f\u00fcr mich Abenteuer, Reisen und Geldverdienen in einem. Diese Aufgabe war f\u00fcr mich auch die eigentliche Schule des Lebens. Nat\u00fcrlich interessierte ich mich auch f\u00fcr Lastwagen und Logistik. Sp\u00e4ter ging ich in die Entwicklungshilfe nach Afrika und gr\u00fcndete dann in Madagaskar<\/a> eine Reiseorganisation<\/a>. Irgendwie bin ich dem Thema treu geblieben.<\/p>\n\n\n\n

Im Iran brach 1979 die islamische Revolution aus. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?<\/h2>\n\n\n\n

Ich war im Iran, dem damaligen Persien, noch zu Zeiten des Shahs, dann 1979\u00a0 w\u00e4hrend des Umsturzes und wiederholt auch sp\u00e4ter. Der Shah war sicher ein f\u00e4higer Herrscher auf gutem Weg. Aber er wollte wohl zu schnell zu viel erreichen und hat sich dann etwas verloren. Was danach kam, war nicht f\u00fcr alle eine Befreiung.\u00a0 Nat\u00fcrlich haben sich auch internationale M\u00e4chte eingemischt. Der Iran ist heute\u00a0 eines der sichersten Reisel\u00e4nder der Welt, aber politisch in die Ecke gedr\u00e4ngt. Es ist\u00a0 bedauerlich, dass dieses herrliche Land sich selber so im Weg steht und auch von\u00a0 au\u00dfen her so blockiert wird.<\/p>\n\n\n\n

Welche G\u00fcter wurden damals auf diesem Weg in den Mittleren Osten transportiert?<\/h2>\n\n\n\n

Transportiert wurde buchst\u00e4blich alles, also von Zement zu M\u00f6beln, von Medikamenten bis Maschinen. Die \u00d6ll\u00e4nder waren ja in den fr\u00fchen 1970er Jahren\u00a0 auf einen Schlag unermesslich reich geworden und hatten schnell auch unermesslich\u00a0 gro\u00dfe Pl\u00e4ne. Es entstanden ganze St\u00e4dte quasi aus dem Nichts und so gut wie alle\u00a0 Materialien kamen mit Lastwagen aus Europa, denn die H\u00e4fen waren auf Monate\u00a0 hinaus verstopft. Eine Tour in den Nahen Osten - ob nach Teheran, Bagdad oder\u00a0 Riad - dauerte im Schnitt drei Wochen: mit knapp 30 Tonnen hin und dann leer\u00a0 zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Haben Sie auch brenzlige Situationen erlebt, bei denen Sie sich nachher den Schwei\u00df von der Stirn wischen mussten?<\/h2>\n\n\n\n

Als Fernfahrer auf der Orientroute war man allein unterwegs und musste f\u00fcr alles sorgen: fahren, reparieren, Probleme mit Polizei und Zoll l\u00f6sen. Aber richtig brenzlig  waren die Fastunf\u00e4lle, die sich manchmal ereigneten. Einen richtigen Unfall hatte  ich zum Gl\u00fcck nie. Aber die orientalische Fahrweise, pl\u00f6tzlich einschwenkende  Fahrzeuge, riskante \u00dcberholman\u00f6ver waren manchmal sehr gef\u00e4hrlich. Richtig Angst machte mir auch, als ein Autofahrer in Syrien auf mich schoss.<\/p>\n\n\n\n

Wie war die Fahrt knapp 30 Jahre sp\u00e4ter? Was hat sich f\u00fcr die Fahrer zum Guten, was allenfalls zum Schlechten ver\u00e4ndert?<\/h2>\n\n\n\n

1986 machte ich den letzten Orienttransport und letzthin machte ich die Fahrt\u00a0 nach Teheran erneut. Jetzt f\u00e4hrt man auf guten Asphaltstrassen und zum Teil auf\u00a0 Autobahnen dort, wo damals \u00fcble Schotterpisten waren. F\u00fcr Lastwagenfahrer hat\u00a0 sich das Arbeitsumfeld drastisch ge\u00e4ndert. Damals war der Zusammenhalt zwischen\u00a0 Kollegen sehr gro\u00df und auf der Orientroute war ein Tag mehr oder weniger kein\u00a0 Problem. Heute rennt jeder Lastwagenfahrer im Minutentakt gegen die Zeit an.\u00a0 Damals gab es kein Handy, kein GPS, keinen elektronischen Tachometer, keine\u00a0 Kreditkarte, kein Internet. Heute wird ein Fahrer rund um die Uhr kontrolliert und\u00a0 interessante Fernfahrten gibt es nicht mehr \u2013 zumindest f\u00fcr Schweizer Fahrzeuge.\u00a0<\/p>\n\n\n\n

Wie erkl\u00e4ren Sie sich, dass Ihr Roman noch heute interessierte Leser findet?<\/h2>\n\n\n\n

Die Zeit der Nahosttransporte war in den 70er Jahren bis Mitte der 80er Jahre. Die\u00a0 damaligen Fahrer sind nun in der Rentnerzone und viele besch\u00e4ftigen sich mit ihrem\u00a0 Leben und kommen dabei auf den Roman \u00abDieselstrasse\u00bb, der ja das erste Buch war,\u00a0 das diese einmalige Phase des Transportwesens beschrieb. Aber auch junge Fahrer\u00a0 interessieren sich f\u00fcr diese Fernfahrten, weil damals die Lastwagenfahrer noch die\u00a0 K\u00f6nige der Landstra\u00dfe waren. Ich werde auch regelm\u00e4\u00dfig von Berufsschulen\u00a0 und Berufsverb\u00e4nden angefragt, um den Lastwagenlehrlingen aus dieser Zeit zu\u00a0 erz\u00e4hlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Im Zusammenhang mit unserer Europarundfahrt 1978 hatte ich unter anderem auf Franz Stadelmann verwiesen, der mit seinem LKW die Orientroute befahren hat, auf der wir damals ebenfalls unterwegs waren, wenn auch nur bis Istanbul. Seine Erlebnisse und vieles, was er in Gespr\u00e4chen mit Fernfahrerkollegen auf dieser Route erfahren hat, hat er in seiner romanhaften Erz\u00e4hlung … Dieselstra\u00dfe - Roman von Franz Stadelmann<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":true,"footnotes":""},"class_list":["post-2024","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2024","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2024"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2024\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2080,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2024\/revisions\/2080"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2024"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}