define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":242,"date":"2014-06-01T22:27:56","date_gmt":"2014-06-01T20:27:56","guid":{"rendered":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=242"},"modified":"2024-04-18T00:15:31","modified_gmt":"2024-04-17T22:15:31","slug":"11-kojak-ist-praesident-hitler-ist-doof","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=242","title":{"rendered":"11. Kojak ist Pr\u00e4sident, Hitler ist doof"},"content":{"rendered":"
Auf dem R\u00fcck\u00adweg zu unse\u00adrem Hotel am Ran\u00adde von Herat ent\u00adde\u00adcke ich in einer Sei\u00adten\u00adstra\u00ad\u00dfe noch einen Laden, der mein Inter\u00ades\u00adse weckt.<\/p>\n
Ein alter Mann mit volu\u00admi\u00adn\u00f6\u00adsem Tur\u00adban hockt auf einem Kis\u00adsen und nickt uns freund\u00adlich zu, als wir ein\u00adtre\u00adten. Sein Laden ist klein, aber die bis unter die nied\u00adri\u00adge Decke rei\u00adchen\u00adden Rega\u00adle sind voll\u00adge\u00adstopft mit einem Sam\u00admel\u00adsu\u00adri\u00adum alter oder zumin\u00addest alt aus\u00adse\u00adhen\u00adder Gegen\u00adst\u00e4n\u00adde, die nur eines gemein\u00adsam haben \u2013 <\/span>jedes St\u00fcck ist ein\u00adzig\u00adar\u00adtig. Ent\u00adwe\u00adder es befin\u00adden sich wei\u00adte\u00adre Scha\u00adlen, Tabletts und D\u00f6s\u00adchen aus Holz und Metall, Schnit\u00adze\u00adrei\u00aden, K\u00e4nn\u00adchen, Dol\u00adche und Schmuck\u00adst\u00fc\u00adcke in einem ver\u00adbor\u00adge\u00adnen Lager, oder aber die Waren des alten Herrn stam\u00admen tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich aus Werk\u00adst\u00e4t\u00adten, in denen man von Seri\u00aden- oder gar Mas\u00adsen\u00adpro\u00adduk\u00adti\u00adon noch nie etwas geh\u00f6rt hat\u2026<\/p>\n Ich neh\u00adme einen leicht schief ste\u00adhen\u00adden, dick\u00adwan\u00addi\u00adgen Kelch aus t\u00fcr\u00adkis\u00adgr\u00fc\u00adnem Glas in die Hand.<\/p>\n Er sieht aus, als w\u00e4re er auf die glei\u00adche Wei\u00adse her\u00adge\u00adstellt wor\u00adden wie jenes anti\u00adke Glas, das schon vor Jahr\u00adtau\u00adsen\u00adden<\/a> in die\u00adsem Teil der Welt pro\u00addu\u00adziert wur\u00adde. Es ist mil\u00adchig, gespren\u00adkelt mit klei\u00adnen Bl\u00e4s\u00adchen und Par\u00adti\u00adkeln; die Ober\u00adfl\u00e4\u00adche ist uneben, aber glatt und k\u00fchl.<\/p>\n \u201e<\/span>Den Pokal hat wahr\u00adschein\u00adlich einer von Noahs S\u00f6h\u00adnen gemacht, kurz nach\u00addem sie auf dem Berg aus der Arche geklet\u00adtert sind,\u201d mut\u00adma\u00dft Inge.<\/p>\n \u201e<\/span>Tja \u2013 oder des\u00adsen Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel, der immer noch nach dem\u00adsel\u00adben Ver\u00adfah\u00adren Glas bl\u00e4st wie sei\u00adne Vor\u00adfah\u00adren\u2026\u201d spin\u00adne ich die Geschich\u00adte weiter.<\/p>\n Ich erkun\u00addi\u00adge mich in Zei\u00adchen\u00adspra\u00adche bei dem l\u00e4cheln\u00adden alten Herrn nach sei\u00adnen den Glas\u00adkelch betref\u00adfen\u00adden Preisvorstellungen.<\/p>\n Er zeigt dar\u00adauf\u00adhin so oft sei\u00adne zehn Fin\u00adger, dass ich mit dem Z\u00e4h\u00adlen gar nicht mehr hin\u00adter\u00adher kom\u00adme. Als ich die Brau\u00aden run\u00adze\u00adle, mit den Augen rol\u00adle und den Schul\u00adtern zucke, winkt er mir zu, ich m\u00f6ge ihm folgen.<\/p>\n In einem von einem Wand\u00adbe\u00adhang halb ver\u00adbor\u00adge\u00adnen Win\u00adkel des Ladens bear\u00adbei\u00adtet er sodann eine uralte, reich ver\u00adzier\u00adte Regis\u00adtrier\u00adkas\u00adse mit Hand\u00adkur\u00adbel (die laut Fir\u00admen\u00adschild aus Day\u00adton, Ohio stammt), nach der sich jeder Kurio\u00adsi\u00adt\u00e4\u00adten-Samm\u00adler alle zehn Fin\u00adger lecken w\u00fcr\u00adde. Ich fra\u00adge mich, auf wel\u00adchen ver\u00adschlun\u00adge\u00adnen Wegen die\u00adses Pracht\u00adst\u00fcck wohl in den Wes\u00adten Afgha\u00adni\u00adstans gekom\u00admen ist\u2026 Das gr\u00fc\u00adne Glas, teilt der Laden\u00adin\u00adha\u00adber mir mit\u00adhil\u00adfe der Kas\u00adse mit, soll tau\u00adsend Afgha\u00adnis kos\u00adten, also mehr als zwan\u00adzig US-Dol\u00adlar. Ein Verm\u00f6gen!<\/p>\n Und f\u00fcr einen mit Onyx und Quarz\u00adstei\u00adnen besetz\u00adten Hals\u00adschmuck, den Inge aus einer gro\u00ad\u00dfen Holz\u00adscha\u00adle gefischt hat, ver\u00adlangt er fast genau\u00adso viel.<\/p>\n Bei sol\u00adchen Start\u00adprei\u00adsen ver\u00adgeht uns jede Lust zu feilschen.<\/p>\n Also l\u00e4cheln wir nur h\u00f6f\u00adlich und ver\u00adlas\u00adsen den Laden.<\/p>\n \u201e<\/span>Der h\u00e4lt sei\u00adne Klit\u00adsche wohl f\u00fcr Herats \u201eTif\u00adfa\u00adny\u201d\u2026\u201d sage ich kopfsch\u00fcttelnd.<\/p>\n Inge nickt: \u201eBei dem Preis m\u00fcss\u00adte das Glas wirk\u00adlich von Noah per\u00ads\u00f6n\u00adlich ange\u00adfer\u00adtigt wor\u00adden sein!\u201d<\/p>\n Beim gemein\u00adsa\u00admen Abend\u00adessen neben dem Bus kla\u00adgen Rosi und Agnes \u00fcber das doch recht beschr\u00e4nk\u00adte hie\u00adsi\u00adge Ange\u00adbot an Sehens\u00adw\u00fcr\u00addig\u00adkei\u00adten \u2013 wie auch an ori\u00adgi\u00adnal afgha\u00adni\u00adschen \u201eSou\u00adve\u00adnirs\u201d.<\/p>\n Inge und ich berich\u00adte\u00adten dar\u00adauf\u00adhin von dem klei\u00adnen Laden mit sei\u00adner gro\u00ad\u00dfen Aus\u00adwahl an ori\u00adgi\u00adnel\u00adlem, aller\u00addings auch ziem\u00adlich teu\u00adrem Kunst\u00adhand\u00adwerk und erfah\u00adren von Rolf, dass die Glas\u00adbl\u00e4\u00adse\u00adrei in Herat eine lan\u00adge Tra\u00addi\u00adti\u00adon hat.<\/p>\n \u201e<\/span>Viel\u00adleicht ist euer Glas wirk\u00adlich uralt und wur\u00adde irgend\u00adwo hier in der Gegend von Zie\u00adgen\u00adhir\u00adten aus\u00adge\u00adbud\u00addelt, die es dem alten H\u00e4nd\u00adler ver\u00adkauft haben,\u201d meint er, \u201edann w\u00e4ren 20 Dol\u00adlar nicht teu\u00ader, son\u00addern prak\u00adtisch geschenkt\u2026 Das Pro\u00adblem ist nur, dass das von uns nie\u00admand beur\u00adtei\u00adlen kann. Und ich bin sicher, die Glas\u00adbl\u00e4\u00adser hier haben gelernt, ihre Pro\u00adduk\u00adte \u2018auf alt zu trim\u00admen\u2019, denn vie\u00adle Tou\u00adris\u00adten, vor allem die ame\u00adri\u00adka\u00adni\u00adschen, zah\u00adlen Wahn\u00adsinns\u00adprei\u00adse f\u00fcr jeden Schrott, wenn er nur angeb\u00adlich \u2018antik\u2019 ist!\u201d<\/p>\n Rolf schl\u00e4gt Rosi und Agnes vor, sie soll\u00adten sich doch bei einem afgha\u00adni\u00adschen Schus\u00adter ein paar Stie\u00adfel anfer\u00adti\u00adgen lassen.<\/p>\n \u201e<\/span>Sie sind spott\u00adbil\u00adlig, aber wenn man sie erst ein\u00admal ein\u00adge\u00adlatscht hat, gibt es nichts bes\u00adse\u00adres. Und sie hal\u00adten ewig\u2026\u201d ver\u00adsi\u00adchert er und deu\u00adtet auf sei\u00adne Stie\u00adfe\u00adlet\u00adten aus gelb\u00adli\u00adchen Leder.<\/p>\n \u201e<\/span>Die hier habe ich mir vor drei Jah\u00adren machen las\u00adsen, tra\u00adge sie fast unun\u00adter\u00adbro\u00adchen, und die N\u00e4h\u00adte, Soh\u00adlen und Abs\u00e4t\u00adze sind noch wie neu.\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Aber wir sind doch nur noch vier Tage hier,\u201d gibt Agnes zu bedenken.<\/p>\n Unser Fah\u00adrer hat n\u00e4m\u00adlich gera\u00adde erkl\u00e4rt, dass wir am 6. Sep\u00adtem\u00adber in aller Fr\u00fc\u00adhe auf\u00adbre\u00adchen wer\u00adden und dass er hofft, nach zwei Tagen Fahrt auf der Haupt\u00adver\u00adkehrs\u00adader \u201ering road\u201d<\/a> \u2013 mit einem \u00dcber\u00adnach\u00adtungs\u00adstop in Kan\u00adda\u00adhar<\/a> \u2013 die Haupt\u00adstadt Kabul zu erreichen.<\/p>\n \u201e<\/span>Das macht nichts. F\u00fcr so ein Paar ma\u00df\u00adge\u00adschnei\u00adder\u00adte Stie\u00adfel brau\u00adchen die hie\u00adsi\u00adgen Schus\u00adter nur zwei oder h\u00f6chs\u00adtens drei Tage,\u201d ver\u00adsi\u00adchert Rolf.<\/p>\n W\u00e4h\u00adrend Rosi und Agnes trotz\u00addem fin\u00adden, dass Stie\u00adfel kei\u00adne rich\u00adti\u00adgen Sou\u00adve\u00adnirs sind, \u00fcber\u00adle\u00adge ich laut, ob die noch in mei\u00adnen Kof\u00adfer pas\u00adsen w\u00fcrden.<\/p>\n \u201e<\/span>In Indi\u00aden oder Nepal sind sol\u00adche Lat\u00adschen bestimmt viel bes\u00adser geeig\u00adne\u00adter als Stie\u00adfel,\u201d meint Anna mit Blick auf die grie\u00adchi\u00adschen Leder\u00adsan\u00adda\u00adlen an mei\u00adnen nack\u00adten F\u00fc\u00dfen, \u201eaber wenn du irgend\u00adwann Ende Novem\u00adber nach Deutsch\u00adland zur\u00fcck\u00adkommst, kriegst du in Mokas\u00adsins oder Flip\u00adflops ganz sch\u00f6n kal\u00adte F\u00fc\u00dfe!\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Hm, ja, und was ande\u00adres habe ich lei\u00adder nicht ein\u00adge\u00adpackt\u2026 An der \u2018Shar-I-Nau\u2019 gibt es meh\u00adre\u00adre Schus\u00adter\u00adl\u00e4\u00adden, ich den\u00adke, da werd\u2019 ich mich mor\u00adgen mal nach Prei\u00adsen erkundigen.\u201d Am n\u00e4chs\u00adten Vor\u00admit\u00adtag zie\u00adhe ich allein los, den Inge hat fest\u00adge\u00adstellt, dass sie drin\u00adgend W\u00e4sche waschen muss. Das w\u00e4re zwar auch bei mir mal wie\u00adder f\u00e4l\u00adlig, aber zuerst will ich die Prei\u00adse f\u00fcr Stie\u00adfel in Erfah\u00adrung brin\u00adgen und even\u00adtu\u00adell ein Paar in Auf\u00adtrag geben.<\/p>\n Als ich an der Sei\u00adten\u00adstra\u00ad\u00dfe vor\u00adbei\u00adkom\u00adme, in der sich der Laden mit dem t\u00fcr\u00adkis\u00adgr\u00fc\u00adnen Trink\u00adglas befin\u00addet, bie\u00adge ich ein und blei\u00adbe von dem klei\u00adnen Schau\u00adfens\u00adter stehen.<\/p>\n Ich sp\u00e4\u00adhe durch die tr\u00fc\u00adbe Schei\u00adbe, um zu sehen, ob in der Aus\u00adla\u00adge viel\u00adleicht noch ande\u00adre, \u00e4hn\u00adli\u00adche Gl\u00e4\u00adser ste\u00adhen. Doch ich kann kei\u00adne ent\u00adde\u00adcken \u2013 nur den auf sei\u00adnem Kis\u00adsen thro\u00adnen\u00adden\u00adden Laden\u00adin\u00adha\u00adber, der mir zuwinkt, ich m\u00f6ge doch hereinkommen.<\/p>\n Ich sch\u00fct\u00adte\u00adle l\u00e4chelnd den Kopf und mache eine vage Hand\u00adbe\u00adwe\u00adgung in Rich\u00adtung Haupt\u00adstras\u00adse, um anzu\u00addeu\u00adten, dass ich gleich wei\u00adter will.<\/p>\n Er soll blo\u00df nicht glau\u00adben, ich sei wegen sei\u00adnes Gla\u00adses gekom\u00admen \u2013 das w\u00fcr\u00adde den Preis bestimmt in noch uner\u00adschwing\u00adli\u00adche\u00adre H\u00f6he treiben.<\/p>\n Als ich mich gera\u00adde von dem mit hoch\u00adin\u00adter\u00ades\u00adsan\u00adten Din\u00adgen gef\u00fcll\u00adten Schau\u00adfens\u00adter los\u00adrei\u00ad\u00dfen will, sp\u00fc\u00adre ich, wie sich eine Hand auf mei\u00adnen Hin\u00adtern legt.<\/p>\n Ich fah\u00adre her\u00adum wie von der Taran\u00adtel gesto\u00adchen und las\u00adse mei\u00adne \u00fcbli\u00adche, laut\u00adstar\u00adke deutsch-eng\u00adli\u00adsche Schimpf\u00adti\u00adra\u00adde vom Stapel.<\/p>\n Der jun\u00adge Afgha\u00adne, der sich ange\u00adschli\u00adchen hat, um mich zu begrab\u00adschen, weicht zwei Schrit\u00adte zur\u00fcck, sieht mich aber mehr trot\u00adzig als ein\u00adge\u00adsch\u00fcch\u00adtert an.<\/p>\n Mir f\u00e4llt der schub\u00adsen\u00adde Per\u00adser ein, der mich an der t\u00fcr\u00adkisch-ira\u00adni\u00adschen Gren\u00adze schla\u00adgen woll\u00adte, und ich habe pl\u00f6tz\u00adlich einen Klo\u00df im Hals \u2013 was, wenn es auch hier\u00adzu\u00adlan\u00adde als das Recht eines Man\u00adnes ange\u00adse\u00adhen wird, unver\u00adschlei\u00ader\u00adte (und \u201enur\u201d mit T\u2011Shirt und lan\u00adger Hose beklei\u00adde\u00adte) Frau\u00aden der\u00adart respekt\u00adlos zu behandeln?<\/p>\n Ich las\u00adse mei\u00adnen Blick umher\u00adschwei\u00adfen, und was ich sehe, ist nicht gera\u00adde ermu\u00adti\u00adgend. Die \u2018Shar-I-nau\u2019 ist zwar in Sicht- und Ruf\u00adwei\u00adte, aber unter den weni\u00adgen Pas\u00adsan\u00adten kann ich kei\u00adne west\u00adli\u00adchen Tou\u00adris\u00adten aus\u00adma\u00adchen; offen\u00adbar sind zu die\u00adser fr\u00fc\u00adhen Stun\u00adde aus\u00adschlie\u00df\u00adlich afgha\u00adni\u00adsche M\u00e4n\u00adner unterwegs.<\/p>\n Bevor aber aus mei\u00adnem beklom\u00adme\u00adnen Gef\u00fchl rich\u00adti\u00adge Angst wird, erhal\u00adte ich uner\u00adwar\u00adte\u00adte Unter\u00adst\u00fct\u00adzung \u2013 hin\u00adter mir ert\u00f6nt laut und emp\u00f6rt die Stim\u00adme des alten Ladenbesitzers.<\/p>\n Er hat steht in der ge\u00f6ff\u00adne\u00adten T\u00fcr und h\u00e4lt dem jun\u00adgen Mann einen ent\u00adz\u00fcrn\u00adten Vor\u00adtrag auf Dari<\/a>, den ich anhand sei\u00adner aus\u00addrucks\u00adstar\u00adken Ges\u00adtik und Mimik so deute:<\/p>\n Ich sehe viel\u00adleicht nicht so aus, wie eine anst\u00e4n\u00addi\u00adge afgha\u00adni\u00adsche Frau aus\u00adzu\u00adse\u00adhen hat, aber ich bin ja auch kei\u00adne afgha\u00adni\u00adsche Frau, son\u00addern zu Gast in ihrem Land \u2013 in dem Gast\u00adfreund\u00adschaft, das hat man mir erkl\u00e4rt, eine Sache der Ehre und hoch geach\u00adte\u00adte Tugend ist!<\/p>\n Als der Laden\u00adbe\u00adsit\u00adzer auf mich deu\u00adtet und dem \u00dcbel\u00adt\u00e4\u00adter mit schnei\u00adden\u00adder Stim\u00adme eine (offen\u00adbar rhe\u00adto\u00adri\u00adsche) Fra\u00adge stellt \u2013 viel\u00adleicht, ob er wirk\u00adlich errei\u00adchen wol\u00adle, dass ich nach mei\u00adner R\u00fcck\u00adkehr in mein Hei\u00admat\u00adland dort afgha\u00adni\u00adsche M\u00e4n\u00adner als ehr\u00adlo\u00adse Grab\u00adscher schil\u00adde\u00adre? \u2013 scheint die\u00adser um meh\u00adre\u00adre Zen\u00adti\u00adme\u00adter zu schrumpfen.<\/p>\n Er zieht die Schul\u00adtern hoch, blickt zu Boden und mur\u00admelt fast unh\u00f6r\u00adba\u00adre Ent\u00adschul\u00addi\u00adgun\u00adgen. Den alten Herrn spricht er mit \u201eHad\u00adji<\/a>\u201d an, was die\u00adsen als Mek\u00adka-Pil\u00adge\u00adrer und beson\u00adders ange\u00adse\u00adhe\u00adne Respekts\u00adper\u00adson ausweist.<\/p>\n Nach\u00addem der ein\u00adge\u00adsch\u00fcch\u00adter\u00adte J\u00fcng\u00adling von dan\u00adnen gezo\u00adgen ist, bedan\u00adke ich mich ehr\u00aderbie\u00adtig bei mei\u00adnem Retter.<\/p>\n Mit geneig\u00adtem Kopf gibt er mir durch Ges\u00adten l\u00e4chelnd zu ver\u00adste\u00adhen, sein Ein\u00adgrei\u00adfen sei eine Selbst\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adlich\u00adkeit gewesen.<\/p>\n Zur\u00fcck auf der Haupt\u00adstras\u00adse, steue\u00adre ich sofort den Laden an, des\u00adsen Inha\u00adber Inge und mir ges\u00adtern von sei\u00adner d\u00e4ni\u00adschen Freun\u00addin erz\u00e4hlt hat.<\/p>\n Jetzt habe ich das Bed\u00fcrf\u00adnis, mit jeman\u00addem zu kom\u00admu\u00adni\u00adzie\u00adren, der eine mir gel\u00e4u\u00adfi\u00adge Spra\u00adche spricht.<\/p>\n Moham\u00admad strahlt \u00fcber das gan\u00adze Gesicht, als er mich sieht.<\/p>\n \u201e<\/span>Pola \u2013 what a nice sur\u00adpri\u00adse! Plea\u00adse come in! Would you like to have a tea?\u201d<\/p>\n Tee w\u00e4re abso\u00adlut phan\u00adtas\u00adtisch, erkl\u00e4\u00adre ich, aber ist das denn nicht etwas pro\u00adble\u00adma\u00adtisch \u2013 immer\u00adhin ist doch Rama\u00addan<\/a>?<\/p>\n Moham\u00admad macht eine weg\u00adwer\u00adfen\u00adde Geste.<\/p>\n Ich sei doch kei\u00adne Mus\u00adli\u00adma, war\u00adum also soll\u00adte ich kei\u00adnen Tee trinken?<\/p>\n Au\u00dfer\u00addem, f\u00fcgt er mit spitz\u00adb\u00fc\u00adbi\u00adschen Grin\u00adsen hin\u00adzu, gibt es in sei\u00adnem Laden ja die\u00adsen etwa vier Meter lan\u00adgen, hohen Ver\u00adkaufs\u00adtre\u00adsen. Es w\u00e4re ganz rei\u00adzend, wenn ich ein\u00adfach dahin\u00adter Platz neh\u00admen w\u00fcr\u00adde\u2026 Dort k\u00f6n\u00adne mich n\u00e4m\u00adlich nie\u00admand sehen.<\/p>\n Er schickt einen Jun\u00adgen los, der nach weni\u00adgen Minu\u00adten mit einem Tablett zur\u00fcck\u00adkehrt, auf dem sich eine klei\u00adne Kan\u00adne, ein Glas und eini\u00adge in Papier ein\u00adge\u00adpack\u00adte Zucker\u00adw\u00fcr\u00adfel befin\u00adden. Und ich las\u00adse mich hin\u00adter dem Tre\u00adsen nie\u00adder, wo meh\u00adre\u00adre Sitz\u00adkis\u00adsen lie\u00adgen \u2013 offen\u00adbar wird die\u00adse f\u00fcr Pas\u00adsan\u00adten und Kun\u00adden nicht ein\u00adseh\u00adba\u00adre R\u00fcck\u00adzugs\u00adm\u00f6g\u00adlich\u00adkeit des \u00f6fte\u00adren genutzt \u2013 und genie\u00ad\u00dfe den hei\u00ad\u00dfen, w\u00fcr\u00adzi\u00adgen Trank.<\/p>\n Moham\u00admad lehnt sich l\u00e4s\u00adsig an das Ende des Tre\u00adsens, wo er sich mit mir unter\u00adhal\u00adten und gleich\u00adzei\u00adtig den Laden im Blick behal\u00adten kann.<\/p>\n Als ich von mei\u00adnem Erleb\u00adnis berich\u00adte, sch\u00fct\u00adtelt er bek\u00fcm\u00admert den Kopf.<\/p>\n Alles, was sol\u00adche jun\u00adgen Ker\u00adle \u00fcber \u201ewes\u00adtern women\u201d zu wis\u00adsen glau\u00adben, stam\u00adme aus Illus\u00adtrier\u00adten wie dem \u201ePlay\u00adboy\u201d, die voll w\u00e4ren mit Bil\u00addern ein\u00adla\u00addend wir\u00adken\u00adder nack\u00adter Frau\u00aden, erkl\u00e4rt er mir.<\/p>\n Sol\u00adche Hoch\u00adglanz-Maga\u00adzi\u00adne w\u00fcr\u00adden hin\u00adter den R\u00fccken der \u00c4lte\u00adren eif\u00adrig getauscht und ver\u00adschlun\u00adgen, und die\u00adse Lek\u00adt\u00fc\u00adre f\u00fch\u00adre im Fall schlicht gestrick\u00adter Gem\u00fc\u00adter dann zu der Ansicht, unver\u00adschlei\u00ader\u00adte Frau\u00aden aus west\u00adli\u00adchen L\u00e4n\u00addern sei\u00aden ganz wild dar\u00adauf, sich von jedem Mann beglot\u00adzen und begrab\u00adschen zu lassen\u2026<\/p>\n Dass der ehr\u00adw\u00fcr\u00addi\u00adge Had\u00adji<\/a> sich \u00fcber das unge\u00adb\u00fchr\u00adli\u00adche Ver\u00adhal\u00adten des jun\u00adgen Man\u00adnes so auf\u00adge\u00adregt hat, kann Moham\u00admad sehr gut nach\u00advoll\u00adzie\u00adhen; es sei ihm wahr\u00adschein\u00adlich unend\u00adlich pein\u00adlich gewe\u00adsen, dass ich Opfer einer der\u00adar\u00adti\u00adgen Grab\u00adsch-Atta\u00adcke wur\u00adde \u2013 und dann auch noch aus\u00adge\u00adrech\u00adnet vor sei\u00adnem Laden!<\/p>\n Ja, bei\u00adna\u00adhe w\u00e4re ich auch sei\u00adne Kun\u00addin gewor\u00adden, f\u00fcge ich hin\u00adzu und erz\u00e4h\u00adle von unse\u00adrem ers\u00adten Besuch die\u00adses Gesch\u00e4f\u00adtes und von dem gr\u00fc\u00adnen Glas.<\/p>\n Moham\u00admad schmunzelt.<\/p>\n Er zeigt auf die ange\u00adlau\u00adfe\u00adnen Mes\u00adsing-Tabletts und Scha\u00adlen, die neben der Ein\u00adgangs\u00adt\u00fcr ste\u00adhen, und sagt: \u201eLook, the\u00adre is not one artic\u00adle, which looks like another\u2026\u201d<\/p>\n Dann l\u00fcf\u00adtet er den Vor\u00adhang vor einem Regal unterm Tre\u00adsen: \u201e\u2026 becau\u00adse the others are there.\u201d<\/p>\n Tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich sta\u00adpeln sich dort diver\u00adse Tabletts und fla\u00adche Scha\u00adlen der\u00adsel\u00adben Mach\u00adart, mit den glei\u00adchen Mus\u00adtern und den glei\u00adchen Spu\u00adren des Alters.<\/p>\n \u201e<\/span>They look, as if they are very old, don\u2019t they? But they were made just a few weeks before!\u201d<\/p>\n Er erl\u00e4u\u00adtert mir, wie die Metall\u00adob\u00adjek\u00adte mit hei\u00ad\u00dfer Asche, Teer und manch\u00admal auch Dung behan\u00addelt wer\u00adden, um jene \u201eanti\u00adke\u201d Pati\u00adna zu erzie\u00adlen, auf die die aus\u00adl\u00e4n\u00addi\u00adsche Kund\u00adschaft ganz wild sei.<\/p>\n Wenig sp\u00e4\u00adter betre\u00adten drei Tou\u00adris\u00adtin\u00adnen mitt\u00adle\u00adren Alters den Laden, beklei\u00addet mit bun\u00adten Batik-Tuni\u00adken und beh\u00e4ngt mit Hals\u00adket\u00adten aus schwe\u00adrem, mit Halb\u00adedel\u00adstei\u00adnen besetz\u00adten Sil\u00adber, wie ich sie im \u201eGro\u00ad\u00dfen Basar\u201d<\/a> von Istan\u00adbul gese\u00adhen habe.<\/p>\n Die Frau\u00aden, die anhand ihrer gedehn\u00adten Aus\u00adspra\u00adche unschwer als Ame\u00adri\u00adka\u00adne\u00adrin\u00adnen zu erken\u00adnen sind, plau\u00addern nicht nur \u00fcber Moham\u00admads Waren\u00adan\u00adge\u00adbot, son\u00addern unter\u00adhal\u00adten sich auch unge\u00adniert dar\u00ad\u00fcber, was f\u00fcr ein \u201epret\u00adty young man\u201d er sei. Offen\u00adbar hal\u00adten sie es f\u00fcr aus\u00adge\u00adschlos\u00adsen, dass die\u00adser \u2018h\u00fcb\u00adsche jun\u00adge Mann\u2019 \u00fcber gen\u00fc\u00adgend Eng\u00adlisch\u00adkennt\u00adnis\u00adse ver\u00adf\u00fcgt, um ihr Gespr\u00e4ch ver\u00adste\u00adhen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n Und in der Tat scheint Moham\u00admad pl\u00f6tz\u00adlich nicht mehr imstan\u00adde zu sein, einen kom\u00adplet\u00adten Satz in Eng\u00adlisch zu for\u00admu\u00adlie\u00adren. Er hat auf ein\u00admal einen schau\u00adder\u00adhaf\u00adten Akzent, beschr\u00e4nkt sich dar\u00adauf, Reiz\u00adwor\u00adte wie \u201eold\u201d und \u201every very old\u201d her\u00advor\u00adzu\u00adsto\u00ad\u00dfen, und beant\u00adwor\u00adtet Fra\u00adgen nach Prei\u00adsen mit Anga\u00adben wie \u201epeif \u2013 zero \u2014 zero, very very cheap\u201d \u2013 obgleich er im Export-Busi\u00adness wohl kaum eine Chan\u00adce h\u00e4t\u00adte, wenn ihm nicht ein\u00admal das eng\u00adli\u00adsche Wort f\u00fcr die Zahl 500 gel\u00e4u\u00adfig w\u00e4re.<\/p>\n In mei\u00adnem Ver\u00adsteck hin\u00adter dem Tre\u00adsen ver\u00adsu\u00adche ich, ganz flach und ruhig zu atmen.<\/p>\n Ich pres\u00adse die Lip\u00adpen fest zusam\u00admen, um nicht los\u00adzu\u00adprus\u00adten, und spit\u00adze die Ohren, um ja nichts von dem idio\u00adtisch klin\u00adgen\u00adden Gebrab\u00adbel zu ver\u00adpas\u00adsen, mit dem Moham\u00admad eine schwarz ange\u00adlau\u00adfe\u00adne, mit unech\u00adten T\u00fcr\u00adki\u00adsen besetz\u00adte Mes\u00adsing\u00adscha\u00adle (\u201every good, very old\u201d) anpreist.<\/p>\n Die Damen haben bereits fest\u00adge\u00adstellt, dass es von die\u00adsem Sch\u00e4l\u00adchen nur ein ein\u00adzi\u00adges Exem\u00adplar gibt, und unter\u00adhal\u00adten sich halb\u00adlaut dar\u00ad\u00fcber, dass die\u00adser h\u00fcb\u00adsche jun\u00adge Ver\u00adk\u00e4u\u00adfer ver\u00admut\u00adlich gar nicht wei\u00df, was er da f\u00fcr eine Kost\u00adbar\u00adkeit in H\u00e4n\u00adden h\u00e4lt.<\/p>\n \u201e<\/span>I give you 250 Afgha\u00adnis, two \u2013 five \u2013 zero,\u201d sagt die eine schlie\u00df\u00adlich in ener\u00adgi\u00adschem Ton. Von Moham\u00admad h\u00f6re ich ein \u00c4ch\u00adzen; ich sehe f\u00f6rm\u00adlich vor mir, wie er mit den Augen rollt und sein Gesicht zu einer jam\u00admer\u00advol\u00adlen Gri\u00admas\u00adse verzieht.<\/p>\n Wahr\u00adschein\u00adlich kriegt die Spre\u00adche\u00adrin ein ganz schlech\u00adtes Gewis\u00adsen ange\u00adsichts sei\u00adnes Lei\u00addens, denn als er schlie\u00df\u00adlich \u201efour \u2013 peif \u2013 zero\u201d r\u00f6chelt, stimmt sie sofort zu.<\/p>\n Ihre Beglei\u00adte\u00adrin\u00adnen haben sich der\u00adweil Blu\u00adsen aus plis\u00adsier\u00adtem Bur\u00adka-Stoff und bun\u00adte T\u00fccher aus\u00adge\u00adsucht und bezah\u00adlen wider\u00adspruchs\u00adlos die ver\u00adlang\u00adten Prei\u00adse, ohne auch nur den Ver\u00adsuch zu unter\u00adneh\u00admen, nied\u00adri\u00adge\u00adre auszuhandeln.<\/p>\n Die K\u00e4u\u00adfe\u00adrin der \u201eanti\u00adken\u201d Mes\u00adsing\u00adscha\u00adle kann es sich dann auch nicht ver\u00adknei\u00adfen, ihnen das vorzuhalten:<\/p>\n \u201e<\/span>You should bar\u00adgain,\u201d belehrt sie ihre Freun\u00addin\u00adnen beim Hinausgehen.<\/p>\n \u201e<\/span>Look, I\u2019ve got this beau\u00adtiful thing for fif\u00adty Afgha\u00adnis less!\u201d<\/p>\n Als sie weg sind, muss ich mich nicht mehr zusam\u00admen\u00adrei\u00ad\u00dfen und kiche\u00adre los.<\/p>\n \u201e<\/span>That was fun\u00adny,\u201d sage ich zu Moham\u00admad, der wie\u00adder am Tre\u00adsen lehnt.<\/p>\n Er scheint ande\u00adrer Mei\u00adnung zu sein.<\/p>\n \u201e<\/span>It was bor\u00ading,\u201d meint er und zieht eine Grimasse.<\/p>\n Sol\u00adche Kun\u00adden br\u00e4ch\u00adten zwar Geld in die Kas\u00adse, aber ihnen etwas teu\u00ader zu ver\u00adkau\u00adfen, sei lang\u00adwei\u00adlig \u2013 weil es zu leicht sei.<\/p>\n Ich ver\u00adste\u00adhe: wenn man Feil\u00adschen als eine Art Sport ansieht, dann war das eben ein Wett\u00adkampf unter h\u00f6chst unfai\u00adren Bedin\u00adgun\u00adgen, in dem ein alter Hase mit Meis\u00adter\u00adti\u00adtel gegen ein paar blu\u00adti\u00adge Anf\u00e4n\u00adger antre\u00adten musste\u2026<\/p>\n <\/p>\n Er nimmt ein neu\u00ades, alt aus\u00adse\u00adhen\u00addes Sch\u00e4l\u00adchen mit gr\u00fc\u00adnen Glas-T\u00fcr\u00adki\u00adsen aus dem Regal, und ich fra\u00adge ihn, was das Ding denn nun wirk\u00adlich wert sei.<\/p>\n \u201e<\/span>Five\u00adhund\u00adred Afgha\u00adnis \u2013 it is very old, myla\u00addy, many hundred years old\u2026\u201d lei\u00adert er her\u00adun\u00adter, und der Schalk blitzt in sei\u00adnen Augen.<\/p>\n Dann erteilt er mir eine Lek\u00adti\u00adon im Feil\u00adschen, an deren Ende sich her\u00adaus\u00adstellt, dass die ame\u00adri\u00adka\u00adni\u00adsche Tou\u00adris\u00adtin \u2013 h\u00e4t\u00adte sie die Kunst des Han\u00addelns wirk\u00adlich beherrscht \u2013 ihr Sou\u00adve\u00adnir auch f\u00fcr weni\u00adger als hun\u00addert Afgha\u00adnis (zwei Dol\u00adlar) bekom\u00admen h\u00e4t\u00adte. Und f\u00fcr ihn w\u00e4re da immer noch eine gute Han\u00addels\u00adspan\u00adne drin gewesen\u2026<\/p>\n Die n\u00e4chs\u00adten Kun\u00adden, bei denen ich M\u00e4us\u00adchen spie\u00adle, sind ein fran\u00adz\u00f6\u00adsi\u00adsches Paar, und die zwei haben\u2019s drauf. Obwohl sie \u2013 wie die meis\u00adten Fran\u00adzo\u00adsen, die man auf der Stre\u00adcke nach Indi\u00aden trifft \u2013 kaum Eng\u00adlisch spre\u00adchen (und das weni\u00adge mit star\u00adkem Akzent), feil\u00adschen sie so tem\u00adpe\u00adra\u00adment\u00advoll und wort\u00adreich um den Preis eines Sil\u00adber\u00adrin\u00adges, als h\u00e4t\u00adten sie schon ihr Leben lang all ihre Ein\u00adk\u00e4u\u00adfe auf die\u00adse Art erledigt.<\/p>\n Es ist nicht zu \u00fcber\u00adh\u00f6\u00adren, dass Moham\u00admad an sol\u00adchen Ver\u00adkaufs\u00adver\u00adhand\u00adlun\u00adgen weit mehr Spa\u00df hat. Als die Bei\u00adden schlie\u00df\u00adlich mit einem h\u00fcb\u00adschen Ring zum g\u00fcns\u00adti\u00adgen Preis zufrie\u00adden abzie\u00adhen, ver\u00adab\u00adschie\u00addet er sie wie alte Freunde.<\/p>\n Gut\u00adge\u00adlaunt kommt er hin\u00adter den Tre\u00adsen get\u00e4n\u00adzelt und l\u00e4sst sich auf eins der Sitz\u00adkis\u00adsen fallen.<\/p>\n Der Ring sei wirk\u00adlich ein beson\u00adders sch\u00f6n gear\u00adbei\u00adte\u00adtes St\u00fcck gewe\u00adsen, erkl\u00e4rt er, und dass es ihn sehr freue, dass er ihn an zwei ech\u00adte Ken\u00adner ver\u00adkau\u00adfen konnte.<\/p>\n Da erst f\u00e4llt mir wie\u00adder ein, wes\u00adhalb ich eigent\u00adlich in die Stadt gekom\u00admen bin.<\/p>\n Ich fra\u00adge ihn, ob es m\u00f6g\u00adlich sei, sich in nur drei Tagen ein Paar Stie\u00adfel anfer\u00adti\u00adgen zu las\u00adsen, und wenn ja, was das dann wohl kos\u00adten w\u00fcrde.<\/p>\n Doch, ja, drei Tage m\u00fcss\u00adten aus\u00adrei\u00adchen, meint Moham\u00admad, und den Preis sch\u00e4tzt er auf etwa vier\u00adhun\u00addert Afgha\u00adnis. Wir k\u00f6nn\u00adten gleich mal fra\u00adgen gehen, schl\u00e4gt er vor, ein paar H\u00e4u\u00adser wei\u00adter gebe es eine Schus\u00adter\u00adwerk\u00adstatt. Er ken\u00adne die bei\u00adden Schuh\u00adma\u00adcher, sie w\u00fcr\u00adden gut und sorg\u00adf\u00e4l\u00adtig arbeiten.<\/p>\n Das las\u00adse ich mir nat\u00fcr\u00adlich nicht zwei\u00admal sagen.<\/p>\n Ich hat\u00adte mich ohne\u00adhin schon gefragt, wie ich dem Schus\u00adter eigent\u00adlich mei\u00adne Vor\u00adstel\u00adlun\u00adgen erl\u00e4u\u00adtern soll \u2013 denn damit, dass ein afgha\u00adni\u00adscher Hand\u00adwer\u00adker flie\u00ad\u00dfend eng\u00adlisch spricht, ist eher nicht zu rech\u00adnen. Und Moham\u00admad ist nicht nur als Dol\u00admet\u00adscher ide\u00adal, son\u00addern hat auch noch Ahnung von euro\u00adp\u00e4i\u00adschen Modetrends!<\/p>\n Wir schlen\u00addern also zu der Schus\u00adter\u00adwerk\u00adstatt, und mit sei\u00adner Unter\u00adst\u00fct\u00adzung bestel\u00adle ich ein paar Stie\u00adfel, die sp\u00e4\u00adtes\u00adtens am 5. Sep\u00adtem\u00adber fer\u00adtig sein sollen.<\/p>\n Mei\u00adne F\u00fc\u00dfe wer\u00adden gr\u00fcnd\u00adlich ver\u00admes\u00adsen, und ich schaue noch zu, wie das gelb\u00adli\u00adche Leder f\u00fcr die Stie\u00adfel\u00adsch\u00e4f\u00adte zuge\u00adschnit\u00adten wird.<\/p>\n Als Moham\u00admad zu sei\u00adnem Laden zur\u00fcck will, ver\u00adab\u00adschie\u00adde ich mich von ihm, bedan\u00adke mich f\u00fcr den unter\u00adhalt\u00adsa\u00admen und lehr\u00adrei\u00adchen Vor\u00admit\u00adtag und ver\u00adspre\u00adche, dass ich ihn am n\u00e4chs\u00adten Tag wie\u00adder besu\u00adchen kom\u00adme. <\/p>\n Den Nach\u00admit\u00adtag ver\u00adbrin\u00adge ich im Hotel; erst wasche ich alle schmut\u00adzi\u00adgen Klei\u00addungs\u00adst\u00fc\u00adcke und dann set\u00adze ich mich in den Gar\u00adten, erle\u00addi\u00adge ein paar N\u00e4h\u00adar\u00adbei\u00adten und schrei\u00adbe und zeich\u00adne in mei\u00adnem Reisetagebuch.<\/p>\n 3. Sep\u00adtem\u00adber<\/p>\n Heu\u00adte erkun\u00adden Inge und ich die Stadt\u00adtei\u00adle hin\u00adter der Jumah-Moschee<\/a>, aber ent\u00adwe\u00adder sind wir in die fal\u00adschen Gas\u00adsen ein\u00adge\u00adbo\u00adgen, oder es han\u00addelt sich um rei\u00adne Wohn\u00advier\u00adtel \u2013 es gibt hier kei\u00adne L\u00e4den, nicht ein\u00admal Werk\u00adst\u00e4t\u00adten, nur von abwei\u00adsen\u00adden Mau\u00adern und ver\u00adschlos\u00adse\u00adne T\u00fcren ges\u00e4um\u00adte und men\u00adschen\u00adlee\u00adre Stra\u00dfen.<\/p>\n Die Luft flim\u00admert in der Mit\u00adtags\u00adhit\u00adze, und uns kle\u00adben bald die Zun\u00adgen am Gaumen.<\/p>\n \u201e<\/span>Puh\u2026 ich w\u00fcnsch\u00adte, wir w\u00e4ren in Istan\u00adbul, wo es an jeder Ecke einen Lebens\u00admit\u00adtel-Laden oder wenigs\u00adtens eine Tee\u00adstu\u00adbe gibt!\u201d st\u00f6hnt Inge.<\/p>\n \u201e<\/span>Ich wei\u00df, wo wir einen Tee krie\u00adgen k\u00f6n\u00adnen \u2013 im Laden von die\u00adsem Mohammad.\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Echt? Mit\u00adten im Rama\u00addan? Dann aber los, nichts wie hin!\u201d<\/p>\n Eine Vier\u00adtel\u00adstun\u00adde sp\u00e4\u00adter sit\u00adzen wir hin\u00adter dem Ver\u00adkaufs\u00adtre\u00adsen und schl\u00fcr\u00adfen Tee.<\/p>\n Es ist wenig los heu\u00adte in der Innen\u00adstadt, und Moham\u00admad ist hoch\u00ader\u00adfreut \u00fcber die Abwechs\u00adlung, die unser Besuch bedeutet.<\/p>\n Inge fragt ihn nach den Ein\u00addr\u00fc\u00adcken, die er w\u00e4h\u00adrend sei\u00adner Deutsch\u00adland-Rei\u00adse gesam\u00admelt hat, und er ger\u00e4t ins Schw\u00e4rmen:<\/p>\n \u201e<\/span>Oh, it was so nice in Munich; ever\u00ady\u00adthing was so very clean, the streets, the places, the houses\u2026\u201d<\/p>\n Nicht nur die deut\u00adsche Sau\u00adber\u00adkeit und Ord\u00adnung hat ihn sehr beein\u00addruckt, son\u00addern auch die Tat\u00adsa\u00adche, dass man \u2013 wenn man ein Anlie\u00adgen oder Pro\u00adblem hat \u2013 in Deutsch\u00adland offen\u00adbar nicht erst alle damit befass\u00adten Poli\u00adzis\u00adten und Ver\u00adwal\u00adtungs\u00adbe\u00adam\u00adte (oder auch Medi\u00adzi\u00adner) mit einem statt\u00adli\u00adchen Bak\u00adschisch schmie\u00adren muss.<\/p>\n Und dann erst die Autos!<\/p>\n Moham\u00admads Augen strah\u00adlen, als er and\u00e4ch\u00adtig die Mar\u00adken\u00adna\u00admen auf\u00adsagt, und im Brust\u00adton der \u00dcber\u00adzeu\u00adgung ver\u00adsi\u00adchert er uns, deut\u00adsche Auto\u00admo\u00adbi\u00adle w\u00e4ren die bes\u00adten der Welt. \u00dcber\u00adhaupt sind Maschi\u00adnen aus Deutsch\u00adland sei\u00adner Ansicht nach kon\u00adkur\u00adrenz\u00adlos \u2013 nur lei\u00adder in Afgha\u00adni\u00adstan kaum zu bekommen.<\/p>\n \u201e<\/span>We have only cars and machi\u00adnes from Rus\u00adsia,\u201d sagt er und zieht eine Grimasse.<\/p>\n \u201e<\/span>Rus\u00adsi\u00adan machi\u00adnes are no good. They break all the time.\u201d<\/p>\n Ich muss an Ali den\u00adken, den begeis\u00adter\u00adten Fan sowje\u00adti\u00adscher Ideo\u00adlo\u00adgie und Han\u00addels\u00adg\u00fc\u00adter\u2026 War\u00adum ist denn aus\u00adge\u00adrech\u00adnet Tech\u00adnik aus der Sowjet\u00aduni\u00adon in Afgha\u00adni\u00adstan so verbreitet?<\/p>\n \u201e<\/span>Have you seen the pic\u00adtu\u00adre of our pre\u00adsi\u00addent?\u201d erkun\u00addigt sich Moham\u00admad, und als ich nicke, sagt er ver\u00ad\u00e4cht\u00adlich: \u201eHe is a pup\u00adpet on a string.\u201d.<\/p>\n \u201e<\/span>Was ist mit dem Pr\u00e4sidenten?\u201d<\/p>\n Inge hat in ihrer Tasche gekramt und nicht aufgepasst.<\/p>\n \u201e<\/span>Er sagt, der afgha\u00adni\u00adsche Pr\u00e4\u00adsi\u00addent sei eine Mario\u00adnet\u00adte der Sowjets. Du wei\u00dft schon \u2013 die\u00adser Kahl\u00adkopf, des\u00adsen Bild auch in der Hotel\u00adre\u00adzep\u00adti\u00adon h\u00e4ngt.\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Ah ja, genau, der Kojak<\/a>,\u201d meint Inge, denn so nennt Rolf den afgha\u00adni\u00adschen Regie\u00adrungs\u00adchef immer.<\/p>\n \u201e<\/span>No, his name is Daoud Khan<\/a>,\u201d wider\u00adspricht Moham\u00admad \u2013 und wun\u00addert sich \u00fcber unser Gegacker.<\/p>\n Aber als ich ihm von Tel\u00adly Sava\u00adlas<\/a>, dem glatz\u00adk\u00f6p\u00adfi\u00adgen, st\u00e4n\u00addig Lol\u00adlis lut\u00adschen\u00adden Haupt\u00addar\u00adstel\u00adler der US-Kri\u00admi\u00adse\u00adrie \u201eEin\u00adsatz in Man\u00adhat\u00adtan\u201d<\/a> erz\u00e4h\u00adle, lacht er auch. Beson\u00adders lus\u00adtig fin\u00addet er die Vor\u00adstel\u00adlung, sein Pr\u00e4\u00adsi\u00addent w\u00fcr\u00adde mit einem Dau\u00ader\u00adlut\u00adscher im Mund von den zahl\u00adlo\u00adsen Fotos her\u00adab l\u00e4cheln.<\/p>\n Dann kommt er wie\u00adder auf Deutsch\u00adland zu sprechen.<\/p>\n \u201e<\/span>The Peo\u00adp\u00adle in Afgha\u00adni\u00adstan like the Ger\u00admans much more than the Rus\u00adsi\u00adans,\u201d ver\u00adtraut er uns an \u2013 die Deut\u00adschen sei\u00aden in sei\u00adnem Land viel belieb\u00adter als die Sowjets \u2013 und dann sagt er etwas, das das L\u00e4cheln auf unse\u00adren Gesich\u00adtern schlag\u00adar\u00adtig erl\u00f6\u00adschen l\u00e4sst:<\/p>\n \u201e<\/span>We also like the Ger\u00admans much more becau\u00adse of Hitler.\u201d<\/p>\n Nach einem Moment des fas\u00adsungs\u00adlo\u00adsen Schwei\u00adgens sagt Inge (immer\u00adhin auf eng\u00adlisch): \u201eOh, shit\u2026\u201d.<\/p>\n \u201e<\/span>I know, he star\u00adtet the Second World\u00adwar,\u201d beeilt sich sich Moham\u00admad hin\u00adzu\u00adzu\u00adf\u00fc\u00adgen, als er unse\u00adre betre\u00adte\u00adnen Gesich\u00adter sieht. Er wis\u00adse, dass Hit\u00adler den zwei\u00adten Welt\u00adkrieg ange\u00adfan\u00adgen h\u00e4t\u00adte, und das sei nat\u00fcr\u00adlich nicht gut gewe\u00adsen, aber\u2026<\/p>\n Aber?<\/p>\n Sei\u00adne Stim\u00adme wird lei\u00adser und bekommt einen ver\u00adschw\u00f6\u00adre\u00adri\u00adschen Unterton:<\/p>\n \u201e<\/span>We like Hit\u00adler, becau\u00adse he hatet the jews. We hate them, too.\u201d<\/p>\n Die Afgha\u00adnen has\u00adsen Juden und m\u00f6gen Hit\u00adler, weil er die Juden eben\u00adfalls hass\u00adte \u2013 was f\u00fcr ein grau\u00aden\u00advol\u00adler Irrsinn.<\/p>\n Und das nennt er auch noch als Grund daf\u00fcr, dass Deut\u00adsche hier\u00adzu\u00adlan\u00adde so beliebt sind!<\/p>\n Inge und ich sehen uns fas\u00adsungs\u00adlos an; sie ver\u00addreht die Augen und zieht ihre Schul\u00adtern hoch. Auch ich kann nicht ver\u00adste\u00adhen, wie der net\u00adte, hilfs\u00adbe\u00adrei\u00adte Moham\u00admad, den ich bis eben noch f\u00fcr einen rela\u00adtiv gebil\u00adde\u00adten und welt\u00adge\u00adwand\u00adten jun\u00adgen Mann gehal\u00adten habe, etwas der\u00adar\u00adtig gef\u00e4hr\u00adlich Dum\u00admes von sich geben kann.<\/p>\n Ange\u00adstrengt gr\u00fcb\u00adle ich dar\u00ad\u00fcber nach, wie ich ihm klar machen kann, wie idio\u00adtisch sei\u00adne Hal\u00adtung ist.<\/p>\n In Inge scheint sich \u00c4hn\u00adli\u00adches abzu\u00adspie\u00adlen; sie fragt Moham\u00admad, war\u00adum er denn eigent\u00adlich Juden has\u00adse, und dann auch noch alle Juden? Ob er selbst \u00fcber\u00adhaupt schon ein\u00admal wel\u00adche ken\u00adnen gelernt habe?<\/p>\n Unser Gast\u00adge\u00adber schei\u00adnen die\u00adse Fra\u00adgen zu irritieren.<\/p>\n Er ant\u00adwor\u00adtet aus\u00adwei\u00adchend, und es wird zwar klar, dass sei\u00adne Aver\u00adsi\u00adon gegen Juden in kei\u00adnem Zusam\u00admen\u00adhang mit per\u00ads\u00f6n\u00adli\u00adchen Erfah\u00adrun\u00adgen steht \u2013 aber auch, dass es sich offen\u00adbar um Vor\u00adur\u00adtei\u00adle han\u00addelt, mit denen er gro\u00df gewor\u00adden ist und die f\u00fcr ihn den Sta\u00adtus unanzwei\u00adfel\u00adba\u00adrer Wahr\u00adhei\u00adten haben.<\/p>\n Des\u00adhalb ver\u00adsu\u00adche ich es mit einer ande\u00adren Argumentationsweise.<\/p>\n Da er kein Deut\u00adscher sei, k\u00f6n\u00adne er nat\u00fcr\u00adlich nicht so viel \u00fcber Hit\u00adler und sei\u00adne \u201ephi\u00adlo\u00adso\u00adphy\u201d wis\u00adsen wie ich, erz\u00e4h\u00adle ich Moham\u00admad. Und dass es mir ja leid t\u00e4te, sei\u00adne Illu\u00adsio\u00adnen zer\u00adst\u00f6\u00adren zu m\u00fcs\u00adsen \u2013 aber Hit\u00adler h\u00e4t\u00adte die Juden gar nicht gehasst, weil sie Juden sei\u00aden, son\u00addern vor allem des\u00adhalb, weil die meis\u00adten von ihnen nicht blond gewe\u00adsen w\u00e4ren\u2026<\/p>\n \u201e<\/span>Das ist jetzt aber eine Kurz\u00adfas\u00adsung der Nazi-Ras\u00adsen\u00adleh\u00adre, mit der du am his\u00adto\u00adri\u00adschen Semi\u00adnar durch jeden Test ras\u00adseln w\u00fcr\u00addest!\u201d wen\u00addet Inge ein. Aber sie zwin\u00adkert mir zu dabei; sie hat schon ver\u00adstan\u00adden, wel\u00adche Stra\u00adte\u00adgie ich verfolge.<\/p>\n Moham\u00admad run\u00adzelt die Brau\u00aden, als ich ihm den Pro\u00adto\u00adtyp der ari\u00adschen \u201eHer\u00adren\u00adras\u00adse\u201d beschrei\u00adbe, mit dem die Nazis die Welt zu bev\u00f6l\u00adkern gedach\u00adten: gro\u00df, blond und blau\u00e4ugig.<\/p>\n \u201e<\/span>But Hit\u00adler did not look like this,\u201d sagt er zwei\u00adfelnd, Hit\u00adler selbst hat doch gar nicht so ausgesehen.<\/p>\n \u201e<\/span>That was one of his grea\u00adtest pro\u00adblems,\u201d behaup\u00adte ich k\u00fchn.<\/p>\n Hit\u00adlers Kom\u00adple\u00adxe wegen sei\u00adner schm\u00e4ch\u00adti\u00adgen Sta\u00adtur und sei\u00adnes \u201eun-arisch Typs\u201d, f\u00fch\u00adre ich aus, h\u00e4t\u00adten sei\u00adnen Hass auf Men\u00adschen mit dunk\u00adler Haut und schwar\u00adzen Haa\u00adren nur noch gesteigert.<\/p>\n Sodann kom\u00adme ich zum dra\u00adma\u00adti\u00adschen H\u00f6he\u00adpunkt mei\u00adnes klei\u00adnen Exkurses:<\/p>\n \u201e<\/span>With your brown eyes and your black hair, Moham\u00admad \u2013 can you ima\u00adgi\u00adne, what Hit\u00adler would have done to you?\u201d<\/p>\n Wei\u00dft du, was Hit\u00adler mit dir gemacht h\u00e4tte?<\/p>\n \u201e<\/span>The nazis would have locked you up in a con\u00adzen\u00adtra\u00adti\u00adon camp. And you would have been kil\u00adled, just like the jews were kil\u00adled \u2013 becau\u00adse of the colour of your eyes, of your skin and your hair.\u201d<\/p>\n Ja, mein Lie\u00adber, Hit\u00adlers Nazis h\u00e4t\u00adten auch dich ins KZ<\/span> gesperrt und umge\u00adbracht, wegen dei\u00adner sch\u00f6\u00adnen brau\u00adnen Augen, dei\u00adner bron\u00adze\u00adfar\u00adbe\u00adnen Haut und dei\u00adner raben\u00adschwar\u00adzen Haare\u2026<\/p>\n Moham\u00admad starrt mich ent\u00adsetzt und ungl\u00e4u\u00adbig an.<\/p>\n \u201e<\/span>But that\u2019s stu\u00adpid!\u201d ruft er emp\u00f6rt.<\/p>\n Jetzt m\u00fcs\u00adsen Inge und ich doch wie\u00adder lachen.<\/p>\n \u201e<\/span>Oh yes,\u201d stim\u00admen wir zu, das ist wirk\u00adlich dumm.<\/p>\n So dumm, wie es nun mal immer ist, wenn Men\u00adschen ande\u00adre Men\u00adschen wegen ihres Aus\u00adse\u00adhens, ihrer Her\u00adkunft, ihrer Kul\u00adtur oder ihrer Reli\u00adgi\u00adon glau\u00adben has\u00adsen zu m\u00fcssen!<\/p>\n Dass wir Moham\u00admad auch von der Dumm\u00adheit der Vor\u00adur\u00adtei\u00adle \u00fcber\u00adzeugt haben, mit denen er selbst gro\u00df gewor\u00adden ist, wagen wir nicht zu hoffen.<\/p>\n Doch sei\u00adner Begeis\u00adte\u00adrung f\u00fcr Adolf Hit\u00adler konn\u00adten wir offen\u00adsicht\u00adlich einen kr\u00e4f\u00adti\u00adgen D\u00e4mp\u00adfer ver\u00adpas\u00adsen; er wirkt jetzt doch recht nachdenklich.<\/p>\n Ich male mir aus, wie er \u2013 der als weit\u00adge\u00adreis\u00adter Mann ver\u00admut\u00adlich als Ken\u00adner der west\u00adli\u00adchen Welt gilt \u2013 nun als Mul\u00adti\u00adpli\u00adka\u00adtor fun\u00adgie\u00adren und sei\u00adnen Freun\u00adden erz\u00e4h\u00adlen k\u00f6nn\u00adte, dass ihr Idol Hit\u00adler auch ihnen aus ras\u00adsis\u00adti\u00adschen Gr\u00fcn\u00adden kei\u00adnes\u00adwegs wohl\u00adge\u00adson\u00adnen gewe\u00adsen w\u00e4re.<\/p>\n 4. Sep\u00adtem\u00adber<\/p>\n Es ist unser vor\u00adletz\u00adter Tag in Herat, und Moham\u00admad geht mit mir zusam\u00admen zur Schus\u00adter-Werk\u00adstatt hin\u00ad\u00fcber, um sich nach dem Stand der Arbei\u00adten an mei\u00adnen Stie\u00adfeln zu erkundigen.<\/p>\n Ja, \u00fcber\u00adsetzt er die Erl\u00e4u\u00adte\u00adrun\u00adgen des Schus\u00adters, mor\u00adgen Mit\u00adtag wer\u00adden sie fer\u00adtig sein.<\/p>\n Den Schuh\u00adma\u00adcher \u2013 einen hoch\u00adge\u00adwach\u00adse\u00adnen Tadschi\u00adken, der heu\u00adte eine Kara\u00adkul-M\u00fct\u00adze<\/a> tr\u00e4gt, neben dem Tur\u00adban die h\u00e4u\u00adfigs\u00adte Kopf\u00adbe\u00adde\u00adckung der hie\u00adsi\u00adgen M\u00e4n\u00adner\u00adwelt \u2013 habe ich vor\u00adges\u00adtern (mit sei\u00adner Erlaub\u00adnis) an sei\u00adnem Arbeits\u00adplatz foto\u00adgra\u00adfiert; da es dort aber nicht beson\u00adders hell ist, wei\u00df ich nicht, ob die Auf\u00adnah\u00adme etwas gewor\u00adden ist.<\/p>\n Ich bit\u00adte Moham\u00admad daher, ihn zu fra\u00adgen, ob ich noch ein Foto von ihm und sei\u00adnem Gehil\u00adfen drau\u00ad\u00dfen vor der Werk\u00adstatt machen darf.<\/p>\n Die bei\u00adden sind sofort ein\u00adver\u00adstan\u00adden und stel\u00adlen sich w\u00fcr\u00adde\u00advoll in Positur.<\/p>\n Anschlie\u00ad\u00dfend foto\u00adgra\u00adfiert dann der Schuh\u00adma\u00adcher Moham\u00admad und mich vor des\u00adsen Laden.<\/p>\n Als ich danach wie\u00adder zum Hotel zur\u00fcck will, ist Moham\u00admad ent\u00adt\u00e4uscht, weil ich nicht blei\u00adben und wie \u00fcblich hin\u00adter sei\u00adnem Tre\u00adsen Tee trin\u00adken m\u00f6ch\u00adte, und fragt mich, ob ich viel\u00adleicht wegen unse\u00adrer \u201epoli\u00adti\u00adschen Dis\u00adkus\u00adsi\u00adon\u201d vom Vor\u00adta\u00adge noch ver\u00ad\u00e4r\u00adgert w\u00e4re.<\/p>\n Nein, beteue\u00adre ich, damit habe mei\u00adne Eile nichts zu tun.<\/p>\n Es ist mir ein wenig unan\u00adge\u00adnehm \u2013 schlie\u00df\u00adlich rede ich mit einem Mann, der von Son\u00adnen\u00adauf\u00adgang bis Son\u00adnen\u00adun\u00adter\u00adgang weder essen noch trin\u00adken darf \u2013 aber damit er nichts Fal\u00adsches denkt, ver\u00adra\u00adte ich ihm dann doch den Grund: ich hat\u00adte heu\u00adte noch kein Fr\u00fch\u00adst\u00fcck, und mir ist ganz flau vor Hunger.<\/p>\n Das bringt Moham\u00admad auf eine Idee.<\/p>\n Ich h\u00e4t\u00adte ja wegen des Rama\u00addan wahr\u00adschein\u00adlich noch gar kei\u00adne Gele\u00adgen\u00adheit gehabt, die lecke\u00adre afgha\u00adni\u00adsche K\u00fcche<\/a> ken\u00adnen zu lernen!<\/p>\n Das k\u00f6n\u00adne er nicht zulas\u00adsen, ich m\u00fcs\u00adse ihm unbe\u00addingt die Ehre erwei\u00adsen, heu\u00adte Abend mit ihm zu essen!<\/p>\n Die Aus\u00adsicht auf eine rich\u00adti\u00adge Mahl\u00adzeit ist zwar au\u00dfer\u00ador\u00addent\u00adlich ver\u00adlo\u00adckend, denn seit unse\u00adre klei\u00adne Rei\u00adse\u00adge\u00adsell\u00adschaft die T\u00fcr\u00adkei ver\u00adlas\u00adsen hat, stan\u00adden nur noch Zwie\u00adbeln, Reis und ran\u00adzi\u00adge But\u00adter (im Iran) und auf dem ein\u00adflam\u00admi\u00adgen Cam\u00adping-Kocher Zube\u00adrei\u00adte\u00adtes wie Sup\u00adpen und Ein\u00adt\u00f6p\u00adfe auf dem Speiseplan.<\/p>\n Ande\u00adrer\u00adseits, wer wei\u00df, wo \u2013 und mit wie vie\u00adlen m\u00f6g\u00adli\u00adcher\u00adwei\u00adse unan\u00adge\u00adnehm \u00fcber\u00adrasch\u00adten Ange\u00adh\u00f6\u00adri\u00adgen zusam\u00admen \u2013 Moham\u00admad wohl wohnt?<\/p>\n Ich gebe zu beden\u00adken, dass ich mich in Herat nicht aus\u00adken\u00adne und gera\u00adde mal den Weg zwi\u00adschen Hotel und Stadt\u00adzen\u00adtrum wei\u00df. Und selbst bei die\u00adser \u2013 nicht all\u00adzu lan\u00adgen \u2013 Stre\u00adcke bin nicht sicher, ob ich sie nach Ein\u00adbruch der Dun\u00adkel\u00adheit lau\u00adfen m\u00f6chte\u2026<\/p>\n Nein, nein, ich m\u00fcs\u00adse nicht in ein ent\u00adle\u00adge\u00adnes Stadt\u00advier\u00adtel kom\u00admen, beru\u00adhigt er mich.<\/p>\n Er w\u00fcr\u00adde immer im Laden essen; sei\u00adne Schwes\u00adtern brin\u00adgen sein Essen gegen sie\u00adben Uhr, und es sei jedes Mal so viel, dass es f\u00fcr min\u00addes\u00adtens vier Leu\u00adte rei\u00adchen w\u00fcrde.<\/p>\n Als ich immer noch skep\u00adtisch gucke, f\u00fcgt er eilig hin\u00adzu, dass mei\u00adne Freun\u00addin \u201eHin\u00adge\u201d selbst\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adlich auch ein\u00adge\u00adla\u00adden ist. Und zu zweit h\u00e4t\u00adten wir doch bestimmt kei\u00adne Angst, am Abend das klei\u00adne St\u00fcck die Stra\u00ad\u00dfe hin\u00adun\u00adter zu kom\u00admen, oder?<\/p>\n Da kann ich nicht mehr widerstehen.<\/p>\n Die Aus\u00adsicht auf ein ori\u00aden\u00adta\u00adli\u00adsches Fest\u00admahl \u2013 ich habe geh\u00f6rt, dass sich die Fas\u00adten\u00adden w\u00e4h\u00adrend des Rama\u00addan am Abend mit beson\u00adders k\u00f6st\u00adli\u00adchen Spei\u00adsen f\u00fcr die Ent\u00adbeh\u00adrun\u00adgen des Tages ent\u00adsch\u00e4\u00addi\u00adgen \u2013 ist ein\u00adfach zu verlockend.<\/p>\n Ich bedan\u00adke mich daher f\u00fcr die Ein\u00adla\u00addung und ver\u00adspre\u00adche, um sie\u00adben Uhr zu erscheinen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Auf dem R\u00fcck\u00adweg zu unse\u00adrem Hotel am Ran\u00adde von Herat ent\u00adde\u00adcke ich in einer Sei\u00adten\u00adstra\u00ad\u00dfe noch einen Laden, der mein Inter\u00ades\u00adse weckt. Ein alter Mann mit volu\u00admi\u00adn\u00f6\u00adsem Tur\u00adban hockt auf einem Kis\u00adsen und nickt uns freund\u00adlich zu, als wir ein\u00adtre\u00adten. Sein Laden ist klein, aber die bis unter die nied\u00adri\u00adge Decke rei\u00adchen\u00adden Rega\u00adle sind voll\u00adge\u00adstopft mit \u2026 11. Kojak ist Pr\u00e4\u00adsi\u00addent, Hit\u00adler ist doof<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":183,"menu_order":11,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"class_list":["post-242","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/242","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=242"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/242\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":274,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/242\/revisions\/274"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=242"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}
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