define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":246,"date":"2014-06-01T22:31:39","date_gmt":"2014-06-01T20:31:39","guid":{"rendered":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=246"},"modified":"2024-04-18T00:15:24","modified_gmt":"2024-04-17T22:15:24","slug":"12-abschied-von-herat","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=246","title":{"rendered":"12. Abschied von Herat"},"content":{"rendered":"
Als ich zur\u00fcck im Hotel bin, stellt sich her\u00adaus, dass Inge die Aus\u00adsicht auf eine ori\u00adgi\u00adnal afgha\u00adni\u00adsche Mahl\u00adzeit kei\u00adnes\u00adwegs so reiz\u00advoll fin\u00addet wie ich, und die Aus\u00adsicht auf einen Spa\u00adzier\u00adgang durchs n\u00e4cht\u00adli\u00adche Herat schon gar nicht. Hin\u00adzu kommt, dass das kana\u00addi\u00adsche P\u00e4r\u00adchen, das wir schon in Istan\u00adbul und in Mas\u00adhad getrof\u00adfen haben, heu\u00adte ange\u00adkom\u00admen ist, und mei\u00adne Freun\u00addin wur\u00adde von ihnen zum vege\u00adta\u00adri\u00adschen Abend\u00adessen eingeladen.<\/p>\n
\u201e<\/span>Um sie\u00adben ist es zwar noch nicht stock\u00adfins\u00adter \u2013 aber wenn ich zur\u00fcck\u00adge\u00adhe, schon\u2026 Du kannst mich doch nicht mut\u00adter\u00adsee\u00adlen\u00adal\u00adlein in tiefs\u00adter Nacht durch Herat lau\u00adfen las\u00adsen!\u201d pro\u00adtes\u00adtie\u00adre ich.<\/span>Und obschon ich ver\u00adsu\u00adche, es wie einen Scherz klin\u00adgen zu las\u00adsen, ist mir wirk\u00adlich nicht ganz wohl bei dem Gedan\u00adken. Mei\u00adne n\u00e4cht\u00adli\u00adche Odys\u00adsee an unse\u00adrem ers\u00adten Abend in Istan\u00adbul<\/a> liegt noch nicht so lan\u00adge zur\u00fcck, dass ich ihre Schre\u00adcken ver\u00adges\u00adsen h\u00e4tte\u2026<\/p>\n \u201e<\/span>Wenn du nicht hin\u00adgehst, w\u00e4re das eine t\u00f6d\u00adli\u00adche Belei\u00addi\u00adgung,\u201d erkl\u00e4rt Cathe\u00adri\u00adne, als k\u00f6n\u00adne sie mei\u00adne Gedan\u00adken lesen, \u201eso eine Ein\u00adla\u00addung n\u00e4m\u00adlich eine Ehre, und die Gast\u00adfreund\u00adschaft der Afgha\u00adnen ist wirk\u00adlich legend\u00e4r.\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Au\u00dfer\u00addem\u201d, f\u00fcgt sie hin\u00adzu, \u201eist der Laden doch an der Haupt\u00adstra\u00ad\u00dfe, oder?\u201d<\/p>\n Ich nicke.<\/p>\n \u201e<\/span>Du musst also gar nicht durch irgend\u00adwel\u00adche fins\u00adte\u00adre Sei\u00adten\u00adgas\u00adsen lau\u00adfen. Und so schreck\u00adlich dun\u00adkel ist wird auch nicht sein; es ist grad mal eine Woche her, dass wir Voll\u00admond<\/a> hatten.\u201d<\/p>\n Als ich immer noch zau\u00adde\u00adre, ver\u00adspricht Inge mir schlie\u00df\u00adlich, sp\u00e4\u00adter nach\u00adzu\u00adkom\u00admen, sofern das Essen bei den Kana\u00addi\u00adern nicht zu lan\u00adge dauert.<\/p>\n Es ist tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich noch ziem\u00adlich hell, als ich mich in der D\u00e4m\u00adme\u00adrung auf den Weg zu Moham\u00admads Laden mache. Der von den Fas\u00adten\u00adden sicher sehn\u00ads\u00fcch\u00adtig erwar\u00adte\u00adte Mond ist jedoch schon deut\u00adlich am kla\u00adren Abend\u00adhim\u00admel zu sehen.<\/p>\n Auf den Stra\u00ad\u00dfen Herats, auf denen es w\u00e4h\u00adrend des hei\u00ad\u00dfen Tages eher gem\u00e4ch\u00adlich zuging, herrscht nun ein reges Trei\u00adben. Grup\u00adpen von phan\u00adtom\u00adglei\u00adchen, unter wal\u00adlen\u00adden Bur\u00adkas ver\u00adbor\u00adge\u00adnen Frau\u00aden sind mit K\u00f6r\u00adben, Sch\u00fcs\u00adseln und Kr\u00fc\u00adgen unter\u00adwegs; dazwi\u00adschen has\u00adten Jun\u00adgen \u00fcber die Geh\u00adstei\u00adge, die Tabletts mit gef\u00fcll\u00adten Tee\u00adgl\u00e4\u00adsern zu ihrer durs\u00adti\u00adgen Kund\u00adschaft tragen.<\/p>\n Mit einem sol\u00adchen Tablett, auf dem er eine gro\u00ad\u00dfe Kan\u00adne, einen Zucker\u00adtopf und meh\u00adre\u00adre Gl\u00e4\u00adser balan\u00adciert, l\u00e4uft ein etwa neun- oder zehn\u00adj\u00e4h\u00adri\u00adger Jun\u00adge quer \u00fcber die Stra\u00ad\u00dfe und biegt direkt vor mir in die Sei\u00adten\u00adstra\u00ad\u00dfe ein, in der Had\u00adji<\/a> mit dem sch\u00f6\u00adnen Glas\u00adpo\u00adkal sei\u00adnen Laden hat. Ich sehe dem klei\u00adnen Tschai<\/a>-Lie\u00adfe\u00adran\u00adten hin\u00adter\u00adher, und wie der Zufall es will, steu\u00adert er gera\u00adde\u00adwegs auf den Laden des Alten zu \u2013 und der steht davor, um das Tablett in Emp\u00adfang zu nehmen.<\/p>\n Als er mich sieht, winkt er mir zu, ich sol\u00adle zu ihm her\u00ad\u00fcber kommen.<\/p>\n Ich z\u00f6ge\u00adre einen Moment, einer\u00adseits m\u00f6ch\u00adte ich nicht zu sp\u00e4t zu mei\u00adner Ein\u00adla\u00addung zum Essen bei Moham\u00admad erschei\u00adnen, ande\u00adrer\u00adseits aber auch dem hilfs\u00adbe\u00adrei\u00adten alten Herrn gegen\u00ad\u00fcber nicht unh\u00f6f\u00adlich sein. Das wird Moham\u00admad sicher ver\u00adste\u00adhen, den\u00adke ich, und bie\u00adge in die Gas\u00adse ein, in wel\u00adcher der Had\u00adji sei\u00adnen Tr\u00f6\u00addel\u00adla\u00adden hat.<\/p>\n Er bit\u00adtet mich mit einer Hand\u00adbe\u00adwe\u00adgung, ein\u00adzu\u00adtre\u00adten. Ich neh\u00adme auf dem Sitz\u00adkis\u00adsen Platz, auf das er deu\u00adtet, und er gie\u00dft gr\u00fc\u00adnen Tee<\/a> in unse\u00adre Gl\u00e4\u00adser, der hei\u00df, sehr s\u00fc\u00df und mit viel Kar\u00adda\u00admom gew\u00fcrzt ist.<\/p>\n Es ent\u00adspinnt sich die wohl kurio\u00adses\u00adte Kon\u00adver\u00adsa\u00adti\u00adon, die ich jemals gef\u00fchrt habe, denn er spricht kein Eng\u00adlisch \u2013 und erst recht kein Deutsch \u2013 und ich nur sehr weni\u00adge Wor\u00adte Far\u00adsi (Dari)<\/a>.<\/p>\n Mit fra\u00adgen\u00addem Aus\u00addruck und ent\u00adspre\u00adchen\u00adden Ges\u00adten \u201eerkun\u00addigt\u201d sich der alte Mann, woher ich kom\u00adme und wohin ich (wann) wei\u00adter\u00adrei\u00adse, und ich \u201eant\u00adwor\u00adte\u201d mit eben\u00adso\u00adviel Mimik und Ges\u00adtik \u2013 und eini\u00adgen Wor\u00adten (wie \u201eGer\u00adma\u00adny\u201d, \u201eKan\u00adda\u00adhar\u201d oder \u201eKabul\u201d) von denen ich anneh\u00adme, dass er sie versteht.<\/p>\n Es scheint so, als sei das der Fall, denn er nickt beif\u00e4llig.<\/p>\n Durch die\u00adses Ergeb\u00adnis ermu\u00adtigt, ver\u00adsu\u00adche ich ihm auch klar\u00adzu\u00adma\u00adchen, dass ich nun lei\u00adder wei\u00adter muss, weil ich ein St\u00fcck wei\u00adter die Stra\u00ad\u00dfe hin\u00adun\u00adter zum Essen ein\u00adge\u00adla\u00adden bin \u2013 ich zei\u00adge in die ent\u00adspre\u00adchen\u00adde Rich\u00adtung, stop\u00adfe unsicht\u00adba\u00adre Spei\u00adsen in mei\u00adnen Mund und tu so, als wol\u00adle ich auf\u00adste\u00adhen. Wie\u00adder nickt er und l\u00e4chelt, und als ich mich tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich erhe\u00adbe, steht auch er auf.<\/p>\n Da ich nicht wei\u00df, wie man sich respekt\u00advoll ver\u00adab\u00adschie\u00addet, lege ich ein\u00adfach die Hand\u00adfl\u00e4\u00adchen vor der Brust wie zum Gebet anein\u00adan\u00adder, wie Rolf es uns f\u00fcr den indi\u00adschen und nepa\u00adle\u00adsi\u00adsche Gru\u00df \u201eNamas\u00adte\u201d bei\u00adgebracht hat, und deu\u00adte eine leich\u00adte Ver\u00adbeu\u00adgung an.<\/p>\n Der alte Herr gelei\u00adtet mich schmun\u00adzelnd zur T\u00fcr und greift im Vor\u00adbei\u00adge\u00adhen in ein Regal zu sei\u00adner Rech\u00adten. Als wir vor sei\u00adnem Laden ste\u00adhen, sehe ich, was er in der Hand h\u00e4lt: den t\u00fcr\u00adkis\u00adgr\u00fc\u00adnen Glas\u00adpo\u00adkal! Er \u00fcber\u00adreicht ihn mir, und ich bin sprachlos.<\/p>\n Dann aber f\u00e4llt mir gl\u00fcck\u00adli\u00adcher\u00adwei\u00adse wie\u00adder ein, was Cathe\u00adri\u00adne \u00fcber das in die\u00adsem Teil Afgha\u00adni\u00adstan gespro\u00adche\u00adne Per\u00adsisch (Farsi\u2011e Dar\u00adb\u00e2ri<\/em>)<\/a>gesagt hat \u2013 dass n\u00e4m\u00adlich die per\u00adsi\u00adschen Erobe\u00adrer der Anti\u00adke in vie\u00adlen L\u00e4n\u00addern Euro\u00adpas, vor allem in denen des Mit\u00adtel\u00admeer\u00adrau\u00admes, sprach\u00adli\u00adche Spu\u00adren hin\u00adter\u00adlas\u00adsen und dass umge\u00adkehrt auch euro\u00adp\u00e4i\u00adsche Wor\u00adte Ein\u00adgang ins Far\u00adsi gefun\u00adden h\u00e4t\u00adten. Man\u00adche Wor\u00adte kl\u00e4n\u00adgen grie\u00adchisch, ande\u00adre ita\u00adlie\u00adnisch, und wie\u00adder ande\u00adre ver\u00adst\u00fcn\u00adde jeder Fran\u00adzo\u00adse sofort \u2026<\/p>\n \u201e<\/span>Mer\u00adsi,\u201d sto\u00ad\u00dfe ich her\u00advor, gl\u00fcck\u00adlich, die\u00adses wich\u00adti\u00adge Wort in sei\u00adner Spra\u00adche sagen zu k\u00f6n\u00adnen, \u201emer\u00adsi, mersi!\u201d<\/p>\n Er ant\u00adwor\u00adtet mit einer klei\u00adnen Anspra\u00adche und einer ele\u00adgan\u00adten Ges\u00adte, und obwohl ich kein Wort ver\u00adste\u00adhe, zweif\u00adle ich nicht dar\u00adan, dass er sei\u00adne Freund\u00adlich\u00adkeit und Gro\u00df\u00adz\u00fc\u00adgig\u00adkeit gera\u00adde zur Selbst\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adlich\u00adkeit erkl\u00e4rt hat.<\/p>\n Zuletzt sagt er: \u201eCho\u00adda hafes!\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Cho\u00adda hafes,\u201d sage auch ich und nei\u00adge den Kopf.<\/p>\n Denn jetzt erin\u00adne\u00adre ich mich wie\u00adder: \u201eSalam\u201d (w\u00f6rt\u00adlich: \u201eFrie\u00adde\u201d) sagt man zur Begr\u00fc\u00ad\u00dfung, \u201eCho\u00adda hafes\u201d (w\u00f6rt\u00adlich: \u201eGott befoh\u00adlen\u201d) zum Abschied.<\/p>\n Bei Moham\u00admad kom\u00adme ich mit etwa einer Vier\u00adtel\u00adstun\u00adde Ver\u00adsp\u00e4\u00adtung an.<\/p>\n Obwohl er hung\u00adrig sein muss, hat er mit dem Essen auf mich gewar\u00adtet und beteu\u00adert, das sei \u00fcber\u00adhaupt kein Pro\u00adblem. Als ich ihm von der Ein\u00adla\u00addung zum Tee im Laden des alten Herrn berich\u00adte und ihm das Glas zei\u00adge, freut er sich mit mir und best\u00e4\u00adtigt, dass dies ein wirk\u00adlich sch\u00f6\u00adnes St\u00fcck ist \u2013 unab\u00adh\u00e4n\u00adgig davon, ob nun wirk\u00adlich alt ist oder nicht.<\/p>\n Zum Essen bit\u00adtet er mich in einen Raum hin\u00adter dem Laden, von des\u00adsen Exis\u00adtenz ich bis\u00adher noch nichts mit\u00adbe\u00adkom\u00admen habe, denn die Durch\u00adgangs\u00adt\u00fcr ist hin\u00adter schwe\u00adren Wand\u00adbe\u00adh\u00e4n\u00adgen ver\u00adbor\u00adgen. Bevor wir hin\u00ad\u00fcber\u00adge\u00adhen, schlie\u00dft er die Laden\u00adt\u00fcr ab, und ich \u00fcber\u00adle\u00adge kurz, ob mich das beun\u00adru\u00adhi\u00adgen sollte.<\/p>\n \u201eYou just have to lis\u00adten to your heart,\u201d<\/em> h\u00f6re ich pl\u00f6tz\u00adlich Yus\u00adsufs Stim\u00adme in mei\u00adnem Kopf, \u201eand you will know, if you can trust someone.\u201d<\/em><\/p>\n Also lau\u00adsche ich kon\u00adzen\u00adtriert in mich hin\u00adein, ob da irgend\u00adwo ein unbe\u00adhag\u00adli\u00adches Gef\u00fchl sei\u00adne Ten\u00adta\u00adkel aus\u00adf\u00e4hrt oder eine Alarm\u00adglo\u00adcke lei\u00adse zu schril\u00adlen beginnt. Aber nein, alles bleibt ruhig.<\/p>\n Das Abend\u00adessen<\/a> \u2013 das ver\u00admut\u00adlich aus\u00adge\u00adreicht h\u00e4t\u00adte, um unse\u00adre gesam\u00adte Rei\u00adse\u00adgrup\u00adpe, immer\u00adhin acht Leu\u00adte, satt zu bekom\u00admen \u2013 ist bereits auf einem sch\u00f6n gemus\u00adter\u00adten, von Sitz\u00adkis\u00adsen umge\u00adbe\u00adnen Tuch in der Mit\u00adte des Rau\u00admes arran\u00adgiert. Beim Anblick der Scha\u00adlen und Sch\u00fcs\u00adseln l\u00e4uft mir das Was\u00adser im Mun\u00adde zusammen.<\/p>\n \u201e<\/span>It looks gre\u00adat!\u201d ver\u00adsi\u00adche\u00adre ich Mohammad.<\/p>\n \u201e<\/span>I hope, you\u2019ll like the tas\u00adte, too,\u201d ant\u00adwor\u00adtet er.<\/p>\n Ich nicke nach\u00addr\u00fcck\u00adlich. Doch \u2013 den ver\u00adlo\u00adcken\u00adden D\u00fcf\u00adten nach zu urtei\u00adlen, die von den K\u00f6st\u00adlich\u00adkei\u00adten auf\u00adstei\u00adgen, wird mir der Geschmack mit Sicher\u00adheit eben\u00adfalls zusagen!<\/p>\n Wir las\u00adsen uns auf den Kis\u00adsen nie\u00adder, und mein Gast\u00adge\u00adber gibt zu den vor uns ste\u00adhen\u00adden Spei\u00adsen eini\u00adge Erkl\u00e4\u00adrun\u00adgen ab.<\/p>\n Sehr wich\u00adtig sei das \u201eNaan\u201d<\/a>, das Fla\u00adden\u00adbrot, betont er, denn es sei nicht nur Bei\u00adla\u00adge, son\u00addern erset\u00adze in Afgha\u00adni\u00adstan auch den L\u00f6f\u00adfel \u2013 f\u00fcr So\u00dfen und Spei\u00adsen mit sehr brei\u00adiger Kon\u00adsis\u00adtenz. Nat\u00fcr\u00adlich, f\u00e4hrt Moham\u00admad fort, k\u00f6n\u00adne ich <\/em>auch ein Besteck bekom\u00admen, wenn ich wollte\u2026<\/p>\n Nein, nicht n\u00f6tig, sage ich. Ich m\u00f6ch\u00adte gern mit den H\u00e4n\u00adden essen, wie die Afgha\u00adnen, und las\u00adse mir von ihm zei\u00adgen, wie man ein St\u00fcck Naan<\/a> zu einer Art Schau\u00adfel zusam\u00admen\u00adbiegt und damit bei\u00adspiels\u00adwei\u00adse Daal<\/a> auf\u00adnimmt, ein wei\u00adches, lecker w\u00fcr\u00adzi\u00adges Linsenmus.<\/p>\n Als n\u00e4chs\u00adtes pro\u00adbie\u00adre ich gebra\u00adte\u00adne Auber\u00adgi\u00adnen\u00adschei\u00adben in einer Joghurt-So\u00dfe und gr\u00fc\u00adne Boh\u00adnen mit Knob\u00adlauch und Toma\u00adten \u2013 zwei Vor\u00adspei\u00adsen, die mir von der t\u00fcr\u00adki\u00adschen K\u00fcche her ver\u00adtraut sind und die auch ziem\u00adlich \u00e4hn\u00adlich schmecken.<\/p>\n Dann reicht mir Moham\u00admad einen Bis\u00adsen in einer gold\u00adbraun frit\u00adtier\u00adten Teig\u00adh\u00fcl\u00adle. Ich bei\u00ad\u00dfe vor\u00adsich\u00adtig ab \u2013 und stel\u00adle fest, dass sich ein weich\u00adge\u00adkoch\u00adtes, lecker gew\u00fcrz\u00adtes Kar\u00adtof\u00adfel\u00adst\u00fcck im Inne\u00adren befin\u00addet. \u201ePako\u00adra\u201d<\/a> hei\u00ad\u00dfen die\u00adse H\u00e4pp\u00adchen, und es gibt sie auch mit Zwie\u00adbel\u00adrin\u00adgen unter der knusp\u00adri\u00adgen H\u00fclle.<\/p>\n Sol\u00adche Pako\u00adras (Gem\u00fc\u00adse\u00adst\u00fcck\u00adchen in einer Teig\u00adh\u00fcl\u00adle auf der Basis von Kicher\u00aderb\u00adsen\u00admehl) gibt es auch in Paki\u00adstan und in Indi\u00aden, erz\u00e4hlt Moham\u00admad, \u201eand may\u00adbe in Nepal, too \u2013 I don\u2019t know.\u201d.<\/p>\n \u201e<\/span>You must try the Qua\u00adbe\u00adli<\/a>!\u201d dr\u00e4ngt er. \u201eIt is a famous afghan meal, very delicious!\u201d<\/p>\n Das von ihm ange\u00adprie\u00adse\u00adne \u201eber\u00fchm\u00adte\u201d Gericht besteht aus Lamm\u00adfleisch\u00adst\u00fcck\u00adchen, die einem auf der Zun\u00adge zer\u00adge\u00adhen, in einer \u00e4u\u00dferst deli\u00adka\u00adten So\u00dfe. Dazu gibt es per\u00adfekt gegar\u00adtem Reis, der durch\u00adsetzt ist von Gew\u00fcrz\u00adnel\u00adken und Kar\u00adda\u00admom\u00adkap\u00adseln, gestif\u00adte\u00adten M\u00f6h\u00adren, gehack\u00adten Man\u00addeln, Pis\u00adta\u00adzi\u00aden \u2013 und Rosinen.<\/p>\n Die aro\u00adma\u00adti\u00adschen Gew\u00fcr\u00adze, die N\u00fcs\u00adse und die zucker\u00ads\u00fc\u00ad\u00dfen Rosi\u00adnen im Reis pas\u00adsen nicht nur \u00fcber\u00adra\u00adschend gut zu dem wun\u00adder\u00adbar zar\u00adten Fleisch, nein, sie unter\u00adstrei\u00adchen des\u00adsen Geschmack auf eine unwi\u00adder\u00adsteh\u00adli\u00adche Wei\u00adse, die mir Lau\u00adte des Ent\u00adz\u00fc\u00adckens entlockt.<\/p>\n \u201e<\/span>Mmmmm\u2026 you are right, this is abso\u00adlut\u00ade\u00adly deli\u00adcious!\u201d schw\u00e4r\u00adme ich, und Moham\u00admad strahlt.<\/p>\n Aus jeder Scha\u00adle und jeder Sch\u00fcs\u00adsel muss ich pro\u00adbie\u00adren: von den Fri\u00adka\u00addel\u00adlen aus Lamm\u00adhack<\/a> mit fri\u00adscher Min\u00adze, einer Spe\u00adzia\u00adli\u00adt\u00e4t sei\u00adner Mut\u00adter, wie er mir stolz ver\u00adsi\u00adchert, vom gemisch\u00adten Salat \u2013 eben\u00adfalls mit einer ordent\u00adli\u00adchen Por\u00adti\u00adon gehack\u00adter Min\u00adze zube\u00adrei\u00adtet \u2013 und von den gekoch\u00adten gr\u00fc\u00adnen \u201eBamia\u201d<\/a> (Okras).<\/p>\n Das Ein\u00adzi\u00adge, was mir nicht so zusagt, sind die Okra-Scho\u00adten; ansons\u00adten ist die\u00adser Schmaus ein ein\u00adzi\u00adger Hochgenuss.<\/p>\n Aber so k\u00f6st\u00adlich das Essen auch ist, nach\u00addem ich alles durch\u00adpro\u00adbiert und mir noch eine zwei\u00adte Por\u00adti\u00adon von dem k\u00f6st\u00adli\u00adchen Qua\u00adbe\u00adli<\/a> ein\u00adver\u00adleibt habe, bin ich so satt, das ich von den mit Pis\u00adta\u00adzi\u00aden ver\u00adzier\u00adten Pl\u00e4tz\u00adchen<\/a>, die Moham\u00admad mir zuletzt kre\u00addenzt, nur noch einen ein\u00adzi\u00adgen her\u00adun\u00adter brin\u00adge \u2013 und auch den nur zusam\u00admen mit einem Glas Tee.<\/p>\n Mein Gast\u00adge\u00adber tut gekr\u00e4nkt, gera\u00adde so, als h\u00e4t\u00adte ich nur wie ein Spatz gegessen.<\/p>\n Obwohl ich wirk\u00adlich von Allem gekos\u00adtet und von Vie\u00adlem reich\u00adlich genom\u00admen habe, besteht er dar\u00adauf, dass ich bestimmt noch viel mehr essen w\u00fcr\u00adde, wenn es mir wirk\u00adlich so gut schme\u00adcken w\u00fcr\u00adde wie ich behaupte.<\/p>\n Wenn ich noch<\/em> mehr der Lecke\u00adrei\u00aden in mich hin\u00adein stop\u00adfe, wer\u00adde ich plat\u00adzen, ver\u00adsi\u00adche\u00adre ich ihm. Und als ich beschrei\u00adbe, wie ich h\u00f6chst\u00adwahr\u00adschein\u00adlich den Weg zum Hotel zur\u00fcck\u00adle\u00adgen muss \u2013 rol\u00adlend n\u00e4m\u00adlich \u2013 muss Moham\u00admad dann doch auch lachen und h\u00f6rt auf, belei\u00addigt zu tun.<\/p>\n Er schenkt mir und sich Tee nach und sch\u00fct\u00adtet dann etwas Tabak in eine klei\u00adne Schale.<\/p>\n Aus einer Dose nimmt er ein wal\u00adnuss\u00adgro\u00ad\u00dfes St\u00fcck Cha\u00adras<\/a>, erw\u00e4rmt es kurz mit einem Feu\u00ader\u00adzeug und beginnt, etwas davon \u00fcber den Tabak zu br\u00f6seln.<\/p>\n \u201e<\/span>Oh no,\u201d sage ich und wede\u00adle mit den H\u00e4n\u00adden, \u201eno cha\u00adras for me, please!\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Why not? You are in Afghanistan!\u201d<\/p>\n Ich lache.<\/p>\n \u201e<\/span>Yes, I know \u2013 but the afghan cha\u00adras is much too strong for me.\u201d<\/p>\n Ich erz\u00e4h\u00adle ihm von der Was\u00adser\u00adpfei\u00adfe beim \u201eklei\u00adnen Muck\u201d, die mich f\u00fcr etli\u00adche Stun\u00adden kom\u00adplett au\u00dfer Gefecht gesetzt hat.<\/p>\n \u201e<\/span>Don\u2019t worry!\u201d beru\u00adhigt mich Mohammad.<\/p>\n Dies sei ja kei\u00adne Was\u00adser\u00adpfei\u00adfe, son\u00addern nur ein klei\u00adner Stick. Der sei \u201egut f\u00fcr die Ver\u00addau\u00adung\u201d. Und er w\u00fcr\u00adde ja auch gar nicht viel hin\u00adein tun.<\/p>\n Er deu\u00adtet auf die Scha\u00adle, und tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich hat er nur weni\u00adge schwar\u00adze Kr\u00fc\u00admel auf den Tabak gestreut. Mit geschick\u00adten Fin\u00adgern ver\u00admengt er Tabak und Haschisch und f\u00fcllt die Mischung in eine lee\u00adre Ziga\u00adret\u00adten\u00adh\u00fcl\u00adse. Als er die Ziga\u00adret\u00adte anz\u00fcn\u00addet, inha\u00adliert und den Qualm wie\u00adder aus\u00adat\u00admet, \u00fcber\u00adla\u00adgert der inten\u00adsi\u00adve, s\u00fc\u00df\u00adlich-har\u00adzi\u00adge Geruch des Rauchs sofort alle Essensd\u00fcfte.<\/p>\n Als er sie mir anbie\u00adtet, neh\u00adme ich sie. Nur einen Zug, sage ich mir, h\u00f6chs\u00adtens zwei\u2026<\/p>\n So ein Stick schmeckt ein\u00adfach viel, viel bes\u00adser als eine simp\u00adle Ziga\u00adret\u00adte \u201eohne was drin\u201d, beson\u00adders nach einem der\u00adar\u00adtig opu\u00adlen\u00adten Essen.<\/p>\n Und so grei\u00adfe ich noch ein zwei\u00adtes Mal zu, als Moham\u00admad ihn mir wie\u00adder hin\u00adh\u00e4lt. Und mer\u00adke zu sp\u00e4t, dass sich mei\u00adne Nacken\u00adhaa\u00adre \u2013 eins nach dem ande\u00adren \u2013 auf\u00adge\u00adrich\u00adtet haben, dass mei\u00adne im Schnei\u00adder\u00adsitz ver\u00adschr\u00e4nk\u00adten Bei\u00adne krib\u00adbeln und auf son\u00adder\u00adba\u00adre Art und Wei\u00adse nicht mehr zum rest\u00adli\u00adchen K\u00f6r\u00adper zu geh\u00f6\u00adren schei\u00adnen, und dass die W\u00e4n\u00adde des schum\u00adme\u00adrig beleuch\u00adte\u00adten Rau\u00admes begon\u00adnen haben, vor und zur\u00fcck zu wabern\u2026<\/p>\n Moham\u00admad erz\u00e4hlt irgend\u00adwas, aber ich habe Schwie\u00adrig\u00adkei\u00adten, sei\u00adnem Geplau\u00adder zu folgen.<\/p>\n Statt\u00addes\u00adsen f\u00e4llt mir auf, dass er mir unun\u00adter\u00adbro\u00adchen direkt in die Augen sieht, als wol\u00adle er mich hyp\u00adno\u00adti\u00adsie\u00adren. Die Luft zwi\u00adschen uns kommt mir vor wie die bei einem Som\u00admer\u00adge\u00adwit\u00adter, kurz bevor Blitz und Don\u00adner losbrechen.<\/p>\n Schlag\u00adar\u00adtig wird mir bewusst, dass nie\u00admand wei\u00df, wo ich in die\u00adsem Moment bin \u2013 im ver\u00adsteck\u00adten Hin\u00adter\u00adzim\u00admer eines abge\u00adschlos\u00adse\u00adnen Ladens in Herat, zusam\u00admen mit einem Afgha\u00adnen, der sich gegen eine arran\u00adgier\u00adte Ehe mit einem sprach- und gesichts\u00adlo\u00adsen Bur\u00adka-Phan\u00adtom str\u00e4ubt, seit er von einer d\u00e4ni\u00adschen Freun\u00addin \u201ewach\u00adge\u00adk\u00fcsst\u201d wurde.<\/p>\n Trotz der Hit\u00adze lau\u00adfen mir kal\u00adte Schau\u00ader \u00fcber den R\u00fccken.<\/p>\n Ich fan\u00adge an, mich ziem\u00adlich unwohl zu f\u00fch\u00adlen, und ver\u00adflu\u00adche ins\u00adge\u00adheim mei\u00adnen Leicht\u00adsinn und mei\u00adne ver\u00addamm\u00adte Nai\u00advi\u00adt\u00e4t, die mich immer wie\u00adder Hals \u00fcber Kopf in Aben\u00adteu\u00ader st\u00fcr\u00adzen las\u00adsen, von denen ich nicht wei\u00df, wie sie ausgehen\u2026<\/p>\n Ande\u00adrer\u00adseits \u2013 \u201ethe only way to beco\u00adme self\u00adcon\u00adfi\u00addent, is to make expe\u00adri\u00aden\u00adces\u201d<\/em>, hat Yus\u00adsuf gesagt, nicht wahr?<\/p>\n Pl\u00f6tz\u00adlich f\u00e4llt mir auch sein Rat wie\u00adder ein, sel\u00adber offen zu sein, um Ande\u00adre bes\u00adser zu ver\u00adste\u00adhen. Ich erwi\u00adde\u00adre Moham\u00admads Blick, und nun sehe ich auch die Trau\u00adrig\u00adkeit in sei\u00adnen sch\u00f6\u00adnen Augen.<\/p>\n Klar, den\u00adke ich, nat\u00fcr\u00adlich sehnt er sich nach einer \u201eneu\u00aden Britta\u201d.<\/p>\n Und selbst\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adlich tr\u00e4umt er davon, dass ich das w\u00e4re; dass ich in Herat blei\u00adbe und ihn wie\u00adder zu dem gl\u00fcck\u00adli\u00adchen jun\u00adgen Mann mache, der er an ihrer Sei\u00adte war.<\/p>\n Aber sei\u00adne Augen sagen mir auch, dass er eigent\u00adlich nicht wirk\u00adlich dar\u00adan glaubt, dass die\u00adser Traum in Erf\u00fcl\u00adlung geht.<\/p>\n Ihn trotz\u00addem wei\u00adter hof\u00adfen zu las\u00adsen, erscheint mir grau\u00adsa\u00admer, als sei\u00adnen Traum zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n Und so war\u00adte ich auf eine Pau\u00adse sei\u00adnes Geplau\u00adders, hole Luft und erkl\u00e4\u00adre ihm dann, ruhig und (zu mei\u00adner eige\u00adnen \u00dcber\u00adra\u00adschung) in flie\u00ad\u00dfen\u00addem Eng\u00adlisch, dass ich ihn, Moham\u00admad, ganz au\u00dfer\u00ador\u00addent\u00adlich sym\u00adpa\u00adthisch und auch durch\u00adaus gut\u00adaus\u00adse\u00adhend f\u00e4n\u00adde. Dass ich aber, wie ich ihm bereits erz\u00e4hlt habe, nach Nepal wol\u00adle und nur auf der Durch\u00adrei\u00adse sei.<\/p>\n Und dass ich ihn zwar sehr, sehr nett f\u00e4n\u00adde, aber nicht in ihn ver\u00adliebt sei \u2013 nicht ver\u00adliebt genug, um eine \u00c4nde\u00adrung mei\u00adner Pl\u00e4\u00adne in Erw\u00e4\u00adgung zu ziehen.<\/p>\n Ich \u00fcber\u00adle\u00adge kurz und f\u00fcge dann noch einen unmiss\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adlich hinzu:<\/p>\n \u201e<\/span>And I will not have sex with you.\u201d<\/p>\n Moham\u00admad starrt mich mit gro\u00ad\u00dfen Augen an.<\/p>\n Sei\u00adne Brau\u00aden fah\u00adren in die H\u00f6he, sei\u00adne Gesichts\u00adz\u00fc\u00adge zucken, und dann bricht er in schal\u00adlen\u00addes Gel\u00e4ch\u00adter aus.<\/p>\n Ich lache mit ihm, froh dar\u00ad\u00fcber, dass er die\u00adse Mit\u00adtei\u00adlung so hei\u00adter aufnimmt.<\/p>\n \u201e<\/span>You wes\u00adtern women\u2026\u201d st\u00f6hnt er und wischt sich eine Lach\u00adtr\u00e4\u00adne aus dem Auge \u201eyou are unbe\u00adlie\u00adva\u00adble! Crazy!\u201d<\/p>\n Es klingt, als gefie\u00adle ihm die unglaub\u00adli\u00adche, ver\u00adr\u00fcck\u00adte Art der \u201eFrau\u00aden aus dem Wes\u00adten\u201d ganz gut.<\/p>\n Ich ver\u00adra\u00adte ihm nicht, dass es der Rat eines T\u00fcr\u00adken gewe\u00adsen ist, der mich dazu gebracht hat, ein\u00adfach das aus\u00adzu\u00adspre\u00adchen, was unaus\u00adge\u00adspro\u00adchen den gan\u00adzen Abend lang f\u00fcr Span\u00adnung und eine (zumin\u00addest f\u00fcr mich) unbe\u00adhag\u00adli\u00adche Ath\u00admo\u00adsph\u00e4\u00adre gesorgt h\u00e4tte.<\/p>\n Auch Moham\u00admad kommt mir jetzt, wo die\u00adse Fra\u00adge gekl\u00e4rt ist, weit\u00adaus locke\u00adrer vor.<\/p>\n \u201e<\/span>But plea\u00adse \u2013 when\u00adever you chan\u00adge your mind,\u201d sagt er mit einem spitz\u00adb\u00fc\u00adbi\u00adschen Grin\u00adsen, \u201edon\u2019t for\u00adget to tell me!\u201d<\/p>\n Ich nicke und grin\u00adse ebenfalls.<\/p>\n Aber sicher, falls ich mir das mit dem Sex noch anders \u00fcber\u00adle\u00adge, wer\u00adde ich es ihn sofort wis\u00adsen lassen!<\/p>\n Als ich mei\u00adne Bei\u00adne aus\u00adsch\u00fct\u00adte\u00adle, um her\u00adaus\u00adzu\u00adfin\u00adden, ob ich wie\u00adder die Herr\u00adschaft \u00fcber sie habe \u2013 schlie\u00df\u00adlich muss ich irgend\u00adwann dem\u00adn\u00e4chst den R\u00fcck\u00adweg zum Hotel bew\u00e4l\u00adti\u00adgen \u2013 fragt mein Gast\u00adge\u00adber besorgt, ob ich das Sit\u00adzen auf fla\u00adchen Kis\u00adsen unkom\u00adfor\u00adta\u00adbel f\u00e4nde.<\/p>\n Nein, beteue\u00adre ich, das eigen\u00adar\u00adti\u00adge Gef\u00fchl in mei\u00adnen Bei\u00adnen k\u00e4me nicht daher, son\u00addern das Haschisch\u00adrau\u00adchen sei mir so hef\u00adtig in die Bei\u00adne (und nat\u00fcr\u00adlich auch in den Kopf) gefah\u00adren. Er mag das gar nicht glauben.<\/p>\n Die\u00adses klei\u00adne Eck\u00adchen? Er selbst h\u00e4t\u00adte so gut wie kei\u00adne Wir\u00adkung versp\u00fcrt.<\/p>\n Nun ja, ant\u00adwor\u00adte ich, du bist auch ein Afgha\u00adne. Ver\u00admut\u00adlich k\u00f6nn\u00adte ich daf\u00fcr viel mehr Wein oder Bier ver\u00adtra\u00adgen als du.<\/p>\n Moham\u00admad lacht. Das k\u00f6nn\u00adte gut sein, stimmt er mir zu.<\/p>\n \u201e<\/span>Let me show you some\u00adthing,\u201d sagt er dann, wie\u00adder ernst\u00adhaft, und greift sich an die Ohren.<\/p>\n \u201e<\/span>When\u00adever you are too stoned, you can give a gent\u00adle litt\u00adle mas\u00adsa\u00adge to your ears. You start down here \u2013\u201d, er zieht leicht an sei\u00adnen Ohr\u00adl\u00e4pp\u00adchen, \u201e\u2013 and then you slow\u00adly move your fin\u00adgers up,\u201d \u2013 um sich dann mit Zei\u00adge\u00adfin\u00adger und Dau\u00admen an der Ohr\u00admu\u00adschel ent\u00adlang nach oben zu arbeiten.<\/p>\n Ich fol\u00adge sei\u00adnen Anwei\u00adsun\u00adgen und mas\u00adsie\u00adre vor\u00adsich\u00adtig die R\u00e4n\u00adder mei\u00adner Ohren zwi\u00adschen zwei Fin\u00adgern, und tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich habe ich das Gef\u00fchl, dass mich das \u201eerdet\u201d, mei\u00adnen Geist wie\u00adder mehr in mei\u00adnen K\u00f6r\u00adper zur\u00fcckbringt.<\/p>\n Das leich\u00adte Schwin\u00addel\u00adge\u00adf\u00fchl h\u00f6rt auf, mein Kreis\u00adlauf scheint sich zu nor\u00adma\u00adli\u00adsie\u00adren, und das Rau\u00adschen in mei\u00adnem Kopf verstummt.<\/p>\n Gera\u00adde will ich begeis\u00adtert vom Erfolg der Ohr-Mas\u00adsa\u00adge erz\u00e4h\u00adlen, da mer\u00adke ich, dass ich jetzt zwar kein Rau\u00adschen mehr h\u00f6re, aber daf\u00fcr ein rhyth\u00admi\u00adsches Klopfen.<\/p>\n Bevor ich begrei\u00adfe, dass die\u00adses Klop\u00adfen nicht aus mei\u00adnem Sch\u00e4\u00addel, son\u00addern von vorn aus dem Laden kommt, ist Moham\u00admad schon auf\u00adge\u00adsprun\u00adgen und durch den Vor\u00adhang gehuscht.<\/p>\n Er kommt mit Inge zusam\u00admen zur\u00fcck.<\/p>\n \u201e<\/span>Ein gem\u00fct\u00adli\u00adches Sepa\u00adr\u00e9e ist das hier,\u201d sagt sie und l\u00e4sst ihren Blick durch den Raum schwei\u00adfen. \u201eIch hof\u00adfe, ich st\u00f6\u00adre nicht\u2026\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Quatsch. Wenn ich vor\u00adge\u00adhabt h\u00e4t\u00adte, die Nacht hier zu ver\u00adbrin\u00adgen, h\u00e4t\u00adte ich dich bestimmt nicht gebe\u00adten, vor\u00adbei zu kom\u00admen. Ich bin sehr froh, dass du es noch geschafft hast,\u201d ver\u00adsi\u00adche\u00adre ich und fra\u00adge sie, ob sie etwas von dem, inzwi\u00adschen lei\u00adder abge\u00adk\u00fchl\u00adten, Essen m\u00f6ch\u00adte. Eigent\u00adlich ist sie schon satt, aber dann pro\u00adbiert sie doch noch eini\u00adge H\u00e4pp\u00adchen \u2013 und ist eben\u00adso begeis\u00adtert von der afgha\u00adni\u00adschen K\u00fcche wie ich.<\/p>\n \u201e<\/span>F\u00fcr mich hat es aus\u00adge\u00adse\u00adhen, als w\u00e4rst du am liebs\u00adten doch die gan\u00adze Nacht bei ihm geblie\u00adben. War das so?\u201d fragt Inge, als wir etwa zwei Stun\u00adden sp\u00e4\u00adter im Schein des Mon\u00addes und unse\u00adrer Taschen\u00adlam\u00adpen in Rich\u00adtung Hotel schlendern.<\/p>\n Wir haben uns auch zu dritt noch gro\u00df\u00adar\u00adtig am\u00fc\u00adsiert, gere\u00addet, gescherzt und gelacht. Beim Abschied sah Moham\u00admad mir noch ein\u00admal tief in die Augen und frag\u00adte mit einem schr\u00e4\u00adgen L\u00e4cheln, ob ich es mir nicht viel\u00adleicht doch noch anders \u00fcber\u00adlegt h\u00e4tte\u2026<\/p>\n Einen Moment lang wur\u00adden mei\u00adne Knie etwas weich, aber dann sch\u00fct\u00adtel\u00adte ich den Kopf. Nein, dies war weder der Ort noch der Mann f\u00fcr einen One-Night-Stand.<\/p>\n \u201e<\/span>Mir geht es ein biss\u00adchen so, wie dir in Istan\u00adbul \u2013 ich wei\u00df nicht ganz genau, was ich will und was nicht,\u201d mei\u00adne ich nachdenklich.<\/p>\n \u201e<\/span>Aber eines wei\u00df ich ganz sicher: ich will \u00fcber\u00admor\u00adgen fr\u00fch mit euch wei\u00adter\u00adfah\u00adren, nach Nepal.\u201d<\/p>\n Als ich sie anpro\u00adbie\u00adre, mer\u00adke ich, dass der Schus\u00adter sie aus extrem dicken und har\u00adten Leder ange\u00adfer\u00adtigt hat. Ver\u00admut\u00adlich hat er es gut gemeint \u2013 die\u00adses Schuh\u00adwerk h\u00e4lt sicher eine klei\u00adne Ewig\u00adkeit \u2013 aber bevor die nicht rich\u00adtig \u201eein\u00adge\u00adlau\u00adfen\u201d sind, sind sie auch nicht bequem.<\/p>\n Aber es ist ja ohne\u00adhin viel zu warm, um in Stie\u00adfeln herumzulaufen.<\/p>\n Ich bedan\u00adke mich bei den Hand\u00adwer\u00adkern und bezah\u00adle den ver\u00adein\u00adbar\u00adten Preis, ohne auch nur eine Sekun\u00adde an Feil\u00adschen zu denken.<\/p>\n Nach\u00addem mich der Schus\u00adter zum Abschied Gott anbe\u00adfoh\u00adlen und mir eine gute Rei\u00adse gew\u00fcnscht hat, ste\u00adhe ich einen Moment lang unschl\u00fcs\u00adsig vor sei\u00adnem Laden.<\/p>\n Soll ich noch kurz in Moham\u00admads Laden vor\u00adbei schauen?<\/p>\n Nein, bes\u00adser nicht: ich bin in den Gedan\u00adken schon ganz woan\u00adders, und ich muss im Hotel auch noch mei\u00adne Sachen zusam\u00admen packen.<\/p>\n Der gest\u00adri\u00adge Abend war so sch\u00f6n, den m\u00f6ch\u00adte ich als letz\u00adte Erin\u00adne\u00adrung an Herat bewah\u00adren \u2013 nicht einen ver\u00adkrampf\u00adten Aus\u00adtausch der \u00fcbli\u00adchen H\u00f6f\u00adlich\u00adkeits\u00adflos\u00adkeln \u201ezwi\u00adschen T\u00fcr und Angel\u201d.<\/p>\n Wir fah\u00adren in der Mor\u00adgen\u00add\u00e4m\u00adme\u00adrung los, bevor die Hit\u00adze des Tages einsetzt.<\/p>\n Inge und ich haben ges\u00adtern Abend noch lan\u00adge gere\u00addet und krab\u00adbeln auf die Matrat\u00adze hin\u00adten im Bus, um noch etwas zu d\u00f6sen.<\/p>\n Durch halb geschlos\u00adse\u00adne Augen sehe ich die letz\u00adten Geb\u00e4u\u00adde am Stadt\u00adrand von Herat zur\u00fcckbleiben.<\/p>\n Unse\u00adre Stra\u00ad\u00dfe ist eine schnur\u00adge\u00adra\u00adde Pis\u00adte durch eine strauch- und baum\u00adlo\u00adse Land\u00adschaft, in der kei\u00adner\u00adlei Bewe\u00adgung aus\u00adzu\u00adma\u00adchen ist \u2013 abge\u00adse\u00adhen von den gem\u00e4ch\u00adli\u00adchen Schrit\u00adten gele\u00adgent\u00adlich auf\u00adtau\u00adchen\u00adder am Stra\u00ad\u00dfen\u00adrand H\u00f6cker\u00adtie\u00adre, oder dem schwan\u00adken\u00adden, ziel\u00adlo\u00adsen Krei\u00adseln einer Sand\u00adho\u00adse<\/a>.<\/p>\n Wir fah\u00adren in die W\u00fcste.<\/p>\n Wei\u00adter\u00adle\u00adsen \u00bb 13. Wun\u00adder in der W\u00fcs\u00adte, Kot\u00adzen in Kabul<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Als ich zur\u00fcck im Hotel bin, stellt sich her\u00adaus, dass Inge die Aus\u00adsicht auf eine ori\u00adgi\u00adnal afgha\u00adni\u00adsche Mahl\u00adzeit kei\u00adnes\u00adwegs so reiz\u00advoll fin\u00addet wie ich, und die Aus\u00adsicht auf einen Spa\u00adzier\u00adgang durchs n\u00e4cht\u00adli\u00adche Herat schon gar nicht. Hin\u00adzu kommt, dass das kana\u00addi\u00adsche P\u00e4r\u00adchen, das wir schon in Istan\u00adbul und in Mas\u00adhad getrof\u00adfen haben, heu\u00adte ange\u00adkom\u00admen ist, \u2026 12. Abschied von Herat<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":183,"menu_order":12,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"class_list":["post-246","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/246","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=246"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/246\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":276,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/246\/revisions\/276"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=246"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}
\n5.September
\nErst am fr\u00fc\u00adhen Nach\u00admit\u00adtag schaf\u00adfe ich es in Stadt, um mei\u00adne Stie\u00adfel abzuholen.<\/p>\n
\n6. September<\/p>\n
<\/p>\n