define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":248,"date":"2014-06-01T22:33:45","date_gmt":"2014-06-01T20:33:45","guid":{"rendered":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=248"},"modified":"2024-04-18T00:15:19","modified_gmt":"2024-04-17T22:15:19","slug":"13-wunder-in-der-wueste-kotzen-in-kabul","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=248","title":{"rendered":"13. Wunder in der W\u00fcste, Kotzen in Kabul"},"content":{"rendered":"

Obwohl wir auch im Iran schon W\u00fcs\u00adten\u00adge\u00adbie\u00adte<\/a> durch\u00adquert haben, habe ich das Lebens\u00adfeind\u00adli\u00adche \u2013 und zugleich doch unge\u00adheu\u00ader Fas\u00adzi\u00adnie\u00adren\u00adde \u2013 die\u00adser Land\u00adschaft noch nie so stark emp\u00adfun\u00adden wie hier, irgend\u00adwo auf der \u201eRing Road\u201d<\/a> zwi\u00adschen Herat und Kan\u00adda\u00adhar<\/a>.<\/p>\n

Ich lie\u00adge auf der gro\u00ad\u00dfen Matrat\u00adze hin\u00adten im Bus, und die br\u00fc\u00adten\u00adde Hit\u00adze und der Anblick der sand\u00adfar\u00adbe\u00adnen Ein\u00ad\u00f6de ver\u00adset\u00adzen mich in einen D\u00e4m\u00admer\u00adzu\u00adstand zwi\u00adschen Schla\u00adfen und Wachen.<\/p>\n

<\/span>Mei\u00adne Zun\u00adge klebt am Gau\u00admen, obwohl ich mei\u00adnen Trink\u00adbe\u00adcher vor nicht ein\u00admal zehn Minu\u00adten am Was\u00adser\u00adka\u00adnis\u00adter gef\u00fcllt und gie\u00adrig geleert habe.<\/p>\n

Ich ver\u00adbie\u00adte mir, ihn schon wie\u00adder auf\u00adzu\u00adf\u00fcl\u00adlen, denn ich will nicht die\u00adje\u00adni\u00adge sein, wegen der n\u00e4chs\u00adte \u201ePin\u00adkel-Pau\u00adse\u201d ein\u00adge\u00adlegt wer\u00adden muss. Rolf h\u00e4lt ungern und nur unter halb\u00adlau\u00adtem Gen\u00f6r\u00adgel auf frei\u00ader Stre\u00adcke an; des\u00adhalb war\u00adten alle Pas\u00adsa\u00adgie\u00adre lie\u00adber ab, bis der von unse\u00adrem Fah\u00adrer mas\u00adsen\u00adhaft kon\u00adsu\u00admier\u00adte Kaf\u00adfee ihn zu einem Stopp zwingt.<\/p>\n

Ich star\u00adre mit m\u00fcden Augen in eine stau\u00adbi\u00adge Lee\u00adre unter einer erbar\u00admungs\u00adlos sen\u00adgen\u00adden Sonne.<\/p>\n

Mei\u00adne Keh\u00adle f\u00fchlt sich wund und aus\u00adge\u00adtrock\u00adnet an, und auch der Rest von mir scheint lang\u00adsam zu ver\u00addor\u00adren. Mein Bewusst\u00adsein l\u00f6st sich von mei\u00adnem K\u00f6r\u00adper und schwebt hin\u00adaus in die flir\u00adren\u00adde Luft \u00fcber der W\u00fcste\u2026<\/p>\n

Am Abend wer\u00adde ich in mein Rei\u00adse\u00adta\u00adge\u00adbuch schreiben:<\/p>\n

Wo bin ICH<\/span>? Ver\u00adlo\u00adren. Irgend\u00adet\u00adwas b\u00e4umt sich auf<\/em><\/p>\n

in namen\u00adlo\u00adser Panik.<\/p>\n

War\u00adum habe ich Angst, es gibt doch Liebe\u2026<\/p>\n

Dann: die R\u00fcck\u00adkehr. R\u00fcck\u00adkehr von wo?<\/p>\n

Wenn du einen Bume\u00adrang \u00fcber den Hori\u00adzont hin\u00adweg schleuderst,<\/p>\n

kommt nicht der\u00adsel\u00adbe Bume\u00adrang zur\u00fcck.<\/p>\n

Neu\u00adge\u00adbo\u00adre\u00adne sind die Meis\u00adter des Zen.<\/p>\n

\"07_desert.jpg\" <\/p>\n

Auf\u00adge\u00adreg\u00adte Aus\u00adru\u00adfe mei\u00adner Mit\u00adrei\u00adsen\u00adden wecken mich.<\/p>\n

\u201e<\/span>Sowas hab\u2019 ich ja noch nie gese\u00adhen,\u201d h\u00f6re ich Rolf mit erstaun\u00adter Stim\u00adme sagen.<\/p>\n

Ich grei\u00adfe nach mei\u00adner Bril\u00adle und set\u00adze mich auf, und was ich drau\u00ad\u00dfen sehe, ent\u00adlockt auch mir ein ver\u00adbl\u00fcff\u00adtes \u201eWow!\u201d<\/p>\n

Die W\u00fcs\u00adte bl\u00fcht.<\/p>\n

Zwi\u00adschen Sand und Stei\u00adnen sind wie aus dem Nichts brei\u00adte Strei\u00adfen nied\u00adri\u00adger Flech\u00adten auf\u00adge\u00adtaucht, die fast nur aus pink\u00adfar\u00adbe\u00adnen Bl\u00fc\u00adten bestehen.<\/p>\n

Ihre knal\u00adli\u00adge Far\u00adbe wirkt in die\u00adser bis\u00adlang von stau\u00adbi\u00adgen Ocker- und Braun\u00adt\u00f6\u00adnen domi\u00adnier\u00adten Gegend der\u00adma\u00ad\u00dfen unwirk\u00adlich, dass ich mich in den Arm zwi\u00adcke, um sicher zu sein, dass ich tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich wach bin.<\/p>\n

\"77055_wuestebluet.jpg\"<\/p>\n

<\/p>\n

Jetzt h\u00e4lt Rolf end\u00adlich an.<\/p>\n

Alles st\u00fcrzt aus dem 608, um das Natur\u00adwun\u00adder n\u00e4her in Augen\u00adschein zu nehmen.<\/p>\n

Es muss hier k\u00fcrz\u00adlich gereg\u00adnet haben, was, wie Rolf uns ver\u00adsi\u00adchert, nur sehr, sehr sel\u00adten vor\u00adkommt. Die san\u00addi\u00adge Erde ist jetzt auch schon wie\u00adder ganz fest und ausgetrocknet.<\/p>\n

Offen\u00adbar konn\u00adte das Regen\u00adwas\u00adser in die\u00adsem von der Son\u00adne \u201ehart geba\u00adcke\u00adnen\u201d Boden nicht gleich ver\u00adsi\u00adckern und hat sich an den tie\u00adfe\u00adren Stel\u00adlen gesam\u00admelt. Dort, wo sich die Feuch\u00adtig\u00adkeit am l\u00e4ngs\u00adten gehal\u00adten hat, sind dann in Win\u00addes\u00adei\u00adle die\u00adse klei\u00adnen Pfl\u00e4nz\u00adchen erbl\u00fcht.<\/p>\n

Wir nut\u00adzen den Halt, um eben\u00adfalls \u201edie W\u00fcs\u00adte zu begie\u00ad\u00dfen\u201d, wie Ulli es aus\u00addr\u00fcckt, und Cathe\u00adri\u00adne pfl\u00fcckt ein paar der bl\u00fc\u00adhen\u00adden Zweiglein.<\/p>\n

Als es wei\u00adter\u00adgeht, f\u00fch\u00adle ich mich eini\u00adger\u00adma\u00ad\u00dfen aus\u00adge\u00adruht und erfrischt, obwohl ich h\u00f6chs\u00adtens eine Stun\u00adde geschla\u00adfen und nur einen Becher Was\u00adser getrun\u00adken habe.<\/p>\n

\"77056_afghan.jpg\"<\/p>\n

<\/p>\n

Lei\u00adder gibt es nun wie\u00adder meh\u00adre\u00adre Stun\u00adden lang nichts Auf\u00adre\u00adgen\u00addes mehr zu sehen, abge\u00adse\u00adhen von zwei oder drei mit far\u00adben\u00adfro\u00adhen Blu\u00admen und Schrift\u00adzei\u00adchen bemal\u00adten afgha\u00adni\u00adschen Trucks.<\/p>\n

\"77057_afghan.jpg\"<\/p>\n

<\/p>\n

Bei den ver\u00adschlun\u00adge\u00adnen Schrift\u00adzei\u00adchen der Bema\u00adlung han\u00addelt es sich wohl um from\u00adme Spr\u00fc\u00adche und Segens\u00adw\u00fcn\u00adsche, die die Trucks, ihre Fracht und die Fah\u00adrer vor Unheil bewah\u00adren sol\u00adlen, den\u00adke ich.<\/p>\n

Zumin\u00addest f\u00e4n\u00adde ich das sehr sinn\u00advoll \u2013 nach\u00addem ich gese\u00adhen habe, in wel\u00adchem hals\u00adbre\u00adche\u00adri\u00adschen Tem\u00adpo die bun\u00adten Fahr\u00adzeu\u00adge \u00fcber die Pis\u00adte holpern.<\/p>\n

Als wir eini\u00adge sand\u00adfar\u00adbe\u00adne Geb\u00e4u\u00adde pas\u00adsie\u00adren, fra\u00adge ich mich, ob die wohl bewohnt sind \u2013 und wenn ja, wovon ihre Bewoh\u00adner leben m\u00f6gen. Weit und breit sind n\u00e4m\u00adlich weder Pflan\u00adzen noch Tie\u00adre zu ent\u00adde\u00adcken; nicht ein\u00admal tro\u00adcke\u00adnes Gestr\u00fcpp w\u00e4chst hier.<\/p>\n

\"77058_afghan.jpg\" <\/p>\n

Eine hal\u00adbe Stun\u00adde sp\u00e4\u00adter errei\u00adchen wir jedoch eine Oase, die uns (wie schon die rosa W\u00fcs\u00adten\u00adblu\u00admen) anschau\u00adlich vor\u00adf\u00fchrt, wie etwas Was\u00adser die\u00adse unwirt\u00adli\u00adche \u00d6de in einen klei\u00adnen Gar\u00adten Eden ver\u00adwan\u00addeln kann. Die von einer Lehm\u00admau\u00ader umschlos\u00adse\u00adne Vege\u00adta\u00adti\u00adons-Insel strotzt nur so vor Gr\u00fcn.<\/p>\n

\"77059_afghan.jpg\"<\/p>\n

\"77060_afghan.jpg\"<\/p>\n

Hin\u00adter einer Kur\u00adve bremst Rolf scharf ab, weil eine Hor\u00adde Zie\u00adgen die Stra\u00ad\u00dfe \u00fcberquert.<\/p>\n

Die Eigen\u00adt\u00fc\u00admer der Tie\u00adre ste\u00adhen neben ihren Kame\u00adlen am Stra\u00ad\u00dfen\u00adrand und mus\u00adtern uns eben\u00adso inter\u00ades\u00adsiert wie wir sie.<\/p>\n

Es sind Kuchis<\/a>, Noma\u00adden, die mit ihren Tie\u00adren durch das gan\u00adze Land ziehen.<\/p>\n

Die M\u00e4n\u00adner tra\u00adgen Tur\u00adba\u00adne, Hosen und Jacken in gedeck\u00adten Far\u00adben, aber die wei\u00adten Hosen und bestick\u00adten Klei\u00adder der \u2013 unver\u00adschlei\u00ader\u00adten \u2013 Frau\u00aden sind aus leuch\u00adtend far\u00adbi\u00adgen und gebl\u00fcm\u00adten Stoffen.<\/p>\n

Eine der Frau\u00aden zieht mei\u00adne beson\u00adde\u00adre Auf\u00admerk\u00adsam\u00adkeit auf sich, weil sie sehr gro\u00df ist und ihre stol\u00adze, sehr auf\u00adrech\u00adte Hal\u00adtung mich an eine Fla\u00admen\u00adco-T\u00e4n\u00adze\u00adrin erin\u00adnert. Sie ist mit schwe\u00adren, reich ver\u00adzier\u00adten Sil\u00adber\u00adket\u00adten und Ohr\u00adge\u00adh\u00e4n\u00adgen geschm\u00fcckt; ihr Kopf\u00adtuch ist auf ihre Schul\u00adtern hin\u00adun\u00adter gerutscht, und ein\u00adzel\u00adne Locken ihrer dunk\u00adlen Haa\u00adre haben sich aus dem dicken Zopf an ihrem Hin\u00adter\u00adkopf gel\u00f6st.<\/p>\n

Als sich unse\u00adre Bli\u00adcke begeg\u00adnen, schaue ich gebannt in gro\u00ad\u00dfe, ernst bli\u00adcken\u00adde Augen von uner\u00adwar\u00adte\u00adter Far\u00adbe. Umrahmt von schwar\u00adzem Kajal, schei\u00adnen ihre unge\u00adw\u00f6hn\u00adlich hel\u00adlen, blau-gr\u00fc\u00adnen Augen von innen her\u00adaus zu leuchten.<\/p>\n

\u201e<\/span>Mein Gott, ist die sch\u00f6n!\u201d sage ich zu Anna, die neben mir sitzt \u2013 lei\u00adse, als k\u00f6n\u00adne mich die Kuchi-Frau drau\u00ad\u00dfen vor dem Bus verstehen.<\/p>\n

Anna nickt.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ja, auch eine wun\u00adder\u00adsch\u00f6\u00adne W\u00fcstenblume\u2026\u201d<\/p>\n

Wir errei\u00adchen Kan\u00adda\u00adhar<\/a> am fr\u00fc\u00adhen Abend.<\/p>\n

Von der Stadt sehen wir nicht viel, da Rolf gera\u00adde\u00adwegs das Hotel ansteu\u00adert, in des\u00adsen klei\u00adnen Hof er den Bus \u00fcber Nacht abstel\u00adlen will.<\/p>\n

\u201e<\/span>Am bes\u00adten, ihr nehmt euch gleich hier Zim\u00admer. Das Hotel ist zwar ein ziem\u00adli\u00adcher Schup\u00adpen, aber was Bes\u00adse\u00adres wer\u00addet ihr in die\u00adser Ecke Kan\u00adda\u00adhars kaum fin\u00adden,\u201d erkl\u00e4rt er.<\/p>\n

\u201e<\/span>Au\u00dfer\u00addem will ich mor\u00adgen nicht all\u00adzu sp\u00e4t wie\u00adder los.\u201d<\/p>\n

Inge und ich fra\u00adgen an der \u201eRezep\u00adti\u00adon\u201d (die aus einem Pasch\u00adtu\u00adnen besteht, der sich von einem spe\u00adckig gl\u00e4n\u00adzen\u00adden Sitz\u00adkis\u00adsen neben der Ein\u00adgangs\u00adt\u00fcr erhebt) nach einem Dop\u00adpel\u00adzim\u00admer, aber angeb\u00adlich gibt es in die\u00adsem Eta\u00adblis\u00adse\u00adment nur Einzelzimmer.<\/p>\n

Die Ein\u00adrich\u00adtung mei\u00adnes \u201eSin\u00adgle Rooms\u201d besteht aus einem Bett mit einer d\u00fcn\u00adnen, durch\u00adge\u00adle\u00adge\u00adnen Matrat\u00adze und einem schmut\u00adzi\u00adgen Laken darauf.<\/p>\n

Ich bin sehr froh, dass ich mich hier in einen eige\u00adnen Schlaf\u00adsack h\u00fcl\u00adlen kann, und auch dar\u00ad\u00fcber, dass ich zudem (Rolfs Rat befol\u00adgend) ein mas\u00adsi\u00adves Vor\u00adh\u00e4n\u00adge\u00adschloss west\u00adf\u00e4\u00adli\u00adscher Fer\u00adti\u00adgung ein\u00adge\u00adpackt habe. Die nied\u00adli\u00adchen indi\u00adschen Schl\u00f6s\u00adser, die die Rezep\u00adti\u00adon zum Ver\u00adrie\u00adgeln der K\u00e4m\u00admer\u00adchen zur Ver\u00adf\u00fc\u00adgung stellt, sehen aus, als k\u00f6n\u00adne man sie mit zwei Fin\u00adgern knacken.<\/p>\n

Und wei\u00df ich, wer noch alles einen Schl\u00fcs\u00adsel daf\u00fcr hat?<\/p>\n

\"77061_kandahar.jpg\" <\/p>\n

Die psy\u00adche\u00adde\u00adli\u00adschen Wand\u00adbe\u00adma\u00adlun\u00adgen in dem Kabuff inter\u00adpre\u00adtie\u00adre ich als Hin\u00adweis dar\u00adauf, dass fr\u00fc\u00adhe\u00adre Bewoh\u00adner die\u00adses Rau\u00admes offen\u00adbar ver\u00adsucht haben, sich mit dem Kon\u00adsum von reich\u00adlich Cha\u00adras<\/a> f\u00fcr die Trost\u00adlo\u00adsig\u00adkeit ihrer Unter\u00adkunft zu entsch\u00e4digen.<\/p>\n

Aber ich muss hier ja nur eine ein\u00adzi\u00adge Nacht verbringen.<\/p>\n

Und habe zudem gera\u00adde ganz ande\u00adre Inter\u00ades\u00adsen: mein Magen knurrt n\u00e4m\u00adlich laut und vernehmlich.<\/p>\n

Ich gehe zu Inges Zim\u00admer hin\u00ad\u00fcber (das eben\u00adso fens\u00adter\u00adlos und schmud\u00adde\u00adlig ist wie meins) und fra\u00adge sie, ob sie auch hung\u00adrig ist.<\/p>\n

Sie ist es, und wir wun\u00addern uns bei\u00adde, woher unser Hun\u00adger kommt; schlie\u00df\u00adlich haben wir doch heu\u00adte nur im Bus geses\u00adsen oder gelegen\u2026<\/p>\n

Es scheint in die\u00adsem Vier\u00adtel nur ein ein\u00adzi\u00adges Restau\u00adrant zu geben, und das befin\u00addet sich direkt neben unse\u00adrem Hotel. Wir lau\u00adfen noch ein St\u00fcck die Stra\u00ad\u00dfe hin\u00adun\u00adter und gucken in ein paar Sei\u00adten\u00adstra\u00ad\u00dfen \u2013 die machen aber alle einen so fins\u00adte\u00adren Ein\u00addruck, dass wir die Suche nach Alter\u00adna\u00adti\u00adven bald einstellen.<\/p>\n

Die Gast\u00adst\u00e4t\u00adte ent\u00adpuppt sich als etwas, was man in Ham\u00adburg eine \u201eSpe\u00adlun\u00adke\u201d<\/a> nen\u00adnen w\u00fcr\u00adde. Zwar wird hier kein bil\u00adli\u00adger Fusel aus\u00adge\u00adschenkt (zumin\u00addest bekom\u00admen wir nichts der\u00adglei\u00adchen mit), aber die weni\u00adgen G\u00e4s\u00adte geh\u00f6\u00adren zu der Sor\u00adte Zeit\u00adge\u00adnos\u00adsen, bei deren Anblick man sei\u00adne Tasche fest im Griff beh\u00e4lt und denen man lie\u00adber nicht den R\u00fccken zukehrt.<\/p>\n

Wir quet\u00adschen uns hin\u00adter einen Tisch in einer Ecke und bestel\u00adlen bei einem schie\u00adlen\u00adden Kell\u00adner Qua\u00adbi\u00adli<\/a>, das afgha\u00adni\u00adsche Gericht, das uns bei Moham\u00admad so gut geschmeckt hat.<\/p>\n

Die braun-graue Pam\u00adpe aus zer\u00adkoch\u00adtem Reis und z\u00e4hen Br\u00f6ck\u00adchen unde\u00adfi\u00adnier\u00adba\u00adren Flei\u00adsches, die uns dar\u00adauf\u00adhin vor\u00adge\u00adsetzt wird, hat aber lei\u00adder \u2013 optisch wie geschmack\u00adlich \u2013 nicht die gerings\u00adte \u00c4hn\u00adlich\u00adkeit mit der k\u00f6st\u00adli\u00adchen Spei\u00adse, die wir vor\u00adges\u00adtern Abend in Herat genie\u00ad\u00dfen durf\u00adten. Allein schon die kleb\u00adri\u00adgen Tel\u00adler, an deren Unter\u00adsei\u00adte ver\u00adkrus\u00adte\u00adte Sau\u00adcen\u00adres\u00adte kle\u00adben, w\u00fcr\u00adden uns nor\u00adma\u00adler\u00adwei\u00adse davon abhal\u00adten, die\u00adses Zeugs zu essen, wenn \u2013 ja, wenn wir nicht so aus\u00adge\u00adhun\u00adgert w\u00e4ren.<\/p>\n

Doch mehr als eine hal\u00adbe Por\u00adti\u00adon von dem Fra\u00df schaf\u00adfen wir bei\u00adde nicht.<\/p>\n

7. Sep\u00adtem\u00adber<\/p>\n

Nach einer unru\u00adhi\u00adgen Nacht bin ich schon sehr fr\u00fch wach.<\/p>\n

Eigent\u00adlich habe ich fast gar nicht geschla\u00adfen \u2013 in der Kam\u00admer war es uner\u00adtr\u00e4g\u00adlich sti\u00adckig, und ich hat\u00adte Sod\u00adbren\u00adnen. Immer wie\u00adder bin ich auf\u00adge\u00adstan\u00adden und habe mich in die offe\u00adne Zim\u00admer\u00adt\u00fcr gestellt, um fri\u00adsche Luft zu schnappen.<\/p>\n

Ich rol\u00adle den Schlaf\u00adsack auf, packe mei\u00adne weni\u00adgen Sachen zusam\u00admen und sehe dann nach, ob Rolf und Cathe\u00adri\u00adne schon auf sind. Doch die Vor\u00adh\u00e4n\u00adge vor ihrem \u201eSchlaf\u00adge\u00admach\u201d hin\u00adten im 608 sind noch zuge\u00adzo\u00adgen, und auch von den ande\u00adren Mit\u00adrei\u00adsen\u00adden ist noch nichts zu sehen.<\/p>\n

In dem d\u00fcs\u00adte\u00adren K\u00e4m\u00admer\u00adchen will ich nicht war\u00adten; also h\u00e4n\u00adge ich das dicke Vor\u00adh\u00e4n\u00adge\u00adschloss an die T\u00fcr und gehe ein biss\u00adchen spa\u00adzie\u00adren, immer an der Mau\u00ader ent\u00adlang, die das Geb\u00e4u\u00adde und den Hof des Hotels umgibt. Als ich auf der R\u00fcck\u00adsei\u00adte des Kom\u00adple\u00adxes ange\u00adlangt bin, will ich in eine schma\u00adle Gas\u00adse ein\u00adbie\u00adgen \u2013 und blei\u00adbe wie ange\u00adwur\u00adzelt ste\u00adhen, als ich rea\u00adli\u00adsie\u00adre, was f\u00fcr eine Stra\u00ad\u00dfe das ist.<\/p>\n

Es ist die Stra\u00ad\u00dfe der Fleischerl\u00e4den.<\/p>\n

Der Anblick der geh\u00e4u\u00adte\u00adten Tie\u00adre, Tier-Tei\u00adle und Sch\u00e4\u00addel mit lee\u00adren Augen\u00adh\u00f6h\u00adlen, die vor den L\u00e4den auf\u00adge\u00adh\u00e4ngt oder auf\u00adge\u00adspie\u00dft sind und von ekel\u00adhaft dicken schwar\u00adzen Flie\u00adgen umschwirrt wer\u00adden, l\u00e4sst mich ernst\u00adhaft \u00fcber einen Wech\u00adsel zur vege\u00adta\u00adri\u00adschen Ern\u00e4h\u00adrung nachdenken.<\/p>\n

In die\u00adser Stra\u00ad\u00dfen ist schon rich\u00adtig was los, offen\u00adbar ist der fr\u00fc\u00adhe Mor\u00adgen eine gute Zeit, um Fleisch einzukaufen.<\/p>\n

W\u00fcr\u00adde ich ver\u00admut\u00adlich auch machen, \u00fcber\u00adle\u00adge ich \u2013 wenn so ein toter Ham\u00admel den gan\u00adzen Tag im Frei\u00aden und in der Son\u00adne vor sich hin stinkt, wird er bestimmt nicht besser.<\/p>\n

W\u00e4h\u00adrend ich H\u00e4nd\u00adler und Kun\u00adden mit einer Mischung aus Fas\u00adzi\u00adna\u00adti\u00adon und Abscheu beob\u00adach\u00adte, f\u00e4llt mir auf, wie eigen\u00adt\u00fcm\u00adlich lang\u00adsam sie sich bewe\u00adgen, fast wie in Zeit\u00adlu\u00adpe. Ab und zu hebt jemand eine Hand und scheint mit einer gem\u00e4ch\u00adli\u00adchen Bewe\u00adgung einen unsicht\u00adba\u00adren Schlei\u00ader vor sei\u00adnem Gesicht bei\u00adsei\u00adte zu schieben.<\/p>\n

Dann erst erken\u00adne ich die Hor\u00adnis\u00adsen<\/a>.<\/p>\n

Die Luft ist voll von ihnen, und auch die dunk\u00adlen Klum\u00adpen auf dem rohen Fleisch bestehen nicht \u2013 wie ich im ers\u00adten Moment gedacht habe \u2013 aus Flie\u00adgen, son\u00addern aus den fleisch\u00adfres\u00adsen\u00adden Gro\u00dfwespen.<\/p>\n

Die Afgha\u00adnen gehen mit\u00adten durch die Hor\u00adnis\u00adsen\u00adschw\u00e4r\u00adme hin\u00addurch, als w\u00e4re das die nor\u00admals\u00adte Sache der Welt; abge\u00adse\u00adhen davon, dass sie ihre Schrit\u00adte und Bewe\u00adgun\u00adgen etwas verlangsamen.<\/p>\n

Mit einem leich\u00adten Schau\u00adder rei\u00ad\u00dfe ich mich von dem Anblick los und beschlie\u00ad\u00dfe, mei\u00adnen Spa\u00adzier\u00adgang nicht fort\u00adzu\u00adset\u00adzen und an die\u00adser Stel\u00adle umzukehren.<\/p>\n

Als ich wie\u00adder in den Hof des Hotels ein\u00adbie\u00adge, sind Rolf und Cathe\u00adri\u00adne gera\u00adde auf\u00adge\u00adstan\u00adden, und Rosi und Agnes kom\u00admen mit Schlaf\u00adsack und Gep\u00e4ck aus dem Geb\u00e4ude.<\/p>\n

\u201e<\/span>Schnel\u00adles Fr\u00fch\u00adst\u00fcck beim Bus, in einer hal\u00adben Stun\u00adde geht es los!\u201d ruft unser Fah\u00adrer ihnen zu. <\/p>\n

Die Fahrt von Kan\u00adda\u00adhar nach Kabul ver\u00adschla\u00adfe ich.<\/p>\n

Wenn ich zwi\u00adschen\u00addurch mal wach wer\u00adde, klet\u00adte\u00adre ich zum Was\u00adser\u00adka\u00adnis\u00adter, trin\u00adke etwas und krab\u00adbe\u00adle dann wie\u00adder hin\u00adten auf die Matrat\u00adze, um den in der letz\u00adten Nacht ver\u00ads\u00e4um\u00adten Schlaf nachzuholen.<\/p>\n

Erst am Abend, als wir in der Haupt\u00adstadt Afgha\u00adni\u00adstans ankom\u00admen, wer\u00adde ich wie\u00adder etwas mun\u00adte\u00adrer und set\u00adze mich ans Fenster.<\/p>\n

Kabul<\/a> ist zwei\u00adfel\u00adlos eine recht gro\u00ad\u00dfe Stadt, die auch eini\u00adge brei\u00adte Stra\u00ad\u00dfen und gro\u00ad\u00dfe Pl\u00e4t\u00adze auf\u00adzu\u00adwei\u00adsen hat. Aber den\u00adnoch wirkt sie so gar nicht europ\u00e4isch.<\/p>\n

Nicht nur die Afgha\u00adnen mit ihren Tur\u00adba\u00adnen und M\u00fct\u00adzen, son\u00addern auch die Archi\u00adtek\u00adtur mit ihren zahl\u00adrei\u00adchen sand\u00adfar\u00adbe\u00adnen Kup\u00adpeln und den von Mau\u00adern umge\u00adbe\u00adnen H\u00e4u\u00adsern und H\u00f6fen kenn\u00adzeich\u00adnen Kabul als typisch afgha\u00adni\u00adsche Stadt \u2013 wie Herat, nur eben gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n

Als wir \u00fcber einen weit\u00adl\u00e4u\u00adfi\u00adgen Platz im Zen\u00adtrum fah\u00adren, kom\u00admen wir an der west\u00adlich wir\u00adken\u00adden Fas\u00adsa\u00adde eines Super\u00admark\u00adtes vorbei.<\/p>\n

\u201e<\/span>Da gibt es ALLES<\/span> \u2013 vom fran\u00adz\u00f6\u00adsi\u00adschen Camen\u00adbert bis zu schot\u00adti\u00adschem Whis\u00adky,\u201d erkl\u00e4rt uns Rolf, \u201eaber es kos\u00adtet auch alles ein Ver\u00adm\u00f6\u00adgen. Da gehen die Diplo\u00adma\u00adten shoppen.\u201d<\/p>\n

Der Super\u00admarkt wirkt wie ein Fremd\u00adk\u00f6r\u00adper. Er passt \u00fcber\u00adhaupt nicht hier\u00adher, nicht in die\u00adse Stadt.<\/p>\n

Unser Fah\u00adrer steu\u00adert ein Hotel nicht weit vom Stadt\u00adzen\u00adtrum an, in des\u00adsen Gar\u00adten er par\u00adken und preis\u00adg\u00fcns\u00adtig \u00fcber\u00adnach\u00adten kann.<\/p>\n

\u201e<\/span>Die Zim\u00admer dort sind aber recht teu\u00ader,\u201d meint er und r\u00e4t uns, f\u00fcr die f\u00fcnf Tage, die wir in der Stadt ver\u00adbrin\u00adgen wer\u00adden, lie\u00adber was Bil\u00adli\u00adge\u00adres \u201eim Dunst\u00adkreis der Chi\u00adcken Street\u201d zu suchen.<\/p>\n

Rosi und Agnes ent\u00adschei\u00adden sich den\u00adnoch f\u00fcr das Edel-Hotel, und die Aus\u00adsicht auf sau\u00adbe\u00adre Zim\u00admer und fri\u00adsche Bett\u00adw\u00e4\u00adsche f\u00fchrt auch mich einen Moment lang in Versuchung.<\/p>\n

Ich erkun\u00addi\u00adge mich an der Rezep\u00adti\u00adon nach den Prei\u00adsen; sie sind wirk\u00adlich exor\u00adbi\u00adtant, und Inge wei\u00adgert sich zu Recht, hier abzusteigen.<\/p>\n

Mein Blick f\u00e4llt auf die gl\u00e4\u00adser\u00adne T\u00fcr eines neben der Rezep\u00adti\u00adon ste\u00adhen\u00adden Schran\u00adkes, in dem \u201eCoca Cola\u201d-, \u201eSprite\u201d- und \u201eSeven Up\u201d-Flaschen auf\u00adge\u00adreiht stehen.<\/p>\n

Pl\u00f6tz\u00adlich habe ich ein flau\u00ades Gef\u00fchl im Magen, und mich \u00fcber\u00adkommt eine irr\u00adsin\u00adni\u00adge Lust auf eine eis\u00adkal\u00adte Cola.<\/p>\n

Ich kau\u00adfe mir eine Fla\u00adsche, trotz ihres eben\u00adfalls aben\u00adteu\u00ader\u00adlich hohen Prei\u00adses, und w\u00e4h\u00adrend ich sie \u00f6ff\u00adne, ver\u00adst\u00e4rkt sich das Gef\u00fchl von \u00dcbelkeit.<\/p>\n

\u201e<\/span>Irgend\u00adwie ist mir schlecht,\u201d sage ich zu Inge.<\/p>\n

\u201e<\/span>Mir auch,\u201d gibt sie zur\u00fcck \u2013 und bestellt sich eben\u00adfalls eine Cola.<\/p>\n

Lei\u00adder hat das s\u00fc\u00dfe Erfri\u00adschungs\u00adge\u00adtr\u00e4nk nicht die erhoff\u00adte Wir\u00adkung, mei\u00adnen in Auf\u00adruhr gera\u00adte\u00adnen Magen zu bes\u00e4nf\u00adti\u00adgen. Statt\u00addes\u00adsen nekom\u00adme ich hef\u00adti\u00adge Kr\u00e4mp\u00adfe, die mich zwin\u00adgen, eilends die \u2013 gl\u00fcck\u00adli\u00adcher\u00adwei\u00adse piek\u00adfein geputz\u00adte \u2013 Hotel\u00adtoi\u00adlet\u00adte aufzusuchen.<\/p>\n

Auf dem R\u00fcck\u00adweg zur Rezep\u00adti\u00adon begeg\u00adnet mir eine blas\u00adse Inge, die sich die Hand vor den Mund h\u00e4lt und mit schnel\u00adlen Schrit\u00adten in Rich\u00adtung WC<\/span> strebt.<\/p>\n

\u201e<\/span>Das sieht ver\u00addammt nach einer aus\u00adge\u00adwach\u00adse\u00adnen \u201ediar\u00adrhea\u201d<\/a> aus,\u201d sagt Rolf und guckt mich mit\u00adlei\u00addig an. Er benutzt die eng\u00adli\u00adsche Bezeich\u00adnung f\u00fcr Durch\u00adfall\u00aderkran\u00adkun\u00adgen, die ich in der n\u00e4chs\u00adten Zeit sehr viel \u00f6fter h\u00f6ren und sagen wer\u00adde, als mir lieb ist\u2026<\/p>\n

\u201e<\/span>Mei\u00adne G\u00fcte, ist mir \u00fcbel!\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Was habt ihr denn ges\u00adtern so zu euch genommen?\u201d<\/p>\n

Ich erz\u00e4h\u00adle von dem nicht son\u00adder\u00adlich appe\u00adtit\u00adli\u00adchen Abend\u00adessen, das Inge und ich in Kan\u00adda\u00adhar hat\u00adten \u2013 allein beim Gedan\u00adken dar\u00adan muss ich jetzt fast bre\u00adchen \u2013 und unser Fah\u00adrer wiegt sor\u00adgen\u00advoll sein Haupt.<\/p>\n

\u201e<\/span>Das Pro\u00adblem war wahr\u00adschein\u00adlich gar nicht das Essen,\u201d meint Cathe\u00adri\u00adne, \u201eson\u00addern die Tel\u00adler und das Besteck. Es gibt ein\u00adfach nicht genug sau\u00adbe\u00adres Was\u00adser, um das Geschirr ver\u00adn\u00fcnf\u00adtig abzu\u00adwa\u00adschen. Und den Afgha\u00adnen ist das auch nicht so wich\u00adtig, sie selbst sind nat\u00fcr\u00adlich schon ziem\u00adlich resis\u00adtent gegen die\u00adse Keime\u2026\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Die gute Nach\u00adricht ist, dass es sich dann wahr\u00adschein\u00adlich blo\u00df um eine bak\u00adte\u00adri\u00adel\u00adle Infek\u00adti\u00adon han\u00addelt,\u201d sagt Rolf tr\u00f6s\u00adtend, \u201eund nicht um eine rich\u00adtig \u00fcble Sache \u2013 wie zum Bei\u00adspiel eine Am\u00f6\u00adben\u00adruhr<\/a>. Das hei\u00dft, ihr seid in zwei, drei Tagen durch damit!\u201d<\/p>\n

Den Gedan\u00adken, dass mir meh\u00adre\u00adre Tage so kot\u00adzel\u00adend sein soll wie jetzt im Moment, fin\u00adde ich den\u00adnoch nicht beson\u00adders reizvoll.<\/p>\n

Ich w\u00fch\u00adle im Kof\u00adfer nach mei\u00adner klei\u00adnen Rei\u00adse-Apo\u00adthe\u00adke und fische die Koh\u00adle\u00adta\u00adblet\u00adten<\/a> her\u00adaus, die ich f\u00fcr der\u00adar\u00adti\u00adge Not\u00adf\u00e4l\u00adle ein\u00adge\u00adpackt habe. Mit ein paar Schlu\u00adcken Cola zusam\u00admen w\u00fcr\u00adge ich zwei der gro\u00ad\u00dfen schwar\u00adzen Tablet\u00adten hin\u00adun\u00adter \u2013 und muss weni\u00adge Minu\u00adten sp\u00e4\u00adter zur Toi\u00adlet\u00adte ren\u00adnen, um mich zu \u00fcber\u00adge\u00adben. Die Tablet\u00adten ver\u00adlas\u00adsen mei\u00adnen K\u00f6r\u00adper prak\u00adtisch in Ori\u00adgi\u00adnal\u00adgr\u00f6\u00ad\u00dfe wieder\u2026<\/p>\n

Auch Inge geht es von Minu\u00adte zu Minu\u00adte schlechter.<\/p>\n

Kurz ent\u00adschlos\u00adsen neh\u00admen wir unser Gep\u00e4ck und trot\u00adten in Rich\u00adtung des gro\u00ad\u00dfen Plat\u00adzes im Zen\u00adtrum der Stadt. Wir beschlie\u00ad\u00dfen, in einem sch\u00e4\u00adbig wir\u00adken\u00addem Hotel-Klotz direkt dahin\u00adter nach einem Zim\u00admer zu fra\u00adgen; nicht, weil uns die\u00adses Haus beson\u00adders gut gef\u00e4llt, son\u00addern weil wir ein\u00adfach nicht mehr wei\u00adter k\u00f6nnen.<\/p>\n

Unse\u00adre ers\u00adte Fra\u00adge an der Rezep\u00adti\u00adon gilt dann auch nicht den Zim\u00admer\u00adprei\u00adsen, son\u00addern der Toilette\u2026<\/p>\n

Das Zim\u00admer, das wir hier f\u00fcr ein klei\u00adnes Geld anmie\u00adten, hat gro\u00ad\u00dfe \u00c4hn\u00adlich\u00adkeit mit einer Gef\u00e4ng\u00adnis\u00adzel\u00adle. Es ist ein schma\u00adler, hoher Raum mit einer klei\u00adnen, ver\u00adgit\u00adter\u00adten Fens\u00adter\u00ad\u00f6ff\u00adnung, durch die man nicht hin\u00adaus sehen kann, weil sie sich in etwa zwei\u00adein\u00adhalb Metern H\u00f6he direkt unter der Decke befindet.<\/p>\n

M\u00f6bliert ist der Raum mit zwei prit\u00adschen\u00ad\u00e4hn\u00adli\u00adchen Metall\u00adbet\u00adten, einem wacke\u00adli\u00adgen klei\u00adnen Tisch und einem eben\u00adso alters\u00adschwa\u00adchen Stuhl.<\/p>\n

Jedes Mal, wenn sich mei\u00adne Ged\u00e4r\u00adme ver\u00adkramp\u00adfen oder mir der Magen\u00adin\u00adhalt aus dem Gesicht zu h\u00fcp\u00adfen droht, muss ich das Zim\u00admer ver\u00adlas\u00adsen und den lan\u00adgen, engen Flur hin\u00adun\u00adter zum Bade\u00adzim\u00admer lau\u00adfen. Es sind unge\u00adf\u00e4hr sechs Meter \u2013 eine Distanz, die sich im Lau\u00adfe die\u00adser Nacht zwei\u00admal als zu lang f\u00fcr mich erweist. Gl\u00fcck\u00adli\u00adcher\u00adwei\u00adse befin\u00addet sich dort au\u00dfer dem WC<\/span> auch eine Dusche mit (sp\u00e4r\u00adlich) flie\u00ad\u00dfen\u00addem kal\u00adten Wasser.<\/p>\n

Inge und ich las\u00adsen uns unge\u00adzu\u00adcker\u00adten, schwar\u00adzen Tee aufs Zim\u00admer brin\u00adgen, aber nicht ein\u00admal der will im Magen bleiben.<\/p>\n

In Embryo\u00adnal\u00adhal\u00adtung zusam\u00admen\u00adge\u00adkr\u00fcmmt, d\u00f6sen wir schlie\u00df\u00adlich auf unse\u00adren Prit\u00adschen ein. W\u00e4h\u00adrend der gan\u00adzen Nacht wer\u00adden wir etwa im Stun\u00adden\u00adtakt von unse\u00adren revol\u00adtie\u00adren\u00adden Inne\u00adrei\u00aden geweckt, sprin\u00adgen auf und st\u00fcr\u00adzen hin\u00adaus in Rich\u00adtung Badezimmer.<\/p>\n

\"77063_kabul.jpg\" <\/p>\n

8. und 9. September<\/p>\n

Die n\u00e4chs\u00adten zwei Tage ver\u00adbrin\u00adgen wir in unse\u00adrer \u201eZel\u00adle\u201d.<\/p>\n

Wir lie\u00adgen v\u00f6l\u00adlig ersch\u00f6pft auf den unbe\u00adque\u00admen, klum\u00adpi\u00adgen Matrat\u00adzen her\u00adum, ver\u00adsu\u00adchen immer wie\u00adder, etwas Tee bei uns zu behal\u00adten, und die Stre\u00adcke zum Bad bew\u00e4l\u00adti\u00adgen wir nach eini\u00adger Zeit bereits im Halbschlaf.<\/p>\n

In der n\u00e4chs\u00adten Nacht kann ich ein\u00admal gut vier Stun\u00adden am St\u00fcck schla\u00adfen, bevor ich mich wie\u00adder auf den Weg den Flur hin\u00adun\u00adter machen muss.<\/p>\n

Das tut mir unge\u00adheu\u00ader gut, und auch Inge sieht am zwei\u00adten Mor\u00adgen schon etwas weni\u00adger blass und ger\u00e4\u00addert aus.<\/p>\n

Inzwi\u00adschen gelingt es uns auch, etwas von dem abge\u00adk\u00fchl\u00adten schwar\u00adzen Tee, den wir in klei\u00adnen Schlu\u00adcken trin\u00adken, im Magen zu behal\u00adten. Der st\u00e4n\u00addi\u00adge Brech\u00adreiz hat zwar auf\u00adge\u00adh\u00f6rt, aber wir wagen es immer noch nicht, uns wei\u00adter als zehn, zwan\u00adzig Meter von der Toi\u00adlet\u00adte zu entfernen\u2026<\/p>\n

Am sp\u00e4\u00adten Nach\u00admit\u00adtag des zwei\u00adten Tages set\u00adzen wir uns in den Hof des Hotels, um nach all den Stun\u00adden in dem d\u00fcs\u00adte\u00adren Zim\u00admer ein paar Son\u00adnen\u00adstrah\u00adlen zu genie\u00dfen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Mei\u00adne G\u00fcte,\u201d sagt Inge und mus\u00adtert mich mit gro\u00ad\u00dfen Augen, \u201eich glau\u00adbe, wir zwei haben in den letz\u00adten drei Tagen min\u00addes\u00adtens vier Kilo abgenommen!\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Das macht nichts,\u201d erkl\u00e4\u00adre ich, das Gesicht mit halb\u00adge\u00adschlos\u00adse\u00adnen Augen der Son\u00adne zuge\u00adwandt, \u201ewenn es stimmt, was Cathe\u00adri\u00adne und Rolf \u00fcber die Restau\u00adrants in Delhi erz\u00e4h\u00adlen, neh\u00admen wir die paar Kilos sp\u00e4\u00adtes\u00adtens dort wie\u00adder zu!\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich den\u00adke, ich bin auf dem Weg der Bes\u00adse\u00adrung.\u201d Inge l\u00e4chelt ver\u00adson\u00adnen. \u201eIch krie\u00adge n\u00e4m\u00adlich beim Gedan\u00adken dar\u00adan rich\u00adtig Hunger.\u201d<\/p>\n

Stimmt. Auch ich kann wie\u00adder an Essen den\u00adken, ohne gleich zu w\u00fcr\u00adgen anzufangen.<\/p>\n

Aber trotz mei\u00adnes wie\u00adder erwa\u00adchen\u00adden Appe\u00adtits w\u00fcr\u00adde mich noch nicht trau\u00aden, irgend\u00adwas zu essen \u2013 au\u00dfer vielleicht\u2026<\/p>\n

\u201e<\/span>Der Super\u00admarkt! Rolf hat doch gesagt, da gibt es Alles \u2013 dann haben die doch bestimmt auch Zwie\u00adback oder so etwas \u00c4hnliches!\u201d<\/p>\n

Wir pla\u00adnen unse\u00adren klei\u00adnen Ein\u00adk\u00adauf\u00adtrip generalstabsm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n

Zuerst suchen wir bei\u00adde noch ein\u00admal das WC<\/span> auf, dann mar\u00adschie\u00adren wir z\u00fcgi\u00adgen Schrit\u00adtes zum Super\u00admarkt, wo wir kei\u00adnen Blick auf all die teu\u00adren K\u00f6st\u00adlich\u00adkei\u00adten ver\u00adschwen\u00adden, son\u00addern direkt das Geb\u00e4ck-Regal ansteu\u00adern, wo wir eine gro\u00ad\u00dfe T\u00fcte deut\u00adschen Zwie\u00adback und ein klei\u00adne\u00adres P\u00e4ck\u00adchen eng\u00adli\u00adscher Cra\u00adcker ausw\u00e4hlen.<\/p>\n

Wir bezah\u00adlen daf\u00fcr den Gegen\u00adwert eines kom\u00adplet\u00adten Men\u00fcs in mei\u00adner Ham\u00adbur\u00adger Stamm-Piz\u00adze\u00adria und keh\u00adren dann auf dem k\u00fcr\u00adzes\u00adten Weg ins Hotel zur\u00fcck.<\/p>\n

Als wir eine hal\u00adbe Stun\u00adde sp\u00e4\u00adter auf unse\u00adren Bet\u00adten hocken und mit Hoch\u00adge\u00adnuss in kal\u00adten Tee getunk\u00adten Zwie\u00adback ver\u00adzeh\u00adren, beschlie\u00ad\u00dfen wir, dass der schlimms\u00adte Teil unse\u00adrer \u201eKan\u00adda\u00adhar-Diar\u00adrhoe\u201d wohl \u00fcber\u00adstan\u00adden ist \u2013 und wir uns mor\u00adgen fr\u00fch ein ange\u00adneh\u00adme\u00adres Hotel suchen werden. <\/p>\n

\"77062_kabul.jpg\"<\/p>\n

Wei\u00adter\u00adle\u00adsen \u00bb 14. Has\u00adta la vis\u00adta, Kabul<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Obwohl wir auch im Iran schon W\u00fcs\u00adten\u00adge\u00adbie\u00adte durch\u00adquert haben, habe ich das Lebens\u00adfeind\u00adli\u00adche \u2013 und zugleich doch unge\u00adheu\u00ader Fas\u00adzi\u00adnie\u00adren\u00adde \u2013 die\u00adser Land\u00adschaft noch nie so stark emp\u00adfun\u00adden wie hier, irgend\u00adwo auf der \u201eRing Road\u201d zwi\u00adschen Herat und Kan\u00adda\u00adhar. Ich lie\u00adge auf der gro\u00ad\u00dfen Matrat\u00adze hin\u00adten im Bus, und die br\u00fc\u00adten\u00adde Hit\u00adze und der Anblick der \u2026 13. Wun\u00adder in der W\u00fcs\u00adte, Kot\u00adzen in Kabul<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":183,"menu_order":13,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"class_list":["post-248","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/248","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=248"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/248\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":277,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/248\/revisions\/277"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=248"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}