define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":250,"date":"2014-06-01T22:36:30","date_gmt":"2014-06-01T20:36:30","guid":{"rendered":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=250"},"modified":"2024-04-18T00:15:12","modified_gmt":"2024-04-17T22:15:12","slug":"14-hasta-la-vista-kabul","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=250","title":{"rendered":"14. Hasta la vista, Kabul"},"content":{"rendered":"

10. Sep\u00adtem\u00adber<\/p>\n

Es ist unser drit\u00adter Tag in Kabul, aber als wir \u2013 mit Kof\u00adfer, Ruck\u00adsack und Taschen bela\u00adden \u2013 an die\u00adsem Vor\u00admit\u00adtag in die ber\u00fchm\u00adte \u201eChi\u00adcken Street<\/a>\u201d ein\u00adbie\u00adgen, krie\u00adgen wir zum ers\u00adten Mal rich\u00adtig mit, in was f\u00fcr einer quir\u00adli\u00adgen, ori\u00aden\u00adta\u00adli\u00adschen Metro\u00adpo\u00adle wir hier gelan\u00addet sind.<\/p>\n

Im Bazar von Istan\u00adbul hat\u00adte ich geglaubt, mich im ulti\u00adma\u00adti\u00adven \u201eMor\u00adgen\u00adland\u201d<\/a> der Geschich\u00adten aus 1001 Nacht<\/a> zu befin\u00adden. <\/span>Doch jetzt wird mir klar, wie modern und west\u00adlich die Stadt am Gol\u00adde\u00adnen Horn<\/a> und ihre Bewoh\u00adner schon sind, wie viel Ein\u00adfluss Tech\u00adnik und Lebens\u00adwei\u00adsen des 20. Jahr\u00adhun\u00adderts dort bereits haben. Denn hier, im Zen\u00adtrum von Kabul, k\u00f6nn\u00adte es vor hun\u00addert oder zwei\u00adhun\u00addert Jah\u00adren bei\u00adna\u00adhe genau\u00adso aus\u00adge\u00adse\u00adhen haben wie heu\u00adte \u2013 wenn man sich die weni\u00adgen klap\u00adpe\u00adri\u00adgen Kraft\u00adfahr\u00adzeu\u00adge und die bunt\u00adge\u00adklei\u00adde\u00adten Aus\u00adl\u00e4n\u00adder mal weg denkt.<\/p>\n

Im Unter\u00adschied zu Herat und Kan\u00adda\u00adhar kann man ein paar unver\u00adschlei\u00ader\u00adte ein\u00adhei\u00admi\u00adsche Frau\u00aden ent\u00adde\u00adcken, doch auch hier domi\u00adnie\u00adren m\u00e4nn\u00adli\u00adche Pas\u00adsan\u00adten das Stra\u00dfenbild.<\/p>\n

Au\u00dfer eini\u00adgen Kuchi<\/a>-Ladies in ihrer far\u00adben\u00adpr\u00e4ch\u00adti\u00adgen, bestick\u00adten Klei\u00addung ent\u00adde\u00adcken wir drei oder vier Frau\u00aden, die kei\u00adne Bur\u00adka, son\u00addern Kopf\u00adtuch, lan\u00adge R\u00f6cke und Woll\u00adja\u00adcken mit lan\u00adgen \u00c4rmeln tra\u00adgen \u2013 wir sind jedoch nicht ganz sicher, ob es wirk\u00adlich Afgha\u00adnin\u00adnen sind.<\/p>\n

Auch unter den auf dem Hip\u00adpie Trail rei\u00adsen\u00adden Aus\u00adl\u00e4n\u00addern<\/a>, die in der Chi\u00adcken Street unter\u00adwegs sind und die Aus\u00adla\u00adgen der Gesch\u00e4f\u00adte mit mehr oder weni\u00adger Inter\u00ades\u00adse begut\u00adach\u00adten, sind Frau\u00aden in der Min\u00adder\u00adheit. So erre\u00adgen wir schnell die Auf\u00admerk\u00adsam\u00adkeit der Anbie\u00adter von Hotel\u00adzim\u00admern, Kunst\u00adhand\u00adwerk, Tex\u00adti\u00adli\u00aden, Schmuck und diver\u00adser Drogen.<\/p>\n

Der Ansturm wird uns schnell zuviel.<\/p>\n

Gera\u00adde so eini\u00adger\u00adma\u00ad\u00dfen von unse\u00adrer \u201eKabu\u00adli\u00adtis\u201d gene\u00adsen, sind wir immer noch wacke\u00adlig auf den Bei\u00adnen und wol\u00adlen ein\u00adfach nur unse\u00adre Ruhe. Wir fl\u00fcch\u00adten in den Tor\u00adein\u00adgang eines Hotels, das allein schon des\u00adhalb ein\u00adla\u00addend auf uns wirkt, weil kein Mensch davor steht und uns im zum Ein\u00adtre\u00adten zu \u00fcber\u00adre\u00adden versucht.<\/p>\n

Die\u00adse spon\u00adta\u00adne Ent\u00adschei\u00addung f\u00fcr das \u201eKoochi Hotel\u201d erweist sich als Gl\u00fccks\u00adgriff. Wir betre\u00adten einen gro\u00ad\u00dfen Innen\u00adhof, des\u00adsen dicke Mau\u00adern den L\u00e4rm der Stra\u00ad\u00dfe zu einem dezen\u00adten Hin\u00adter\u00adgrund\u00adge\u00adr\u00e4usch her\u00adab d\u00e4mp\u00adfen und in dem mit Son\u00adnen\u00adse\u00adgeln \u00fcber\u00addach\u00adte Tische und B\u00e4n\u00adke stehen.<\/p>\n

Der Inha\u00adber des Hotels spricht exzel\u00adlent Eng\u00adlisch und begr\u00fc\u00dft uns freundlich.<\/p>\n

Er zeigt uns ein ger\u00e4u\u00admi\u00adges, mit Wasch\u00adbe\u00adcken, Schrank, Tisch und zwei St\u00fch\u00adlen aus\u00adge\u00adstat\u00adte\u00adtes Drei-Bett-Zim\u00admer, des\u00adsen ver\u00adgit\u00adter\u00adte Fens\u00adter zum Hof hin\u00adaus gehen. Sei\u00adne Dop\u00adpel\u00adzim\u00admer sei\u00aden zur Zeit alle belegt, erkl\u00e4rt er, aber er bie\u00adtet uns den Raum zum sel\u00adben Preis an.<\/p>\n

Wir \u00fcber\u00adle\u00adgen nicht lange.<\/p>\n

Zwar sind die M\u00f6bel stau\u00adbig, die W\u00e4n\u00adde fle\u00adckig, und die Matrat\u00adzen machen einen schmud\u00adde\u00adli\u00adgen Ein\u00addruck, aber der Raum ist gro\u00df, licht\u00addurch\u00adflu\u00adtet und zudem deut\u00adlich bil\u00adli\u00adger als die d\u00fcs\u00adte\u00adre Zel\u00adle, in der wir die ers\u00adten drei N\u00e4ch\u00adte ver\u00adbracht haben.<\/p>\n

Sp\u00e4\u00adter wer\u00adden wir von ande\u00adren Hotel\u00adg\u00e4s\u00adten erfah\u00adren, dass wir mehr Gl\u00fcck haben, als wir zu die\u00adsem Zeit\u00adpunkt ahnen \u2013 die Bet\u00adten in unse\u00adrem Zim\u00admer schei\u00adnen n\u00e4m\u00adlich die ein\u00adzi\u00adgen im Hau\u00adse zu sein, deren Matrat\u00adzen nicht von blut\u00adgie\u00adri\u00adgen Wan\u00adzen<\/a> bewohnt sind.<\/p>\n

Inge und ich ver\u00adstau\u00aden unse\u00adre Sachen im Schrank und set\u00adzen uns dann drau\u00ad\u00dfen im Hof, wo sich der Hotel\u00adbe\u00adsit\u00adzer zu uns gesellt und sich erkun\u00addigt, ob wir gera\u00adde erst ange\u00adkom\u00admen w\u00e4ren. Wir erkl\u00e4\u00adren ihm, dass wir schon seit drei Tagen in Kabul sind, dass uns aber eine \u201ediar\u00adrhea\u201d bis jetzt davon abge\u00adhal\u00adten hat, die Stadt ken\u00adnen zu lernen.<\/p>\n

Er nickt mit\u00adf\u00fch\u00adlend \u2013 ja, die Krank\u00adheit sei beson\u00adders in die\u00adser tro\u00adcke\u00adnen Jah\u00adres\u00adzeit ein gro\u00ad\u00dfes Problem.<\/p>\n

\u201e<\/span>Now we are hun\u00adgry and thurs\u00adty,\u201d sage ich, \u201ebut we don\u2019t know what to eat or drink.\u201d<\/p>\n

Er emp\u00adfiehlt uns, es zun\u00e4chst mit star\u00adkem schwar\u00adzen Tee (ohne Zucker) zu ver\u00adsu\u00adchen, den wir aber nicht hei\u00df trin\u00adken, son\u00addern erst etwas abk\u00fch\u00adlen las\u00adsen soll\u00adten. Und essen soll\u00adten wir am bes\u00adten erst ein\u00admal nur \u201eplain white rice\u201d, wei\u00ad\u00dfen Reis ohne irgend\u00adwel\u00adche Bei\u00adla\u00adgen. Ob er bei\u00addes f\u00fcr uns in der K\u00fcche des Hotels zube\u00adrei\u00adten las\u00adsen soll?<\/p>\n

Ent\u00adz\u00fcckt neh\u00admen wir das net\u00adte Ange\u00adbot an.<\/p>\n

Unser Gast\u00adge\u00adber begibt sich in ein fla\u00adches Neben\u00adge\u00adb\u00e4u\u00adde, in dem sich wohl die Hotel\u00adk\u00fc\u00adche befin\u00addet. Nach etwa zehn Minu\u00adten kommt er zur\u00fcck, gefolgt von drei jun\u00adgen M\u00e4n\u00adnern, von denen zwei eine gewis\u00adse \u00c4hn\u00adlich\u00adkeit mit ihm haben \u2013 viel\u00adleicht sind es sei\u00adne S\u00f6h\u00adne oder Neffen.<\/p>\n

Einer tr\u00e4gt eine gro\u00ad\u00dfen Tee\u00adkan\u00adne, ein ande\u00adrer ein Tablett mit zwei Gl\u00e4\u00adsern. Bei\u00addes wird auf dem Tisch abge\u00adstellt, und w\u00e4h\u00adrend sich der Haus\u00adherr sich uns gegen\u00ad\u00fcber nie\u00adder\u00adl\u00e4sst, blei\u00adben die drei unschl\u00fcs\u00adsig neben dem Tisch stehen.<\/p>\n

Inge wirft mir einen am\u00fc\u00adsier\u00adten Blick zu, denn die jun\u00adgen Afgha\u00adnen k\u00f6n\u00adnen ihre Augen kaum von ihren blon\u00adden Haa\u00adren los\u00adrei\u00ad\u00dfen, bem\u00fc\u00adhen sich aber ange\u00adstrengt, sie nicht zu auf\u00adf\u00e4l\u00adlig anzu\u00adstar\u00adren. Schlie\u00df\u00adlich stellt der Mutigs\u00adte mit lei\u00adser Stim\u00adme eine Fra\u00adge, und der Hote\u00adlier \u00fcber\u00adsetzt \u2013 er w\u00fcr\u00adde gern wis\u00adsen, aus wel\u00adchem Land wir kommen.<\/p>\n

Die Aus\u00adkunft \u201eGer\u00adma\u00adny\u201d sorgt f\u00fcr die Lobes\u00adhym\u00adnen auf deut\u00adsche Autos und deut\u00adsche Tech\u00adnik, die wir schon ken\u00adnen. Gl\u00fcck\u00adli\u00adcher\u00adwei\u00adse wird dies\u00admal aber nicht Hit\u00adler<\/a> als wei\u00adte\u00adrer Grund f\u00fcr das posi\u00adti\u00adve Image Deutsch\u00adlands genannt.<\/p>\n

Die n\u00e4chs\u00adte Fra\u00adge gilt unse\u00adrer Hei\u00admat\u00adstadt, und als Inge und ich mer\u00adken, dass \u201eHam\u00adburg\u201d unse\u00adren Gespr\u00e4chs\u00adpart\u00adnern nicht viel zu sagen scheint, fan\u00adgen wir an zu erz\u00e4h\u00adlen \u2013 vom Ham\u00adbur\u00adger Hafen, von der Als\u00adter, der Elbe und vom Meer\u2026<\/p>\n

Die jun\u00adgen Afgha\u00adnen lau\u00adschen den \u00dcber\u00adset\u00adzun\u00adgen ihres \u00e4lte\u00adren Ver\u00adwand\u00adten und stel\u00adlen immer neue Fra\u00adgen. Nach einer Wei\u00adle ver\u00adlie\u00adren sie ihre Scheu und set\u00adzen sich eben\u00adfalls auf die Bank, und bald sind wir in eine ange\u00adreg\u00adte, mehr\u00adspra\u00adchi\u00adge Unter\u00adhal\u00adtung vertieft.<\/p>\n

Schlie\u00df\u00adlich ist der Tee in unse\u00adren Gl\u00e4\u00adsern soweit abge\u00adk\u00fchlt, dass wir ihn trin\u00adken k\u00f6n\u00adnen. Der \u00e4lte\u00adre Afgha\u00adne sagt etwas zu den J\u00fcn\u00adge\u00adren \u2013 viel\u00adleicht, dass sie sich um den von uns bestell\u00adten Reis k\u00fcm\u00admern sol\u00adlen? \u2013 und sie ste\u00adhen gera\u00adde auf, als eine Grup\u00adpe lachen\u00adder und wild durch\u00adein\u00adan\u00adder rufen\u00adder, schwarz\u00adhaa\u00adri\u00adger M\u00e4n\u00adner in den Hof st\u00fcrmt.<\/p>\n

Es sind kei\u00adne Ein\u00adhei\u00admi\u00adschen, denn sie haben abge\u00adtra\u00adgen Jeans mit bun\u00adten Fli\u00adcken dar\u00adauf an. Und sie spre\u00adchen, wie ich bei genaue\u00adrem Hin\u00adh\u00f6\u00adren fest\u00adstel\u00adle, Spanisch.<\/p>\n

Dane\u00adben aber auch die Lan\u00addes\u00adspra\u00adche \u2013 zumin\u00addest so viel davon, dass es f\u00fcr eine \u00fcber\u00adschw\u00e4ng\u00adli\u00adche Begr\u00fc\u00ad\u00dfung der Hote\u00adliers-Fami\u00adlie reicht. Deren j\u00fcn\u00adge\u00adre Mit\u00adglie\u00adder wer\u00adden umarmt und auf die Schul\u00adter geklopft, und sie lachen mit den Spaniern.<\/p>\n

Drei der Neu\u00adan\u00adk\u00f6mm\u00adlin\u00adge ver\u00adschwin\u00adden im Hotel, die ande\u00adren bei\u00adden las\u00adsen sich am Neben\u00adtisch nie\u00adder und fan\u00adgen an zu strei\u00adten. Jeden\u00adfalls kommt mir das so vor \u2013 erst als einer der Bei\u00adden in Gel\u00e4ch\u00adter aus\u00adbricht und der ande\u00adre ein\u00adstimmt, mer\u00adke ich, dass es sich blo\u00df um ein tem\u00adpe\u00adra\u00adment\u00advol\u00adles, von laut\u00adstar\u00adken Fl\u00fc\u00adchen unter\u00admal\u00adtes Gespr\u00e4ch handelt.<\/p>\n

\u00dcber mein Tee\u00adglas hin\u00adweg mus\u00adte\u00adre ich die Zwei verstohlen.<\/p>\n

Der eine tr\u00e4gt sei\u00adne Haa\u00adre stop\u00adpel\u00adkurz und ist glatt rasiert, der ande\u00adre, der mir gegen\u00ad\u00fcber sitzt, hat schul\u00adter\u00adlan\u00adge, von einem bun\u00adten Stirn\u00adband geb\u00e4n\u00addig\u00adte Locken und einen sorg\u00adf\u00e4l\u00adtig gestutz\u00adten Voll\u00adbart. Sei\u00adne Augen fun\u00adkeln, der Mann spr\u00fcht f\u00f6rm\u00adlich vor Ener\u00adgie und guter Lau\u00adne. Er sieht gera\u00adde\u00adzu unver\u00adsch\u00e4mt gut aus, fin\u00adde ich.<\/p>\n

Lei\u00adder habe ich mit bild\u00adsch\u00f6\u00adnen M\u00e4n\u00adner bis\u00adlang nur schlech\u00adte Erfah\u00adrun\u00adgen gemacht. Sie sind mir vor allem wegen ihrer Arro\u00adganz und Selbst\u00adver\u00adliebt\u00adheit in Erin\u00adne\u00adrung geblie\u00adben, und oft genug waren sie dazu auch noch d\u00e4mlich.<\/p>\n

Da unser Reis auf sich war\u00adten l\u00e4sst, geht Inge in unser Zim\u00admer, um ihr Luft\u00adpost-Brief\u00adpa\u00adpier zu holen. Ich suche unter\u00addes\u00adsen in mei\u00adner Tasche nach der Schach\u00adtel ame\u00adri\u00adka\u00adni\u00adscher Ziga\u00adret\u00adten, die ich vor\u00adhin gekauft habe. Nicht nur mein Appe\u00adtit, son\u00addern auch mein Schmach\u00adter<\/a> ist zur\u00fcck\u00adge\u00adkehrt, was ich als Zei\u00adchen daf\u00fcr wer\u00adte, dass die Durch\u00adfall\u00aderkran\u00adkung end\u00adg\u00fcl\u00adtig \u00fcber\u00adwun\u00adden ist.<\/p>\n

Als ich nach dem Anz\u00fcn\u00adden einer Ziga\u00adret\u00adte auf\u00adbli\u00adcke, \u2013 nach der mehr\u00adt\u00e4\u00adgi\u00adgen Abs\u00adti\u00adnenz schmeckt sie nicht beson\u00adders, aber das Ner\u00adven\u00adgift Niko\u00adtin hat eine unmit\u00adtel\u00adbar ent\u00adspan\u00adnen\u00adde Wir\u00adkung \u2013 sehe ich direkt in die dunk\u00adlen, von benei\u00addens\u00adwert lan\u00adgen Wim\u00adpern umrahm\u00adten Augen des sch\u00f6\u00adnen Spaniers.<\/p>\n

Er bit\u00adtet mich um eine Ziga\u00adret\u00adte, die ich ihm nat\u00fcr\u00adlich nicht ver\u00adwei\u00adge\u00adre. Als ich den sehn\u00ads\u00fcch\u00adti\u00adgen Blick sei\u00adnes Freun\u00addes am Neben\u00adtisch sehe, bie\u00adte ich ihm eben\u00adfalls eine an, und drei Sekun\u00adden sp\u00e4\u00adter sit\u00adzen die Bei\u00adden mir gegen\u00ad\u00fcber und zie\u00adhen an ihren Glimmstengeln.<\/p>\n

\u201e<\/span>I did not schmock for many, many days,\u201d sagt der Lang\u00adhaa\u00adri\u00adge mit einem genie\u00ad\u00dfe\u00adri\u00adschen Seufzen.<\/p>\n

Er hat einen aus\u00adge\u00adpr\u00e4g\u00adten, har\u00adten Akzent, und ich mer\u00adke schnell, dass sein eng\u00adli\u00adscher Wort\u00adschatz nicht gera\u00adde gro\u00df ist. Daf\u00fcr spricht er gut Fran\u00adz\u00f6\u00adsisch \u2013 lei\u00adder habe ich<\/em> die Fran\u00adz\u00f6\u00adsisch-Voka\u00adbeln in der Schu\u00adle immer nur (am Tag vor der Klau\u00adsur) im Kurz\u00adzeit\u00adge\u00add\u00e4cht\u00adnis gespeichert.<\/p>\n

Sein Name sei Enri\u00adque, sagt er, und sein Freund hei\u00ad\u00dfe Car\u00adlos. Trotz sei\u00adnes phan\u00adtas\u00adti\u00adschen Aus\u00adse\u00adhens ist er \u00fcber\u00adhaupt nicht arro\u00adgant oder selbst\u00adver\u00adliebt. Und bl\u00f6d erst recht nicht.<\/p>\n

Inge kommt zur\u00fcck, kurz dar\u00adauf auch die drei Freun\u00adde von Enri\u00adque und Carlos.<\/p>\n

Zwei von ihnen sind eben\u00adfalls Spa\u00adni\u00ader, der Drit\u00adte kommt aus Argen\u00adti\u00adni\u00adern, erfah\u00adren wir von Car\u00adlos, der am bes\u00adten Eng\u00adlisch spricht und des\u00adhalb die Vor\u00adstel\u00adlung \u00fcbernimmt.<\/p>\n

Als ich sehe, dass Enri\u00adque und Car\u00adlos ihre halb auf\u00adge\u00adrauch\u00adten Ziga\u00adret\u00adten an ihre Freun\u00adde wei\u00adter\u00adrei\u00adchen, bie\u00adte ich auch den Ande\u00adren wel\u00adche an.<\/p>\n

Der Argen\u00adti\u00adni\u00ader ist Nicht\u00adrau\u00adcher und fragt sch\u00fcch\u00adtern, ob er statt\u00addes\u00adsen ein Glas Tee bekom\u00admen k\u00f6nn\u00adte. Der Tee sei \u201efr\u00edo\u201d, kalt, erkl\u00e4\u00adre ich ihm. (1975 \u2013 auf der Durch\u00adrei\u00adse nach Por\u00adtu\u00adgal \u2013 hat sich mir die\u00adses spa\u00adni\u00adsche Wort ein\u00adge\u00adpr\u00e4gt, es stand \u00fcber dem Was\u00adser\u00adhahn einer Cam\u00adping\u00adplatz-Dusche, unter der ich eines Mor\u00adgens uner\u00adwar\u00adtet schnell wach wur\u00adde\u2026) Obwohl der Argen\u00adti\u00adni\u00ader mir ver\u00adst\u00e4nd\u00adlich zu machen ver\u00adsucht, dass es ihm \u00fcber\u00adhaupt nichts aus\u00adma\u00adche, kal\u00adten Tee zu trin\u00adken, gehe ich zur Hotel\u00adk\u00fc\u00adche hin\u00ad\u00fcber und bestel\u00adle noch eine Kan\u00adne Tee und wei\u00adte\u00adre Gl\u00e4\u00adser f\u00fcr die F\u00fcnf.<\/p>\n

Als ich zum Tisch zur\u00fcck kom\u00adme, haben sie gera\u00adde begon\u00adnen, auf Spa\u00adnisch, Eng\u00adlisch, und Fran\u00adz\u00f6\u00adsisch (unter\u00admalt von aus\u00addrucks\u00advol\u00adlen Gri\u00admas\u00adsen und Ges\u00adten) die aben\u00adteu\u00ader\u00adli\u00adche Geschich\u00adte ihrer Rei\u00adse bis Kabul zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n

Und das ist sie, ihre Geschichte:<\/p>\n

Die vier Spa\u00adni\u00ader, der Argen\u00adti\u00adni\u00ader und dazu noch zwei Fran\u00adzo\u00adsen (mit denen zusam\u00admen sie der\u00adzeit einen Schlaf\u00adsaal des \u201eKoochie Hotels\u201d bewoh\u00adnen) sind K\u00fcnst\u00adler \u2013 f\u00fcnf Musi\u00adker, ein Foto\u00adgraf und ein Filmemacher.<\/p>\n

Einer der Fran\u00adzo\u00adsen besitzt einen aus\u00adge\u00adbau\u00adten Rei\u00adse\u00adbus, den sie im Fr\u00fch\u00adjahr \u201877 mit ihren Musik\u00adin\u00adstru\u00admen\u00adten, der Anla\u00adge, Foto- und Film\u00adaus\u00adr\u00fcs\u00adtung und ihrem Gep\u00e4ck bela\u00adden, um damit gen Osten, dem Son\u00adnen\u00adauf\u00adgang<\/a> ent\u00adge\u00adgen zu fah\u00adren. Ihr Plan ist es, ihre Rei\u00adse mit Kon\u00adzer\u00adten zu finan\u00adzie\u00adren, die sie unter\u00adwegs geben. Au\u00dfer\u00addem sol\u00adlen die Kon\u00adzer\u00adte foto\u00adgra\u00adfisch und fil\u00admisch doku\u00admen\u00adtiert wer\u00adden, und sie haben ihre gesam\u00adten Erspar\u00adnis\u00adse dabei, um in Indi\u00aden und Nepal Tex\u00adti\u00adli\u00aden, Schmuck und Kunst\u00adhand\u00adwerk ein\u00adzu\u00adkau\u00adfen. Nach ihrer R\u00fcck\u00adkehr hof\u00adfen sie damit \u2013 und mit dem Foto\u00adband und dem Doku\u00admen\u00adtar\u00adfilm \u2013 gen\u00fc\u00adgend Geld f\u00fcr die Finan\u00adzie\u00adrung wei\u00adte\u00adrer Rei\u00adsen ver\u00addie\u00adnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n

Es fin\u00adden tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich eini\u00adge Kon\u00adzer\u00adte statt, in Ita\u00adli\u00aden, an der jugo\u00adsla\u00adwi\u00adschen Adria\u00adk\u00fcs\u00adte und in der T\u00fcr\u00adkei. Dort ver\u00adan\u00adstal\u00adten sie ein\u00admal sogar eine Jam Ses\u00adsi\u00adon mit ein\u00adhei\u00admi\u00adschen Musi\u00adkern, die bis in die Mor\u00adgen\u00adstun\u00adden dau\u00adert und w\u00e4h\u00adrend der Enri\u00adque, wie er mit leuch\u00adten\u00adden Augen berich\u00adtet, so lan\u00adge und so \u201eloco\u201d (ver\u00adr\u00fcckt) Gitar\u00adre spielt, dass am Ende sei\u00adne Fin\u00adger\u00adkup\u00adpen bluten.<\/p>\n

Sie kom\u00admen bis nach Herat.<\/p>\n

Am ers\u00adten Abend sind sie alle\u00adsamt so bekifft, dass sie in den engen Kojen ihres am Stadt\u00adrand gepark\u00adten Bus\u00adses ein\u00add\u00f6\u00adsen, ohne vor\u00adher das Licht zu l\u00f6schen.<\/p>\n

Die\u00adses Licht ist, man mag es kaum glau\u00adben, eine Petroleumlampe.<\/p>\n

Man ahnt schon, was als N\u00e4chs\u00adtes kommt: irgend\u00adwann in der Nacht wirft jemand die bren\u00adnen\u00adde Lam\u00adpe um. Die Kunst\u00adstoff-Innen\u00adver\u00adklei\u00addung f\u00e4ngt sofort Feu\u00ader. Geschrei \u2013 Panik \u2013 gera\u00adde noch recht\u00adzei\u00adtig sprin\u00adgen die Sie\u00adben aus dem Bus. Dann explo\u00addie\u00adren Iso\u00adlier\u00adma\u00adte\u00adri\u00adal und Tank.<\/p>\n

Der Bus brennt voll\u00adst\u00e4n\u00addig aus.<\/p>\n

Halb Herat ist auf den Bei\u00adnen und bestaunt die turm\u00adho\u00adhen Flammen.<\/p>\n

\u201e<\/span>And they don\u2019t have any kind of fire depart\u00adment in Herat,\u201d bemerkt Car\u00adlos mit einem schie\u00adfen Grinsen.<\/p>\n

Ich kann mir trotz der scho\u00adckie\u00adren\u00adden Sto\u00adry ein Schmun\u00adzeln nicht ver\u00adknei\u00adfen. Wo soll\u00adte denn da auch das Was\u00adser f\u00fcr einen L\u00f6sch\u00adtrupp herkommen?<\/p>\n

Alles, was ihnen nach der Kata\u00adstro\u00adphe geblie\u00adben ist, sind die Sachen, die sie am Lei\u00adbe getra\u00adgen haben. Einer von ihnen hat\u00adte zuf\u00e4l\u00adlig hun\u00addert Dol\u00adlar in der Hosen\u00adta\u00adsche, die er am n\u00e4chs\u00adten Tag in Afgha\u00adnis ein\u00adwech\u00adseln woll\u00adte, aber der Rest ihres Gel\u00addes ist eben\u00adso den Flam\u00admen zum Opfer gefal\u00adlen wie ihre P\u00e4s\u00adse und Kla\u00admot\u00adten, die Musik\u00adin\u00adstru\u00admen\u00adte, Ver\u00adst\u00e4r\u00adker, Laut\u00adspre\u00adcher\u00adbo\u00adxen, die Foto- und Filmausr\u00fcstung\u2026<\/p>\n

Am Mor\u00adgen durch\u00adw\u00fch\u00adlen sie die war\u00adme Asche und fin\u00adden eini\u00adge noch brauch\u00adba\u00adre Klei\u00adnig\u00adkei\u00adten wie bei\u00adspiels\u00adwei\u00adse Kame\u00adra\u00adlin\u00adsen, die sie auf dem Bazar in Herat ver\u00adkau\u00adfen k\u00f6nnen.<\/p>\n

\u201e<\/span>And I found dis also. But I do not sell,\u201d sagt Enri\u00adque ernst und greift in den Hals\u00adaus\u00adschnitt sei\u00adnes zer\u00adschlis\u00adse\u00adnen Hemdes.<\/p>\n

Zum Vor\u00adschein kommt ein Leder\u00adband, auf das ein Metall\u00adschild auf\u00adge\u00adf\u00e4\u00addelt ist.<\/p>\n

Er h\u00e4lt es mir hin, und ich beu\u00adge mich \u00fcber den Tisch, um die Auf\u00adschrift zu lesen. In das Pl\u00e4tt\u00adchen ein\u00adgra\u00adviert ist die sechs\u00adstel\u00adli\u00adge Seri\u00aden\u00adnum\u00admer sei\u00adner ver\u00adbrann\u00adten Gitar\u00adre, dar\u00adun\u00adter steht ein geschwun\u00adge\u00adnes \u201eF\u201d f\u00fcr \u201eFen\u00adder<\/a>\u201d. Einen Moment lang mei\u00adne ich eine Tr\u00e4\u00adne in Enri\u00adques Augen glit\u00adzern zu sehen, aber dann lacht er schon wie\u00adder \u00fcber Car\u00adlos\u2019 pan\u00adto\u00admi\u00admi\u00adsche Dar\u00adstel\u00adlung ihrer n\u00e4cht\u00adli\u00adchen Flucht aus dem bren\u00adnen\u00adden Bus.<\/p>\n

In Herat ver\u00adsu\u00adchen sie zwei Wochen lang, von den loka\u00adlen Beh\u00f6r\u00adden irgend\u00adwel\u00adche \u201eErsatz-Papie\u00adre\u201d zu krie\u00adgen, mit denen sie \u00fcber die Gren\u00adze nach Tehe\u00adran zur\u00fcck wol\u00adlen, wo es eine spa\u00adni\u00adsche Bot\u00adschaft gibt. Vergeblich.<\/p>\n

Also rei\u00adsen sie nach Kabul wei\u00adter und bit\u00adten das fran\u00adz\u00f6\u00adsi\u00adschen und das ita\u00adlie\u00adni\u00adsche Kon\u00adsu\u00adlat um Hil\u00adfe; eine diplo\u00adma\u00adti\u00adsche Ver\u00adtre\u00adtung Spa\u00adni\u00adens \u2013 oder gar Argen\u00adti\u00adni\u00adens \u2013 gibt es in der afgha\u00adni\u00adschen Haupt\u00adstadt n\u00e4m\u00adlich nicht. Auch das ist ver\u00adgeb\u00adlich. Nur die bei\u00adden Fran\u00adzo\u00adsen wer\u00adden in den n\u00e4chs\u00adten Tagen heim flie\u00adgen \u2013 sobald ihre Bot\u00adschaft die Best\u00e4\u00adti\u00adgung hat, dass ihre Ange\u00adh\u00f6\u00adri\u00adgen die Tickets bezahlen.<\/p>\n

Die Spa\u00adni\u00ader und der Argen\u00adti\u00adni\u00ader jedoch ver\u00adbrin\u00adgen jeden Tag Stun\u00adden in ver\u00adschie\u00adde\u00adnen afgha\u00adni\u00adschen \u00c4mtern, die sich mit sch\u00f6\u00adner Regel\u00adm\u00e4\u00ad\u00dfig\u00adkeit f\u00fcr nicht zust\u00e4n\u00addig erkl\u00e4\u00adren und sie an die n\u00e4chs\u00adte Abtei\u00adlung wei\u00adter rei\u00adchen. Auch jetzt sind sie gera\u00adde wie\u00adder aus dem afgha\u00adni\u00adschen Beh\u00f6r\u00adden\u00addschun\u00adgel zur\u00fcck\u00adge\u00adkehrt, und Guil\u00adler\u00admo, der Argen\u00adti\u00adni\u00ader, \u00e4u\u00dfert die Ver\u00admu\u00adtung, dass sie l\u00e4ngst irgend\u00adwel\u00adche Ersatz-P\u00e4s\u00adse h\u00e4t\u00adten, st\u00fcn\u00adden ihnen nur die in der hie\u00adsi\u00adgen B\u00fcro\u00adkra\u00adtie nun mal erfor\u00adder\u00adli\u00adchen \u201eSchmier\u00admit\u00adtel\u201d zur Ver\u00adf\u00fc\u00adgung. Aber ihr weni\u00adges Geld ist mitt\u00adler\u00adwei\u00adle fast voll\u00adst\u00e4n\u00addig aufgebraucht.<\/p>\n

Inge fragt, wie sie denn ihre Unter\u00adkunft hier finanzieren.<\/p>\n

\u201e<\/span>No pro\u00adblem,\u201d gibt Car\u00adlos Aus\u00adkunft \u2013 abge\u00adse\u00adhen von den bei\u00adden Fran\u00adzo\u00adsen, die in ihrer Bot\u00adschaft etwas Geld erhal\u00adten h\u00e4t\u00adten, w\u00fcr\u00adden sie f\u00fcr die \u00dcber\u00adnach\u00adtun\u00adgen in dem von ihnen beleg\u00adten Acht-Bet\u00adten-Schlaf\u00adsaal nichts bezah\u00adlen. Der Hotel\u00adbe\u00adsit\u00adzer sei ein \u201every good man, very nice man\u201d, sagt er, und winkt ihrem Wohl\u00adt\u00e4\u00adter fr\u00f6h\u00adlich zu, der gera\u00adde aus der K\u00fcchen\u00adt\u00fcr tritt.<\/p>\n

Ihm fol\u00adgen zwei der jun\u00adgen Afgha\u00adnen, von denen der eine ein Tablett mit Tee\u00adkan\u00adne und Gl\u00e4\u00adsern, der ande\u00adre eins mit einer gro\u00ad\u00dfen Sch\u00fcs\u00adsel und zwei Tel\u00adlern tr\u00e4gt.<\/p>\n

Unser Reis ist end\u00adlich gar.<\/p>\n

Als wir uns die duf\u00adten\u00adden wei\u00ad\u00dfen K\u00f6r\u00adner auf\u00adf\u00fcl\u00adlen, bem\u00fc\u00adhen sich unse\u00adre neu\u00aden Freun\u00adde, nicht all\u00adzu hung\u00adrig auf unse\u00adre Tel\u00adler zu starren.<\/p>\n

Selbst\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adlich bie\u00adten Inge und ich an, mit ihnen zu tei\u00adlen, aber sie leh\u00adnen es beharr\u00adlich ab, sich eben\u00adfalls Tel\u00adler brin\u00adgen zu las\u00adsen. Sie h\u00e4t\u00adten vor\u00adhin auf dem Markt schon eini\u00adge leicht ange\u00adbrann\u00adte \u201eNaan\u201d (Fla\u00adden\u00adbro\u00adte) geschenkt bekom\u00admen, erkl\u00e4rt Enri\u00adque, und sp\u00e4\u00adter w\u00fcr\u00adden sie wie jeden Tag zum Essen zu den \u201eChild\u00adren of God<\/a>\u201d gehen.<\/p>\n

Auf unse\u00adre Nach\u00adfra\u00adge hin erkl\u00e4rt er Inge und mir, dass die\u00adse Orga\u00adni\u00adsa\u00adti\u00adon in Kabul eine Art Sup\u00adpen\u00adk\u00fc\u00adche betrei\u00adbe, wo all\u00adabend\u00adlich kos\u00adten\u00adlo\u00adse Mahl\u00adzei\u00adten ver\u00adteilt w\u00fcrden.<\/p>\n

\u201e<\/span>They try to catch us,\u201d meint Car\u00adlos, die \u201eKin\u00adder Got\u00adtes\u201d w\u00fcr\u00adden w\u00e4h\u00adrend der Essens\u00adaus\u00adga\u00adbe ver\u00adsu\u00adchen, neue Mit\u00adglie\u00adder f\u00fcr ihre Gemein\u00adschaft zu werben.<\/p>\n

\u201e<\/span>But they won\u2019t get us.\u201d<\/p>\n

Er grinst und deu\u00adtet mit einer krei\u00adseln\u00adden Fin\u00adger\u00adbe\u00adwe\u00adgung neben der Schl\u00e4\u00adfe an, f\u00fcr wie ver\u00adr\u00fcckt er die Mit\u00adglie\u00adder die\u00adser aus den USA<\/span> stam\u00admen\u00adden Sek\u00adte h\u00e4lt.<\/p>\n

\u201e<\/span>We go the\u00adre just for the food.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Tonight you come with us?\u201d fragt mich Enrique.<\/p>\n

Alle sind von der Idee begeis\u00adtert und dr\u00e4n\u00adgen uns, die Ein\u00adla\u00addung anzunehmen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Wir m\u00fcs\u00adsen da ja nichts essen,\u201d meint Inge, \u201eaber angu\u00adcken kann man sich das doch mal.\u201d<\/p>\n

Wir sagen also zu.<\/p>\n

Den Abend mit die\u00adser lus\u00adti\u00adgen Ban\u00adde zu ver\u00adbrin\u00adgen, ist auf jeden Fall eine reiz\u00advol\u00adle Idee, auch wenn man das Gl\u00fcck hat, auf die mild\u00adt\u00e4\u00adti\u00adgen Gaben die\u00adser obsku\u00adren Glau\u00adbens\u00adge\u00admein\u00adschaft nicht ange\u00adwie\u00adsen zu sein. Wir ver\u00adab\u00adre\u00adden uns f\u00fcr sechs Uhr hier im Hof, und dann zer\u00adstreut sich unse\u00adre klei\u00adne Gesellschaft.<\/p>\n

Inge und ich bre\u00adchen zu einem Spa\u00adzier\u00adgang auf, um end\u00adlich etwas von Kabul<\/a> zu sehen.<\/p>\n

Die Stadt liegt etwa 1.800 Meter hoch \u2013 was erkl\u00e4rt, war\u00adum es hier l\u00e4ngst nicht so hei\u00df<\/a> ist wie etwa in Istan\u00adbul \u2013 und ist von noch h\u00f6he\u00adren Ber\u00adgen umge\u00adben, an denen sich der \u00e4u\u00dfe\u00adre Ring von Stadt\u00adtei\u00adlen empor\u00adzieht. Die H\u00e4u\u00adser und H\u00fct\u00adten die\u00adser Vier\u00adtel kle\u00adben am Berg wie nach\u00adl\u00e4s\u00adsig aus\u00adge\u00adstreu\u00adte Papp\u00adschach\u00adteln, und ich fra\u00adge mich, ob es hier jemals hef\u00adti\u00adge Regen\u00adf\u00e4l\u00adle gibt. In Anbe\u00adtracht der durch kei\u00adner\u00adlei Vege\u00adta\u00adti\u00adon befes\u00adtig\u00adten, von Stein\u00adschlag bedroh\u00adten kah\u00adlen H\u00e4n\u00adge w\u00e4re mir (als Bewoh\u00adner eines die\u00adser H\u00e4u\u00adser) dann n\u00e4m\u00adlich ganz sch\u00f6n mulmig.<\/p>\n

<\/a><\/p>\n

Als Inge und ich den Kabul River<\/a> errei\u00adchen, wird klar, war\u00adum Was\u00adser hier ein so kost\u00adba\u00adres Gut und gegen\u00adw\u00e4r\u00adtig alles von einer Staub\u00adschicht bedeckt ist. Bis auf ein d\u00fcn\u00adnes Rinn\u00adsal und ein paar Pf\u00fct\u00adzen ist der Fluss aus\u00adge\u00adtrock\u00adnet, und das ist er wohl auch schon seit einer gan\u00adzen Wei\u00adle. Die Hir\u00adten, die ihre Zie\u00adgen und Scha\u00adfe im Fluss\u00adbett wei\u00adden las\u00adsen, machen jeden\u00adfalls nicht den Ein\u00addruck, als h\u00e4t\u00adten sie gera\u00adde erst damit begonnen.<\/p>\n

<\/a><\/p>\n

So inter\u00ades\u00adsant die Ansich\u00adten der Stadt auch sind, unse\u00adre Unter\u00adhal\u00adtung dreht sich haupt\u00ads\u00e4ch\u00adlich um \u201edie Spa\u00adni\u00ader\u201d (Guil\u00adler\u00admo z\u00e4h\u00adlen wir der Ein\u00adfach\u00adheit hal\u00adber dazu).<\/p>\n

Inge und ich sind fas\u00adzi\u00adniert von der Zuver\u00adsicht und guten Lau\u00adne, die sie ver\u00adbrei\u00adten \u2013 obwohl sie gera\u00adde ihre gesam\u00adte Habe ver\u00adlo\u00adren haben, ohne Geld in die\u00adser frem\u00adden Stadt fest\u00adsit\u00adzen und am Ende ver\u00admut\u00adlich froh sein m\u00fcs\u00adsen, wenn sie es irgend\u00adwie wie\u00adder nach Hau\u00adse schaf\u00adfen. Dabei woll\u00adten sie doch bis nach Nepal rei\u00adsen, so wie wir!<\/p>\n

\u201e<\/span>Ver\u00adgli\u00adchen mit den Pro\u00adble\u00admen, mit denen sich die\u00adse Jungs her\u00adum\u00adschla\u00adgen m\u00fcs\u00adsen, ist eine drei\u00adt\u00e4\u00adgi\u00adge \u201eKabu\u00adli\u00adtis\u201d doch blo\u00df eine klei\u00adne Unan\u00adnehm\u00adlich\u00adkeit,\u201d mei\u00adne ich und sch\u00e4\u00adme mich nach\u00adtr\u00e4g\u00adlich ein wenig f\u00fcr mein Selbst\u00admit\u00adleid und Gejam\u00admer in den zur\u00fcck\u00adlie\u00adgen\u00adden Tagen und N\u00e4chten.<\/p>\n

\u201e<\/span>Das ist jetzt leicht gesagt, wenn es einem wie\u00adder gut geht. Aber vor\u00adges\u00adtern habe mich wirk\u00adlich todster\u00adbens\u00adelend gef\u00fchlt.\u201d wider\u00adspricht Inge.<\/p>\n

\u201e<\/span>Au\u00dfer\u00addem kann ich mir vor\u00adstel\u00adlen, dass die Spa\u00adni\u00ader einen gro\u00ad\u00dfen Teil ihrer Kraft aus dem Umstand sch\u00f6p\u00adfen, dass sie so gesund und mun\u00adter sind. Schlie\u00df\u00adlich sind sie dem Tod nur ganz knapp von der Schip\u00adpe gesprun\u00adgen, da wei\u00df man genau das bestimmt sehr zu sch\u00e4tzen!\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Du hast recht,\u201d stim\u00adme ich ihr zu.<\/p>\n

\u201e<\/span>Enri\u00adque hat es selbst gesagt \u2013 \u2018No bus, no money, no pass\u00adport \u2013 but no pro\u00adblem. We live!\u2019 Das Wich\u00adtigs\u00adte ist doch wirk\u00adlich, am Leben zu sein.\u201d<\/p>\n

Mei\u00adne Freun\u00addin grinst.<\/p>\n

\u201e<\/span>Der hat es dir ange\u00adtan, der Locken\u00adkopf, was?\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Ja, ich fin\u00adde ihn hin\u00adrei\u00ad\u00dfend,\u201d gebe ich zu.<\/p>\n

\u201e<\/span>Mir gef\u00e4llt Car\u00adlos bes\u00adser, weil man sich mit dem so toll unter\u00adhal\u00adten kann,\u201d erkl\u00e4rt Inge \u2013 was mir her\u00advor\u00adra\u00adgend in den Kram passt.<\/p>\n

Auf dem R\u00fcck\u00adweg kommt uns die Idee, etwas zu essen einzukaufen.<\/p>\n

Da die Spa\u00adni\u00ader zu stolz waren, sich zum Reis ein\u00adla\u00adden zu las\u00adsen, wer\u00adden wir ihnen eben Fla\u00adden\u00adbro\u00adte anbie\u00adten, wenn wir das n\u00e4chs\u00adte Mal beim Chai zusammensitzen.<\/p>\n

Au\u00dfer\u00addem kau\u00adfen wir von einem fast zahn\u00adlo\u00adsen H\u00e4nd\u00adler noch Toma\u00adten und Zwie\u00adbeln. F\u00fcr die paar Afgha\u00adnis, die wir ihm geben, sch\u00fct\u00adtet er so vie\u00adle Zwie\u00adbeln in Inges Beu\u00adtel, dass wir damit wochen\u00adlang aus\u00adkom\u00admen w\u00fcr\u00adden. Am Kar\u00adren dane\u00adben erste\u00adhen wir vier Gra\u00adnat\u00ad\u00e4p\u00adfel, die ver\u00adgli\u00adchen mit den Zwie\u00adbeln aber rela\u00adtiv teu\u00ader sind.<\/p>\n

Danach gehen wir noch bei dem Hotel vor\u00adbei, in des\u00adsen Gar\u00adten der 608 parkt. Rolf und Cathe\u00adri\u00adne sit\u00adzen davor, zusam\u00admen mit einem P\u00e4r\u00adchen aus Ber\u00adlin, die neben\u00adan in einem zum Wohn\u00admo\u00adbil umge\u00adbau\u00adten Ford Tran\u00adsit campieren.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ah \u2013 die bei\u00adden jun\u00adgen Damen sind wie\u00adder gene\u00adsen!\u201d ruft Rolf erfreut, als er uns sieht.<\/p>\n

\u201e<\/span>Dann seht ihr ja doch noch was von Kabul \u2013 nicht nur immer das\u00adsel\u00adbe Hotel-Klo\u2026\u201d<\/p>\n

Wir berich\u00adten kurz, wie es uns ergan\u00adgen ist, und dass wir jetzt im \u201eKoochie Hotel\u201d in der Chi\u00adcken Street unter\u00adge\u00adkom\u00admen sind. Unser Fah\u00adrer teilt uns mit, dass er Kabul \u00fcber\u00admor\u00adgen fr\u00fch um 10 Uhr ver\u00adlas\u00adsen will.<\/p>\n

Der Treff\u00adpunkt wird vor \u201eSigis Restau\u00adrant\u201d<\/a> sein, dem legen\u00adden\u00adum\u00adrank\u00adten<\/a> Kabu\u00adler \u00c4qui\u00adva\u00adlent zum \u201ePud\u00adding Shop\u201d in Istan\u00adbul oder zum \u201eAmir Kabir\u201d in Teheran.<\/p>\n

\u201e<\/span>Im \u201eSigis\u201d gehen wir heu\u00adte Abend \u00fcbri\u00adgens essen, kommt doch auch,\u201d schl\u00e4gt Cathe\u00adri\u00adne vor.<\/p>\n

\u201e<\/span>Sie haben da eine wirk\u00adlich gute und g\u00fcns\u00adti\u00adge K\u00fcche \u2013 der Reis\u00adpud\u00adding ist zu Recht so ber\u00fchmt.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Nee, geht lei\u00adder nicht,\u201d sagt Inge bedauernd.<\/p>\n

\u201e<\/span>Wir sind schon zum Essen ver\u00adab\u00adre\u00addet \u2013 in der Sup\u00adpen\u00adk\u00fc\u00adche der \u201eKin\u00adder Gottes\u201d\u201d.<\/p>\n

\u201e<\/span>Wie bit\u00adte?\u201d Cathe\u00adri\u00adne starrt uns ent\u00adsetzt an.<\/p>\n

\u201e<\/span>Na ja, wir haben da so ein paar Spa\u00adni\u00ader ken\u00adnen gelernt, die sind total abge\u00adbrannt, und die gehen da immer essen,\u201d ver\u00adsu\u00adche ich zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n

\u201e<\/span>Sie haben uns ein\u00adge\u00adla\u00adden, sie zu begleiten.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Die sind wirk\u00adlich abge\u00adbrannt, im wahrs\u00adten Sin\u00adne des Wor\u00adtes,\u201d f\u00fcgt Inge am\u00fc\u00adsiert hinzu.<\/p>\n

\u201e<\/span>Bei die\u00adsen Sek\u00adten\u00adfuz\u00adzis schmeckt das Essen bestimmt nicht,\u201d ver\u00adk\u00fcn\u00addet Rolf im Brust\u00adton der \u00dcberzeugung.<\/p>\n

\u201e<\/span>Hof\u00adfent\u00adlich ist eure Beglei\u00adtung wenigs\u00adtens nett genug, um das wettzumachen.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Ach doch, ja, die sind ganz unter\u00adhalt\u00adsam,\u201d mei\u00adne ich, und Inge grinst mich an.<\/p>\n

In unse\u00adrem Zim\u00admer ver\u00adstau\u00aden wir die gekauf\u00adten Lebens\u00admit\u00adtel insek\u00adten\u00adsi\u00adcher in fest zuge\u00adkno\u00adte\u00adten Beu\u00adteln, die wir in mei\u00adnen Kof\u00adfer ein\u00adschlie\u00ad\u00dfen, und machen uns f\u00fcr unser \u201eDate\u201d zurecht.<\/p>\n

Unse\u00adre f\u00fcnf Kava\u00adlie\u00adre sit\u00adzen schon im Hof, zusam\u00admen mit den Afgha\u00adnen vom Hotel, und sprin\u00adgen auf, als wir herauskommen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Bue\u00adnos noches, Se\u00f1o\u00adres,\u201d sage ich l\u00e4chelnd, und die Se\u00f1o\u00adres strah\u00adlen und reden alle gleich\u00adzei\u00adtig. Schlie\u00df\u00adlich gelingt es Car\u00adlos, die ande\u00adren zu \u00fcber\u00adt\u00f6\u00adnen. Er ver\u00adbeugt sich schwung\u00advoll vor Inge und mir und sagt dann:<\/p>\n

\u201e<\/span>Let\u2019s go!\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Ach du hei\u00adli\u00adge Schei\u00ad\u00dfe,\u201d st\u00f6\u00dft Inge her\u00advor, als wir nach einem l\u00e4n\u00adge\u00adrem Fu\u00df\u00admarsch ein paar Stu\u00adfen hin\u00adun\u00adter\u00adstei\u00adgen und in der Sup\u00adpen\u00adk\u00fc\u00adche der \u201eChild\u00adren of God\u201d ange\u00adkom\u00admen sind.<\/p>\n

Der Raum ist d\u00fcs\u00adter und schmut\u00adzig, nur von ein paar nack\u00adten Gl\u00fch\u00adbir\u00adnen erleuch\u00adtet und mit nied\u00adri\u00adgen Tischen und B\u00e4n\u00adken aus geschw\u00e4rz\u00adtem Holz m\u00f6bliert. An der hin\u00adte\u00adren Wand befin\u00addet sich ein h\u00f6he\u00adrer Tisch, hin\u00adter dem zwei Frau\u00aden mit lan\u00adgen, glat\u00adten Haa\u00adren und kn\u00f6\u00adchel\u00adlan\u00adgen Klei\u00addern aus gro\u00ad\u00dfen Alu\u00admi\u00adni\u00adum\u00adt\u00f6p\u00adfen Por\u00adtio\u00adnen einer grau\u00aden Mas\u00adse abf\u00fcllen.<\/p>\n

Die Bewe\u00adgun\u00adgen der \u00e4lte\u00adren, sehr hage\u00adren Frau sind lang\u00adsam und kraft\u00adlos, als ob sie krank ist oder unter dem Ein\u00adfluss star\u00adker Beru\u00adhi\u00adgungs\u00admit\u00adtel steht. Die J\u00fcn\u00adge\u00adre \u2013 sie scheint sehr jung zu sein, h\u00f6chs\u00adtens acht\u00adzehn Jah\u00adre \u2013 macht mit ihren blon\u00adden Haa\u00adren und roten Apfel\u00adb\u00e4ck\u00adchen zwar einen ges\u00fcn\u00adde\u00adren Ein\u00addruck, kommt mir aber auch irgend\u00adwie weg\u00adge\u00adtre\u00adten vor \u2013 ihr Blick schweift in die Fer\u00adne, und ihr Dau\u00ader\u00adl\u00e4\u00adcheln wirkt reich\u00adlich mechanisch.<\/p>\n

Links und recht von der Essens\u00adaus\u00adga\u00adbe ste\u00adhen zwei kr\u00e4f\u00adti\u00adge jun\u00adge M\u00e4n\u00adner in geb\u00fc\u00adgel\u00adten Hosen und Hem\u00adden, die auf\u00adgrund ihres Zahn\u00adpas\u00adta-L\u00e4chelns eben\u00adfalls ein\u00addeu\u00adtig als Sek\u00adten\u00admit\u00adglie\u00adder zu iden\u00adti\u00adfi\u00adzie\u00adren sind und sich wacker bem\u00fc\u00adhen, trotz ihrer offen\u00adsicht\u00adli\u00adchen Body\u00adguard-Funk\u00adti\u00adon einen g\u00fctig-mil\u00adden Ein\u00addruck zu machen.<\/p>\n

Ein Drit\u00adter sitzt mit\u00adten im Raum auf einem Hocker, den man auf eine gro\u00ad\u00dfe Holz\u00adkis\u00adte gestellt hat, bear\u00adbei\u00adtet hin\u00adge\u00adbungs\u00advoll eine Gitar\u00adre<\/a> und singt dazu mit nicht sch\u00f6\u00adner, aber lau\u00adter Stim\u00adme from\u00adme Lie\u00adder. Da er nuschelt und einen furcht\u00adba\u00adren Slang hat, ver\u00adste\u00adhe ich von den Tex\u00adten (au\u00dfer den h\u00e4u\u00adfig vor\u00adkom\u00admen\u00adden Wor\u00adten \u201egod\u201d, \u201eholy\u201d und \u201egrace\u201d\u2026) aller\u00addings nicht viel.<\/p>\n

Mei\u00adner Mei\u00adnung nach sind die G\u00e4s\u00adte, die die mil\u00adde Gabe aus dem Sup\u00adpen\u00adtopf her\u00adun\u00adter\u00adw\u00fcr\u00adgen oder wie gel\u00e4hmt dasit\u00adzen und in ihre Blech\u00adn\u00e4p\u00adfe star\u00adren, nahe\u00adzu aus\u00adnahms\u00adlos Jun\u00adkies<\/a>. Abge\u00adma\u00adger\u00adte, ver\u00addreck\u00adte Gestal\u00adten mit offe\u00adnen Wun\u00adden, neben denen bei\u00adna\u00adhe schon der Sen\u00adsen\u00admann sicht\u00adbar ist, der sie vor\u00adaus\u00adsicht\u00adlich in n\u00e4chs\u00adter Zukunft auf ihren letz\u00adten Trip beglei\u00adten wird.<\/p>\n

Dies ist ein depri\u00admie\u00adren\u00adder Ort, an dem sich fast nur ungl\u00fcck\u00adli\u00adche Men\u00adschen auf\u00adzu\u00adhal\u00adten scheinen.<\/p>\n

Umso beein\u00addru\u00adcken\u00adde fin\u00adde ich, dass sich die Spa\u00adni\u00ader nicht ein\u00admal von die\u00adser Atmo\u00adsph\u00e4\u00adre die gute Lau\u00adne ver\u00adder\u00adben lassen.<\/p>\n

Sie schwat\u00adzen mun\u00adter wei\u00adter, w\u00e4h\u00adrend sie sich in die klei\u00adne Schlan\u00adge bei der Essens\u00adaus\u00adga\u00adbe einreihen.<\/p>\n

Inge und ich beteu\u00adern, \u00fcber\u00adhaupt nicht hung\u00adrig zu sein, und set\u00adzen uns schon mal an einen frei\u00aden Tisch vor der \u201eB\u00fch\u00adne\u201d. Als unse\u00adre Freun\u00adde zur\u00fcck\u00adkeh\u00adren, stellt sich her\u00adaus, dass das nicht ein\u00admal eine L\u00fcge ist \u2013 sp\u00e4\u00adtes\u00adtens nach einem Blick in ihre N\u00e4p\u00adfe ver\u00adgeht uns n\u00e4m\u00adlich wirk\u00adlich jeder Appetit.<\/p>\n

Die Kin\u00adder Got\u00adtes ser\u00advie\u00adren heu\u00adte eine Art zer\u00adkoch\u00adte Grau\u00adpen mit br\u00e4un\u00adli\u00adchen und gr\u00fc\u00adnen Schlie\u00adren dar\u00adin, die wohl einen Vit\u00adamin-Anteil vor\u00adt\u00e4u\u00adschen sollen.<\/p>\n

W\u00e4re ich auf der Suche nach einer spi\u00adri\u00adtu\u00adel\u00adlen Hei\u00admat in irgend\u00adei\u00adner Glau\u00adbens\u00adge\u00admein\u00adschaft, dann h\u00e4t\u00adte die\u00adser Ver\u00adein sich mit die\u00adser Armen\u00adspei\u00adsung soeben auf den aller\u00adletz\u00adten Platz der Kan\u00addi\u00adda\u00adten\u00adlis\u00adte kata\u00adpul\u00adtiert. Wer in einer Gegend, in der man Grund\u00adnah\u00adrungs\u00admit\u00adtel wie Zwie\u00adbeln, Kar\u00adtof\u00adfeln oder H\u00fcl\u00adsen\u00adfr\u00fcch\u00adte fast geschenkt kriegt, einen sol\u00adchen Fra\u00df an Bed\u00fcrf\u00adti\u00adge ver\u00adteilt, muss eine son\u00adder\u00adba\u00adre Vor\u00adstel\u00adlung von \u201eN\u00e4chs\u00adten\u00adlie\u00adbe\u201d haben.<\/p>\n

Ich bin sicher, dass die Got\u00adtes\u00adkin\u00adder die\u00adses Zeugs nicht sel\u00adber essen.<\/p>\n

W\u00e4h\u00adrend unse\u00adre Beglei\u00adter tap\u00adfer die graue Pam\u00adpe zu l\u00f6f\u00adfeln begin\u00adnen, fragt mich Inge, was ich \u00fcber die \u201eChild\u00adren of God\u201d w\u00fcsste.<\/p>\n

\u201e<\/span>Nicht viel\u2026\u201d Ich \u00fcberlege.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ein\u00admal hat mich einer von denen in einer U\u2011Bahn-Sta\u00adti\u00adon ange\u00adquatscht. Der grins\u00adte auch pau\u00adsen\u00adlos, als h\u00e4t\u00adte er irgend\u00adwel\u00adche Gl\u00fccks\u00adpil\u00adlen intus \u2013 so, wie das M\u00e4d\u00adchen da dr\u00fc\u00adben. Er woll\u00adte mich \u00fcber\u00adre\u00adden, zu einer ihrer Ver\u00adsamm\u00adlun\u00adgen zu kom\u00admen. War aus\u00adge\u00adspro\u00adchen hart\u00adn\u00e4\u00adckig, der Kerl; ich muss\u00adte rich\u00adtig unh\u00f6f\u00adlich wer\u00adden, um ihn loszuwerden.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Er hat mir ein Heft\u00adchen auf\u00adge\u00addr\u00e4ngt,\u201d f\u00e4llt mir dann noch ein, \u201edas ich aber nur durch\u00adge\u00adbl\u00e4t\u00adtert und beim Aus\u00adstei\u00adgen in den n\u00e4chs\u00adten M\u00fcll\u00adei\u00admer geschmis\u00adsen habe. Ich wei\u00df nur noch, dass da unter ande\u00adrem auch Vor\u00adschrif\u00adten vom Sek\u00adten\u00adchef drin stan\u00adden, was sei\u00adne J\u00fcn\u00adger beim Sex tun und las\u00adsen sol\u00adlen. Das fand ich echt krank.\u201d<\/p>\n

Inge nickt.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich hab mal geh\u00f6rt, dass die Frau\u00aden von denen auf Befehl ihres Gurus mit frem\u00adden M\u00e4n\u00adnern schla\u00adfen m\u00fcs\u00adsen, um die f\u00fcr eine Mit\u00adglied\u00adschaft zu gewin\u00adnen. Die\u00adse Frau\u00aden wer\u00adden prak\u00adtisch gezwun\u00adgen, sich zu pro\u00adsti\u00adtu\u00adie\u00adren, und die Orga\u00adni\u00adsa\u00adti\u00adon fun\u00adgiert als Zuh\u00e4l\u00adter. Neue Mit\u00adglie\u00adder m\u00fcs\u00adsen n\u00e4m\u00adlich ihren gesam\u00adten Besitz der Sek\u00adte \u00fcberschreiben.\u201d<\/p>\n

Ich ver\u00adsu\u00adche, das Bild, das vor mei\u00adnem inne\u00adren Auge auf\u00adge\u00adtaucht ist \u2013 die klei\u00adne Blon\u00adde, die sich auf einer ver\u00addreck\u00adten Matrat\u00adze einem Jun\u00adkie hin\u00adgibt \u2013 wie\u00adder aus mei\u00adnem Bewusst\u00adsein zu dr\u00e4ngen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Das ist ja ekelhaft!\u201d<\/p>\n

Enri\u00adque, der neben mir Platz genom\u00admen hat, scheint nach weni\u00adgen L\u00f6f\u00adfeln der Grau\u00adpen\u00adpam\u00adpe auch kei\u00adnen Hun\u00adger mehr zu haben. Mei\u00adnen mit\u00adf\u00fch\u00adlen\u00adden Blick beant\u00adwor\u00adtet er mit einem Ach\u00adsel\u00adzu\u00adcken und einem schie\u00adfen L\u00e4cheln \u2013 das zu einer gequ\u00e4l\u00adten Gri\u00admas\u00adse gerinnt, als der nerv\u00adt\u00f6\u00adten\u00adde Trou\u00adba\u00addix<\/a> neben uns ein from\u00admes Lied in einem schril\u00adlen Miss\u00adklang enden l\u00e4sst.<\/p>\n

\u201e<\/span>Beim Sin\u00adgen und Musi\u00adzie\u00adren sind sie offen\u00adbar genau so talent\u00adfrei wie beim Kochen,\u201d bemerkt Inge spitz.<\/p>\n

Enri\u00adque blickt sehn\u00ads\u00fcch\u00adtig auf die Gitar\u00adre des M\u00f6chtegern-Musikus.<\/p>\n

Als der sei\u00adne Fin\u00adger \u00fcber die Sai\u00adten sei\u00adnes Instru\u00adments glei\u00adten l\u00e4sst, um sich auf sei\u00adnen n\u00e4chs\u00adten Vor\u00adtrag ein\u00adzu\u00adstim\u00admen, spricht er ihn an:<\/p>\n

\u201e<\/span>Par\u00addon,\u201d er deu\u00adtet auf die Gitar\u00adre, \u201emay I \u2026? For only five minutos?\u201d<\/p>\n

Der Ange\u00adspro\u00adche\u00adne glotzt aus\u00addrucks\u00adlos auf ihn her\u00adab und gibt kei\u00adne Ant\u00adwort. Da ich anneh\u00adme, dass er das etwas eigen\u00adwil\u00adli\u00adge Eng\u00adlisch des Spa\u00adni\u00aders nicht ver\u00adstan\u00adden hat, schal\u00adte ich mich ein.<\/p>\n

\u201e<\/span>My fri\u00adend is a musi\u00adci\u00adan, who has lost his gui\u00adtar,\u201d erkl\u00e4\u00adre ich ihm freund\u00adlich l\u00e4chelnd, \u201eand he wants to bor\u00adrow yours \u2013 just for a litt\u00adle while\u2026\u201d<\/p>\n

Der Gitar\u00adren-Eigen\u00adt\u00fc\u00admer run\u00adzelt sei\u00adne Brau\u00aden und packt sein Instru\u00adment fes\u00adter, als bef\u00fcrch\u00adte er, wir w\u00fcr\u00adden es ihm im n\u00e4chs\u00adten Augen\u00adblick ent\u00adrei\u00ad\u00dfen und irgend\u00adet\u00adwas Schreck\u00adli\u00adches damit anstellen.<\/p>\n

\u201e<\/span>No,\u201d sagt er dann, und stimmt das n\u00e4chs\u00adte Lied an.<\/p>\n

Inzwi\u00adschen haben alle auf\u00adge\u00adh\u00f6rt zu essen, und wir erhe\u00adben uns, um die\u00adsen Ort zu verlassen.<\/p>\n

\u201e<\/span>God bless you for your gene\u00adro\u00adsi\u00adty,\u201d Gott seg\u00adne dich f\u00fcr dei\u00adne Gro\u00df\u00adz\u00fc\u00adgig\u00adkeit, sage ich im Hin\u00adaus\u00adge\u00adhen zu dem talent\u00adfrei\u00aden Alleinunterhalter.<\/p>\n

Doch ich ern\u00adte nur den\u00adsel\u00adben lee\u00adren Blick wie Enri\u00adque, als er sich die Gitar\u00adre aus\u00adlei\u00adhen woll\u00adte. Viel\u00adleicht ver\u00adsteht der Typ ja kein Eng\u00adlisch. Oder kei\u00adne Ironie.<\/p>\n

Oder aber er h\u00f6rt ein\u00adfach sehr schlecht \u2013 das w\u00fcr\u00adde die Qua\u00adli\u00adt\u00e4t sei\u00adner musi\u00adka\u00adli\u00adschen Dar\u00adbie\u00adtung erkl\u00e4ren.<\/p>\n

Mit den Spa\u00adni\u00adern durchs abend\u00adli\u00adche Kabul zu fla\u00adnie\u00adren, macht rich\u00adtig Spa\u00df.<\/p>\n

Auf die diver\u00adsen Offer\u00adten gesch\u00e4fts\u00adt\u00fcch\u00adti\u00adger Afgha\u00adnen reagie\u00adren unse\u00adre Beglei\u00adter, indem sie ihrer\u00adseits alles anprei\u00adsen, was sie bei sich tra\u00adgen. Und da sie die f\u00fcrs Feil\u00adschen n\u00f6ti\u00adgen Zah\u00adlen und Rede\u00adwen\u00addun\u00adgen in der Lan\u00addes\u00adspra\u00adche beherr\u00adschen, spie\u00adlen vie\u00adle Afgha\u00adnen begeis\u00adtert mit. In der Chi\u00adcken Street schlie\u00df\u00adlich scheint jeder die Spa\u00adni\u00ader zu ken\u00adnen; man begr\u00fc\u00dft sich unter Gejoh\u00adle und Gel\u00e4chter.<\/p>\n

Guil\u00adler\u00admo und Car\u00adlos unter\u00adhal\u00adten sich mit einem jun\u00adgen Pasch\u00adtu\u00adnen und reden dann sehr schnell auf Enri\u00adque ein. Der sch\u00fct\u00adtelt den Kopf, und eine hit\u00adzi\u00adge, mit Kraft\u00adaus\u00addr\u00fc\u00adcken gespick\u00adte Debat\u00adte ent\u00adbrennt. Die Stim\u00admen der Bei\u00adden klin\u00adgen immer dr\u00e4n\u00adgen\u00adder, bei\u00adna\u00adhe bet\u00adtelnd, aber Enri\u00adque bleibt hart.<\/p>\n

Als Car\u00adlos mei\u00adnen neu\u00adgie\u00adri\u00adgen Blick auf\u00adf\u00e4ngt, erkl\u00e4rt er Inge und mir, dass der jun\u00adge Mann ihnen Haschisch ange\u00adbo\u00adten habe (\u201ehe sells the best cha\u00adras in town, we tried it befo\u00adre!\u201d). Doch Enri\u00adque, der von der Grup\u00adpe mit der Ver\u00adwal\u00adtung ihres letz\u00adten Gel\u00addes beauf\u00adtragt wor\u00adden ist, wei\u00adge\u00adre sich beharr\u00adlich, daf\u00fcr ein paar Afgha\u00adnis herauszur\u00fccken.<\/p>\n

In gespiel\u00adter Ver\u00adzweif\u00adlung ver\u00addreht Car\u00adlos sei\u00adne Augen him\u00admel\u00adw\u00e4rts und meint, dass sie ja sel\u00adber Schuld sei\u00aden. Schlie\u00df\u00adlich h\u00e4t\u00adten sie aus genau die\u00adsem Grund Enri\u00adque die Kas\u00adse anver\u00adtraut \u2013 weil er ein \u201ebloo\u00addy pig\u00adhead\u201d, ein ver\u00addamm\u00adter Dick\u00adsch\u00e4\u00addel sei.<\/p>\n

Der so Beschrie\u00adbe\u00adne steht dane\u00adben und ver\u00adsucht mit\u00adzu\u00adkrie\u00adgen, was Car\u00adlos erz\u00e4hlt, aber an sei\u00adnem ver\u00adun\u00adsi\u00adchert zwi\u00adschen uns hin und her irren\u00adden Blick ist zu erken\u00adnen, dass er au\u00dfer sei\u00adnem eige\u00adnen Namen nicht viel ver\u00adsteht. Den Aus\u00addruck \u201epig\u00adhead\u201d scheint er aller\u00addings zu ken\u00adnen, denn als das Wort f\u00e4llt, blit\u00adzen sei\u00adne Augen, und er \u00fcber\u00adsch\u00fct\u00adtet Car\u00adlos mit einem Rede\u00adschwall, aus dem ich mehr\u00adfach \u201eputa mad\u00adre<\/a>\u201d her\u00adaus\u00adh\u00f6\u00adre.<\/p>\n

Ich beschlie\u00ad\u00dfe, das Pro\u00adblem zu l\u00f6sen, bevor die Bei\u00adden sich rich\u00adtig in die Haa\u00adre krie\u00adgen, und bit\u00adte Car\u00adlos, etwas Cha\u00adras f\u00fcr mich<\/em> zu kau\u00adfen. Er sieht mich an, als w\u00fcr\u00adde er mir am liebs\u00adten um den Hals fal\u00adlen, und erwirbt f\u00fcr die zwei\u00adhun\u00addert Afgha\u00adnis (etwa zw\u00f6lf Mark), die ich ihm in die Hand dr\u00fc\u00adcke, einen Bro\u00adcken von beacht\u00adli\u00adchen Ausma\u00dfen.<\/p>\n

An einem noch ge\u00f6ff\u00adne\u00adten Stand besor\u00adge ich der\u00adweil Ziga\u00adret\u00adten\u00adpa\u00adpier und zwei Packun\u00adgen Ziga\u00adret\u00adten. Die am Mit\u00adtag gekauf\u00adte Schach\u00adtel ist, mit Unter\u00adst\u00fct\u00adzung der Spa\u00adni\u00ader, bereits zur H\u00e4lf\u00adte geleert.<\/p>\n

Im Hotel ange\u00adkom\u00admen, bestel\u00adlen Inge und ich gleich zwei gro\u00ad\u00dfe Kan\u00adnen Tee.<\/p>\n

Da im Hof bereits alle Lich\u00adter gel\u00f6scht sind und es so aus\u00adsieht, als wol\u00adle das Per\u00adso\u00adnal sich dem\u00adn\u00e4chst zur Ruhe bege\u00adben, laden wir die Spa\u00adni\u00ader in unser Zim\u00admer ein. Sie fol\u00adgen uns mit den Tee-Tabletts, und das Gemur\u00admel und Geki\u00adcher hin\u00adter uns im dunk\u00adlen Flur erin\u00adnert mich irgend\u00adwie an die Klas\u00adsen\u00adrei\u00adsen fr\u00fc\u00adher, wenn die Jungs uns nachts im M\u00e4d\u00adchen\u00adschlaf\u00adsaal besu\u00adchen kamen.<\/p>\n

Bei Ker\u00adzen\u00adschein ist es in dem Raum rich\u00adtig gem\u00fctlich.<\/p>\n

Car\u00adlos f\u00e4ngt an, einen Joint zu bau\u00aden, und Inge und ich brei\u00adten die Fla\u00adden\u00adbro\u00adte, Toma\u00adten, Zwie\u00adbeln, Gra\u00adnat\u00ad\u00e4p\u00adfel und die Keks\u00adpa\u00adckun\u00adgen auf dem Tisch aus.<\/p>\n

Bei unse\u00adren G\u00e4s\u00adten ist die Freu\u00adde gro\u00df \u2013 offen\u00adsicht\u00adlich ist kei\u00adner von ihnen bei den \u201eKin\u00addern Got\u00adtes\u201d satt gewor\u00adden. Sie sp\u00fc\u00adlen die Toma\u00adten im Wasch\u00adbe\u00adcken ab und schnei\u00adden sie mit Inges Taschen\u00admes\u00adser und mei\u00adnem Dolch aus Herat in klei\u00adne W\u00fcr\u00adfel, eben\u00adso die gesch\u00e4l\u00adten Zwie\u00adbeln. Dann wer\u00adden die Fla\u00adden\u00adbro\u00adte mit dem Toma\u00adten-Zwie\u00adbel-Gemisch gef\u00fcllt und erge\u00adben ein simp\u00adles, aber unge\u00admein schmack\u00adhaf\u00adtes Abend\u00adessen, das auch Inge und ich mit Hoch\u00adge\u00adnuss verspeisen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Tol\u00adle Sache, so ein spa\u00adni\u00adscher Leib\u00adkoch \u2013 und wir haben gleich f\u00fcnf\u2026\u201d flachst Inge.<\/p>\n

\u201e<\/span>Mmmh,\u201d ant\u00adwor\u00adte ich mit vol\u00adlem Mund und beob\u00adach\u00adte inter\u00ades\u00adsiert, wie Enri\u00adque die mit rotem Frucht\u00adfleisch umman\u00adtel\u00adten Ker\u00adne eines Gra\u00adnat\u00adap\u00adfels<\/a> mit einem Tee\u00adl\u00f6f\u00adfel aus der Scha\u00adle l\u00f6st und auf dem blank geputz\u00adten Tablett auft\u00fcrmt.<\/p>\n

Er greift zur n\u00e4chs\u00adten Frucht, und ich fra\u00adge Inge, ob sie schon mal Gra\u00adnat\u00adap\u00adfel geges\u00adsen hat. Sie verneint.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich auch nicht,\u201d sage ich. \u201eSehen aber toll aus, die Din\u00adger. Irgend\u00adwie erotisch.\u201d<\/p>\n

Inge lacht. \u201eBist du sicher, dass du die Frucht meinst?\u201d<\/p>\n

Enri\u00adques Blick trifft sich mit mei\u00adnem, und er h\u00e4lt mir eine Hand\u00advoll Kern hin.<\/p>\n

Ich pro\u00adbie\u00adre und bin ent\u00adz\u00fcckt: \u201eDeli\u00adcious!\u201d<\/p>\n

Der von Car\u00adlos gedreh\u00adte Joint geht her\u00adum, ein aus sechs oder sie\u00adben Bl\u00e4tt\u00adchen zusam\u00admen\u00adge\u00adf\u00fcg\u00adtes Pracht\u00adex\u00adem\u00adplar, das gleich\u00adm\u00e4\u00ad\u00dfig her\u00adun\u00adter\u00adbrennt und den Raum mit dem herb\u00ads\u00fc\u00df-har\u00adzi\u00adgen Geruch des \u201eschwar\u00adzen Afgha\u00adnen\u201d f\u00fcllt.<\/p>\n

Nach dem ers\u00adten Zug sp\u00fc\u00adre ich, wie sich wie\u00adder mal mei\u00adne Nacken\u00adhaa\u00adre auf\u00adstel\u00adlen, aber mitt\u00adler\u00adwei\u00adle habe ich mich schon etwas an die\u00adses Gef\u00fchl gew\u00f6hnt.<\/p>\n

Und es gibt ja auch nichts, was mich davon abh\u00e4lt, den Rausch zu genie\u00ad\u00dfen, nichts, wor\u00ad\u00fcber ich mir Sor\u00adgen machen m\u00fcss\u00adte: ich sit\u00adze ent\u00adspannt auf mei\u00adnem eige\u00adnen Bett, und soll\u00adte ich m\u00fcde wer\u00adden, brau\u00adche ich mich nur zur Sei\u00adte fal\u00adlen las\u00adsen. Umge\u00adben bin ich von freund\u00adli\u00adchen, gut gelaun\u00adten Men\u00adschen, mit denen ich mich gro\u00df\u00adar\u00adtig ver\u00adste\u00adhe \u2013 auch wenn ich kein Spa\u00adnisch spre\u00adche und sie (abge\u00adse\u00adhen von Car\u00adlos) kaum Eng\u00adlisch. In gewis\u00adser Hin\u00adsicht ist das sogar ein Vor\u00adteil, denn die leb\u00adhaf\u00adten Gri\u00admas\u00adsen, Ges\u00adten und pan\u00adto\u00admi\u00admi\u00adschen Vor\u00adf\u00fch\u00adrun\u00adgen, mit\u00adtels derer wir uns haupt\u00ads\u00e4ch\u00adlich ver\u00adst\u00e4n\u00addi\u00adgen, haben einen viel gr\u00f6\u00ad\u00dfe\u00adren Unter\u00adhal\u00adtungs\u00adwert als Erz\u00e4h\u00adlun\u00adgen \u201enur\u201d mit Worten.<\/p>\n

Nach ein, zwei Stun\u00adden schmerzt mei\u00adne Bauch\u00admus\u00adku\u00adla\u00adtur. Ich habe seit Mona\u00adten nicht mehr so viel gelacht.<\/p>\n

Enri\u00adque und Car\u00adlos sind ein\u00addeu\u00adtig die\u00adje\u00adni\u00adgen, die daf\u00fcr sor\u00adgen, das kei\u00adner aus der Grup\u00adpe den Mut oder die Hoff\u00adnung ver\u00adliert. Wie\u00adder und wie\u00adder erin\u00adnern sie die ande\u00adren dar\u00adan, was f\u00fcr ein Gl\u00fcck sie doch h\u00e4t\u00adten, am Leben zu sein \u2013 und dass sie, soll\u00adten sie es dies\u00admal nicht bis nach Indi\u00aden und Nepal schaf\u00adfen, ein\u00adfach eines Tages wie\u00adder los\u00adfah\u00adren wer\u00adden. Puta madre!<\/p>\n

Ich f\u00e4n\u00adde ihre Lebens\u00adfreu\u00adde bewun\u00adderns\u00adwert, erkl\u00e4\u00adre ich Car\u00adlos, und er zuckt die Ach\u00adseln und sagt, dass er gar nicht anders k\u00f6n\u00adne als gl\u00fcck\u00adlich zu sein \u2013 soviel G\u00fcte und Gro\u00df\u00adz\u00fc\u00adgig\u00adkeit sei\u00aden ihnen begeg\u00adnet, seit sie in Herat ihre gan\u00adze Habe ver\u00adlo\u00adren haben. Afgha\u00adnen, die selbst kaum etwas besa\u00ad\u00dfen, haben sie ein\u00adge\u00adla\u00adden, mit ihnen zu essen, sie durf\u00adten ohne Fahr\u00adschein im Bus nach Kabul mit\u00adfah\u00adren, im Hotel l\u00e4sst man sie umsonst \u00fcber\u00adnach\u00adten, st\u00e4n\u00addig bek\u00e4\u00admen sie etwas geschenkt. Und heu\u00adte waren es Inge und ich, die mit \u201echai, din\u00adner and cha\u00adras for free\u201d ihren Tag ver\u00adsch\u00f6\u00adnert haben!<\/p>\n

Mit auf\u00admerk\u00adsa\u00admen Blick hat Enri\u00adque unser Gespr\u00e4ch ver\u00adfolgt und nickt nun zustimmend.<\/p>\n

\u201e<\/span>Por de ch\u00e4t\u00adte,\u201d meint er und tippt sich gegen die Wan\u00adge, \u201eis all\u00adways bet\u00adter. It\u2019s de best.\u201d<\/p>\n

Ich zie\u00adhe Augen\u00adbrau\u00aden und Schul\u00adtern hoch zum Zei\u00adchen, dass ich ihn nicht ver\u00adstan\u00adden habe.<\/p>\n

\u201e<\/span>Por de ch\u00e4tt,\u201d wie\u00adder\u00adholt er, tippt sich wie\u00adder gegen die Wan\u00adge und l\u00e4sst sei\u00adnen Zei\u00adge\u00adfin\u00adger dann um sein Gesicht kreisen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Is de best.\u201d<\/p>\n

Als ich immer noch ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis\u00adlos gucke, sagt er es noch einmal.<\/p>\n

\u201e<\/span>Por de ch\u00e4tt,\u201d wie\u00adder ein Antip\u00adpen der Wan\u00adge, und dann f\u00fcgt er hinzu:<\/p>\n

\u201e<\/span>Free. Por free is all\u00adways de best!\u201d<\/p>\n

End\u00adlich f\u00e4llt bei mir der Gro\u00adschen \u2014 \u201ech\u00e4tt\u201d soll \u201ehead\u201d hei\u00dfen.<\/p>\n

Aus dem Deut\u00adschen ken\u00adne ich ja den Spruch \u201enur um dei\u00adner sch\u00f6\u00adnen Augen wil\u00adlen\u201d, wenn man etwas geschenkt bekommt (bezie\u00adhungs\u00adwei\u00adse geschenkt bekom\u00admen m\u00f6ch\u00adte), wof\u00fcr man nor\u00adma\u00adler\u00adwei\u00adse Geld bezah\u00adlen muss. Anschei\u00adnend gibt es im Spa\u00adni\u00adschen eine \u00e4hn\u00adli\u00adche Rede\u00adwen\u00addung, in der eine For\u00admu\u00adlie\u00adrung wie \u201ef\u00fcr dei\u00adnen Kopf\u201d \u2013 oder viel\u00adleicht auch \u201eum dei\u00adnes (h\u00fcb\u00adschen) Gesich\u00adtes wil\u00adlen\u201d? \u2013 die Bedeu\u00adtung von \u201egra\u00adtis, umsonst\u201d hat.<\/p>\n

\u201e<\/span>Yes, for free is all\u00adways the best,\u201d wie\u00adder\u00adho\u00adle ich und lache ihn ver\u00adliebt an.<\/p>\n

Irgend\u00adwann wer\u00adden Enri\u00adques und Car\u00adlos\u2019 Freun\u00adde immer stil\u00adler, fan\u00adgen an zu g\u00e4h\u00adnen, w\u00fcn\u00adschen uns noch einen sch\u00f6\u00adnen Abend und ver\u00adlas\u00adsen das Zim\u00admer, um in ihren Schlaf\u00adsaal hin\u00ad\u00fcber zu gehen.<\/p>\n

Wir blei\u00adben zu viert zur\u00fcck, und die Atmo\u00adsph\u00e4\u00adre ist immer noch ange\u00adnehm, aber deut\u00adlich anders.<\/p>\n

Enri\u00adque sitzt, an mein Bett gelehnt, auf dem Fu\u00df\u00adbo\u00adden, Car\u00adlos hat auf dem lee\u00adren Bett neben dem von Inge Platz genom\u00admen, und das wil\u00adde Durch\u00adein\u00adan\u00adder-Geschnat\u00adter ist mit ver\u00adhal\u00adte\u00adnen Stim\u00admen gef\u00fchr\u00adten Gespr\u00e4\u00adchen gewichen.<\/p>\n

Car\u00adlos muss immer sel\u00adte\u00adner etwas \u00fcber\u00adset\u00adzen, denn ich stel\u00adle fest, dass ich Enri\u00adques Fran\u00adz\u00f6\u00adsisch zuneh\u00admend bes\u00adser ver\u00adste\u00adhe. Zwar habe ich gro\u00ad\u00dfe Schwie\u00adrig\u00adkei\u00adten, mich in die\u00adser Spra\u00adche aus\u00adzu\u00addr\u00fc\u00adcken, weil mir so vie\u00adle Voka\u00adbeln ent\u00adfal\u00adlen sind \u2013 aber wenn ich ihm zuh\u00f6\u00adre, f\u00e4llt mir die Bedeu\u00adtung der meis\u00adten Wor\u00adte wie\u00adder ein.<\/p>\n

Nach und nach ver\u00adstum\u00admen unse\u00adre ged\u00e4mpf\u00adten Dia\u00adlo\u00adge, und eine eigen\u00adar\u00adti\u00adge, \u201elau\u00adte\u201d Stil\u00adle, in der ich fast unse\u00adre Gedan\u00adken zu h\u00f6ren glau\u00adbe, brei\u00adtet sich im Raum aus.<\/p>\n

Car\u00adlos trifft schlie\u00df\u00adlich die Ent\u00adschei\u00addung, sie zu bre\u00adchen; er springt auf und ver\u00adk\u00fcn\u00addet, er wer\u00adde jetzt schla\u00adfen gehen. Auch Enri\u00adque erhebt sich.<\/p>\n

\u201e<\/span>Bue\u00adnos noches, Pola,\u201d sagt er lei\u00adse und h\u00e4lt mir sei\u00adne Hand hin.<\/p>\n

Als ich sie ergrei\u00adfe, ver\u00adsp\u00fc\u00adre ich gro\u00ad\u00dfe Lust, ihn ein\u00adfach zu mir aufs Bett her\u00adun\u00adter zu zer\u00adren und zu k\u00fcs\u00adsen, aber schon Sekun\u00adden\u00adbruch\u00adtei\u00adle sp\u00e4\u00adter sie\u00adgen mei\u00adne Beden\u00adken \u00fcber die Raub\u00adkat\u00adze in mir. Ich las\u00adse sei\u00adne Hand wie\u00adder los und w\u00fcn\u00adsche ihm und Car\u00adlos eben\u00adfalls eine gute Nacht.<\/p>\n

Als sie das Zim\u00admer ver\u00adlas\u00adsen haben, seufzt Inge und spricht aus, was wir bei\u00adde denken:<\/p>\n

\u201e<\/span>Scha\u00adde, dass die Zwei nicht auch ein Dop\u00adpel\u00adzim\u00admer haben!\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Ja, dann h\u00e4t\u00adte einer von ihnen hier blei\u00adben k\u00f6n\u00adnen, und eine von uns w\u00e4re mit r\u00fcber gegangen.\u201d<\/p>\n

Ich seuf\u00adze ebenfalls.<\/p>\n

\u201e<\/span>Was soll\u2019s \u2013 mit Enri\u00adque im Bett, in einem Schlaf\u00adsaal, in dem noch sechs ande\u00adre jun\u00adge Ker\u00adle her\u00adum\u00adlie\u00adgen und die Ohren spit\u00adzen, ent\u00adspricht nun wirk\u00adlich nicht mei\u00adner Vor\u00adstel\u00adlung von einer hei\u00ad\u00dfen Liebesnacht\u2026\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Puh, nein, die Vor\u00adstel\u00adlung reizt mich genau\u00adso wenig,\u201d stimmt Inge zu.<\/p>\n

\u201e<\/span>Und ich den\u00adke auch nicht, dass Car\u00adlos und Enri\u00adque sich so etwas w\u00fcn\u00adschen. Die\u00adse Spa\u00adni\u00ader kom\u00admen mir trotz ihrer hei\u00df\u00adbl\u00fc\u00adti\u00adgen Art eher sch\u00fcch\u00adtern vor. Ver\u00admut\u00adlich ist das die erz\u00adka\u00adtho\u00adli\u00adsche Sozia\u00adli\u00adsa\u00adti\u00adon \u2013 die streift man bestimmt nicht ein\u00adfach so ab, indem man ein paar Jah\u00adre lang in einer Rock\u00adband spielt und kifft.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Wir<\/em> sind nicht katho\u00adlisch, aber wir trau\u00aden uns auch nix,\u201d wen\u00adde ich ein, \u201ewir h\u00e4t\u00adten sie ja bei\u00adspiels\u00adwei\u00adse ein\u00adla\u00adden k\u00f6n\u00adnen, hier bei uns zu \u00fcber\u00adnach\u00adten \u2013 ich glau\u00adbe nicht, dass sie nein gesagt h\u00e4t\u00adten, katho\u00adli\u00adsche Erzie\u00adhung hin oder her. Bei\u00adna\u00adhe h\u00e4t\u00adte ich es dir vor\u00adge\u00adschla\u00adgen, dann fand ich die Idee doch bescheuert.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Einen Moment lang habe ich auch dar\u00adan gedacht,\u201d gesteht Inge, \u201eaber das h\u00e4t\u00adte im Fias\u00adko geen\u00addet, da bin ich sicher. Ver\u00adsteh\u2019 das bit\u00adte nicht falsch, ich mag dich wirk\u00adlich gern \u2014 aber beim Sex m\u00f6ch\u00adte ich dich nun mal nicht dabei haben\u2026\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Da geht es mir genau so wie dir,\u201d lache ich.<\/p>\n

Ich kuschel\u2019 mich in mei\u00adnen Schlaf\u00adsack, aber obwohl ich sehr ersch\u00f6pft bin von die\u00adsem lan\u00adgen Tag \u2013 dem ers\u00adten, an dem wir wie\u00adder \u201eauf den Bei\u00adnen\u201d waren \u2013 fin\u00adde ich lan\u00adge kei\u00adnen Schlaf. Zu viel geis\u00adtert mir im Kopf her\u00adum, und immer wie\u00adder sehe ich das Lachen und die dunk\u00adlen Augen des Spa\u00adni\u00aders vor mir.
\n
\n11. September<\/p>\n

\u201e<\/span>Je n\u2019ai pas dor\u00admi bien,\u201d erz\u00e4hlt Enri\u00adque mir am n\u00e4chs\u00adten Mor\u00adgen, er habe nicht gut geschlafen.<\/p>\n

Na toll, den\u00adke ich, ver\u00admut\u00adlich aus dem glei\u00adchen Grund wie ich, und ich kom\u00adme mir ein biss\u00adchen vor die K\u00f6nigs\u00adtoch\u00adter aus der alten Bal\u00adla\u00adde<\/a> \u2013 \u201esie konn\u00adten zuein\u00adan\u00adder nicht kommen\u2026\u201d<\/p>\n

Aber wenn man mit die\u00adser \u00fcber\u00adm\u00fc\u00adti\u00adgen Ras\u00adsel\u00adban\u00adde zusam\u00admen ist, ist es ein Ding der Unm\u00f6g\u00adlich\u00adkeit, lan\u00adge Tr\u00fcb\u00adsal zu bla\u00adsen. Ohne sie erst zu fra\u00adgen, haben Inge und ich Tee und Toast f\u00fcr alle bestellt, und unser gemein\u00adsa\u00admes Fr\u00fch\u00adst\u00fcck im Hof des Hotels zieht sich \u00fcber eine Stun\u00adde hin.<\/p>\n

Als die Spa\u00adni\u00ader auf\u00adbre\u00adchen, um erneut ihr Gl\u00fcck im Dschun\u00adgel der afgha\u00adni\u00adschen B\u00fcro\u00adkra\u00adtie zu ver\u00adsu\u00adchen, ver\u00adlas\u00adsen auch wir das Hotel, um uns in der Chi\u00adcken Street nach ein paar Mit\u00adbring\u00adseln umzu\u00adschau\u00aden. Schlie\u00df\u00adlich wer\u00adden wir Kabul schon mor\u00adgen fr\u00fch in Rich\u00adtung Paki\u00adstan verlassen.<\/p>\n

Doch irgend\u00adwie will sich das \u00fcbli\u00adche Ver\u00adgn\u00fc\u00adgen am Feil\u00adschen und Shop\u00adpen bei uns nicht einstellen.<\/p>\n

Der Anblick von Sil\u00adber\u00adschmuck, Samt- und Sei\u00adden\u00adstof\u00adfen, der sonst mein Herz zum Klop\u00adfen bringt, l\u00e4sst mich heu\u00adte v\u00f6l\u00adlig kalt. Es kommt mir gera\u00adde\u00adzu unan\u00adst\u00e4n\u00addig vor, Geld f\u00fcr sol\u00adchen Schnick\u00adschnack aus\u00adzu\u00adge\u00adben, w\u00e4h\u00adrend unse\u00adre Freun\u00adde sich nicht ein\u00admal eine war\u00adme Mahl\u00adzeit am Tag leis\u00adten k\u00f6n\u00adnen und sich all\u00adabend\u00adlich f\u00fcr die unap\u00adpe\u00adtit\u00adli\u00adche Armen\u00adspei\u00adsung durch\u00adge\u00adknall\u00adter Sek\u00adten\u00adj\u00fcn\u00adger anstel\u00adlen m\u00fcssen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Wei\u00dft du was,\u201d sage ich zu Inge, \u201eich habe in Herat und in Kabul viel weni\u00adger Geld aus\u00adge\u00adge\u00adben als geplant. Ich mach\u2019 nach\u00adher im Hotel mal Kas\u00adsen\u00adsturz und schau, wie vie\u00adle Dol\u00adlar ich er\u00fcb\u00adri\u00adgen kann. Und die schenk ich dann mor\u00adgen fr\u00fch den Spa\u00adni\u00adern zum Abschied.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Das ist zwei\u00adfel\u00adlos eine lobens\u00adwer\u00adte Idee \u2013 aber, mal ehr\u00adlich, soll\u00adtest du die\u00adse Reser\u00adve nicht lie\u00adber behal\u00adten? Ich mei\u00adne, wir sind erst in Kabul; du k\u00f6nn\u00adtest krank wer\u00adden oder aus einem ande\u00adren Grund pl\u00f6tz\u00adlich mehr Geld ben\u00f6\u00adti\u00adgen als gedacht\u2026?\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich war gera\u00adde krank, und das hat nicht viel gekos\u00adtet. Im Gegen\u00adteil, es hat mir all die Aus\u00adga\u00adben f\u00fcr Ein\u00adkauf\u00adstrips und Restau\u00adrant\u00adbe\u00adsu\u00adche erspart!\u201d<\/p>\n

Inge grinst.<\/p>\n

\u201e<\/span>Du wei\u00dft genau, was ich mei\u00adne. Aber wenn du sicher bist, dass du das machen willst, dann tu es.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich bin mir sicher,\u201d nicke ich.<\/p>\n

Gesagt, getan.<\/p>\n

Statt Sou\u00adve\u00adnirs kau\u00adfen wir nur ein paar Bro\u00adte und Toma\u00adten (Zwie\u00adbeln haben wir noch mehr als genug) und gehen dann ins Hotel zur\u00fcck.<\/p>\n

Dort brei\u00adte ich mei\u00adne Tra\u00advel\u00adler Schecks und das Bar\u00adgeld \u2013 Dol\u00adlars, D\u2011Mark und Afgha\u00adnis \u2013 auf mei\u00adnem Bett aus und ver\u00adsu\u00adche mir zum ers\u00adten Mal einen \u00dcber\u00adblick dar\u00ad\u00fcber zu ver\u00adschaf\u00adfen, wie viel ich seit mei\u00adner Abrei\u00adse eigent\u00adlich aus\u00adge\u00adge\u00adben habe. Und wie viel ich in den n\u00e4chs\u00adten acht bis zw\u00f6lf Wochen vor\u00adaus\u00adsicht\u00adlich noch brau\u00adchen wer\u00adde, inklu\u00adsi\u00adve des Betra\u00adges f\u00fcr ein Flug\u00adti\u00adckets Delhi \u2013 Deutsch\u00adland, das nach Rolfs Aus\u00adkunft zwi\u00adschen 300 und 350 Dol\u00adlar kos\u00adten wird.<\/p>\n

Inge h\u00e4lt eine Kas\u00adsen\u00adbi\u00adlanz f\u00fcr eine pri\u00adma Idee und z\u00e4hlt ihre Geld\u00advor\u00adr\u00e4\u00adte ebenfalls.<\/p>\n

Tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich habe ich um die 200 Dol\u00adlar (etwa 500 Mark) mehr im Geld\u00adbeu\u00adtel als ver\u00admu\u00adtet, und auch Inge ist noch \u201erei\u00adcher\u201d, als sie dach\u00adte. Sie fragt mich, wie viel ich den Spa\u00adni\u00adern geben werde.<\/p>\n

\u201e<\/span>Wei\u00df ich noch nicht. So drei\u00ad\u00dfig, vier\u00adzig Dollar.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Is it pos\u00adsi\u00adble to have din\u00adner here in the hotel \u2013 like Qua\u00adbe\u00adli<\/a>, for exam\u00adp\u00adle?\u201d fra\u00adge ich den Hotel-Mana\u00adger, als ich am Nach\u00admit\u00adtag im Hof sit\u00adze, in mein Rei\u00adse\u00adta\u00adge\u00adbuch schrei\u00adbe und mir einen Tee bestel\u00adle. Inge hat sich hin\u00adge\u00adlegt, um ein biss\u00adchen Schlaf nachzuholen.<\/p>\n

Er strahlt. \u201eOff cour\u00adse we can make Qua\u00adbe\u00adli. You like it?\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Yes, it is very deli\u00adcious! I would like to order Qua\u00adbe\u00adli for this evening \u2013 for seven persons.\u201d<\/p>\n

Der Hote\u00adlier ver\u00adsi\u00adchert mir, es wer\u00adde ihm ein Ver\u00adgn\u00fc\u00adgen sein, uns am Abend das gew\u00fcnsch\u00adte Essen ser\u00advie\u00adren zu lassen.<\/p>\n

Kurz dar\u00adauf tru\u00addeln die Spa\u00adni\u00ader ein, und heu\u00adte ist es f\u00fcr Enri\u00adque und Car\u00adlos nicht so leicht, den Rest der Grup\u00adpe bei Lau\u00adne zu halten.<\/p>\n

In den Amts\u00adstu\u00adben haben sie wie\u00adder nichts erreicht; hin\u00adzu kommt, dass die bei\u00adden Fran\u00adzo\u00adsen \u00fcber\u00admor\u00adgen Afgha\u00adni\u00adstan mit dem Flug\u00adzeug ver\u00adlas\u00adsen wer\u00adden, und nun bef\u00fcrch\u00adten sie, dass sie m\u00f6g\u00adli\u00adcher\u00adwei\u00adse nicht l\u00e4n\u00adger im Hotel blei\u00adben k\u00f6n\u00adnen, wenn nicht ein\u00admal mehr f\u00fcr deren Bet\u00adten in im Schlaf\u00adsaal etwas bezahlt wird.<\/p>\n

Da kommt mei\u00adne Ein\u00adla\u00addung zu einem lecke\u00adren Abend\u00adessen gera\u00adde richtig.<\/p>\n

Ihre weni\u00adgen, wohl nur der Form hal\u00adber vor\u00adge\u00adbrach\u00adten Ein\u00adw\u00e4n\u00adde ent\u00adkr\u00e4f\u00adte ich mit dem Hin\u00adweis, dass dies schlie\u00df\u00adlich Inges und mein letz\u00adter Abend in Kabul w\u00e4re \u2013 und eine Absa\u00adge einer t\u00f6d\u00adli\u00adchen Belei\u00addi\u00adgung gleich\u00adk\u00e4\u00adme. Nat\u00fcr\u00adlich m\u00f6ch\u00adte kei\u00adner der Se\u00f1o\u00adres Inge (die inzwi\u00adschen wie\u00adder aus her\u00adaus gekom\u00admen ist) oder mich belei\u00addi\u00adgen. Und als ich dann noch den gro\u00ad\u00dfen Cha\u00adras-Bro\u00adcken, Ziga\u00adret\u00adten und Bl\u00e4tt\u00adchen \u00fcber den Tisch zu Car\u00adlos hin\u00ad\u00fcber schie\u00adbe, damit er einen Joint baut, ist die Stim\u00admung wie\u00adder erstklassig.<\/p>\n

\u201e<\/span>Befo\u00adre we lea\u00adve tomor\u00adrow, I will give you thir\u00adty Dol\u00adlars,\u201d sage ich zu Enri\u00adque und Carlos.<\/p>\n

\u201e<\/span>Then you can pay bak\u00ads\u00adhish<\/a> at the office and get the papers you need.\u201d<\/p>\n

Car\u00adlos sch\u00fct\u00adtelt den Kopf, aber ich erkl\u00e4\u00adre ihm has\u00adtig, dass ich das Geld ent\u00adbeh\u00adren k\u00f6n\u00adne. Und dass ich es ihnen nicht schen\u00adken, son\u00addern nur lei\u00adhen wolle.<\/p>\n

\u201e<\/span>I\u2019ll give you my adress, and when you\u2019re back in Spain, you can send it to me\u2026\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Okay,\u201d er nickt und blickt unsi\u00adcher zu Enri\u00adque hin\u00ad\u00fcber, der eben\u00adfalls nickt und ihn dar\u00adauf hin\u00adweist, dass sie ganz bestimmt im \u201eKoochie Hotel\u201d blei\u00adben d\u00fcr\u00adfen, wenn sie auch nur einen ein\u00adzi\u00adgen Dol\u00adlar pro Tag zah\u00adlen k\u00f6nnen.<\/p>\n

Das w\u00fcr\u00adzi\u00adge Reis\u00adge\u00adricht mit Lamm\u00adfleisch am Abend ist sehr lecker, fast so gut wie das, was es bei Moham\u00admad in Herat gab. Die sonst so red\u00adse\u00adli\u00adgen Spa\u00adni\u00ader wer\u00adden ganz still, nur gele\u00adgent\u00adli\u00adches ist ein genie\u00ad\u00dfe\u00adri\u00adsches Seuf\u00adzen oder Schmat\u00adzen zu h\u00f6ren.<\/p>\n

Als Des\u00adsert gibt es eine Art s\u00fc\u00dfen Grie\u00df\u00adpud\u00adding, und danach reibt sich Guil\u00adler\u00admo st\u00f6h\u00adnend den run\u00adden Bauch und behaup\u00adtet, nie wie\u00adder von der Bank auf\u00adste\u00adhen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n

Der Hotel\u00adbe\u00adsit\u00adzer r\u00e4t ihm zu Tee mit Kar\u00adda\u00admom, der w\u00fcr\u00adde die Ver\u00addau\u00adung anre\u00adgen. Wir bestel\u00adlen zwei Kan\u00adnen davon.<\/p>\n

Satt und zufrie\u00adden und ein wenig schl\u00e4f\u00adrig sit\u00adze ich am Tisch und schaue zu, wie Car\u00adlos eine wei\u00adte\u00adre T\u00fcte bas\u00adtelt, als Enri\u00adque sich zu mir neigt und mich fragt, ob ich Lust auf einen Spa\u00adzier\u00adgang mit ihm h\u00e4t\u00adte. Selbst\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adlich habe ich Lust.<\/p>\n

Ich schla\u00adge vor, zuerst zu \u201eSigis Restau\u00adrant\u201d<\/a> zu gehen, da ich wis\u00adsen will, wie viel Zeit Inge und ich mor\u00adgen fr\u00fch bis dort\u00adhin brau\u00adchen wer\u00adden. Aber als wir dort ankom\u00admen, habe ich schon voll\u00adkom\u00admen ver\u00adges\u00adsen, auf die Zeit zu ach\u00adten, so hin\u00adge\u00adris\u00adsen bin ich von mei\u00adnem Beglei\u00adter und dem, was er erz\u00e4hlt.<\/p>\n

Mitt\u00adler\u00adwei\u00adle funk\u00adtio\u00adniert die Kom\u00admu\u00adni\u00adka\u00adti\u00adon zwi\u00adschen uns n\u00e4m\u00adlich pr\u00e4ch\u00adtig; er redet spa\u00adnisch, fran\u00adz\u00f6\u00adsisch, ab und zu eng\u00adlisch und mit H\u00e4n\u00adden und F\u00fc\u00dfen, ich eng\u00adlisch, ab und zu fran\u00adz\u00f6\u00adsisch \u2013 und auch mit H\u00e4n\u00adden und F\u00fc\u00dfen. Und wir ver\u00adste\u00adhen uns wunderbar.<\/p>\n

Ich erfah\u00adre, dass er in bereits ein Stu\u00addi\u00adum absol\u00adviert und als Grund\u00adschul\u00adleh\u00adrer gear\u00adbei\u00adtet hat, weil sei\u00adne Eltern und sei\u00adne Frau gegen eine Lauf\u00adbahn als Musi\u00adker waren.<\/p>\n

Sei\u00adne Frau? Ja, er war auch schon ver\u00adhei\u00adra\u00adtet; sie lie\u00df sich schei\u00adden, als er sei\u00adne siche\u00adre Posi\u00adti\u00adon auf\u00adgab, um sei\u00adnen Tr\u00e4u\u00admen zu fol\u00adgen, durch die Welt zu rei\u00adsen und Gitar\u00adre zu spie\u00adlen. Alles, was er nach der Tren\u00adnung noch besa\u00df, hat\u00adte er ver\u00adkauft, um mit sei\u00adnen Freun\u00adden nach Nepal fah\u00adren zu k\u00f6n\u00adnen \u2013 bis auf sei\u00adne Gitarre.<\/p>\n

Und die ist nun auch noch ver\u00adbrannt, sage ich betr\u00fcbt.<\/p>\n

Ja, das sei trau\u00adrig, aber er w\u00fcr\u00adde irgend\u00adwann wie\u00adder eine Gitar\u00adre haben, eine Fen\u00adder, da ist er ganz sicher. F\u00fcr den Moment sei alles gut so, wie es sei \u2013 es g\u00e4be nun nichts mehr, was ihn an sei\u00adne Ver\u00adgan\u00adgen\u00adheit bin\u00adde, aber die gan\u00adze Welt l\u00e4ge vor ihm.<\/p>\n

Ich nicke und f\u00fcge hin\u00adzu: \u201eAnd por de ch\u00e4tt is de best!\u201d<\/p>\n

Er lacht.<\/p>\n

Wir lachen zusam\u00admen, wir schwei\u00adgen zusam\u00admen, wir tei\u00adlen unse\u00adre Tr\u00e4ume.<\/p>\n

Ich erz\u00e4h\u00adle ihm, dass ich das Wort \u201eKath\u00adman\u00addu\u201d als Kind zum ers\u00adten Mal geh\u00f6rt und lan\u00adge nicht gewusst h\u00e4t\u00adte, dass es einen Ort die\u00adses Namens tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich gibt. Kath\u00adman\u00addu war f\u00fcr mich wie Shan\u00adgri-La<\/a>, eine M\u00e4r\u00adchen\u00adstadt im Reich der Phan\u00adta\u00adsie. Als Schul\u00adkind erfuhr ich dann, dass Kath\u00adman\u00addu eine real exis\u00adtie\u00adren\u00adde Stadt ist \u2013 und von die\u00adsem Tag an woll\u00adte ich die\u00adse Stadt sehen.<\/p>\n

F\u00fcr ihn ist das nord\u00adin\u00addi\u00adsche Agra<\/a> so ein magi\u00adscher Ort. Ein Bild des Taj Mahal<\/a> hat ihn fas\u00adzi\u00adniert und bezau\u00adbert, und weil es eine Luft\u00adauf\u00adnah\u00adme war, hat\u00adte er sich immer wie\u00adder aus\u00adge\u00admalt, er w\u00fcr\u00adde eines Tages mit einem Hei\u00df\u00adluft\u00adbal\u00adlon<\/a> zu die\u00adsem aus Mar\u00admor und Edel\u00adstei\u00adnen geform\u00adten Andenken an die gro\u00ad\u00dfe Lie\u00adbe des Shah Jahan reisen\u2026<\/p>\n

Wenn er Indi\u00aden und Nepal bereist hat, will er nach Lateinamerika.<\/p>\n

Der Kon\u00adti\u00adnent h\u00e4t\u00adte den Vor\u00adteil, dass dort \u2013 au\u00dfer in Bra\u00adsi\u00adli\u00aden \u2013 \u00fcber\u00adall Spa\u00adnisch gespro\u00adchen w\u00fcr\u00adde, erkl\u00e4rt er grin\u00adsend. Und \u00fcber\u00adrascht mich im n\u00e4chs\u00adten Moment mit einer fast akzent\u00adfrei aus\u00adge\u00adspro\u00adche\u00adnen Bemer\u00adkung auf Englisch:<\/p>\n

\u201e<\/span>Life is a long jour\u00adney. Love, too.\u201d<\/p>\n

Ich kann nicht anders. Ich schnap\u00adpe ihn mir und k\u00fcs\u00adse ihn.<\/p>\n

Im n\u00e4chs\u00adten Moment schie\u00adbe ich ihn schon wie\u00adder von mir weg und sehe mich panisch nach allen Sei\u00adten um \u2013 ver\u00addammt noch mal, Pau\u00adla, du bist in Afgha\u00adni\u00adstan, du kannst hier nicht ein\u00adfach in aller \u00d6ffent\u00adlich\u00adkeit einen Mann k\u00fcssen!<\/p>\n

Ich sto\u00ad\u00dfe einen Seuf\u00adzer der Erleich\u00adte\u00adrung aus, als ich sehe, dass die von hohen Mau\u00adern ges\u00e4um\u00adte Stra\u00ad\u00dfe v\u00f6l\u00adlig men\u00adschen\u00adleer ist. Doch dann f\u00e4llt mir etwas ande\u00adres auf.<\/p>\n

\u201e<\/span>Do you have any idea, whe\u00adre we are?\u201d fra\u00adge ich Enri\u00adque, der mich mit einem ver\u00adwirr\u00adten L\u00e4cheln ansieht.<\/p>\n

\u201e<\/span>No. I tink, we are lost,\u201d ant\u00adwor\u00adtet er fr\u00f6hlich.<\/p>\n

Wir haben uns tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich ver\u00adirrt, und es dau\u00adert fast zwei Stun\u00adden, bis wir aus den rei\u00adnen Wohn\u00advier\u00adteln, in die wir gera\u00adten sind, her\u00adaus\u00adge\u00adfun\u00adden haben und sich vor uns ein ver\u00adtrau\u00adter Platz \u2013 der mit dem Super\u00admarkt \u2013 aus\u00adbrei\u00adtet. Von dort fin\u00adden wir leicht zum Hotel zur\u00fcck.<\/p>\n

Im Hof ist es schon dun\u00adkel, offen\u00adbar sind die Ande\u00adren bereits schla\u00adfen gegangen.<\/p>\n

Der Hotel-Mana\u00adger kommt aus dem Sei\u00adten\u00adge\u00adb\u00e4u\u00adde, und als ich ihm sage, dass wir uns ver\u00adlau\u00adfen h\u00e4t\u00adten und schreck\u00adlich durs\u00adtig sind, bringt er uns zwei Fla\u00adschen Cola.<\/p>\n

Ich bit\u00adte ihn, Inge und mich am n\u00e4chs\u00adten Mor\u00adgen zu wecken, und er erkl\u00e4rt mir, dass mei\u00adne Freun\u00addin ihn bereits damit beauf\u00adtragt h\u00e4tte.<\/p>\n

Enri\u00adque dreht einen klei\u00adnen Joint, den wir zu dritt rauchen.<\/p>\n

Ich erz\u00e4h\u00adle dem Afgha\u00adnen, dass es mir gleich am ers\u00adten Abend in sei\u00adner Stadt so ent\u00adsetz\u00adlich schlecht ging, das ich nicht mehr dar\u00adan geglaubt h\u00e4t\u00adte, dass es mir hier jemals gefal\u00adlen k\u00f6nn\u00adte. Doch nun, nach nur zwei Tagen in sei\u00adnem Hotel, f\u00e4n\u00adde ich Kabul ganz wundervoll.<\/p>\n

\u201e<\/span>You will tra\u00advel to Asia again \u2013 and of cour\u00adse you will come to Kabul again,\u201d schmun\u00adzelt er.
\n
\n12. September<\/p>\n

Als wir alles zusam\u00admen\u00adge\u00adpackt und f\u00fcr das Zim\u00admer bezahlt haben, klop\u00adfen wir an die T\u00fcr zum Schlaf\u00adsaal der Spa\u00adni\u00ader, in dem noch alles ruhig ist, und for\u00addern Car\u00adlos und Enri\u00adque fl\u00fcs\u00adternd auf, uns in unser Zim\u00admer zu fol\u00adgen. Dort bekom\u00admen sie unse\u00adre \u00fcbrig\u00adge\u00adblie\u00adbe\u00adnen Lebens\u00admit\u00adtel, und ich gebe Enri\u00adque das Geld, das ich f\u00fcr sie bei\u00adsei\u00adte gelegt habe.<\/p>\n

Es sind 60 Dol\u00adlar, die ich in unse\u00adre rest\u00adli\u00adchen Afgha\u00adnis (im Wert von etwa 20 Mark) ein\u00adge\u00adwi\u00adckelt habe. Die brau\u00adchen wir ja nun vor\u00adaus\u00adsicht\u00adlich nicht mehr \u2013 Rolf will den gan\u00adzen Tag durch\u00adfah\u00adren und heu\u00adte noch die Gren\u00adze nach Paki\u00adstan \u00fcberqueren.<\/p>\n

\u201e<\/span>Muchos Gra\u00adci\u00adas,\u201d sagt er und steckt die Schei\u00adne in die Hosen\u00adta\u00adsche, ohne sie genau\u00ader in Augen\u00adschein zu nehmen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Das wird bestimmt eine tol\u00adle \u00dcber\u00adra\u00adschung,\u201d l\u00e4chelt Inge, die wei\u00df, wie vie\u00adle Dol\u00adlars in dem B\u00fcn\u00addel ver\u00adsteckt sind.<\/p>\n

Das Ange\u00adbot der Bei\u00adden, unser Gep\u00e4ck zu \u201eSigis\u201d zu tra\u00adgen, leh\u00adnen wir ab. Wir wol\u00adlen den Abschied nicht in die L\u00e4n\u00adge ziehen.<\/p>\n

Unse\u00adre Sachen sind schon im 608 ver\u00adstaut, und ich ste\u00adhe rau\u00adchend neben dem Wagen, w\u00e4h\u00adrend Rolf und Cathe\u00adri\u00adne sich von dem Ber\u00adli\u00adner P\u00e4r\u00adchen ver\u00adab\u00adschie\u00adden, als ich hin\u00adter mir lau\u00adte Stim\u00admen h\u00f6re, die mir mitt\u00adler\u00adwei\u00adle sehr ver\u00adtraut sind. Car\u00adlos und Enri\u00adque kom\u00admen h\u00fcp\u00adfend und wild die Arme schwen\u00adkend die Stra\u00ad\u00dfe her\u00adun\u00adter gerannt.<\/p>\n

\u201e<\/span>Offen\u00adbar haben sie inzwi\u00adschen das Geld gez\u00e4hlt,\u201d raunt Inge mir zu.<\/p>\n

Jetzt sind die auf\u00adge\u00adreg\u00adten Spa\u00adni\u00ader bei uns angekommen.<\/p>\n

Car\u00adlos redet auf Inge ein, und Enri\u00adque h\u00e4lt mich an den Ober\u00adar\u00admen fest und h\u00e4lt eine Rede auf Spa\u00adnisch, von der ich aber nur \u201eesta chi\u00adca es loco\u201d ver\u00adste\u00adhe \u2013 die\u00adse Frau ist verr\u00fcckt.<\/p>\n

Das wie\u00adder\u00adholt er auch auf Eng\u00adlisch: \u201eYou are cra\u00adzy, com\u00adple\u00adte\u00adly crazy!\u201d<\/p>\n

Er sch\u00fct\u00adtelt den Kopf, holt tief Luft und sieht mich an, als wol\u00adle er mich k\u00fcssen.<\/p>\n

Einer\u00adseits h\u00e4t\u00adte ich abso\u00adlut nichts dage\u00adgen \u2013 ande\u00adrer\u00adseits bef\u00fcrch\u00adte ich, dass wir dann viel\u00adleicht ver\u00adhaf\u00adtet wer\u00adden\u2026 Hier ist es n\u00e4m\u00adlich alles ande\u00adre als men\u00adschen\u00adleer. Eine Men\u00adge Leu\u00adte, die meis\u00adten davon Ein\u00adhei\u00admi\u00adsche, beob\u00adach\u00adten inter\u00ades\u00adsiert, was sich vor \u201eSigis Restau\u00adrant\u201d abspielt.<\/p>\n

Doch das ist offen\u00adbar auch Enri\u00adque bewusst.<\/p>\n

Er l\u00e4sst sei\u00adne Arme sin\u00adken, und dann zieht er das bun\u00adte, geweb\u00adte Stirn\u00adband aus sei\u00adnen schwar\u00adzen Locken und schlingt es mir um die H\u00fcfte.<\/p>\n

\u201e<\/span>Has\u00adta la vis\u00adta, love\u00adly Pola,\u201d sagt er lei\u00adse und tritt dann einen Schritt zur\u00fcck.<\/p>\n

Ich habe einen Klo\u00df im Hals und kann nichts sagen, hebe nur die Hand und stei\u00adge dann schnell in den Bus.<\/p>\n

Rolf beweist Gef\u00fchl f\u00fcr gutes Timing und l\u00e4sst den Motor an. Inge und ich klet\u00adtern nach hin\u00adten auf die gro\u00ad\u00dfe Matrat\u00adze und win\u00adken unse\u00adren Freun\u00adden zum Abschied zu. Car\u00adlos voll\u00adf\u00fchrt wil\u00adde Luft\u00adspr\u00fcn\u00adge, und Enri\u00adque wirft uns Kuss\u00adh\u00e4n\u00adde hinterher.<\/p>\n

\u201e<\/span>Die schei\u00adnen nett zu sein, eure Spa\u00adni\u00ader,\u201d meint Catherine.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ja,\u201d sagt Inge. \u201eSehr, sehr nett.\u201d<\/p>\n

<\/a><\/p>\n

Ich h\u00e4t\u00adte ihn so gern ein\u00admal Gitar\u00adre spie\u00adlen geh\u00f6rt.<\/p>\n

Wei\u00adter\u00adle\u00adsen \u00bb 15. \u00dcber den Khyber-Pass<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

10. Sep\u00adtem\u00adber Es ist unser drit\u00adter Tag in Kabul, aber als wir \u2013 mit Kof\u00adfer, Ruck\u00adsack und Taschen bela\u00adden \u2013 an die\u00adsem Vor\u00admit\u00adtag in die ber\u00fchm\u00adte \u201eChi\u00adcken Street\u201d ein\u00adbie\u00adgen, krie\u00adgen wir zum ers\u00adten Mal rich\u00adtig mit, in was f\u00fcr einer quir\u00adli\u00adgen, ori\u00aden\u00adta\u00adli\u00adschen Metro\u00adpo\u00adle wir hier gelan\u00addet sind. Im Bazar von Istan\u00adbul hat\u00adte ich geglaubt, mich im \u2026 14. Has\u00adta la vis\u00adta, Kabul<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":183,"menu_order":14,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"class_list":["post-250","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/250","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=250"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/250\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":301,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/250\/revisions\/301"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=250"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}