define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":293,"date":"2014-06-07T17:48:45","date_gmt":"2014-06-07T15:48:45","guid":{"rendered":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=293"},"modified":"2024-04-18T00:14:25","modified_gmt":"2024-04-17T22:14:25","slug":"19-ein-himmlisches-picknick","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?page_id=293","title":{"rendered":"19. Ein himmlisches Picknick"},"content":{"rendered":"
25. Sep\u00adtem\u00adber<\/p>\n
Nach dem Auf\u00adwa\u00adchen blei\u00adbe ich noch eine Wei\u00adle still lie\u00adgen, so lan\u00adge, bis ich ganz sicher bin, dass ich wirk\u00adlich nicht tr\u00e4u\u00adme. Aber nein, es ist wahr, ich bin tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich in Nepal \u2013 end\u00adlich am Ziel angekommen.<\/p>\n
Aus dem Neben\u00adraum dringt Gepl\u00e4t\u00adscher; <\/span>offen\u00adbar steht Inge unter der Dusche. Ob das Was\u00adser heu\u00adte mor\u00adgen wohl warm ist? Aber eigent\u00adlich ist das nicht wich\u00adtig, wir haben uns l\u00e4ngst ans Duschen und Haa\u00adre waschen mit kal\u00adtem Was\u00adser gew\u00f6hnt.<\/p>\n Es ist ange\u00adnehm warm, nicht so dr\u00fc\u00adckend und schw\u00fcl wie noch vor weni\u00adgen Tagen in Delhi. Durch die tr\u00fc\u00adben Schei\u00adben des Fens\u00adters f\u00e4llt hel\u00adles Son\u00adnen\u00adlicht in unser mit einem wacke\u00adli\u00adgen Tisch und zwei Bet\u00adten karg m\u00f6blier\u00adtes Zimmer.<\/p>\n Ich h\u00f6re Stim\u00admen, dann Gel\u00e4ch\u00adter, und als ich aus dem Schlaf\u00adsack und in Rock und T\u2011Shirt geschl\u00fcpft bin und vor die T\u00fcr tre\u00adte, sehe ich meh\u00adre\u00adre Hotel\u00adg\u00e4s\u00adte, dar\u00adun\u00adter auch Cathe\u00adri\u00adne, Rolf und Ulli, bereits unter dem Son\u00adnen\u00adse\u00adgel im Hof sit\u00adzen und fr\u00fchst\u00fccken.<\/p>\n Vor der T\u00fcr des Neben\u00adzim\u00admers h\u00e4ngt eine Spin\u00adne von beein\u00addru\u00adcken\u00adden Aus\u00adma\u00ad\u00dfen in ihrem Netz. Gl\u00fcck\u00adli\u00adcher\u00adwei\u00adse \u2013 f\u00fcr die Spin\u00adne eben\u00adso wie f\u00fcr mensch\u00adli\u00adche Hotel\u00adg\u00e4s\u00adte \u2013 scheint das Zim\u00admer nicht belegt zu sein. Nach dem Auf\u00adste\u00adhen gera\u00adde\u00adwegs in so ein gro\u00ad\u00dfes, kleb\u00adri\u00adges Netz hin\u00adein zu mar\u00adschie\u00adren, w\u00fcr\u00adde den Zau\u00adber eines nepa\u00adle\u00adsi\u00adschen Mor\u00adgens wohl f\u00fcr die meis\u00adten Men\u00adschen stark beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n Wie zur Erin\u00adne\u00adrung dar\u00adan, dass dies kein von Men\u00adschen, son\u00addern ein von Mut\u00adter Natur gestal\u00adte\u00adtes Para\u00addies ist, gibt es hier wahr\u00adhaft gigan\u00adti\u00adsche Arach\u00adni\u00adden<\/a>. Ges\u00adtern habe ich eine gelb-schwarz gemus\u00adter\u00adte Spin\u00adne<\/a> ent\u00addeckt, die ihr Netz neben der Hotel-Ein\u00adfahrt zwi\u00adschen zwei B\u00e4u\u00admen gespannt hat. Sie hing regungs\u00adlos eini\u00adge Meter \u00fcber mei\u00adnem Kopf, war aber trotz der Ent\u00adfer\u00adnung noch sehr, sehr gro\u00df \u2013 ihr von mir gesch\u00e4tz\u00adte Durch\u00admes\u00adser (aller\u00addings inklu\u00adsi\u00adve der lan\u00adgen Bei\u00adne) betrug fast 30 Zentimeter.<\/p>\n Die Nepa\u00adlis w\u00fcr\u00addi\u00adgen sol\u00adche acht\u00adbei\u00adni\u00adgen Rie\u00adsen \u00fcbri\u00adgens kei\u00adnes Bli\u00adckes. Eine ver\u00adgleichs\u00adwei\u00adse klei\u00adne, grau-brau\u00adne Spin\u00adne jedoch, die im Spei\u00adse\u00adraum unse\u00adres Hotels an der Wand ent\u00adlang flitzt, beob\u00adach\u00adten sie stets aus dem Augen\u00adwin\u00adkel und ver\u00admie\u00adden es, dem klei\u00adnen J\u00e4ger all\u00adzu nah zu kommen.<\/p>\n Ich bestel\u00adle mir einen Tee und \u201ePan\u00adca\u00adke\u201d bei dem Jun\u00adgen, der mit einem Tablett aus dem Haupt\u00adge\u00adb\u00e4u\u00adde kommt. Als er mir wenig sp\u00e4\u00adter das Gew\u00fcnsch\u00adte bringt, stellt er die \u00fcbli\u00adchen Fra\u00adgen \u2013 \u201eWhat is your name? Whe\u00adre do you come from?\u201d. Im Unter\u00adschied zu den Kids in den Stra\u00ad\u00dfen von Delhi habe ich bei ihm aber den Ein\u00addruck, dass er mei\u00adne Ant\u00adwor\u00adten versteht.<\/p>\n Er fragt mich, in wel\u00adchem Teil von \u201eGer\u00adma\u00adny\u201d mei\u00adne Hei\u00admat\u00adstadt<\/a> denn lie\u00adgen w\u00fcr\u00adde, und als ich sage, im Nor\u00adden, in der N\u00e4he der Nord\u00adsee, ern\u00adte ich einen ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis\u00adlo\u00adsen Blick.<\/p>\n Woher soll Ganesh, so hei\u00dft der Jun\u00adge, denn auch wis\u00adsen, was ein Meer ist? Ich ver\u00adsu\u00adche es zu erkl\u00e4\u00adren, indem ich in Rich\u00adtung des Sees deu\u00adte und sage, die Nord\u00adsee sei vie\u00adle tau\u00adsend Mal gr\u00f6\u00ad\u00dfer als der Fewa Lake<\/a>, und ihr Was\u00adser sei sal\u00adzig. Ganesh prus\u00adtet los und kr\u00fcmmt sich vor Lachen; er scheint das f\u00fcr einen gelun\u00adge\u00adnen Witz zu halten.<\/p>\n Ich gebe den Ver\u00adsuch auf, dem klei\u00adnen Berg\u00adbe\u00adwoh\u00adner eine Vor\u00adstel\u00adlung von Ozea\u00adnen nahe zu brin\u00adgen, und fra\u00adge ihn, ob er in der Schu\u00adle so gut Eng\u00adlisch spre\u00adchen gelernt habe.<\/p>\n Das Lachen ver\u00adschwin\u00addet aus sei\u00adnem Gesicht. Er sch\u00fct\u00adtelt den Kopf.<\/p>\n \u201e<\/span>Me, I don\u201at go school,\u201d sagt er betr\u00fcbt.<\/p>\n \u201e<\/span>Ah\u2026 so.\u201d<\/p>\n Ich bin befan\u00adgen, traue mich nicht zu fra\u00adgen, war\u00adum er denn nicht zur Schu\u00adle geht. Schlie\u00df\u00adlich betreibt die Fami\u00adlie ein recht gut gehen\u00addes Hotel \u2013 da m\u00fcss\u00adte es ihr doch m\u00f6g\u00adlich sein, den Klei\u00adnen zur Schu\u00adle zu schicken?!<\/p>\n Als ob er mei\u00adne Gedan\u00adken gele\u00adsen habe, erkl\u00e4rt Ganesh, dass er kein Mit\u00adglied der Sip\u00adpe ist, die das Hotel betreibt. Er ist eine Wai\u00adse, die Hotel-Fami\u00adlie hat ihn auf\u00adge\u00adnom\u00admen, und als Gegen\u00adleis\u00adtung f\u00fcr sei\u00adne Diens\u00adte als Kell\u00adner und Hotel-Boy bekommt er zu essen und darf im Haupt\u00adge\u00adb\u00e4u\u00adde schlafen.<\/p>\n \u201e<\/span>I can\u00adnot go school, I work,\u201d sagt er, und es klingt trau\u00adrig, aber zugleich ein wenig stolz.<\/p>\n \u201e<\/span>But I learn. Fri\u00adend is tea\u00adcher, and tou\u00adrist is tea\u00adcher,\u201d erg\u00e4nzt er und schreibt zum Beweis eini\u00adge Zah\u00adlen und Schrift\u00adzei\u00adchen auf den Skiz\u00adzen\u00adblock, der vor mir auf dem Tisch liegt.<\/p>\n Als ich sehe, wie hin\u00adge\u00adbungs\u00advoll und hoch kon\u00adzen\u00adtriert er die Stri\u00adche und B\u00f6gen malt, schen\u00adke ich ihm den Block und eini\u00adge Bunt\u00adstif\u00adte zum \u00dcben.<\/p>\n Ganesh strahlt.<\/p>\n Er ver\u00adschwin\u00addet mit Block und Stif\u00adten im Haus, und ich ent\u00adde\u00adcke den auf der Veran\u00adda thro\u00adnen\u00adden L\u00f6wen\u00adhund<\/a>. Geh\u00f6rt habe ich schon des \u00f6fte\u00adren von den klei\u00adnen, lang\u00adhaa\u00adri\u00adgen tibe\u00adti\u00adschen Ter\u00adri\u00adern, aber dies hier ist der ers\u00adte Lha\u00adsa Apso<\/a>, den ich leib\u00adhaf\u00adtig zu sehen bekomme.<\/p>\n \u201e<\/span>Isn\u2019t he love\u00adly?\u201d l\u00e4chelt mich eine dun\u00adkel\u00adhaa\u00adri\u00adge Frau an, als ich auf\u00adste\u00adhe, um den honig\u00adfar\u00adbe\u00adnen Mini-L\u00f6wen aus der N\u00e4he zu fotografieren.<\/p>\n \u201e<\/span>Yes, he is.\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>And he is intel\u00adli\u00adgent, too,\u201d meint sie.<\/p>\n Dass dies nicht nur ein beson\u00adders h\u00fcb\u00adscher, son\u00addern auch ein beson\u00adders klu\u00adger Hund ist, will ich gern glau\u00adben. Sein gelas\u00adse\u00adner, auf\u00admerk\u00adsa\u00admer Blick und sei\u00adne w\u00fcr\u00adde\u00advol\u00adle Hal\u00adtung sind v\u00f6l\u00adlig frei von jener schwanz\u00adwe\u00addeln\u00adden, leicht d\u00e4m\u00adlich wir\u00adken\u00adden Unter\u00adw\u00fcr\u00adfig\u00adkeit, die vie\u00adle sei\u00adner Art\u00adge\u00adnos\u00adsen an den Tag legen.<\/p>\n Eigent\u00adlich bin ich ja eher ein \u201eKat\u00adzen-Mensch\u201d, aber in die\u00adsem Moment beschlie\u00ad\u00dfe ich: wenn ich mir jemals einen Hund zule\u00adgen soll\u00adte, dann wird es ein Lha\u00adsa Apso sein!<\/p>\n Inge ist inzwi\u00adschen auch her\u00adaus\u00adge\u00adkom\u00admen, und wir set\u00adzen uns zu den ande\u00adren Hotelg\u00e4sten.<\/p>\n Als Rolf sieht, dass jetzt alle Pas\u00adsa\u00adgie\u00adre sei\u00adnes 608 ver\u00adsam\u00admelt sind, r\u00e4us\u00adpert er sich und h\u00e4lt eine klei\u00adne Rede:<\/p>\n \u201e<\/span>Tja, nun sind wir also in Nepal ange\u00adkom\u00admen; unse\u00adre gemein\u00adsa\u00adme Rei\u00adse endet hier. \u00dcber\u00admor\u00adgen fah\u00adren Cathe\u00adri\u00adne und ich nach Kath\u00adman\u00addu, und wer m\u00f6ch\u00adte, kann mit\u00adkom\u00admen, um sei\u00adne Post abzu\u00adho\u00adlen oder was auch immer\u2026 Wer das Pokha\u00adra-Idyll noch etwas l\u00e4n\u00adger genie\u00ad\u00dfen m\u00f6ch\u00adte, kann nat\u00fcr\u00adlich noch hier blei\u00adben und sp\u00e4\u00adter auf eige\u00adne Faust in die Haupt\u00adstadt fah\u00adren; ein Bus-Ticket f\u00fcr die hun\u00addert Kilo\u00adme\u00adter-Tour kos\u00adtet nicht so viel.\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Wei\u00dft du, wie viel?\u201d will Ulli wissen.<\/p>\n \u201e<\/span>Der nor\u00adma\u00adle Bus kos\u00adtet, glau\u00adbe ich, um die 25 Rupees. Der ist aber auch den gan\u00adzen Tag unter\u00adwegs. Dann gibt es noch die Mini\u00adbus\u00adse, die kos\u00adten zehn Rupees mehr und brau\u00adchen gut drei Stun\u00adden weni\u00adger f\u00fcr die Stre\u00adcke. Mit mir kommt ihr nat\u00fcr\u00adlich am schnells\u00adten nach Kath\u00adman\u00addu, weil ich kei\u00adne Zwi\u00adschen\u00adstopps einlege.\u201d<\/p>\n Unser Fah\u00adrer grinst.<\/p>\n \u201e<\/span>Ich kom\u00adme gern Diens\u00adtag mit euch mit, will unbe\u00addingt gucken, ob ich Post habe. Und ich glau\u00adbe, ich wer\u00adde mir in Kath\u00adman\u00addu ein Trek\u00adking-Per\u00admit holen,\u201d ver\u00adk\u00fcn\u00adde ich.<\/p>\n Rosi guckt mich mit gro\u00ad\u00dfen Augen an.<\/p>\n \u201e<\/span>Du willst in die Ber\u00adgen gehen?\u201d fragt sie erstaunt. \u201eDu hast doch gar kei\u00adnen Ruck\u00adsack und kei\u00adne Wan\u00adder\u00adstie\u00adfel dabei\u2026\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Kein Pro\u00adblem, Trek\u00adking-Aus\u00adr\u00fcs\u00adtung kann man sich hier \u00fcber\u00adall lei\u00adhen,\u201d wirft Rolf ein.<\/p>\n \u201e<\/span>Na ja, ich dach\u00adte nur, Pau\u00adla ist mehr an Hip\u00adpie-Kla\u00admot\u00adten und Schmuck und Haschisch inter\u00ades\u00adsiert, nicht so sehr an sport\u00adli\u00adchen Unter\u00adneh\u00admun\u00adgen\u2026\u201d Rosi lacht verlegen.<\/p>\n Ich bin belei\u00addigt. Blo\u00df weil ich mit drei Paar Ohr\u00adrin\u00adgen und einer bestick\u00adten Kuchi<\/a>-Wes\u00adte aus Samt durch die Welt\u00adge\u00adschich\u00adte lat\u00adsche (und nicht in Ber\u00admu\u00adda-Shorts und Gesund\u00adheits\u00adschu\u00adhen wie sie), glaubt sie, ich sei den Anfor\u00adde\u00adrun\u00adgen einer Berg\u00adwan\u00adde\u00adrung nicht gewachsen?<\/p>\n Da f\u00e4llt mir auch noch Inge in den R\u00fccken.<\/p>\n \u201e<\/span>Willst du das wirk\u00adlich machen?\u201d fragt sie mich. \u201eIch kann dich n\u00e4m\u00adlich nicht in die Ber\u00adge beglei\u00adten, weil ich in knapp zwei Wochen von Kath\u00adman\u00addu aus nach Delhi zur\u00fcck flie\u00adgen will. Schlie\u00df\u00adlich will ich recht\u00adzei\u00adtig zu Semes\u00adter\u00adbe\u00adginn wie\u00adder in Ham\u00adburg sein.\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Ja, ich will das wirk\u00adlich machen,\u201d best\u00e4\u00adti\u00adge ich.<\/p>\n \u201e<\/span>Und ich pfeif\u2019 aufs Win\u00adter\u00adse\u00admes\u00adter \u2013 jetzt, wo wir end\u00adlich in Nepal ange\u00adkom\u00admen sind, werd\u2019 ich doch nicht gleich damit anfan\u00adgen, mei\u00adne R\u00fcck\u00adrei\u00adse zu planen!\u201d<\/p>\n Ehr\u00adlich gesagt, war ich bis eben auch nicht sicher gewe\u00adsen, ob Trek\u00adking wirk\u00adlich das Rich\u00adti\u00adge f\u00fcr mich ist, hat\u00adte nur die in Lud\u00admil\u00adla T\u00fctings<\/a> Rei\u00adse\u00adf\u00fch\u00adrer beschrie\u00adbe\u00adnen Rou\u00adten so span\u00adnend gefunden.<\/p>\n Aber ange\u00adsichts der Tat\u00adsa\u00adche, dass gleich zwei mei\u00adner Mit\u00adrei\u00adsen\u00adden mir das nicht so recht zuzu\u00adtrau\u00aden schei\u00adnen, steht mein Ent\u00adschluss fest!<\/p>\n Am Ende stellt sich her\u00adaus, dass alle f\u00fcnf (nach Annas Heim\u00adrei\u00adse) ver\u00adblie\u00adbe\u00adnen Pas\u00adsa\u00adgie\u00adre \u00fcber\u00admor\u00adgen mit Rolf und Cathe\u00adri\u00adne in die Haupt\u00adstadt fah\u00adren m\u00f6ch\u00adten. So sch\u00f6n und erhol\u00adsam es hier am Ufer des Fewa-Sees auch ist \u2013 wir haben es eilig, unse\u00adre Brie\u00adfe im Haupt\u00adpost\u00adamt in Kath\u00adman\u00addu in Emp\u00adfang zu neh\u00admen. Und irgend\u00adwie ist die\u00adse Fahrt durch die gr\u00fc\u00adne Land\u00adschaft Nepals auch so etwas wie ein kr\u00f6\u00adnen\u00adder Abschluss, eine ange\u00admes\u00adsen sch\u00f6\u00adne letz\u00adte Etap\u00adpe der rund 11.000 Kilo\u00adme\u00adter wei\u00adten Rei\u00adse, die wir gemein\u00adsam hin\u00adter uns gebracht haben.<\/p>\n Nach dem Fr\u00fch\u00adst\u00fcck, das sich bis zur Mit\u00adtags\u00adzeit hin\u00adzieht, spa\u00adzie\u00adren Inge und ich los, um den \u201eLake\u00adsi\u00adde\u201d-<\/a>Distrikt Pokha\u00adras<\/a> in Augen\u00adschein zu neh\u00admen. Wir wen\u00adden uns nach rechts und schlen\u00addern auf die in einem park\u00ad\u00e4hn\u00adli\u00adchen Gel\u00e4n\u00adde am See\u00adufer gele\u00adge\u00adne Som\u00admer\u00adre\u00adsi\u00addenz der nepa\u00adle\u00adsi\u00adschen K\u00f6nigs<\/a>-Fami\u00adlie<\/a> zu, die von einer hohen Mau\u00ader gegen die Bli\u00adcke des gemei\u00adnen (Tou\u00adris\u00adten-) Vol\u00adkes abge\u00adschirmt wird.<\/p>\n Auf der ande\u00adren Stra\u00ad\u00dfen\u00adsei\u00adte gibt es eini\u00adge ein\u00adfa\u00adche, ein\u00adge\u00adschos\u00adsi\u00adge Unter\u00adk\u00fcnf\u00adte, die dem \u201eNew Green Lake Hotel\u201d \u00e4hneln; aller\u00addings ver\u00adf\u00fcgt keins die\u00adser Gast\u00adh\u00e4u\u00adser \u00fcber ein so gro\u00ad\u00dfes Gel\u00e4n\u00adde wie unse\u00adre Lodge. Es gibt, hat man uns gesagt, nur ein ein\u00adzi\u00adges Hotel am See, das hei\u00ad\u00dfes Was\u00adser und ande\u00adre, von \u201enor\u00adma\u00adlen\u201d (soll hei\u00ad\u00dfen: mit Kof\u00adfer statt mit Ruck\u00adsack rei\u00adsen\u00adden) Tou\u00adris\u00adten gefor\u00adder\u00adte Annehm\u00adlich\u00adkei\u00adten zu bie\u00adten hat: die Luxus\u00adher\u00adber\u00adge \u201eFish\u00adtail Lodge\u201d<\/a>, benannt nach dem \u201ehei\u00adli\u00adgen Berg\u201d Machapucha\u00adr\u00e9<\/a>, den die Nepa\u00adlis wegen der Form sei\u00adnes Gip\u00adfels Fisch-Schwanz getauft haben.<\/p>\n Auch Restau\u00adrants und L\u00e4den gibt es neben der Stra\u00ad\u00dfe; bei den meis\u00adten han\u00addelt es sich aller\u00addings nur um bes\u00adse\u00adre Bret\u00adter\u00adbu\u00adden oder H\u00fctten.<\/p>\n Ange\u00adbot und Auf\u00adma\u00adchung die\u00adser Unter\u00adneh\u00admen sind ganz auf das bun\u00adte V\u00f6lk\u00adchen aus dem Wes\u00adten zuge\u00adschnit\u00adten; das merkt man unter ande\u00adren an den drol\u00adli\u00adgen Namen eini\u00adger Restau\u00adrants, bei\u00adspiels\u00adwei\u00adse \u201eThe Hun\u00adgry Eye\u201d oder \u201eDon\u2019t pass me by\u201d\u2026<\/p>\n In den L\u00e4den ent\u00adde\u00adcken wir Gl\u00e4\u00adser mit Honig, rich\u00adti\u00adgen K\u00e4se (der in einer von Ent\u00adwick\u00adlungs\u00adhel\u00adfern gegr\u00fcn\u00adde\u00adten Mol\u00adke\u00adrei her\u00adge\u00adstellt wird), \u201eGer\u00adman Bread\u201d, kas\u00adten\u00adf\u00f6r\u00admi\u00adge Brot\u00adlai\u00adbe und eine Art von Sem\u00admeln. Und vie\u00adle der \u201eChai-Shops\u201d, der Tee-Buden am Weges\u00adrand, bie\u00adten neben dem s\u00fc\u00dfen, mit Milch\u00adpul\u00adver hell\u00adbraun gef\u00e4rb\u00adtem Tee und Kek\u00adsen auch frisch geba\u00adcke\u00adne, mit Zucker best\u00e4ub\u00adte Donuts an.<\/p>\n Sogar einen Fahr\u00adrad\u00adver\u00adleih muss es hier irgend\u00adwo geben; wir sehen lang\u00adhaa\u00adri\u00adge Hip\u00adpies auf sta\u00adbi\u00adlen indi\u00adschen R\u00e4dern zwi\u00adschen K\u00fchen und Kar\u00adren herumkurven.<\/p>\n An einem beleb\u00adten Platz, an dem meh\u00adre\u00adre Wege zusam\u00admen\u00adlau\u00adfen, fin\u00adden wir das \u201eSnowland\u201d-Restaurant, von dem wir schon in unse\u00adrem Hotel geh\u00f6rt haben. Es erfreut sich gro\u00ad\u00dfer Beliebt\u00adheit, weil dort nicht nur eine der weni\u00adgen (und die mit Abstand bes\u00adte!) Ste\u00adreo\u00adan\u00adla\u00adge in Bai\u00addam<\/a> steht, son\u00addern auch die neu\u00ades\u00adte Musik aus Euro\u00adpa und den USA<\/span> gespielt wird \u2013 falls der Strom nicht gera\u00adde mal wie\u00adder aus\u00adf\u00e4llt, was meist abends zwi\u00adschen 21 und 22 Uhr der Fall ist. Au\u00dfer\u00addem soll es dort her\u00advor\u00adra\u00adgen\u00adde Schwei\u00adzer R\u00f6s\u00adti<\/a> geben, die, wenn man seit Wochen fast aus\u00adschlie\u00df\u00adlich auf Reis basie\u00adren\u00adde Gerich\u00adte geges\u00adsen hat, eine ver\u00adlo\u00adcken\u00adde Abwechs\u00adlung darstellen.<\/p>\n Inge und ich beschlie\u00ad\u00dfen, die knusp\u00adri\u00adgen Kar\u00adtof\u00adfel\u00adfla\u00adden nach\u00adher unbe\u00addingt noch zu probieren.<\/p>\n Von dem klei\u00adnen Dorf\u00adplatz aus f\u00fchrt auch ein Weg zum See\u00adufer hin\u00adun\u00adter und dann hin\u00ad\u00fcber auf eine vor\u00adge\u00adla\u00adger\u00adte Halb\u00adin\u00adsel, auf der der Barahi<\/a>-Tem\u00adpel steht. Unter sei\u00adnem Pago\u00adden\u00addach befin\u00addet sich ein Shi\u00adva-Lingam<\/a> auf einem zwei\u00adtei\u00adli\u00adgen Sockel, des\u00adsen obe\u00adrer Teil die Yoni<\/a> darstellt.<\/p>\n \u201e<\/span>Das Teil stellt die Ver\u00adei\u00adni\u00adgung von Shi\u00adva mit sei\u00adner Shak\u00adti dar,\u201d erkl\u00e4\u00adre ich Inge, stolz dar\u00adauf, dass ich mich vor unse\u00adrer Abrei\u00adse noch \u00fcber die wich\u00adtigs\u00adten G\u00f6t\u00adter des Hin\u00addu\u00adis\u00admus infor\u00admiert habe.<\/p>\n \u201e<\/span>Es ist also sozu\u00adsa\u00adgen ein Sym\u00adbol f\u00fcr g\u00f6tt\u00adli\u00adchen Sex.\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Don\u00adner\u00adwet\u00adter,\u201d Inge ist geb\u00fch\u00adrend beein\u00addruckt, \u201eeinen der\u00adar\u00adtig locke\u00adren Umgang mit der Ero\u00adtik h\u00e4t\u00adte ich den Hin\u00addus gar nicht zuge\u00adtraut. Bis\u00adher kamen die mir eher ziem\u00adlich steif und ver\u00adklemmt vor; allein schon die\u00adses beklopp\u00adte Kastensystem\u2026\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>So eine Dar\u00adstel\u00adlung ist ja auch sym\u00adbo\u00adlisch gemeint,\u201d wen\u00adde ich ein, \u201eein Besuch des Tem\u00adpels soll die Gl\u00e4u\u00adbi\u00adgen bestimmt nicht sexu\u00adell auf Tou\u00adren bringen.\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Da w\u00e4re ich mir nicht so sicher \u2013 in der Zeit, in der er erbaut wur\u00adde, k\u00f6nn\u00adte das schon eine Rol\u00adle gespielt haben. Du wei\u00dft schon, Tan\u00adtra<\/a> und so\u2026\u201d Inge ist ein St\u00fcck um den Tem\u00adpel her\u00adum gegan\u00adgen und deu\u00adtet auf die Reli\u00adefs<\/a> an der Au\u00dfenwand.<\/p>\n Ich fol\u00adge ihr und betrach\u00adte sin\u00adnend die dort dar\u00adge\u00adstell\u00adten \u00fcppi\u00adgen, bar\u00adbu\u00adsi\u00adgen T\u00e4n\u00adze\u00adrin\u00adnen<\/a>.<\/p>\n \u201e<\/span>Die sehen aller\u00addings wirk\u00adlich hei\u00df aus!\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Guck mal, die Boo\u00adte da dr\u00fc\u00adben,\u201d Inge zeigt auf eine Bucht neben dem Anwe\u00adsen des K\u00f6nigs, in der meh\u00adre\u00adre Ein\u00adb\u00e4u\u00adme auf dem Ufer lie\u00adgen, \u201edie Ame\u00adri\u00adka\u00adne\u00adrin im Hotel hat gesagt, die kann man f\u00fcr wenig Geld mieten!\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Echt? Ich lie\u00adbe Boot\u00adfah\u00adren! Wol\u00adlen wir mor\u00adgen mal \u00fcber den See paddeln?\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Ja, gern. Ich fin\u00adde, wir neh\u00admen unse\u00adre Biki\u00adnis mit und suchen uns am ande\u00adren Ufer eine ruhi\u00adge Bucht zum Baden. Wir k\u00f6nn\u00adten auch was zu essen ein\u00adpa\u00adcken und da dr\u00fc\u00adben ein Pick\u00adnick veranstalten!\u201d<\/p>\n Wir gehen zur\u00fcck zum Platz, an dem das \u201eSnow\u00adland\u201d liegt, und dann wei\u00adter auf der am See ent\u00adlang f\u00fch\u00adren\u00adden Stra\u00ad\u00dfe in Rich\u00adtung Norden.<\/p>\n Hier gibt es immer weni\u00adger Shops und Restau\u00adrants. Hin\u00adter einer Schnei\u00adder-Werk\u00adstatt, vor der eini\u00adge der tra\u00addi\u00adtio\u00adnel\u00adlen nepa\u00adle\u00adsi\u00adschen Wickel\u00adblu\u00adsen h\u00e4n\u00adgen, und einem Laden mit Second Hand-Ruck\u00ads\u00e4\u00adcken, Wan\u00adder\u00adschu\u00adhen und ande\u00adrem Trek\u00adking-Zube\u00adh\u00f6r endet der tou\u00adris\u00adti\u00adsche Teil des \u201eLakeside\u201d-Viertels. Zur Lin\u00adken ist jetzt nur noch das See\u00adufer zu sehen, und rechts erstre\u00adcken sich in sanft anstei\u00adgen\u00adden Ter\u00adras\u00adsen ange\u00adleg\u00adte Reis- und Hirse-Felder.<\/p>\n F\u00fcnf fr\u00f6h\u00adlich schwat\u00adzen\u00adde Nepa\u00adli-Frau\u00aden kom\u00admen uns ent\u00adge\u00adgen, die offen\u00adbar unten am See W\u00e4sche gewa\u00adschen haben.<\/p>\n Drei von ihnen sind jung und wun\u00adder\u00adh\u00fcbsch, die bei\u00adden ande\u00adren deut\u00adlich \u00e4lter, aber wie alt genau, ist schwer zu sch\u00e4t\u00adzen. Sie haben Fal\u00adten und graue Str\u00e4h\u00adnen im Haar; viel\u00adleicht sind sie erst in den F\u00fcnf\u00adzi\u00adgern, viel\u00adleicht aber auch schon zehn, zwan\u00adzig Jah\u00adre \u00e4lter.<\/p>\n Es ist, als ob die\u00adse Frau\u00aden vom einen Tag zum ande\u00adren von einer man\u00addel\u00ad\u00e4u\u00adgi\u00adgen, jugend\u00adli\u00adchen Sch\u00f6n\u00adheit zur gestan\u00adde\u00adnen Frau unbe\u00adstimm\u00adba\u00adren Alters wer\u00adden \u2013 die zwar immer noch freund\u00adlich l\u00e4chelt, aber da ist etwas Respekt\u00adein\u00adfl\u00f6\u00ad\u00dfen\u00addes in die\u00adsem L\u00e4cheln, etwas, das dir sagt: ich wei\u00df etwas, was du nicht wei\u00dft\u2026.<\/p>\n Hexen, schie\u00dft es mir durch den Kopf, w\u00e4h\u00adrend ich ihr L\u00e4cheln erwi\u00adde\u00adre und die H\u00e4n\u00adde vor der Brust zum \u201eNamas\u00adte!\u201d an ein\u00adan\u00adder lege.<\/p>\n Eine der \u00e4lte\u00adren Frau\u00aden sagt etwas zu mir, und die j\u00fcn\u00adge\u00adren kichern.<\/p>\n Ich hebe die Augen\u00adbrau\u00aden und mei\u00adne Schul\u00adtern, zum Zei\u00adchen, dass ich nicht ver\u00adstan\u00adden habe, und sie f\u00fchrt Dau\u00admen und Zei\u00adge\u00adfin\u00adger der rech\u00adten Hand zu ihrem gespitz\u00adten Mund und tut so, als w\u00fcr\u00adde sie an ihren Fin\u00adger\u00adspit\u00adzen sau\u00adgen. Das ver\u00adste\u00adhe ich nat\u00fcr\u00adlich sofort und beei\u00adle mich, die Ziga\u00adret\u00adten\u00adschach\u00adtel aus mei\u00adner Tasche zu nesteln.<\/p>\n \u201e<\/span>Ah, Yak,\u201d mur\u00admelt die Frau bei\u00adf\u00e4l\u00adlig, und dann noch etwas ande\u00adres, wovon ich nur \u201eGai\u00adda\u201d ver\u00adste\u00adhe, aber da ich wei\u00df, dass \u201eGai\u00adda\u201d fil\u00adter\u00adlo\u00adse Ziga\u00adret\u00adten sind (fast so bil\u00adlig wie Bee\u00addies<\/a>), w\u00e4h\u00adrend \u201eYak<\/a>\u201d (mit Fil\u00adter) unter Tou\u00adris\u00adten als die ein\u00adzi\u00adge nepa\u00adle\u00adsi\u00adsche Sor\u00adte gilt, die man ohne Hus\u00adten\u00adan\u00adfall rau\u00adchen kann, kann ich mir den\u00adken, was sie gesagt hat. Ich bin jeden\u00adfalls froh, dass ihr mei\u00adne Glimms\u00adten\u00adgel zusa\u00adgen, bie\u00adte allen davon an und neh\u00adme selbst eine.<\/p>\n Jede Nepa\u00adli-Frau greift zu, aber nur die bei\u00adden Alten und eine der J\u00fcn\u00adge\u00adren las\u00adsen sich von mir Feu\u00ader geben, die ande\u00adren zwei ste\u00adcken sich ihre \u201eYak\u201d hin\u00adters Ohr.<\/p>\n War\u00adum hat die Lady wohl mich nach Ziga\u00adret\u00adten gefragt \u2013 und nicht die Nicht\u00adrau\u00adche\u00adrin Inge? Ganz sicher wir\u00adke ich nicht unge\u00ads\u00fcn\u00adder als mei\u00adne Freun\u00addin, son\u00addern momen\u00adtan sehe ich aus wie das bl\u00fc\u00adhen\u00adde Leben. Gero\u00adchen haben kann sie es eigent\u00adlich auch nicht; ich tra\u00adge fri\u00adsche Klei\u00addung und habe seit Stun\u00adden kei\u00adne geraucht\u2026<\/p>\n Eine Hexe, den\u00adke ich wieder.<\/p>\n Als sich die Frau\u00aden freund\u00adlich l\u00e4chelnd ver\u00adab\u00adschie\u00adden und wei\u00adter\u00adzie\u00adhen, atme ich erleich\u00adtert auf und f\u00fch\u00adle mich, als h\u00e4t\u00adte ich gera\u00adde eine schwie\u00adri\u00adge Pr\u00fc\u00adfung bestanden.<\/p>\n \u201e<\/span>Erstaun\u00adlich selbst\u00adbe\u00adwusst, die\u00adse Frau\u00aden,\u201d Inge ist fas\u00adzi\u00adniert, \u201ekannst du dir vor\u00adstel\u00adlen, von einer ganz nor\u00adma\u00adlen Inde\u00adrin \u2014 kei\u00adner Bett\u00adle\u00adrin, wohl\u00adge\u00admerkt \u2014 auf der Stra\u00ad\u00dfe wegen \u2018ner Ziga\u00adret\u00adte ange\u00adschnackt zu werden?\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Nein, abso\u00adlut nicht. Indi\u00adsche Frau\u00aden habe ich noch nicht ein\u00admal in der \u00d6ffent\u00adlich\u00adkeit rau\u00adchen sehen. Aber die gehen ja meist auch einen hal\u00adben Meter hin\u00adter ihrem Mann, das w\u00fcr\u00adde so eine Nepa\u00adli-Frau bestimmt nicht machen.\u201d<\/p>\n Wir gehen noch ein St\u00fcck wei\u00adter am See ent\u00adlang, aber schlie\u00df\u00adlich keh\u00adren wir um. Auf dem R\u00fcck\u00adweg stat\u00adten wir dem \u201eSnow\u00adland Restau\u00adrant\u201d einen Besuch ab und bestel\u00adlen die viel\u00adge\u00adr\u00fchm\u00adten R\u00f6s\u00adti, die unse\u00adren Erwar\u00adtun\u00adgen gerecht wer\u00adden und zart\u00adknusp\u00adrig auf der Zun\u00adge zergehen.<\/p>\n Anschlie\u00ad\u00dfend machen wir uns auf den Weg zum \u201eNew Green Lake Hotel\u201d und kom\u00admen dort gera\u00adde noch recht\u00adzei\u00adtig vor dem all\u00adabend\u00adli\u00adchen Strom\u00adaus\u00adfall an.<\/p>\n 26. Sep\u00adtem\u00adber<\/p>\n Nach einem klei\u00adnen Fr\u00fch\u00adst\u00fcck l\u00e4sst sich Inge im Hotel vier hart\u00adge\u00adkoch\u00adte Eier brin\u00adgen, die sie in (\u201ef\u00fcr unser Pick\u00adnick!\u201d) in ihrer Tasche verstaut.<\/p>\n Auf dem Weg zum Boots\u00adver\u00adleih kau\u00adfen wir noch Brot, ein paar klei\u00adne Bana\u00adnen und eine gro\u00ad\u00dfe Fla\u00adsche Bier, und ich las\u00adse mei\u00adne in Delhi gekauf\u00adte Ther\u00admos\u00adfla\u00adsche \u2013 ein herr\u00adlich kit\u00adschi\u00adges Ding, bedruckt mit in Bon\u00adbon\u00adfar\u00adben gehal\u00adte\u00adnen Por\u00adtraits ber\u00fchm\u00adter indi\u00adscher Film\u00adschau\u00adspie\u00adler \u2013 an einem Chai-Shop mit Milch\u00adtee auff\u00fcllen.<\/p>\n \u201e<\/span>Tschi\u00adni tschai\u00adna\u201d, sage ich, kein Zucker, und der alte Mann neben der Koch\u00adstel\u00adle sieht mich ungl\u00e4u\u00adbig an.<\/p>\n Mit bered\u00adten Ges\u00adten und weni\u00adgen eng\u00adli\u00adschen Wor\u00adten ver\u00adsucht er mir klar zu machen, dass Tee ohne Zucker nichts taugt, und ich ver\u00adste\u00adhe, dass er es nur gut mit mir meint. Zucker ist ein Ener\u00adgie\u00adspen\u00adder und macht den Tee, eben\u00adso wie das Milch\u00adpul\u00adver, nahr\u00adhaf\u00adter \u2013 und da Zucker ja auch Geld kos\u00adtet, gilt hier nor\u00adma\u00adler\u00adwei\u00adse: je s\u00fc\u00dfer, des\u00adto besser.<\/p>\n Schlie\u00df\u00adlich eini\u00adgen wir uns dar\u00adauf, dass er etwas Zucker in mei\u00adnen Tee sch\u00fct\u00adten darf, aber nicht soviel, wie er es \u00fcbli\u00adcher\u00adwei\u00adse zu tun pflegt.<\/p>\n Wenig sp\u00e4\u00adter sit\u00adzen Inge und ich in einem Ein\u00adbaum und ver\u00adsu\u00adchen, es vom Ufer weg in Rich\u00adtung See\u00admit\u00adte zu man\u00f6\u00advrie\u00adren. Es ist schwe\u00adrer zu steu\u00adern als eins der Pad\u00addel\u00adboo\u00adte, mit denen mei\u00adne Freun\u00adde und ich fr\u00fc\u00adher den Ober\u00adlauf der Als\u00adter unsi\u00adcher gemacht haben, aber nach eini\u00adgen Ver\u00adsu\u00adchen haben wir den Bogen schlie\u00df\u00adlich raus und sind unter\u00adwegs zum gegen\u00ad\u00fcber\u00adlie\u00adgen\u00adden Ufer.<\/p>\n Je wei\u00adter wir uns vom Ufer ent\u00adfer\u00adnen, des\u00adto ruhi\u00adger wird es.<\/p>\n Au\u00dfer unse\u00adrem Ein\u00adbaum sind blo\u00df zwei oder drei Boo\u00adte in wei\u00adter Fer\u00adne, am ande\u00adren Ende des Sees unter\u00adwegs, und bald h\u00f6ren wir nur noch das lei\u00adse pl\u00e4t\u00adschern\u00adde Ger\u00e4usch, das unse\u00adre Pad\u00addel machen, wenn sie die Was\u00adser\u00adober\u00adfl\u00e4\u00adche durch\u00adsto\u00ad\u00dfen. Ohne uns abge\u00adspro\u00adchen zu haben, legen Inge und ich die Pad\u00addel ins Boot, als wir die Mit\u00adte des Sees erreicht haben. Wir las\u00adsen uns trei\u00adben und genie\u00ad\u00dfen die Stil\u00adle und die Sch\u00f6n\u00adheit um uns herum.<\/p>\n Mein Herz wird ganz weit vor Gl\u00fcck. Die gan\u00adze Welt scheint azur\u00adblau zu sein \u2013 nicht nur das ruhi\u00adge Was\u00adser, das den Him\u00admel spie\u00adgelt, auch die Wol\u00adken, die Berg\u00adgip\u00adfel, ja sogar die B\u00e4u\u00adme und bewal\u00adde\u00adten H\u00fcgel rund um den See schim\u00admern bl\u00e4ulich.<\/p>\n Inge l\u00e4chelt selig und fragt: \u201eIst es nicht ein\u00adfach himm\u00adlisch hier?\u201d<\/p>\n \u201e<\/span>Ja, das ist es,\u201d best\u00e4\u00adti\u00adge ich, \u201eich f\u00fchl mich wie im Himmel.\u201d<\/p>\n \u00dcber uns ert\u00f6nt ein melo\u00addi\u00adscher Vogel\u00adruf. Ein gro\u00ad\u00dfer wei\u00ad\u00dfer Rei\u00adher fliegt \u00fcber unse\u00adre K\u00f6p\u00adfe hin\u00adweg zur ande\u00adren Sei\u00adte des Sees.<\/p>\n Wir ergrei\u00adfen die Pad\u00addel wie\u00adder und fol\u00adgen ihm, umfah\u00adren eine Land\u00adzun\u00adge und lan\u00adden in einer idyl\u00adli\u00adschen klei\u00adnen Bucht mit einem win\u00adzi\u00adgen, fla\u00adchen Sand\u00adstrand, die von der beleb\u00adten \u201eBaidam\u201d-Seite aus nicht ein\u00adseh\u00adbar ist. Wenn wir woll\u00adten, k\u00f6nn\u00adten wir sogar nackt baden, denn au\u00dfer eini\u00adgen brau\u00adnen K\u00fchen, die oben am Hang gra\u00adsen, ist hier kein Lebe\u00adwe\u00adsen zu sehen. Aber da der schma\u00adle Tram\u00adpel\u00adpfad, auf dem die K\u00fche gekom\u00admen sind, theo\u00adre\u00adtisch auch Zwei\u00adbei\u00adner in die Bucht f\u00fch\u00adren k\u00f6nn\u00adte, ver\u00adzich\u00adten wir darauf.<\/p>\n Nach\u00addem wir uns im kla\u00adren, k\u00fch\u00adlen Was\u00adser des Sees erfrischt haben, schl\u00fcp\u00adfen wir wie\u00adder in unse\u00adre Sachen und machen uns mit geseg\u00adne\u00adtem Appe\u00adtit \u00fcber unse\u00adre Ver\u00adpfle\u00adgung her.<\/p>\n Wei\u00adter\u00adle\u00adsen \u00bb Tren\u00adnungs-Tage\u00adbuch (8): I\u2019m free<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" 25. Sep\u00adtem\u00adber Nach dem Auf\u00adwa\u00adchen blei\u00adbe ich noch eine Wei\u00adle still lie\u00adgen, so lan\u00adge, bis ich ganz sicher bin, dass ich wirk\u00adlich nicht tr\u00e4u\u00adme. Aber nein, es ist wahr, ich bin tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich in Nepal \u2013 end\u00adlich am Ziel ange\u00adkom\u00admen. Aus dem Neben\u00adraum dringt Gepl\u00e4t\u00adscher; offen\u00adbar steht Inge unter der Dusche. Ob das Was\u00adser heu\u00adte mor\u00adgen \u2026 19. Ein himm\u00adli\u00adsches Pick\u00adnick<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":183,"menu_order":19,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"class_list":["post-293","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/293","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=293"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/293\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":298,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/293\/revisions\/298"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}
<\/a><\/p>\n
<\/a><\/p>\n
<\/a><\/p>\n
<\/a><\/p>\n
<\/a><\/p>\n
<\/a><\/p>\n
<\/a><\/p>\n
<\/a><\/p>\n