define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1402,"date":"2015-11-15T12:38:25","date_gmt":"2015-11-15T11:38:25","guid":{"rendered":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?p=1402"},"modified":"2016-09-27T11:35:22","modified_gmt":"2016-09-27T09:35:22","slug":"die-geister-der-moldau-kapitel-3-die-marionette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stefan-soyka.de\/?p=1402","title":{"rendered":"Die Geister der Moldau \u2014 Kapitel 3 Die Marionette"},"content":{"rendered":"

Der n\u00e4chs\u00adte Tag war ein Sonn\u00adabend, also kei\u00adne Vor\u00adle\u00adsun\u00adgen f\u00fcr mich. Maria hat\u00adte eine um acht in einem Insti\u00adtut in der N\u00e4he. Sie stu\u00addier\u00adte Medi\u00adzin, unse\u00adre Stu\u00addi\u00aden\u00adpl\u00e4\u00adne lie\u00adfen auf ganz ver\u00adschie\u00adde\u00adnen Glei\u00adsen. Ich streck\u00adte mich und dreh\u00adte mich noch ein\u00admal auf die ande\u00adre Sei\u00adte im Bett, als sie fort\u00adge\u00adgan\u00adgen war. Dann fiel mir das Wort ein, das Maria im Schlaf gesagt hat\u00adte, und mach\u00adte mich hell\u00adwach. War\u00adum rief sie nach ihrem Mann, warn\u00adte ihn, hat\u00adte Angst um ihn? Sie hat\u00adte doch gesagt, sie lie\u00adbe ihn nicht, hat\u00adte den Ring abge\u00adtan. Wovor hat\u00adte sie Angst? Es war mir klar, dass die Brie\u00adfe mit ihrer Angst zu tun, dass sie sie aus\u00adge\u00adl\u00f6st hat\u00adten. Was f\u00fcr Brie\u00adfe konn\u00adten das sein? War\u00adum h\u00e4t\u00adte ich sie lesen k\u00f6n\u00adnen und ande\u00adre nicht?<\/p>\n

Schlaf und Ruhe waren mir jetzt ver\u00adgan\u00adgen. Ich stand auf und fing an, mei\u00adnen klei\u00adnen Haus\u00adhalt in Ord\u00adnung zu brin\u00adgen. Ein klei\u00adnes H\u00e4uf\u00adchen von Str\u00fcmp\u00adfen und W\u00e4sche hat\u00adte sich ange\u00adsam\u00admelt, das nach Hau\u00adse zu schi\u00adcken sich nicht gelohnt h\u00e4t\u00adte. Ich nahm Sei\u00adfen\u00adpul\u00adver, Wasch\u00adzeug und die W\u00e4sche aus dem Schrank, dazu den gr\u00f6\u00df\u00adten mei\u00adner T\u00f6p\u00adfe, und ging hin\u00ad\u00fcber in den Wasch\u00adraum. W\u00e4h\u00adrend ich mich wusch, fing das Was\u00adser auf dem Gas\u00adko\u00adcher drau\u00ad\u00dfen in der Koch\u00adni\u00adsche an zu sau\u00adsen. Ich zog mich an, mach\u00adte die Lau\u00adge zurecht, und bald danach hing alles, im Frot\u00adtee\u00adtuch s\u00e4u\u00adber\u00adlich aus\u00adge\u00addr\u00fcckt, auf einer Lei\u00adne vor den ge\u00f6ff\u00adne\u00adten und fest\u00adge\u00adhak\u00adten Fens\u00adter\u00adfl\u00fc\u00adgeln in unse\u00adrem Zim\u00admer. Danach ging ich hin\u00adun\u00adter in die Kon\u00adsum\u00adfi\u00adlia\u00adle, um alles f\u00fcr das Wochen\u00aden\u00adde ein\u00adzu\u00adkau\u00adfen, und deck\u00adte den Tisch. Wir wech\u00adsel\u00adten uns ab, Maria und ich. Jede hat\u00adte eine Woche lang f\u00fcr das N\u00f6ti\u00adge zu sorgen.<\/p>\n

\"B\u00fcrgerh\u00e4user<\/a>
B\u00fcr\u00adger\u00adh\u00e4u\u00adser in der Spornergasse<\/figcaption><\/figure>\n

Maria kam. Sie hat\u00adte sonst hel\u00adle Haut, ohne dabei blass aus\u00adzu\u00adse\u00adhen. Heu\u00adte war sie blass. Ich ver\u00admiss\u00adte die blaue Blu\u00adme am Auf\u00adschlag ihres Kos\u00adt\u00fcms, oder viel\u00admehr: ich ver\u00admiss\u00adte sie nicht, ja, ich h\u00e4t\u00adte sie im Stil\u00adlen dazu begl\u00fcck\u00adw\u00fcnscht, h\u00e4t\u00adte ihre Bl\u00e4s\u00adse mir kei\u00adne Angst gemacht.<\/p>\n

Sie war eilig die Trep\u00adpe her\u00adauf\u00adge\u00adkom\u00admen und trat ins Zim\u00admer wie auf der Flucht vor irgend\u00adet\u00adwas, obwohl es kei\u00adnen ver\u00adn\u00fcnf\u00adti\u00adgen Grund daf\u00fcr zu geben schien. Aber ich hat\u00adte das Gef\u00fchl, als h\u00e4t\u00adte sie am liebs\u00adten den Schl\u00fcs\u00adsel im T\u00fcr\u00adschloss hin\u00adter sich umgedreht.<\/p>\n

Sie hat\u00adte ein Str\u00e4u\u00df\u00adchen von Him\u00admel\u00adschl\u00fcs\u00adseln in der Hand, auf mich wirk\u00adte es wie der Ver\u00adsuch, mir Behag\u00adlich\u00adkeit und Mu\u00dfe vor\u00adzu\u00adt\u00e4u\u00adschen. Denn wer bleibt schon an einer Stra\u00ad\u00dfen\u00adecke ste\u00adhen bei einer Frau mit einem Blu\u00admen\u00adkorb oder auch am Blu\u00admen\u00admarkt, um Blu\u00admen zu kau\u00adfen, wenn er nicht Mu\u00dfe hat und sich behag\u00adlich f\u00fchlt?<\/p>\n

\u201e<\/span>Ah! Milch\u00adbr\u00f6t\u00adchen\u201d, sag\u00adte sie mit einem Blick auf den gedeck\u00adten Tisch, aber es klang nicht, als h\u00e4t\u00adte sie viel Freu\u00adde dran. Sie nahm ein Glas aus dem Schrank, hol\u00adte Was\u00adser im Wasch\u00adraum. Sie stell\u00adte es mit den Him\u00admel\u00adschl\u00fcs\u00adseln auf den Tisch zwi\u00adschen ihren Platz und meinen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Wie zu Hau\u00adse\u201d, sag\u00adte ich. \u201eDa haben wir sie immer gepfl\u00fcckt, zu Ostern oben im Gebir\u00adge. Dort waren die Wie\u00adsen ganz gol\u00adden.\u201d Aber es klang nicht viel mun\u00adte\u00adrer. Flau und fade war die Luft im Zim\u00admer. Maria zog sich die Jacke aus und setz\u00adte sich.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich glau\u00adbe, ich habe mich bl\u00f6d auf\u00adge\u00adf\u00fchrt ges\u00adtern abend\u201d, sag\u00adte sie im Tone der Ent\u00adschul\u00addi\u00adgung. \u201eIch woll\u00adte Sie ja nicht belei\u00addi\u00adgen, ich war blo\u00df so \u2014 so ner\u00adv\u00f6s. Es tut mir leid jetzt.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Ach, las\u00adsen Sie doch, reden wir nicht mehr davon.\u201d Ich strich mein Br\u00f6t\u00adchen, mir schmeck\u00adte es.<\/p>\n

\u201e<\/span>Nein, nein\u201d, beharr\u00adte sie, \u201ees muss Ihnen schon komisch vor\u00adge\u00adkom\u00admen sein. Viel\u00adleicht kann ich es Ihnen erkl\u00e4\u00adren eines Tages \u2013\u201d sie zuck\u00adte die Schul\u00adtern, \u201eNur \u2014 bis dahin \u2014 bit\u00adte spre\u00adchen Sie zu nie\u00adman\u00adden davon ja? Es ist komisch\u201d, fuhr sie fort, um mei\u00adne Bemer\u00adkung abzu\u00adfan\u00adgen, dass eine sol\u00adche Mah\u00adnung nicht n\u00f6tig sei, \u201ezu Ihnen habe ich Ver\u00adtrau\u00aden. Ich wei\u00df nicht, wieso.\u201d<\/p>\n

Die Mah\u00adnung zum Schwei\u00adgen hat\u00adte mich aller\u00addings gekr\u00e4nkt. Als gin\u00adge ich wie eine Els\u00adter von Haus zu Haus, das Neu\u00ades\u00adte aus\u00adzu\u00adtrat\u00adschen. \u201eViel\u00adleicht h\u00e4ngt das mit mei\u00adnem ehr\u00adli\u00adchen Gesicht zusam\u00admen\u201d, mein\u00adte ich etwas sp\u00f6t\u00adtisch. \u201eUnd so sehr gro\u00df ist das Ver\u00adtrau\u00aden ja nun auch wie\u00adder nicht.\u201d<\/p>\n

Sie \u00fcber\u00adh\u00f6r\u00adte mei\u00adne Auf\u00adfor\u00adde\u00adrung zur mehr Offenheit.<\/p>\n

\u201e<\/span>Manch\u00admal m\u00f6ch\u00adte ich weit weg\u201d, sag\u00adte sie, \u201eam liebs\u00adten \u00fcbers Meer. Hier bleibt man immer in allem drin, man kann nicht davor weglaufen.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Auf dem Meer ist es nicht gem\u00fct\u00adlich, jetzt, mit\u00adten im Krieg\u201d, sag\u00adte ich.<\/p>\n

\u201e<\/span>F\u00fcr mich ist es hier auch nicht mehr sehr gem\u00fct\u00adlich\u201d, erwi\u00adder\u00adte sie und r\u00fchr\u00adte in ihrer Tee\u00adtas\u00adse. Nun stand das Geheim\u00adnis wie\u00adder im Raum, an dem ich kei\u00adnen Anteil hat\u00adte. Pl\u00f6tz\u00adlich hat\u00adte ich kei\u00adne Lust mehr, mehr dar\u00ad\u00fcber zu erfah\u00adren. Es war, als m\u00fcss\u00adte es den sanf\u00adten Schlei\u00ader zer\u00adrei\u00ad\u00dfen, der \u00fcber die\u00adse Stadt gewor\u00adfen war. Nein, ich woll\u00adte mir von Hirn\u00adge\u00adspins\u00adten die\u00adsen Zau\u00adber nicht zer\u00adst\u00f6\u00adren lassen.<\/p>\n

Des\u00adhalb ant\u00adwor\u00adte\u00adte ich etwas schnip\u00adpisch \u201eAlso, per\u00ads\u00f6n\u00adlich f\u00fch\u00adle ich mich hier wun\u00adder\u00adbar\u201d, und wir been\u00adde\u00adten unser Fr\u00fch\u00adst\u00fcck in Schweigen.<\/p>\n

Maria lag den Vor\u00admit\u00adtag \u00fcber auf ihrem Bett, ein paar B\u00fccher um sich her. Ich bemerk\u00adte, dass ihr Blick oft \u00fcber den Buch\u00adrand hin\u00adweg ins Lee\u00adre schweif\u00adte. Ich sah das, weil ich sel\u00adber zuwei\u00adlen vor mich hin ins Lee\u00adre sah, \u00fcber mei\u00adnen Zet\u00adtel mit den Ver\u00adsen gebeugt und den Kopf in bei\u00adde H\u00e4n\u00adde gest\u00fctzt. M\u00fch\u00adsam hat\u00adte ich wie\u00adder zusam\u00admen\u00adge\u00adholt, was mir am Abend vor\u00adher ein\u00adge\u00adfal\u00adlen war. Aber neue Gedan\u00adken woll\u00adten sich nicht ein\u00adstel\u00adlen. Ich f\u00fchl\u00adte mich elend. Ich glaub\u00adte sicher, dass Maria sich aus\u00adge\u00adspro\u00adchen h\u00e4t\u00adte, dass sie zumin\u00addest vage ihre Sor\u00adgen mir geschil\u00addert h\u00e4t\u00adte, h\u00e4t\u00adte ich sie nicht so ange\u00adfah\u00adren. Es war mei\u00adne eige\u00adne Schuld, dass sie jetzt wei\u00adter alles mit sich abzu\u00adma\u00adchen hat\u00adte, obwohl ich noch am Mor\u00adgen gew\u00fcnscht hat\u00adte, es m\u00f6ch\u00adte mit den Heim\u00adlich\u00adkei\u00adten ein Ende haben. Aber jetzt, da sie mir nahe kamen, die\u00adse Heim\u00adlich\u00adkei\u00adten, konn\u00adte ich pl\u00f6tz\u00adlich doch nicht mehr w\u00fcn\u00adschen, sie zu wis\u00adsen. Denn immer noch hat\u00adte ich ihren angst\u00advol\u00adlen Aus\u00adruf im Ohr: \u201eNicht doch, G\u00f6tz, sie bren\u00adnen dich!\u201d<\/p>\n

Gegen Mit\u00adtag brach die Son\u00adne durch die Wol\u00adken. Sie zeich\u00adne\u00adte vor dem Fens\u00adter einen hel\u00adlen und war\u00admen Fleck aufs Lin\u00adole\u00adum, und die Schei\u00adben der gegen\u00ad\u00fcber gele\u00adge\u00adnen, ge\u00f6ff\u00adne\u00adten Fens\u00adter spie\u00adgel\u00adten sie auch in die fer\u00adne\u00adren Win\u00adkel uns\u00adres Zim\u00admers. Maria z\u00fcn\u00adde\u00adte sich jetzt sel\u00adte\u00adner eine Ziga\u00adret\u00adte an und blies den Rauch nicht mehr so hef\u00adtig, fast zor\u00adnig aus. End\u00adlich stand sie vom Bett auf und r\u00fcck\u00adte sich einen Stuhl ans Fens\u00adter in die Son\u00adne. Behag\u00adlich lehn\u00adte sie sich zur\u00fcck und genoss die Son\u00adnen\u00adw\u00e4r\u00adme. Es schien so, als wiche der Alb der Nacht lang\u00adsam von ihr, als fl\u00fcch\u00adte\u00adten die d\u00fcs\u00adte\u00adren Geis\u00adter aus unse\u00adren vier W\u00e4n\u00adden, die sich den Mor\u00adgen \u00fcber so z\u00e4he fest\u00adge\u00adsetzt hatten.<\/p>\n

End\u00adlich schlug sie vor, wir soll\u00adten gemein\u00adsam zum Mit\u00adtag\u00adessen gehen. Die Vege\u00adtar\u00adna schien uns f\u00fcr den Fei\u00ader\u00adtag zu b\u00fcr\u00adger\u00adlich. Wir beschlos\u00adsen, uns aus der reich\u00adhal\u00adti\u00adge\u00adren und viel\u00adsei\u00adti\u00adge\u00adren Tages\u00adkar\u00adte eines B\u00fcfetts ein klei\u00adnes Men\u00fc zusam\u00admen zu pfl\u00fc\u00adcken, das in all\u00adge\u00admei\u00adnen nicht viel teu\u00adrer war als die gebra\u00adte\u00adnen Gem\u00fc\u00adse\u00adklop\u00adse in der Vege\u00adtar\u00adna, die Fleisch vor\u00adt\u00e4usch\u00adten, ohne Fleisch zu sein. So wand\u00adten wir uns nicht abw\u00e4rts zur Stadt, son\u00addern auf\u00adw\u00e4rts zu einen nahe gele\u00adge\u00adnen Platz, wo sich die gro\u00df\u00adst\u00e4d\u00adti\u00adsche Betrieb\u00adsam\u00adkeit des Wen\u00adzels\u00adplat\u00adzes auf einem pro\u00advin\u00adzi\u00adel\u00adle\u00adren Grun\u00adde abspielte.
\n
\nIm ers\u00adten B\u00fcfett fan\u00adden wir nichts, das uns gefiel. Man konn\u00adte dann ohne irgend\u00adwel\u00adche Pein\u00adlich\u00adkeit wie\u00adder gehen und den Bon leer, wie man ihm am Ein\u00adgang bekom\u00admen hat\u00adte, am Aus\u00adgang wie\u00adder abge\u00adben. Im zwei\u00adten B\u00fcfett fan\u00adden wir, was wir such\u00adten. Auch eine Sup\u00adpe geneh\u00admig\u00adten wir uns und sp\u00e4\u00adter einen Nachtisch.<\/p>\n

Auf sol\u00adche Wei\u00adse ange\u00adnehm ges\u00e4t\u00adtigt, bum\u00admel\u00adten wir \u00fcber den Markt, der hier fast die gan\u00adze Brei\u00adte des Plat\u00adzes ein\u00adnahm: bun\u00adter l\u00e4nd\u00adli\u00adcher Fle\u00adcken am Ran\u00adde der Gro\u00df\u00adstadt\u00adstra\u00ad\u00dfe, wo die B\u00e4ue\u00adrin\u00adnen mit schwar\u00adzem Kopf\u00adtuch und steif gef\u00e4l\u00adtel\u00adtem schwar\u00adzen Rock ihre Ware feil\u00adhiel\u00adten. Drau\u00ad\u00dfen im Reich hat\u00adten die Schau\u00adfens\u00adter sich l\u00e4ngst geleert und die M\u00e4rk\u00adte waren zusam\u00admen\u00adge\u00adschrumpft. Auch hier gab es die St\u00e4n\u00adde mit Mast\u00adg\u00e4n\u00adsen nicht mehr, von denen man\u00adche noch sehn\u00ads\u00fcch\u00adtig erz\u00e4hl\u00adten. Die gold\u00adgel\u00adbe But\u00adter im Fass sah man nur sel\u00adten, die Vor\u00adr\u00e4\u00adte an Lebens\u00admit\u00adteln \u00fcber\u00adhaupt waren mager gewor\u00adden. Aber da, wo etwas fehl\u00adte, hat\u00adte man den Stand auf ande\u00adre Wei\u00adse wie\u00adder her\u00adaus\u00adstaf\u00adfiert mit Din\u00adgen, die zu kau\u00adfen jedem erlaubt war ohne amt\u00adli\u00adche Genehmigung.<\/p>\n

Da gab es alles, was kunst\u00adfer\u00adti\u00adge H\u00e4n\u00adde aus Holz schnit\u00adzen, aller\u00adlei h\u00f6l\u00adzer\u00adnes Spiel\u00adzeug, Wet\u00adter\u00adh\u00e4us\u00adchen und Pup\u00adpen\u00adk\u00f6p\u00adfe f\u00fcrs Kas\u00adper\u00adle\u00adthea\u00adter, Quir\u00adle, R\u00fchr\u00adl\u00f6f\u00adfel und Holz\u00adpan\u00adti\u00adnen. Kin\u00adder mus\u00adter\u00adten sach\u00adge\u00adm\u00e4\u00df das ange\u00adbo\u00adte\u00adne Spiel\u00adzeug mit den Gesich\u00adtern von Erwach\u00adse\u00adnen, am Stiel vor sich her\u00adtra\u00adgend eine gro\u00ad\u00dfe Wol\u00adke von s\u00fc\u00dfem, roten Schaum, an dem sie genie\u00ad\u00dfe\u00adrisch nagten.<\/p>\n

Wir taten es ihnen nach. Nat\u00fcr\u00adlich schmeck\u00adte es nach nichts. Es war Ersatz, aber was f\u00fcr ein pr\u00e4ch\u00adti\u00adger, locken\u00adder wehen\u00adder Ersatz f\u00fcr soli\u00adde\u00adres Naschwerk.<\/p>\n

Die Schaum\u00adwol\u00adke vor uns her\u00adtra\u00adgend, schlen\u00adder\u00adten wir vor\u00adbei an den Buden vol\u00adler Glas\u00adku\u00adgeln, Per\u00adlen\u00adge\u00adh\u00e4n\u00adge und flim\u00admern\u00addem Tand, an den St\u00e4n\u00adden vol\u00adler Blu\u00admen, mit Tan\u00adnen\u00adrei\u00adsig aus\u00adge\u00adschm\u00fcckt, die wie bun\u00adte Tup\u00adfen hier und da ein\u00adge\u00adstreut waren.<\/p>\n

Auf der Stra\u00ad\u00dfe dr\u00fc\u00adben \u2014 Maria stie\u00df mich an und deu\u00adte\u00adte mit dem Stiel ihrer Schaum\u00adflo\u00adcke hin\u00ad\u00fcber \u2014 fuhr eben eine Stra\u00ad\u00dfen\u00adbahn vor\u00adbei, geschm\u00fcckt mit Tan\u00adnen\u00adgr\u00fcn und lan\u00adgen Ket\u00adten wei\u00ad\u00dfer Papier\u00adblu\u00admen. Man konn\u00adte vorn das Hoch\u00adzeits\u00adpaar sit\u00adzen sehen, die Braut im wei\u00ad\u00dfen Staat und rosig behaucht von Gl\u00fcck, und hin\u00adter ihnen und um sie die fest\u00adlich geklei\u00adde\u00adte Ver\u00adwandt\u00adschaft, Onkels und Tan\u00adten und das Eltern\u00adpaar vom Lan\u00adde, alle st\u00e4d\u00adtisch ange\u00adtan, dem hohen Fest zulie\u00adbe. \u00dcber ihren Gespr\u00e4\u00adchen ver\u00adga\u00ad\u00dfen sie nicht, die Bli\u00adcke nach drau\u00ad\u00dfen schwei\u00adfen zu las\u00adsen, ob die fei\u00ader\u00adli\u00adchen Anstal\u00adten auch die geb\u00fchr\u00adli\u00adche Auf\u00admerk\u00adsam\u00adkeit f\u00e4n\u00adden. Die fan\u00adden sie. Die Kin\u00adder blie\u00adben ste\u00adhen mit offe\u00adnem Mund und ver\u00adga\u00ad\u00dfen ihren Schaum am Stiel. Auch die Erwach\u00adse\u00adnen blie\u00adben ste\u00adhen und l\u00e4chel\u00adten den Fah\u00adren\u00adden zu, und eine alte Frau schlug das Kreuz wie einen Segen f\u00fcr das jun\u00adge Paar.<\/p>\n

\u00dcber Mari\u00adas Gesicht ging ein Schatten.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich m\u00f6ch\u00adte wis\u00adsen, war\u00adum man bei Hoch\u00adzei\u00adten immer so lus\u00adtig ist\u201d, sag\u00adte sie d\u00fcs\u00adter. \u201eWie k\u00f6n\u00adnen die alle wis\u00adsen, was die Frau erwartet?\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Wie k\u00f6n\u00adnen sie wis\u00adsen, was den Mann erwar\u00adtet?\u201d frag\u00adte ich. \u201eSchlie\u00df\u00adlich ris\u00adkie\u00adren sie ja bei\u00adde etwas.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich glau\u00adbe, von M\u00e4n\u00adnern kommt mehr Ungl\u00fcck als von Frau\u00aden\u201d, sag\u00adte sie bit\u00adter. \u201eDie Frau\u00aden sind nur still und tra\u00adgen es halt in Got\u00adtes Namen. Aber das ist nichts f\u00fcr mich.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich habe nun mal das Bild Ihres Man\u00adnes gese\u00adhen\u201d, sag\u00adte ich z\u00f6gernd. \u201eIch fin\u00adde, er sieht gar nicht so aus, als k\u00f6nn\u00adte er eine Frau so ungl\u00fcck\u00adlich machen.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Oh, er ist edel\u201d, sag\u00adte sie mit zor\u00adni\u00adgem Nach\u00addruck. \u201eEr ist der edels\u00adte Mensch, den ich je gekannt habe. Des\u00adhalb habe ich ihn ja gehei\u00adra\u00adtet. Aber auch der edels\u00adte Mensch kann uner\u00adtr\u00e4g\u00adlich wer\u00adden, wenn ihm immer ande\u00adre Din\u00adge wich\u00adti\u00adger sind als sei\u00adne Frau, wenn er an ihnen h\u00e4ngt wie an sei\u00adnem Leben, w\u00e4h\u00adrend die Frau nur neben\u00adher zu lau\u00adfen hat wie ein gef\u00e4l\u00adli\u00adges, aber im Grun\u00adde doch l\u00e4s\u00adti\u00adges Anh\u00e4ngsel.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Aus wel\u00adchem Grund hat er Sie dann geheiratet?\u201d<\/p>\n

Sie zuck\u00adte die Ach\u00adseln. \u201eEr sagt, er liebt mich. Viel\u00adleicht tut er das auch \u2014 auf sei\u00adne Wei\u00adse. Ein\u00admal hat\u00adte ich sel\u00adber das Gef\u00fchl. Ich war sehr krank, wir waren schon ver\u00adhei\u00adra\u00adtet, und ich bekam pl\u00f6tz\u00adlich Diph\u00adthe\u00adrie, l\u00e4cher\u00adlich, eine Kin\u00adder\u00adkrank\u00adheit als ver\u00adhei\u00adra\u00adte\u00adte Frau. Aber es war scheu\u00df\u00adlich, ich war oft nahe am Ersti\u00adcken. Die Sprit\u00adzen ver\u00adtrug ich nicht, das Herz mach\u00adte nicht mehr rich\u00adtig mit. Damals ging er nicht von mei\u00adnem Bett. Pl\u00f6tz\u00adlich ganz nahe am Tode merk\u00adte ich, dass er mich wirk\u00adlich lieb\u00adte. Das hat mich wohl gesund gemacht. Aber wozu? War\u00adum zei\u00adgen Men\u00adschen eigent\u00adlich immer nur dann ihre Lie\u00adbe, wenn sie etwas ver\u00adlie\u00adren sollen?\u201d<\/p>\n

Ich wuss\u00adte kei\u00adne Ant\u00adwort. Wir waren zu der Stel\u00adle gekom\u00admen, wo der Markt zum Jahr\u00admarkt wur\u00adde. Den Karus\u00adsells zulie\u00adbe war hier die stren\u00adge Ord\u00adnung der Rei\u00adhen auf\u00adge\u00adl\u00f6st. Eine Schie\u00df\u00adbu\u00adde stell\u00adte sich uns quer in den Weg.<\/p>\n

Noch ehe ich begriff, was geschah, war Maria dar\u00adauf zuge\u00adgan\u00adgen, hat\u00adte ein paar Kro\u00adnen\u00adschei\u00adne auf den Tisch gelegt und nach dem Gewehr gegrif\u00adfen, das die rot\u00adba\u00adcki\u00adge Buden\u00adbe\u00adsit\u00adze\u00adrin ihr mit ungl\u00e4u\u00adbi\u00adgem L\u00e4cheln reich\u00adte. Ich trat neben sie. Nichts hat\u00adte ich jetzt weni\u00adger erwar\u00adtet als das. Scheu sah ich ihr von der Sei\u00adte her zu. Sie hat\u00adte den Kopf zur\u00fcck\u00adge\u00adlehnt. Das wei\u00df\u00adblon\u00adde Haar fiel ihr tief in den Nacken. Ihr K\u00f6r\u00adper hat\u00adte sich gestrafft, die Kon\u00adtu\u00adren des Gesichts, die sonst immer nur ver\u00adwischt schie\u00adnen, waren gespannt und klar.<\/p>\n

Da stand sie, das Gewehr an der Wan\u00adge, eine jun\u00adge G\u00f6t\u00adtin der Jagd, sch\u00f6n. wie ich sie nie vor\u00adher gese\u00adhen hat\u00adte, aber schreck\u00adlich zugleich.<\/p>\n

Da knall\u00adte der Schuss. Man sah den Bol\u00adzen nicht, er steck\u00adte in der schwar\u00adzen Mit\u00adte. Die Frau zog ihn her\u00adaus, in den Mie\u00adnen stand Respekt. Sie klapp\u00adte das Schloss auf, setz\u00adte den n\u00e4chs\u00adten Bol\u00adzen ein. Kin\u00adder und Erwach\u00adse\u00adne blie\u00adben hin\u00adter uns ste\u00adhen. Maria hob das Gewehr an die Wan\u00adge, ohne sich umzu\u00adse\u00adhen, ohne ein Wort. Sie ziel\u00adte, schoss ohne zu z\u00f6gern und traf wie\u00adder. Auch der drit\u00adte Bol\u00adzen sa\u00df in dem schwar\u00adzen Feld in der Mit\u00adte. Jetzt leg\u00adte sie das Gewehr hin. Eine Locke war ihr ins Gesicht gefal\u00adlen, sie strich sie zur\u00fcck. Ihr Gesicht war ger\u00f6\u00adtet, ange\u00adstrengt und erregt.<\/p>\n

Die Leu\u00adte klatsch\u00adten. Sie l\u00e4chel\u00adte halb ver\u00adle\u00adgen. Die Frau gab ihr einen klei\u00adnen B\u00e4ren, nicht gr\u00f6s\u00adser als eine Hand. An den Prei\u00adsen muss\u00adte offen\u00adbar gespart wer\u00adden, wenn das Gesch\u00e4ft sich aus\u00adzah\u00adlen soll\u00adte. Aber er war nied\u00adlich, hat\u00adte hel\u00adles, sei\u00adden\u00adwei\u00adches Fell und freund\u00adli\u00adche Knopf\u00adau\u00adgen. Wir tra\u00adten aus dem Kreis, der sich gebil\u00addet hat\u00adte und gin\u00adgen wei\u00adter. Sie gab mir den B\u00e4ren.<\/p>\n

\u201e<\/span>Da, neh\u00admen Sie ihn \u2014 als Andenken.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>War\u00adum behal\u00adten Sie ihn nicht \u2014 als Andenken? Ich h\u00e4t\u00adte nie geglaubt, dass Sie \u00fcber\u00adhaupt schie\u00ad\u00dfen k\u00f6n\u00adnen und gar so!\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Das hat er mich auch gelehrt, da war er gr\u00fcnd\u00adlich. Dabei moch\u00adte ich es gar nicht, zu schie\u00ad\u00dfen, er wuss\u00adte das sogar. Aber so kommt es dann. Ich has\u00adse es zu schie\u00ad\u00dfen, und trotz\u00addem bin ich stolz, dass ich drei\u00admal getrof\u00adfen habe. Nat\u00fcr\u00adlich bin ich stolz. Aber gleich\u00adzei\u00adtig ist es mir zuwi\u00adder, ich brau\u00adche kei\u00adne Erin\u00adne\u00adrung dar\u00adan. Neh\u00admen Sie ihn nur!\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Er ist so h\u00fcbsch! \u201d Ich strei\u00adchel\u00adte \u00fcber das fei\u00adne Fell.<\/p>\n

\u201e<\/span>Es ist im Gro\u00ad\u00dfen nicht anders\u201d, fuhr sie fort, und ich merk\u00adte, wie sie schon wie\u00adder zur\u00fcck\u00adwich in den Schat\u00adten. \u201eSie wol\u00adlen das Gute, aber die Mit\u00adtel sind b\u00f6se, m\u00fcs\u00adsen b\u00f6se sein. Es ist nett, dass ich einen Ted\u00addy\u00adb\u00e4\u00adren f\u00fcr Sie geschos\u00adsen habe\u201d \u2014 sie l\u00e4chel\u00adte, als sie merk\u00adte, was sie gesagt hat\u00adte, \u201ewenigs\u00adtens fin\u00adde ich es ganz nett. Aber ich has\u00adse Waf\u00adfen. War\u00adum kann man die Welt nicht las\u00adsen, wie sie ist? Oder sie wenigs\u00adtens behut\u00adsam ver\u00ad\u00e4n\u00addern? Wie das wei\u00adche Was\u00adser in Bewe\u00adgung mit der Zeit den m\u00e4ch\u00adti\u00adgen Stein besiegt. Du ver\u00adstehst: das Har\u00adte unterliegt.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Das ist gut, \u2014 woher haben Sie das?\u201d Sie sah mich von der Sei\u00adte an, halb miss\u00adtrau\u00adisch, halb, als erken\u00adne sie mich erst jetzt. Aber mei\u00adne Fra\u00adge war ganz naiv, eine Fra\u00adge nach sch\u00f6\u00adnen Wor\u00adten, nicht nach dem Sinn.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich habe es k\u00fcrz\u00adlich mal im Radio geh\u00f6rt, irgend\u00adwo, kei\u00adne Ahnung\u201d, erwi\u00adder\u00adte sie gleich\u00adg\u00fcl\u00adtig und bog unver\u00admit\u00adtelt zu den Luft\u00adschau\u00adkeln ab. Sie zahl\u00adte und war ein\u00adge\u00adstie\u00adgen, bevor ich hin\u00adter\u00adher\u00adkam. Nach eini\u00adgem Z\u00f6gern ent\u00adschloss ich mich lie\u00adber f\u00fcr das Ket\u00adten\u00adka\u00adrus\u00adsell, das neben\u00adan sei\u00adne Krei\u00adse schwang.<\/p>\n

Als ich wie\u00adder aus\u00adstieg, stand Maria an einer Bude, vor der ein Aus\u00adru\u00adfer den Zuschau\u00adern offen\u00adbar uner\u00adh\u00f6r\u00adte Wun\u00adder ver\u00adhie\u00df, wenn sie sich ent\u00adschlie\u00ad\u00dfen k\u00f6nn\u00adten, f\u00fcnf Kro\u00adnen f\u00fcr den Ein\u00adtritt in sei\u00adne Bude zu erle\u00adgen. Neben ihm stand ein unschein\u00adba\u00adrer, klei\u00adner Mann, zwer\u00adgen\u00adhaft, eine Pup\u00adpe offenbar.<\/p>\n

\u201e<\/span>Sehen Sie sich das an\u201d, sag\u00adte Maria. \u201eEs ist wirk\u00adlich erstaun\u00adlich. Ich ste\u00adhe jetzt schon eine Wei\u00adle hier. Der Mann r\u00fchrt sich nicht.\u201d<\/p>\n

Ich betrach\u00adte\u00adte die Figur mit dem knol\u00adli\u00adgen Gesicht, wie man es manch\u00admal an Wachs\u00adpup\u00adpen fin\u00addet, die drol\u00adlig wir\u00adken sol\u00adlen: knol\u00adli\u00adge Nase, knol\u00adli\u00adge Wan\u00adgen, knol\u00adli\u00adges Kinn, aber dabei nicht die fri\u00adschen Far\u00adben einer Pup\u00adpe, son\u00addern abge\u00adtra\u00adge\u00adne leder\u00adar\u00adti\u00adge Haut, sehr lebens\u00adecht gemacht. Die Pup\u00adpe trug eine Livree mit Lit\u00adzen und Gold\u00adkn\u00f6p\u00adfen, sie war abge\u00adwetzt und hat\u00adte ihren Glanz ver\u00adlo\u00adren. Vie\u00adle Jahr\u00adm\u00e4rk\u00adte moch\u00adten ihr mit ihrer Son\u00adne und mit ihrem Regen die Far\u00adbe aus\u00adge\u00adwa\u00adschen haben. An Armen und Bei\u00adnen der Figur waren Dr\u00e4h\u00adte befes\u00adtigt, die von der Decke des Podi\u00adums her\u00adab\u00adhin\u00adgen. Der Aus\u00adru\u00adfer mit einem Cow\u00adboy\u00adhut und Gold\u00adfran\u00adsen an den Hosen deu\u00adte\u00adte hin und wie\u00adder auf die Pup\u00adpe, die kei\u00adner\u00adlei Mie\u00adne mach\u00adte, ihre K\u00fcns\u00adte zu zeigen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Es ist kein Mann\u201d, sag\u00adte ich. \u201eEs ist eine Pup\u00adpe. Wozu w\u00e4ren sonst die Dr\u00e4h\u00adte da?\u201d<\/p>\n

Maria zuck\u00adte die Ach\u00adseln. \u201eIch wei\u00df nicht. Ich mein\u00adte vor\u00adhin, er h\u00e4t\u00adte sich ein klein wenig bewegt. Aber viel\u00adleicht ist auch blo\u00df jemand ange\u00adsto\u00ad\u00dfen. Ich kann mir auch nicht den\u00adken, dass ein Mensch so lan\u00adge so still ste\u00adhen kann.\u201d<\/p>\n

Eini\u00adge der Zuschau\u00ader lie\u00ad\u00dfen sich locken, erklom\u00admen die Stu\u00adfen zum Podi\u00adum, zahl\u00adten und ver\u00adschwan\u00adden hin\u00adter dem dunk\u00adlen Vor\u00adhang. Sie w\u00fcr\u00adden drin eine gan\u00adze Wei\u00adle zu war\u00adten haben, ehe sich der Raum gef\u00fcllt hat\u00adte. Es war nicht abzu\u00adse\u00adhen, wie lan\u00adge wir noch ste\u00adhen m\u00fcss\u00adten, um zu erfah\u00adren, ob es ein Mann oder eine Pup\u00adpe war, und es war nicht ein\u00admal sicher, ob wir es dann erfah\u00adren w\u00fcrden.<\/p>\n

Jetzt deu\u00adte\u00adte der Aus\u00adru\u00adfer wie\u00adder auf sei\u00adnen Lock\u00advo\u00adgel. Der hob jetzt einen Arm, lang\u00adsam, ruck\u00adhaft, mecha\u00adnisch. Es war die Bewe\u00adgung einer Pup\u00adpe. Er senk\u00adte ihn wie\u00adder, hob den Anderen.<\/p>\n

Die Bewe\u00adgung war nicht mensch\u00adlich, ganz ohne Zwei\u00adfel. Es war eine Pup\u00adpe. Jetzt hob der Mann sie an den Ell\u00adbo\u00adgen hoch und setz\u00adte sie ein St\u00fcck zur Sei\u00adte. Sie stand wie aus Holz.<\/p>\n

\u201e<\/span>Sie sehen doch, es ist eine Pup\u00adpe\u201d sag\u00adte ich, \u201eWir k\u00f6n\u00adnen hier noch ewig ste\u00adhen. Kom\u00admen Sie, wir gehen!\u201d<\/p>\n

Wir hat\u00adten seit\u00adw\u00e4rts vor der Bude gestan\u00adden, jetzt gin\u00adgen wir an ihr vor\u00adbei, immer noch die Augen auf die Pup\u00adpe gerich\u00adtet. Pl\u00f6tz\u00adlich traf mich etwas wie ein Don\u00adner\u00adschlag, durch die Augen brach es her\u00adein und ras\u00adte durch alle Glie\u00adder. Ich schloss die Augen, aber der Spuk war noch nicht vor\u00adbei. Ich war ste\u00adhen\u00adge\u00adblie\u00adben, mir war, als k\u00f6nn\u00adte ich nicht von der Stel\u00adle. Und es war wie ein uner\u00adtr\u00e4g\u00adli\u00adcher Zwang, die Augen wie\u00adder zu \u00f6ff\u00adnen und noch ein\u00admal in der\u00adsel\u00adben Rich\u00adtung zu sehen. Aber ich konn\u00adte es nicht und woll\u00adte es nicht und w\u00fcr\u00adde es nicht tun. So stand ich ein paar Augen\u00adbli\u00adcke lang da, die Augen fest zuge\u00adpresst, wie an den Boden geschmie\u00addet, und wuss\u00adte nicht, wie ich von hier fort\u00adkom\u00admen sollte.<\/p>\n

\u201e<\/span>Was ist Ihnen?\u201d frag\u00adte Maria und nahm mich am Arm. Ihre Stim\u00adme war sanft, ein Gegen\u00adzau\u00adber schien dar\u00adin zu sein. Ich konn\u00adte wie\u00adder gehen und mei\u00adne Augen in eine ande\u00adre Rich\u00adtung \u00f6ff\u00adnen. Aber in mei\u00adnen Knien war eine Schw\u00e4\u00adche, die ich kaum \u00fcber\u00adwin\u00adden konnte.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ist Ihnen nicht gut?\u201d frag\u00adte Maria noch ein\u00admal. \u201eWol\u00adlen wir lie\u00adber nach Hau\u00adse gehen?\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Es ist ein Mensch!\u201d sag\u00adte ich statt einer Antwort.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich wei\u00df\u201d, erwi\u00adder\u00adte sie. \u201eAn den Augen konn\u00adte man es sehen.\u201c<\/p>\n

Sie hat\u00adte auch die Augen gese\u00adhen! Aber in ihnen hat\u00adte sie nicht gese\u00adhen, was ich gese\u00adhen hat\u00adte. Die\u00adse Erkennt\u00adnis ber\u00fchr\u00adte mich fast noch grau\u00adsi\u00adger als der Blick in die Augen die\u00adser Mario\u00adnet\u00adte. Wie\u00adder muss\u00adte ich an Undi\u00adne den\u00adken und wie sie mit K\u00fch\u00adle\u00adborn, dem Was\u00adser\u00adgeist, Zwie\u00adspra\u00adche h\u00e4lt zum Schre\u00adcken der Menschen.<\/p>\n

Ich wag\u00adte nicht, zu sagen, was ich gese\u00adhen hat\u00adte. Aber in mir beweg\u00adte ich es hin und her, was da gesche\u00adhen sein konn\u00adte. Es gab nur eine Erkl\u00e4\u00adrung daf\u00fcr: die\u00adser Mann stand nicht so still, weil er sich beherr\u00adschen konn\u00adte. Eine sol\u00adche Beherr\u00adschung durch so lan\u00adge Zeit war fast unm\u00f6g\u00adlich, h\u00e4t\u00adte eine \u00fcber\u00admensch\u00adli\u00adche Kraft gekos\u00adtet. Er stand dar\u00adum so still, weil er sich sel\u00adber ganz aus dem K\u00f6r\u00adper zur\u00fcck\u00adge\u00adnom\u00admen hat\u00adte, ihn allein gelas\u00adsen hat\u00adte wie ein lee\u00adres Gef\u00e4\u00df. Alle Kr\u00e4f\u00adte aber, die wir Ande\u00adren st\u00e4n\u00addig an bewuss\u00adte oder unbe\u00adwuss\u00adte, sinn\u00advol\u00adle oder sinn\u00adlo\u00adse Bewe\u00adgung ver\u00adschwen\u00adden, waren gesam\u00admelt in sei\u00adnen Augen. Nur dort exis\u00adtier\u00adte er, und exis\u00adtier\u00adte so sehr, dass es mich getrof\u00adfen hat\u00adte wie ein elek\u00adtri\u00adscher Schlag.<\/p>\n

Die\u00adses fana\u00adti\u00adsche Zur\u00fcck\u00adneh\u00admen aller Kr\u00e4f\u00adte auf einen ein\u00adzi\u00adgen Punkt besch\u00e4f\u00adtig\u00adte mich noch lan\u00adge. Und noch lan\u00adge dach\u00adte ich an den klei\u00adnen geschun\u00adde\u00adnen, her\u00adum\u00adge\u00adsto\u00ad\u00dfe\u00adnen Mann auf dem Jahr\u00admarkt, der mich die\u00adses Geheim\u00adnis gelehrt hat\u00adte, wahr\u00adschein\u00adlich ohne mich wirk\u00adlich zu bemerken.<\/p>\n

Bei einem Bum\u00admel am Mold\u00adau\u00adkai in der N\u00e4he ihrer Insti\u00adtu\u00adte war Maria an einer Damp\u00adfer\u00adan\u00adle\u00adge\u00adstel\u00adle vor\u00adbei\u00adge\u00adkom\u00admen und hat\u00adte sich die Abfahrt\u00adzei\u00adten notiert. Der Sonn\u00adtag war son\u00adnig. So mein\u00adte sie, wir soll\u00adten eine Fahrt nach Stiech\u00ado\u00adwitz machen, sie habe von den St.-Johannis-Stromschnellen geh\u00f6rt, die soll\u00adten sehr ein\u00addrucks\u00advoll sein, und \u00fcber\u00adhaupt bek\u00e4\u00adme man auf die\u00adse Wei\u00adse erst mal ein St\u00fcck des Mol\u00addau\u00adlau\u00adfes zu Gesicht und k\u00f6nn\u00adte sich Punk\u00adte f\u00fcr sp\u00e4\u00adte\u00adre Aus\u00adfl\u00fc\u00adge vormerken.<\/p>\n

Ich war froh, von mei\u00adnem Blatt mit den Gedich\u00adten weg\u00adzu\u00adkom\u00admen, fal\u00adte\u00adte es aber dann doch zusam\u00admen und steck\u00adte es ein, dazu Papier und Blei\u00adstift, als ich sah, dass Maria einen Zei\u00adchen\u00adblock mitnahm.<\/p>\n

Es war ein wun\u00adder\u00advol\u00adler Mor\u00adgen, einer von denen, die frisch und wie neu blei\u00adben bis tief in den Vor\u00admit\u00adtag hin\u00adein. Maria wuss\u00adte den Weg. Sanft neig\u00adte er sich abw\u00e4rts, dem Was\u00adser zu, ein brei\u00adtes Gerie\u00adsel fla\u00adcher Stu\u00adfen zwi\u00adschen H\u00e4u\u00adsern und G\u00e4r\u00adten. St\u00e4r\u00adker weh\u00adte jetzt der Duft, der manch\u00admal auch bis in unse\u00adre Stra\u00ad\u00dfe sich ver\u00adirr\u00adte. Hier bl\u00fch\u00adte alles, rosig und wie Schnee. Die fei\u00ader\u00adli\u00adchen Kel\u00adche der Magno\u00adli\u00aden waren \u00fcber\u00adweit ge\u00f6ff\u00adnet und neig\u00adten sich zum Fall. Schon war der Rasen von ihren Bl\u00e4t\u00adtern bedeckt. Aber auch so, ganz nutz\u00adlos gewor\u00adden, waren sie noch sch\u00f6n, ein sei\u00addi\u00adges Feld, das auf\u00adgl\u00e4nz\u00adte unter den letz\u00adten Trop\u00adfen von Tau, wo die Son\u00adne durch die Zwei\u00adge fand.<\/p>\n

Man ahn\u00adte den Fluss schon, ehe man ihn sah. Es roch nach dem Teer von Boo\u00adten und Lan\u00adde\u00adste\u00adgen, und obwohl man hier das Brau\u00adsen des Was\u00adsers nicht h\u00f6r\u00adte wie wei\u00adter stromab am Wehr, schien der Strom doch mit die\u00adsem Duft von Teer und mit sei\u00adner gehei\u00admen Bewe\u00adgung uns unwi\u00adder\u00adsteh\u00adlich zu sich hinabzuziehen.<\/p>\n

Wir lie\u00adfen die Stu\u00adfen hin\u00adun\u00adter, bogen um aller\u00adlei Ecken und kamen end\u00adlich zum Was\u00adser. Am Ufer\u00adge\u00adl\u00e4n\u00adder ent\u00adlang schlen\u00adder\u00adte ein Mann, die H\u00e4n\u00adde in den Taschen sei\u00adnes Regen\u00adman\u00adtels. Er war nicht der ein\u00adzi\u00adge Mensch auf der Stra\u00ad\u00dfe. Hier und da kamen ande\u00adre allein oder in klei\u00adnen Grup\u00adpen, die offen\u00adbar eben\u00adso zur Damp\u00adfer\u00adan\u00adle\u00adge\u00adstel\u00adle streb\u00adten wie wir. Trotz\u00addem zog er die Bli\u00adcke auf sich, war\u00adum, das h\u00e4t\u00adte man kaum sagen k\u00f6n\u00adnen. Er mach\u00adte den Ein\u00addruck eines M\u00fc\u00dfig\u00adg\u00e4n\u00adgers, nicht gera\u00adde ele\u00adgant, aber auch nicht \u00e4rm\u00adlich und abgerissen.<\/p>\n

Sein Gang war es wahr\u00adschein\u00adlich, der ihn schon aus der Ent\u00adfer\u00adnung von Ande\u00adren unter\u00adschied. Er ging nicht geb\u00fcckt, aber sein gan\u00adzer K\u00f6r\u00adper neig\u00adte sich im Gehen nach vorn, so dass man nicht so sehr den Ein\u00addruck hat\u00adte, als gin\u00adge er, son\u00addern als lie\u00ad\u00dfe er bei jedem Schrit\u00adte sich nach vor\u00adne fal\u00adlen. Aus die\u00adser son\u00adder\u00adba\u00adren K\u00f6r\u00adper\u00adhal\u00adtung gewan\u00adnen sei\u00adne Schrit\u00adte etwas Schlei\u00adchen\u00addes, Laut\u00adlo\u00adses, M\u00fche\u00adlo\u00adses, als w\u00fcr\u00adde er gezogen.<\/p>\n

Die\u00adse Art zu gehen leuch\u00adte\u00adte mir ein; ich ver\u00adsuch\u00adte sie nach\u00adzu\u00adah\u00admen, w\u00e4h\u00adrend wir \u00fcber die Stra\u00ad\u00dfe gin\u00adgen, bis sich das Schwarz sei\u00adner sehr gro\u00ad\u00dfen Son\u00adnen\u00adbril\u00adle sozu\u00adsa\u00adgen dro\u00adhend auf uns rich\u00adte\u00adte. Da lie\u00df ich es sein. Im N\u00e4her\u00adkom\u00admen sahen wir, dass die Haut sei\u00adnes Gesichts von Pocken\u00adnar\u00adben zer\u00adris\u00adsen war. Ein zer\u00adst\u00f6r\u00adtes Gesicht war es, dem offen\u00adbar nur die schar\u00adfe Schw\u00e4r\u00adze der Son\u00adnen\u00adbril\u00adle Zusam\u00admen\u00adhalt und Fes\u00adtig\u00adkeit gab.<\/p>\n

Wir blie\u00adben am Gel\u00e4n\u00adder ste\u00adhen. Er ging an uns vor\u00adbei und ver\u00adhielt sei\u00adnen schlei\u00adchen\u00adden Schritt, unschl\u00fcs\u00adsig z\u00f6gernd am Pla\u00adkat der Damp\u00adfer\u00adan\u00adle\u00adge\u00adstel\u00adle. Es sah so aus, als war\u00adte er dar\u00adauf, wie wir uns ent\u00adschei\u00adden w\u00fcr\u00adden. Mich schau\u00adder\u00adte bei dem Gedan\u00adken, einen Mit\u00adfah\u00adrer von so teuf\u00adli\u00adschem \u00c4u\u00dfe\u00adren an Bord zu wis\u00adsen \u2014 das Mit\u00adleid, das wir sonst Ent\u00adstell\u00adten so leicht ent\u00adge\u00adgen\u00adbrin\u00adgen, kam mir hier nicht.<\/p>\n

Aber der uner\u00adw\u00fcnsch\u00adte Pas\u00adsa\u00adgier woll\u00adte sich nicht ent\u00adfer\u00adnen, er schlen\u00adder\u00adte jetzt vor der Trep\u00adpe zum Kai auf und ab und blick\u00adte hin und wie\u00adder die Stra\u00ad\u00dfe ent\u00adlang, als war\u00adte er auf jeman\u00adden oder auch auf uns. Die Sire\u00adne des Damp\u00adfers schrill\u00adte jetzt, wir muss\u00adten an Bord, wenn wir unse\u00adren Rei\u00adse\u00adplan nicht auf\u00adge\u00adben woll\u00adten. Und es war auch, wie ich gedacht hat\u00adte: kaum hat\u00adten wir die Kar\u00adten gel\u00f6st, da schien auch er ent\u00adschlos\u00adsen und betrat kurz nach uns das Schiff, das bald dar\u00adauf zu beben anfing von der Bewe\u00adgung der Moto\u00adren. Die Tros\u00adsen wur\u00adden gel\u00f6st, und wir fuhren.<\/p>\n

Es schien zuerst nicht, als such\u00adte er unse\u00adre N\u00e4he. Er lie\u00df sich am Heck des Schif\u00adfes nie\u00adder und z\u00fcn\u00adde\u00adte sich eine Ziga\u00adret\u00adte an, wie man durch die ver\u00adglas\u00adten Gang\u00adt\u00fc\u00adren sehen konn\u00adte. Wir blie\u00adben vorn am Bug.<\/p>\n

K\u00fchl weh\u00adte es vom Was\u00adser hoch und \u00fcbers Was\u00adser her. Im Mor\u00adgen\u00addunst blie\u00adben H\u00e4u\u00adser und T\u00fcr\u00adme der Stadt zur\u00fcck. W\u00e4h\u00adrend zur Rech\u00adten Smi\u00adchow vor\u00adbeiglitt, moder\u00adner Abschaum und d\u00fcs\u00adte\u00adrer Bezirk der Armut, Schutt\u00adhau\u00adfen, Gleis\u00adan\u00adla\u00adgen und ver\u00adru\u00df\u00adtes Mau\u00ader\u00adwerk, tauch\u00adte zur Lin\u00adken hoch \u00fcber den H\u00e4u\u00adsern der Wisch\u00adeh\u00adrad auf, Erin\u00adne\u00adrung an die sagen\u00adhaf\u00adten Anf\u00e4n\u00adge der Stadt. Ver\u00adeinsamt rag\u00adte er da in alter, neu\u00ader W\u00fcr\u00adde, zum Sonn\u00adtags\u00adspa\u00adzier\u00adgang f\u00fcr die Klein\u00adb\u00fcr\u00adger der Vor\u00adstadt gewor\u00adden, ohne Zusam\u00admen\u00adhang mit dem, was die Stadt bedeu\u00adte\u00adte, aus\u00adge\u00adschie\u00adden aus ihrem Bild, ein ver\u00adarm\u00adter, ver\u00adges\u00adse\u00adner Herr\u00adscher, der aus Gna\u00adde noch seit\u00adab resi\u00addie\u00adren darf. Und doch hat\u00adte auch er hier drau\u00ad\u00dfen sei\u00adne Rol\u00adle, die n\u00e4m\u00adlich: die Stadt nicht enden zu las\u00adsen drin, wo der Zau\u00adber des Sch\u00f6\u00adnen \u00fcber\u00adgeht in die Annehm\u00adlich\u00adkei\u00adten des Moder\u00adnen, ihren Geist auch hier drau\u00ad\u00dfen leben\u00addig zu hal\u00adten, wo sie fast schon endet und sich ver\u00adliert ins flach-h\u00fcge\u00adli\u00adge b\u00f6h\u00admi\u00adsche Land.<\/p>\n

Wie die Stadt weit \u00fcber sich sel\u00adber hin\u00adaus\u00adreich\u00adte, wie ihr Atem mol\u00addau\u00adauf\u00adw\u00e4rts weh\u00adte bis hin\u00adein in die Ber\u00adge und W\u00e4l\u00adder! Oder war es das Was\u00adser, das alles Sch\u00f6\u00adne magne\u00adtisch zu sich her\u00adzog, es \u00fcbertau\u00adte mit sei\u00adnen Dunst, ihm schmei\u00adchelnd sein Spie\u00adgel\u00adbild vorhielt?<\/p>\n

Es spie\u00adgel\u00adte die alte, absei\u00adti\u00adge Burg und die bl\u00fc\u00adhen\u00adden B\u00e4u\u00adme am Ufer, Es spie\u00adgel\u00adte die Fel\u00adsen von Bar\u00adran\u00addow, durch die es sich in alten Zei\u00adten den Weg gebro\u00adchen hat\u00adte hin\u00adun\u00adter in die Ebe\u00adne, die\u00adse bl\u00e4u\u00adlich duns\u00adti\u00adgen stei\u00adlen Abst\u00fcr\u00adze, die sei\u00adne Gewalt noch bezeu\u00adgen konn\u00adten, obwohl es jetzt still flo\u00df und fast unsicht\u00adbar. Es spie\u00adgel\u00adte die Nepo\u00admuk-Kir\u00adche, die \u00fcber Kuchel\u00adbad anmu\u00adtig und zier\u00adlich aus dem Berg\u00adwald auf\u00adragt. (Ich schlug das alles in einem alten Rei\u00adse\u00adf\u00fch\u00adrer nach, den ich vor\u00adsorg\u00adlich ein\u00adge\u00adsteckt hat\u00adte, um zu wis\u00adsen, was wir sehen w\u00fcr\u00adden.) Es spie\u00adgel\u00adte die Schl\u00f6s\u00adser von Komo\u00adran und K\u00f6nigsaal.<\/p>\n

Maria, die am Anfang der Fahrt fr\u00f6s\u00adtelnd den Kra\u00adgen ihrer Jacke zusam\u00admen\u00adge\u00adzo\u00adgen hat\u00adte, lehn\u00adte sich bald fr\u00f6h\u00adlich \u00fcber die Reling, sah leb\u00adhaft hin\u00ad\u00fcber und hin\u00adauf zu allem, was ich ihr im Tone des Frem\u00adden\u00adf\u00fch\u00adrers demons\u00adtrier\u00adte und wink\u00adte gar \u2014 ich staun\u00adte \u2014 den Weni\u00adgen zu, die es jetzt schon mit dem nassen<\/p>\n

Ele\u00adment auf\u00adneh\u00admen woll\u00adten und ihre roten, blau\u00aden, und gr\u00fc\u00adnen Kanus an Sei\u00adlen mol\u00addau\u00adauf\u00adw\u00e4rts zogen, um dann im Lauf des Tages sich behag\u00adlich wie\u00adder von der Str\u00f6\u00admung tal\u00adw\u00e4rts trei\u00adben zu lassen.<\/p>\n

Wie am ers\u00adten Tage schien es mir, als sei das Was\u00adser Mari\u00adas eigent\u00adli\u00adches Ele\u00adment. Hier war sie ganz frei, als wis\u00adse sie m\u00e4ch\u00adti\u00adge Geis\u00adter zu ihrem Schutz in der N\u00e4he. Sie atme\u00adte tie\u00adfer, mehr und mehr schien ihr Haar zu gl\u00e4n\u00adzen \u2014 aber das war nat\u00fcr\u00adlich eine T\u00e4u\u00adschung, nur, dass die Son\u00adne hel\u00adler und hel\u00adler durch den Mor\u00adgen\u00addunst brach. Die Schat\u00adten blie\u00adben zur\u00fcck.<\/p>\n

Und doch, dach\u00adte ich, wenn sie dem Ver\u00adschwim\u00admen\u00adden, Glei\u00adten\u00adden, Unge\u00adnau\u00aden so ver\u00adwandt ist \u2014 wie ver\u00adst\u00e4nd\u00adlich ist es dann, dass sie sich gegen har\u00adte, viel\u00adleicht lebens\u00adbe\u00addro\u00adhen\u00adde Ent\u00adschei\u00addun\u00adgen str\u00e4ubt, dass sie ein Feind sein muss von Auf\u00adruhr und Rebel\u00adli\u00adon. Denn \u00e4hn\u00adli\u00adches hat\u00adte ich doch aus ihren Wor\u00adten am Tage vor\u00adher ver\u00adstan\u00adden, wenn mir auch die Ein\u00adzel\u00adhei\u00adten, die Hin\u00adter\u00adgr\u00fcn\u00adde und Ursa\u00adchen unklar blie\u00adben. Ich dach\u00adte an ihr Wort vom wei\u00adchen Was\u00adser, das den Stein besiegt. Es war mir sch\u00f6n in Erin\u00adne\u00adrung, ich h\u00e4t\u00adte es jetzt gern wie\u00adder\u00adholt. Einen Augen\u00adblick lang dach\u00adte ich dar\u00adan, sie zu fra\u00adgen. Gl\u00fcck\u00adli\u00adcher\u00adwei\u00adse bemerk\u00adte ich sel\u00adber, wie grau\u00adsam und bos\u00adhaft es gewe\u00adsen w\u00e4re, sie wie\u00adder zur\u00fcck\u00adzu\u00adrei\u00ad\u00dfen in ihre alten Gedan\u00adken. Hier war alles neu. Nichts erin\u00adner\u00adte sie, nichts schreck\u00adte sie. End\u00adlich konn\u00adte sie froh sein.<\/p>\n

Wei\u00adter und wei\u00adter ent\u00adfern\u00adten sich die bl\u00fc\u00adhen\u00adden Ufer zu bei\u00adden Sei\u00adten vom Schiff, bis es end\u00adlich durch den rie\u00adsi\u00adgen Spie\u00adgel einer Tal\u00adsper\u00adre sei\u00adne sil\u00adber\u00adne Schnur zog und auf ein St\u00e4dt\u00adchen zuhielt, das am Fu\u00df kahl\u00adge\u00adschla\u00adge\u00adner H\u00e4n\u00adge sich aus\u00adbrei\u00adte\u00adte: Stiech\u00ado\u00adwitz, das Ziel unse\u00adrer Fahrt.<\/p>\n

Ich glau\u00adbe, wir hat\u00adten bei\u00adde den Pocken\u00adnar\u00adbi\u00adgen ganz ver\u00adges\u00adsen, als wir auf hal\u00adber H\u00f6he des Han\u00adges anhiel\u00adten und ihn pl\u00f6tz\u00adlich dicht hin\u00adter uns sahen. Schlei\u00adchen\u00adden Gan\u00adges n\u00e4her\u00adte er sich, ohne son\u00adder\u00adli\u00adche Eile, als lie\u00adge ihm durch\u00adaus nichts dar\u00adan, uns ein\u00adzu\u00adho\u00adlen. Aber er war schon so nahe her\u00adan\u00adge\u00adkom\u00admen, dass wir ihm nicht mehr ent\u00adkom\u00admen konn\u00adten, ohne uns l\u00e4cher\u00adlich zu machen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich h\u00e4t\u00adte eine Bit\u00adte\u201d, sag\u00adte er mit dunk\u00adler, nicht unan\u00adge\u00adneh\u00admer Stim\u00adme. (Ich ver\u00admerk\u00adte, dass er dabei die H\u00e4n\u00adde nicht aus den Taschen nahm). \u201eIch hat\u00adte auf Gesell\u00adschaft gehofft und bin allein gelas\u00adsen wor\u00adden, H\u00e4t\u00adten Sie wohl die Freund\u00adlich\u00adkeit, mich unter Ihre Fit\u00adti\u00adche zu neh\u00admen? Da Sie zu zweit sind, ist es ja kein Risi\u00adko f\u00fcr Sie.\u201d Dies letz\u00adte klang etwas unangenehm.<\/p>\n

Kei\u00adne von uns wun\u00adder\u00adte sich, dass er uns deutsch ansprach. Man sah es uns sicher an, dass wir Deut\u00adsche waren. Viel\u00adleicht hat\u00adte er uns auch schon mit\u00adein\u00adan\u00adder spre\u00adchen h\u00f6ren. Mich st\u00f6r\u00adte nur, dass ich sei\u00adner Aus\u00adre\u00adde nicht glau\u00adben konn\u00adte. Er nahm \u00dcbri\u00adgens auch jetzt nicht die Son\u00adnen\u00adbril\u00adle ab, wie es viel\u00adleicht h\u00f6f\u00adlich gewe\u00adsen w\u00e4re. Sie sa\u00df wei\u00adter mit\u00adten in sei\u00adnem blat\u00adter\u00adnar\u00adbi\u00adgen Gesicht wie eine Mas\u00adke. Was moch\u00adte er f\u00fcr Augen haben?<\/p>\n

Wir z\u00f6ger\u00adten bei\u00adde mit der Antwort.<\/p>\n

\u201e<\/span>Mein Name ist Peter Frit\u00adsche\u201d, f\u00fcg\u00adte er hin\u00adzu. \u201eEnt\u00adschul\u00addi\u00adgen Sie, dass ich mich nicht gleich vor\u00adge\u00adstellt habe. Ich w\u00fcr\u00adde gern mei\u00adnen Hut abneh\u00admen, wenn ich einen auf\u00adh\u00e4t\u00adte. lei\u00adder\u201d \u2014 er zuck\u00adte dabei mit den Ach\u00adseln, nahm aber die H\u00e4n\u00adde nicht aus den schr\u00e4\u00adgen Manteltaschen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Mei\u00adnet\u00adwe\u00adgen schlie\u00ad\u00dfen Sie sich uns an\u201d, sag\u00adte Maria k\u00fchl, zu einem Zeit\u00adpunkt, wo unser Schwei\u00adgen schon pein\u00adlich gewor\u00adden war. \u201eIch mag es eigent\u00adlich nicht, wenn Unbe\u00adkann\u00adte mich ansprechen.\u201d<\/p>\n

Mir schien, als f\u00e4r\u00adbe sieh sei\u00adne nar\u00adbi\u00adge Haut etwas dunk\u00adler. Immer\u00adhin wuss\u00adte er eine Antwort.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich dach\u00adte, in Stu\u00adden\u00adten\u00adkrei\u00adsen und auf Wan\u00adder\u00adwe\u00adgen ist so etwas eher erlaubt\u201d, erwi\u00adder\u00adte er etwas klein\u00adlau\u00adter als zu Anfang. \u201eEnt\u00adschul\u00addi\u00adgen Sie, ich will Sie mit mei\u00adner Gegen\u00adwart nicht bel\u00e4s\u00adti\u00adgen, wenn sie Ihnen so unan\u00adge\u00adnehm ist.\u201d<\/p>\n

Wie\u00adder hat\u00adte ich das Gef\u00fchl, er habe nichts weni\u00adger im Sinn, als wei\u00adter allein sei\u00adnen Weg zu gehen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Woher wis\u00adsen Sie, dass wir stu\u00addie\u00adren?\u201d frag\u00adte Maria auch wei\u00adter k\u00fchl, aber offen\u00adbar kam ihr das Mit\u00adleid, das bei mir immer noch auf sich war\u00adten lie\u00df, und sie woll\u00adte ihn nicht ein\u00adfach weg\u00adschi\u00adcken, aber ihm auch nicht aus\u00addr\u00fcck\u00adlich die Erlaub\u00adnis geben, uns zu begleiten.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich habe Sie in der Uni\u00adver\u00adsi\u00adt\u00e4t gese\u00adhen. Sie stu\u00addie\u00adren Medi\u00adzin, nicht wahr?\u201d Schon wie\u00adder woll\u00adte es mir schei\u00adnen, als l\u00fcge er, obwohl ich es ihm bei\u00adlei\u00adbe nicht h\u00e4t\u00adte nach\u00adwei\u00adsen k\u00f6n\u00adnen. Im Gegen\u00adteil, es war ganz unwahr\u00adschein\u00adlich, dass er aufs Gera\u00adte\u00adwohl gera\u00adten hat\u00adte. Er muss\u00adte es ja wis\u00adsen, sonst konn\u00adte er es kaum mit sol\u00adcher Sicher\u00adheit behaup\u00adten. Und doch \u2014 und doch -<\/p>\n

Wir stie\u00adgen inzwi\u00adschen wei\u00adter berg\u00adan, so ergab es sich ganz von selbst, dass er jetzt doch mit uns ging. Mari\u00adas Wor\u00adte schie\u00adnen aller\u00addings mein Gef\u00fchl zu best\u00e4tigen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Aber ich habe Sie nie gese\u00adhen\u201d, erwi\u00adder\u00adte sie.\u201d Stu\u00addie\u00adren Sie auch Medizin?\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich woll\u00adte es tun. Aber dann habe ich beschlos\u00adsen, lie\u00adber erst mal ein Semes\u00adter lang zu bum\u00admeln. Prag ist gra\u00adde die Stadt dazu, und ich kann es mir leis\u00adten.\u201d Wie\u00adder eine L\u00fcge? Lang\u00adsam fand ich mich sel\u00adber l\u00e4cher\u00adlich in mei\u00adnem Miss\u00adtrau\u00aden. War\u00adum soll\u00adte er uns das alles vor\u00adl\u00fc\u00adgen? Es konn\u00adte doch eben\u00adso gut wahr sein. Wenn er nur die Bril\u00adle abneh\u00admen w\u00fcr\u00adde! Aber er tat es nicht.<\/p>\n

Wir gin\u00adgen wei\u00adter mit\u00adein\u00adan\u00adder durch die W\u00e4l\u00adder, hin\u00adauf zu den Strom\u00adschnel\u00adlen. Er war kein unan\u00adge\u00adneh\u00admer Beglei\u00adter, nicht auf\u00addring\u00adlich, wie es am Anfang den Anschein gehabt hat\u00adte. Als ich ihn zum ers\u00adten Male gese\u00adhen hat\u00adte, war es mir erschie\u00adnen, als habe er sich mir v\u00f6l\u00adlig zu erken\u00adnen gege\u00adben. Der Unbe\u00adkann\u00adte, der noch kein Wort zu mir gesagt hat\u00adte, war mir ver\u00adtraut wie durch Jah\u00adre hin\u00addurch, faul, ver\u00adlo\u00adgen, arro\u00adgant, und \u00fcber dies alles hin\u00adaus wahr\u00adhaft teuf\u00adlisch, einer, der sich am Schick\u00adsal r\u00e4chen woll\u00adte f\u00fcr die b\u00f6se Gewalt, die sei\u00adnem Gesicht ange\u00adtan war.<\/p>\n

Jetzt wur\u00adde ich unsi\u00adcher. Er sprach fast nur mit Maria, obwohl er der H\u00f6f\u00adlich\u00adkeit wegen auch ein\u00admal an mich das Wort rich\u00adte\u00adte. In sei\u00adnem Gespr\u00e4ch zeig\u00adte er durch\u00adaus auch ange\u00adneh\u00adme Z\u00fcge. Von Arro\u00adganz war dar\u00adin nichts zu fin\u00adden, und zur Faul\u00adheit bekann\u00adte er sich sel\u00adber, mit ehr\u00adli\u00adcher Reue, so schien es, denn er frag\u00adte Maria mit viel Inter\u00ades\u00adse nach allen Ein\u00adzel\u00adhei\u00adten ihres Studiums.<\/p>\n

Ich f\u00fchl\u00adte mich beru\u00adhigt \u00fcber sei\u00adnen Cha\u00adrak\u00adter, obwohl ich das Gespr\u00e4ch der bei\u00adden etwas zu leb\u00adhaft fand nach so kur\u00adzer Bekannt\u00adschaft. Maria muss\u00adte ja f\u00fcr ihn ein jun\u00adges M\u00e4d\u00adchen sein, unge\u00adbun\u00adden, sie trug ja den Ring nicht mehr. Er schien ehr\u00adlich ent\u00adz\u00fcckt von ihrer Sch\u00f6n\u00adheit, und wer h\u00e4t\u00adte das auch nicht sein sol\u00adlen? Aber es gab kei\u00adne Kom\u00adpli\u00admen\u00adte, kei\u00adne alber\u00adne Schmei\u00adche\u00adlei. Ich konn\u00adte beru\u00adhigt sein, aber ich war es nicht.<\/p>\n

Ich w\u00fcnsch\u00adte jetzt, ich h\u00e4t\u00adte allein berg\u00adauf und berg\u00adab durch das feuch\u00adte Gr\u00fcn die\u00adses Wal\u00addes gehen k\u00f6n\u00adnen, der nir\u00adgends zu enden schien und von fern\u00adher durch\u00adt\u00f6nt war vom Rau\u00adschen der Mol\u00addau. Ich ver\u00adsuch\u00adte, mei\u00adne Ohren dem Gespr\u00e4ch zu ver\u00adschlies\u00adsen und nur auf den Frie\u00adden zu h\u00f6ren, der in der lei\u00adsen Bewe\u00adgung der Zwei\u00adge war. Ich atme\u00adte tief den har\u00adzi\u00adgen Duft der St\u00e4m\u00adme, ich blieb zur\u00fcck oder lief vor\u00adaus, um die Freu\u00adde wie\u00adder\u00adzu\u00adfin\u00adden, die vor\u00adhin auf dem Schiff dage\u00adwe\u00adsen und jetzt ver\u00adlo\u00adren war.<\/p>\n

Ich dach\u00adte an Felix Erlach. W\u00e4re er jetzt gekom\u00admen, h\u00e4t\u00adte er gesagt, was der ande\u00adre vor\u00adhin gesagt hat\u00adte, viel\u00adleicht h\u00e4t\u00adte ich dann Maria ver\u00adges\u00adsen k\u00f6n\u00adnen und all die\u00adse D\u00fcs\u00adter\u00adnis, die um sie her war. Ich dach\u00adte an sein Gesicht, an sein L\u00e4cheln vor jener T\u00fcr, die er mir auf\u00adhielt. Die Ver\u00adsu\u00adchung war so gro\u00df, zu fl\u00fcch\u00adten und zu ver\u00adges\u00adsen. Und w\u00e4h\u00adrend ich an sein L\u00e4cheln dach\u00adte, l\u00e4chel\u00adte ich sel\u00adber wie zur Ant\u00adwort. Fast war es schon gelun\u00adgen, das Ver\u00adges\u00adsen. Ich ging allein durch die\u00adsen Wald, der so feucht und so gr\u00fcn war, so durch\u00adt\u00f6nt von Wind und Was\u00adser, und nir\u00adgends ein Ende nahm.<\/p>\n

In die\u00adsem Augen\u00adblick wand\u00adte sich Maria um.<\/p>\n

\u201e<\/span>Was lachen Sie?\u201d rief sie zur\u00fcck, und es klang scharf, so wie ich sie nie hat\u00adte spre\u00adchen h\u00f6ren. \u201eSehen wir so komisch aus?\u201d<\/p>\n

Ich sch\u00fct\u00adtel\u00adte den Kopf.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich dach\u00adte an etwas ganz ande\u00adres\u201d, rief ich zur\u00fcck. Der Frie\u00adden war zer\u00adst\u00f6rt, ver\u00adlo\u00adren. Ich war wie\u00adder da, wo ich sein musste.<\/p>\n

In einem Bau\u00adern\u00adhof fan\u00adden wir eine Gast\u00adwirt\u00adschaft, sicht\u00adbar als Not\u00adbe\u00adhelf ein\u00adge\u00adrich\u00adtet. Es war wohl die gute Stu\u00adbe von einst, in die man uns, die G\u00e4s\u00adte, wies. Alles summ\u00adte dar\u00adin von Flie\u00adgen, wir muss\u00adten ihnen die Fens\u00adter \u00f6ff\u00adnen. In der Mut\u00adter\u00adgot\u00adtes-Ecke fla\u00adcker\u00adte unru\u00adhig das rote L\u00e4mp\u00adchen, Maria und ich wur\u00adden aufs Sofa gen\u00f6\u00adtigt, Peter Frit\u00adsche sa\u00df uns gegen\u00ad\u00fcber, das Gesicht im Licht.<\/p>\n

In die\u00adser Stu\u00adbe ereig\u00adne\u00adte es sich, dass Peter Frit\u00adsche sei\u00adne Son\u00adnen\u00adbril\u00adle abnahm. Z\u00f6gernd, bei\u00adna\u00adhe \u00e4ngst\u00adlich sahen danach wir bei\u00adde ihm ins Gesicht. Schon vor der Ent\u00adstel\u00adlung moch\u00adte es in sei\u00adnen Z\u00fcgen grob gewe\u00adsen sein, jetzt konn\u00adte man es noch weni\u00adger sch\u00f6n nen\u00adnen. Das Breit\u00adfl\u00e4\u00adchi\u00adge von dem R\u00fccken der kr\u00e4f\u00adti\u00adgen Nase bis zu den weit gestell\u00adten Backen\u00adkno\u00adchen war betont durch die Nar\u00adben, auch die Stirn war davon nicht ver\u00adschont, die \u00fcbri\u00adgens hoch war und nicht \u00fcbel geformt. Jetzt, da die Son\u00adnen\u00adbril\u00adle fehl\u00adte, gewann das kan\u00adti\u00adge Kinn an Ent\u00adschlos\u00adsen\u00adheit. Aber ent\u00adschie\u00adden und bestimmt wur\u00adde das Gesicht jetzt, wo sie sicht\u00adbar waren, von den Augen.<\/p>\n

So wie man staunt, wenn man vom Ran\u00adde eines \u00f6den, stein\u00adgrau\u00aden Fel\u00adsen\u00adkes\u00adsels unten auf dem Grund ein Was\u00adser leuch\u00adten sieht, sei\u00addig blau oder in lich\u00adtem Meer\u00adgr\u00fcn oder in der Far\u00adbe von Ame\u00adthyst, wie man sich dann stau\u00adnend fragt, wie aus so farb\u00adlo\u00adsem Grun\u00adde Was\u00adser von so wun\u00adder\u00adba\u00adrer Far\u00adbe ent\u00adsprin\u00adgen kann, so staun\u00adte man \u00fcber die Augen in der ver\u00adw\u00fcs\u00adte\u00adten Land\u00adschaft die\u00adses Gesichts.<\/p>\n

Frit\u00adsche tat unrecht dar\u00adan, die\u00adse Augen zu maskieren.Ich f\u00fchl\u00adte deut\u00adlich, wie augen\u00adblick\u00adlich in Maria sich etwas \u00e4nder\u00adte. Viel\u00adleicht war es Absicht gewe\u00adsen, dass er sie so lan\u00adge hin\u00adge\u00adhal\u00adten hat\u00adte mit der Durch\u00adschnitt\u00adlich\u00adkeit, ja, mit der Wid\u00adrig\u00adkeit sei\u00adnes Gesichts. dass er ver\u00adsucht hat\u00adte, sie erst mit Gespr\u00e4\u00adchen zu gewin\u00adnen, ehe er die Mas\u00adke von den Augen nahm. Ich wuss\u00adte nicht, ob ich ihm Unrecht tat mit die\u00adser Ver\u00admu\u00adtung, aber es war doch deut\u00adlich, dass er sich der Macht die\u00adser Augen bewusst war.Denn es war eine Gewalt in die\u00adsen Augen, die in kei\u00adnem Ver\u00adh\u00e4lt\u00adnis stand zu sei\u00adnen durch\u00adschnitt\u00adli\u00adchen Gespr\u00e4\u00adchen. Weni\u00adger war es ihre Far\u00adbe, die eigent\u00adlich kei\u00adne Far\u00adbe war. Etwas scharf Umgrenz\u00adtes, Hel\u00adles, Metal\u00adli\u00adsches, silb\u00adrig-grau h\u00e4t\u00adte man sie am ehes\u00adten nen\u00adnen k\u00f6n\u00adnen, aber sie waren nicht durch\u00adw\u00f6lkt oder umsternt wie Augen gew\u00f6hn\u00adlich sind, son\u00addern eher wie etwas mit der Hand gemach\u00adtes. So stark waren sie nicht, so gewal\u00adtig nicht wie die Augen jener \u2014 jener Mario\u00adnet\u00adte vom Tage vor\u00adher, aber es waren die Augen der Mario\u00adnet\u00adte, nur ein\u00adge\u00adf\u00fcgt in eine weni\u00adger l\u00e4cher\u00adli\u00adche, weni\u00adger \u00e4rm\u00adli\u00adche, weni\u00adger sub\u00adal\u00adter\u00adne Gestalt.<\/p>\n

Die\u00adse Augen schie\u00adnen das Gesicht auf\u00adzu\u00adhel\u00adlen, sie mach\u00adten das Dun\u00adkel der Nar\u00adben ver\u00adblas\u00adsen und bei\u00adna\u00adhe ver\u00adges\u00adsen. Maria, hat\u00adte ich ges\u00adtern noch gedacht, sei gefeit gegen sol\u00adchen Spuk. Jetzt merk\u00adte ich, dass sie es doch nicht war. Oder viel\u00adleicht war sie auf die\u00adsem St\u00fcck\u00adchen Weg, durch die\u00adses biss\u00adchen Gespr\u00e4ch schon ver\u00adwund\u00adbar gewor\u00adden, weil sie anfing, etwas zu f\u00fch\u00adlen: war es Mit\u00adleid, war es ein abson\u00adder\u00adli\u00adches Ent\u00adz\u00fc\u00adcken am H\u00e4ss\u00adli\u00adchen, da das Sch\u00f6\u00adne sie so ent\u00adt\u00e4uscht hat\u00adte? \u2014 oder war es, so dach\u00adte ich sp\u00e4\u00adter manch\u00admal, eine Art von Reue und Bu\u00dfe, ein Beweis, den sie gegen sich sel\u00adber zu f\u00fch\u00adren hat\u00adte, dass ihr nicht am \u00c4u\u00dfe\u00adren gele\u00adgen war, dass sie nur Lie\u00adbe woll\u00adte und nichts von dem, was Men\u00adschen sonst anzie\u00adhend und lie\u00adbens\u00adwert macht ?<\/p>\n

Hat\u00adte sie vor\u00adher im Gespr\u00e4ch doch immer noch einen etwas hoch\u00adm\u00fc\u00adti\u00adgen Ton ange\u00adschla\u00adgen, wie man zu einem Men\u00adschen redet, mit dem man sich nicht auf eine Stu\u00adfe stel\u00adlen m\u00f6ch\u00adte, so fing sie jetzt an, von gleich zu gleich mit ihm zu spre\u00adchen. Ich sah mit Schre\u00adcken, wie sie sich geschla\u00adgen gab. Zwar hat\u00adte ich mich schon vor\u00adher ver\u00adgeb\u00adlich gefragt, wie ihre Ehe noch zu ret\u00adten, wie\u00adder her\u00adzu\u00adstel\u00adlen sei. Noch nie vor\u00adher hat\u00adte ich mit Bewusst\u00adsein und aus der N\u00e4he eine Ehe aus\u00adein\u00adan\u00adder\u00adbre\u00adchen sehen. Trotz\u00addem sah ich ein, dass man die\u00adse ohne L\u00fcge und Unauf\u00adrich\u00adtig\u00adkeit nicht auf\u00adrecht\u00aderhal\u00adten konn\u00adte, wenn der Mann nicht bereit w\u00e4re, sein Leben neu und ganz anders anzufangen.<\/p>\n

Das war das eine, damit hat\u00adte ich mich z\u00f6gernd und wider\u00adstre\u00adbend abge\u00adfun\u00adden. Aber etwas ande\u00adres war es, sie schon so unbe\u00adfan\u00adgen und fast freund\u00adschaft\u00adlich mit dem Pocken\u00adnar\u00adbi\u00adgen reden zu h\u00f6ren, zu sehen, wie ihr Gesicht sich auf\u00adschloss vor dem for\u00addern\u00adden, metal\u00adli\u00adschen Blick die\u00adser Augen. Ich f\u00fchl\u00adte mich betei\u00adligt, ver\u00adant\u00adwort\u00adlich. Mir war, als m\u00fcss\u00adte ich Wor\u00adte fin\u00adden, ihn zu belei\u00addi\u00adgen, her\u00adab\u00adzu\u00adset\u00adzen, blo\u00df\u00adzu\u00adstel\u00adlen, den Bann die\u00adses ent\u00adschlos\u00adse\u00adnen Bli\u00adckes zu bre\u00adchen. Aber ich fand die Wor\u00adte nicht. So sa\u00df ich fast stumm mit am Tisch.<\/p>\n

Nach dem Essen gin\u00adgen wir quer durch den Wald zum Was\u00adser, wir erwar\u00adte\u00adten, die Mol\u00addau wie\u00adder\u00adzu\u00adfin\u00adden, das Bekann\u00adte im Unbe\u00adkann\u00adtem, den Strom, der auch die Stadt durch\u00adfloss. Aber als die B\u00e4u\u00adme sich lich\u00adte\u00adten, sahen wir da ein ganz frem\u00addes Gebirgs\u00adwas\u00adser \u00fcber die Stei\u00adne sprin\u00adgen, glas\u00adklar bis auf den fla\u00adchen Grund. In schnel\u00adlen silb\u00adri\u00adgen Wir\u00adbeln dreh\u00adte es sich am Ufer hin, spr\u00fch\u00adte trot\u00adzig auf, wo Fel\u00adsen ihm im Wege stan\u00adden, pl\u00e4t\u00adscher\u00adte und fl\u00fcs\u00adter\u00adte wei\u00adter \u00fcber das Gestein, vol\u00adler Eile, vol\u00adler Eile, fort\u00adzu\u00adkom\u00admen aus den dunk\u00adlen W\u00e4l\u00addern. So sind Kin\u00adder, denen es mit dem Her\u00adan\u00adwach\u00adsen nicht schnell genug gehen kann.<\/p>\n

Ent\u00adz\u00fcckt hol\u00adte Maria ihre Zei\u00adchen\u00admap\u00adpe her\u00adaus. Zum Malen waren wir aller\u00addings an den rich\u00adti\u00adgen Fleck gekom\u00admen: fluss\u00adauf\u00adw\u00e4rts neig\u00adten sich die Berg\u00adh\u00e4n\u00adge, mit dunk\u00adlen Tan\u00adnen bestan\u00adden, fei\u00ader\u00adlich und wie alt\u00adklug hin\u00adun\u00adter zu dem \u00fcber\u00adm\u00fc\u00adti\u00adgen Gew\u00e4s\u00adser, das unbe\u00adsorgt zwi\u00adschen ihnen hin\u00adtoll\u00adte, sozu\u00adsa\u00adgen, ohne Mah\u00adnung oder Rat von ihnen anzu\u00adneh\u00admen. Fluss\u00adab\u00adw\u00e4rts rag\u00adten Fel\u00adsen\u00adw\u00e4n\u00adde steil vom Ufer auf bis in den Him\u00admel. Her\u00adrisch stell\u00adten sie sich dem jun\u00adgen Fluss in den Weg, gebie\u00adte\u00adrisch dr\u00e4ng\u00adten sie ihn zur Sei\u00adte, dass er nichts ande\u00adres tun konn\u00adte, als wider\u00adwil\u00adlig sich f\u00fcgen und den Umweg, der ihm auf\u00adge\u00adzwun\u00adgen war, mit schein\u00adbar scherz\u00adhaf\u00adtem Anlauf einzuschlagen.<\/p>\n

Maria hat\u00adte schnell den rich\u00adti\u00adgen Platz zum Malen gefun\u00adden und stri\u00adchel\u00adte stumm vor sich hin. Frit\u00adsche hat\u00adte sich eine Ziga\u00adret\u00adte ange\u00adz\u00fcn\u00addet und ging auf und ab. Ich nahm mir den Zet\u00adtel mit mei\u00adnen Gedich\u00adten vor.<\/p>\n

Ich las noch ein\u00admal die ers\u00adte Strophe.<\/p>\n

\u201e<\/span>Schon kehrt der Saft aus jener Allgemeinheit,
\ndie dun\u00adkel in den Wur\u00adzeln sich erneut,
\nzur\u00fcck ans Licht und speist die gr\u00fc\u00adne Reinheit,
\ndie unter Rin\u00adden noch die Win\u00adde scheut.\u201d<\/p><\/blockquote>\n

Pl\u00f6tz\u00adlich sah ich nicht mehr die Ein\u00adzel\u00adhei\u00adten, das Gewun\u00adde\u00adne des Sat\u00adzes, die ver\u00adschwom\u00adme\u00adnen Wor\u00adte. Ich sah das Gan\u00adze und f\u00fchl\u00adte die Wahr\u00adheit dar\u00adin. Denn rund um mich her war es ja, har\u00adzig duf\u00adtend und hel\u00adler brach es aus den Enden der Tan\u00adnen\u00adzwei\u00adge, an den B\u00fcschen run\u00adde\u00adte sich\u2019s und sprang auf, gespeist aus der Tie\u00adfe her, gespeist von Gischt, der aus dem Sch\u00e4u\u00admen des Flus\u00adses hoch\u00adstieg. Ich merk\u00adte, dass ich es hier nicht zer\u00adle\u00adgen, nicht dar\u00adan her\u00adum\u00adre\u00adden konn\u00adte wie zu Hau\u00adse am Tisch.<\/p>\n

Ich h\u00fcte\u00adte mich frei\u00adlich, das Blatt weg\u00adzu\u00adste\u00adcken, aber ich lie\u00df es sin\u00adken und mei\u00adne Augen fluss\u00adab\u00adw\u00e4rts wan\u00addern, hin\u00ad\u00fcber und hin\u00adauf zu den stei\u00adlen, schein\u00adbar unzu\u00adg\u00e4ng\u00adli\u00adchen Fel\u00adsen\u00adw\u00e4n\u00adden. Da staun\u00adte ich, auch an ihnen Leben zu ent\u00adde\u00adcken: nicht nur gr\u00fc\u00adnen\u00addes Busch\u00adwerk und B\u00e4u\u00adme, die auf Vor\u00adspr\u00fcn\u00adgen sich ange\u00adsie\u00addelt hat\u00adten, son\u00addern auch zwei bun\u00adte Punk\u00adte, die durchs Fel\u00adsen\u00adgrau auf\u00adw\u00e4rts stie\u00adgen und schlie\u00df\u00adlich in einem hell-br\u00e4un\u00adli\u00adchen Fleck ver\u00adschwan\u00adden, der sich als ein Wochen\u00adend\u00adh\u00e4us\u00adchen ent\u00adpupp\u00adte, h\u00f6l\u00adzer\u00adnes Refu\u00adgi\u00adum in schwin\u00addeln\u00adder H\u00f6he \u00fcber dem Wasser.<\/p>\n

Wie man sei\u00adne Bestand\u00adtei\u00adle dort hin\u00adauf\u00adge\u00adbracht, wie man es hat\u00adte fest\u00adwur\u00adzeln und auf\u00adbau\u00aden k\u00f6n\u00adnen, war aus sol\u00adcher Fer\u00adne unbe\u00adgreif\u00adlich. Aber es stand dort oben, Men\u00adschen gin\u00adgen dar\u00adin aus und ein und waren, so muss\u00adte man wohl anneh\u00admen, gl\u00fcck\u00adlich dar\u00adin. Denn nie hat\u00adte ich ein Domi\u00adzil so hoch und so frei lie\u00adgen sehen, so offen allen Bli\u00adcken, ver\u00adbun\u00adden mit der Welt und doch so in Einsamkeit.Ich wies Maria drauf hin, sie hat\u00adte es noch nicht bemerkt, und Frit\u00adsche, dem offen\u00adbar dran lag, mich freund\u00adlich zu stim\u00admen, da er mei\u00adnen gehei\u00admen Wider\u00adstand f\u00fchl\u00adte, mach\u00adte den Vor\u00adschlag, das Gan\u00adze doch ein\u00admal von nahem zu besehen.<\/p>\n

Aber dazu reich\u00adte die Zeit nicht. Das Schnel\u00adlen\u00adboot, das uns zum Damp\u00adfer zur\u00fcck\u00adbrin\u00adgen soll\u00adte, lag schon am Ufer ver\u00adt\u00e4ut, ein gro\u00adbes, wun\u00adder\u00adli\u00adchen Fahr\u00adzeug, ein Flo\u00df eigent\u00adlich, aus geho\u00adbel\u00adten Baum\u00adst\u00e4m\u00admen zusam\u00admen\u00adge\u00adf\u00fcgt und mit B\u00e4n\u00adken best\u00fcckt, mehr war es nicht. Woan\u00adders w\u00e4re es einem als Zumu\u00adtung erschie\u00adnen, ein sol\u00adches Gef\u00e4hrt zu bestei\u00adgen, ohne alle Siche\u00adrung, die wir so \u00fcber\u00adreich\u00adlich gewohnt sind. Aber in die\u00adsen Wald schien es zu geh\u00f6\u00adren, ganz offen\u00adbar war es hier an Ort und Stel\u00adle zusam\u00admen\u00adge\u00adschla\u00adgen, ver\u00adtraut und ver\u00adwandt mit dem Was\u00adser, das es befah\u00adren soll\u00adte, und inso\u00adfern auch wie\u00adder Ver\u00adtrau\u00aden weckend.<\/p>\n

Der F\u00e4hr\u00admann, ein Alter aus dem Wal\u00adde mit brei\u00adtem rot\u00adbrau\u00adnen Bart und in gro\u00adbem Zeug, hock\u00adte auf einem Baum\u00adstamm in der N\u00e4he und paff\u00adte an sei\u00adner Pfei\u00adfe, deren Geruch sich w\u00fcr\u00adzig misch\u00adte mit dem Duft von Was\u00adser und Wald. Auch der Tabak moch\u00adte nicht von weit\u00adher sein.<\/p>\n

All\u00adm\u00e4h\u00adlich sam\u00admel\u00adte sich an dem stei\u00adner\u00adnen Johan\u00adnes\u00adbild, das die\u00adsem St\u00fcck des Strom\u00adlaufs den Namen gege\u00adben hat\u00adte \u2014 St. Johan\u00adnis-Strom\u00adschnel\u00adlen nann\u00adte man sie \u2014 eine klei\u00adne Grup\u00adpe von War\u00adten\u00adden, und wir bestie\u00adgen end\u00adlich alle das schwan\u00adken\u00adde Gef\u00e4hrt. Es war eine son\u00adder\u00adba\u00adre Fahrt, so schwer und ruhig schiff\u00adte das Flo\u00df \u00fcber das wil\u00adde Gew\u00e4s\u00adser, man h\u00e4t\u00adte es nicht mei\u00adnen sollen.<\/p>\n

Als wir die Fels\u00adwand in wei\u00adtem Bogen umfuh\u00adren, t\u00f6n\u00adte von hoch oben eine M\u00e4d\u00adchen\u00adstim\u00adme. Sie sang ein Lied, dun\u00adkel klang es von der H\u00f6he her, vol\u00adler Trau\u00adrig\u00adkeit. Wir alle wand\u00adten uns nach oben: dort stand sie neben dem H\u00e4us\u00adchen, eine win\u00adzi\u00adge rote Figur, gelehnt an ein Gel\u00e4n\u00adder, wie ein Zwirns\u00adf\u00e4d\u00adchen so d\u00fcnn, und wink\u00adte zu uns herunter.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ach, sieh da, die Lore\u00adley\u201d bemerk\u00adte Frit\u00adsche sp\u00f6t\u00adtisch, aber wir wink\u00adten zur\u00fcck, wie es alle taten. Die auf dem Boot stimm\u00adten mit ein. Einer, der eine Lau\u00adte um die Schul\u00adter trug, griff in die Sai\u00adten. Aus den W\u00e4l\u00addern und von den Fel\u00adsen her kam Ant\u00adwort und Echo. Viel\u00adstim\u00admig hall\u00adte es wider in dem engen Fel\u00adsen\u00adtal. Auch der Fluss wirk\u00adte mit an dem Gewe\u00adbe von T\u00f6nen, und wie uns die Wel\u00adlen \u00fcber\u00adhol\u00adten in ihrem eili\u00adgen Lauf, schie\u00adnen sie es mit sich tal\u00adw\u00e4rts zu neh\u00admen, hin\u00adaus in die Ebene.<\/p>\n

Maria war schweig\u00adsam gewor\u00adden, als h\u00e4t\u00adten all die Frem\u00adden, uns und ein\u00adan\u00adder Frem\u00adden, sich zusam\u00admen\u00adge\u00adtan, f\u00fcr sie die\u00adses Lied zu sin\u00adgen, als soll\u00adte es sie war\u00adnen, besch\u00fct\u00adzen, zur\u00fcck\u00adhal\u00adten. Ich merk\u00adte es deut\u00adlich: unter all den frem\u00adden Men\u00adschen, die etwas mit\u00adein\u00adan\u00adder gemein\u00adsam hat\u00adten, und auch mit uns gemein\u00adsam, obwohl wir die Wor\u00adte ihres Lie\u00addes nicht ver\u00adstan\u00adden, r\u00fcck\u00adte sie ab von dem Pocken\u00adnar\u00adbi\u00adgen, der an ihrer Sei\u00adte sa\u00df. Wie eine Erin\u00adne\u00adrung moch\u00adte es ihr auf\u00adstei\u00adgen aus Was\u00adser und Gesang. Aber es war zu sp\u00e4t.<\/p>\n

Frit\u00adsche ver\u00adab\u00adschie\u00adde\u00adte sich am Mold\u00adau\u00adkai, wo wir uns am Mor\u00adgen begeg\u00adnet waren. Die bei\u00adden tra\u00adfen auch kei\u00adne Ver\u00adab\u00adre\u00addung. Ich war froh dar\u00ad\u00fcber. Trotz\u00addem war etwas anders gewor\u00adden, als wir die Stu\u00adfen wie\u00adder hin\u00adauf\u00adstie\u00adgen, \u00fcber die wir am Mor\u00adgen hin\u00adun\u00adter\u00adge\u00adstie\u00adgen waren. Es dun\u00adkel\u00adte, und die Bl\u00fc\u00adten duf\u00adte\u00adten st\u00e4r\u00adker als am Morgen.Es war w\u00e4r\u00admer hier in der Stadt, als es oben zwi\u00adschen Wald, Was\u00adser und Fel\u00adsen gewe\u00adsen war. Eine bet\u00f6\u00adren\u00adde, durch\u00addrin\u00adgen\u00adde S\u00fc\u00dfe war in der Luft, ein Anspruch, eine For\u00adde\u00adrung, ein Ver\u00adlan\u00adgen, so ein\u00addring\u00adlich und un\u00fcber\u00adh\u00f6r\u00adbar, dass man sich nicht davor ver\u00adschlie\u00ad\u00dfen konnte.<\/p>\n

Es mach\u00adte mir Sor\u00adge, nicht f\u00fcr mich, son\u00addern f\u00fcr Maria, der es dop\u00adpelt schwer sein muss\u00adte, die\u00adsem Ansturm von Fr\u00fch\u00adling stand\u00adzu\u00adhal\u00adten. Schwei\u00adgend stie\u00adgen wir die fla\u00adchen brei\u00adten Stu\u00adfen hin\u00adauf, die jetzt im gr\u00fcn\u00adli\u00adchen Lich\u00adte der Gas\u00adla\u00adter\u00adnen ganz ver\u00adwan\u00addelt aus\u00adsa\u00adhen, Kulis\u00adsen f\u00fcr ein M\u00e4r\u00adchen\u00adspiel, in dem es nur gute Geis\u00adter geben konn\u00adte. Die Bl\u00fc\u00adten\u00adb\u00e4u\u00adme nick\u00adten ver\u00adtrau\u00adlich zu bei\u00adden Sei\u00adten der Stie\u00adge wie gute Feen, die im Ein\u00adver\u00adst\u00e4nd\u00adnis mit\u00adein\u00adan\u00adder sind. Unse\u00adre Schat\u00adten husch\u00adten gesch\u00e4f\u00adtig vor uns her und hin\u00adter uns nach, wie wir an den Later\u00adnen vor\u00adbei\u00adka\u00admen, als g\u00e4be es hier und da noch etwas zu ord\u00adnen und zurecht\u00adzu\u00adstel\u00adlen. Hoch \u00fcber uns am Him\u00admel gl\u00e4nz\u00adten die Ers\u00adten Ster\u00adne auf. Das Spiel konn\u00adte begin\u00adnen. Aber wel\u00adches Spiel?<\/p>\n

\u201e<\/span>Bit\u00adte, Maria, ver\u00adtrau\u00aden Sie ihm nicht\u201d, sag\u00adte ich mit\u00adten hin\u00adein in das hoff\u00adnungs\u00advol\u00adle Schwei\u00adgen der Nacht. Mei\u00adne Stim\u00adme klang spr\u00f6\u00adde, ich hat\u00adte mich \u00fcber\u00adwin\u00adden m\u00fcs\u00adsen, es zu sagen, und als es da stand in der Stil\u00adle, erschrak ich davor, denn sicher w\u00fcr\u00adde sie zor\u00adnig sein, dass ich mir schon wie\u00adder anma\u00df\u00adte, mich einzumischen.<\/p>\n

Und was ich gesagt hat\u00adte, hie\u00df ja \u201eLie\u00adben Sie ihn nicht!\u201d, denn wie kann Lie\u00adbe sein, wo kein Ver\u00adtrau\u00aden ist? Ich dach\u00adte an die Lei\u00adden\u00adschaft nicht, die auf man\u00adches ver\u00adzich\u00adten kann, ja, auf man\u00adches ver\u00adzich\u00adten muss, auch auf Ver\u00adtrau\u00aden, wenn es n\u00f6tig ist.<\/p>\n

Aber Maria war nicht zor\u00adnig. Sie lach\u00adte nur.<\/p>\n

\u201e<\/span>Aus\u00adge\u00adrech\u00adnet Sie sagen mir das? Und ich habe Sie immer f\u00fcr so ver\u00adtrau\u00adens\u00adse\u00adlig gehal\u00adten wie ein Kind. Ich dach\u00adte, Sie glau\u00adben von allen und jedem nur das Beste.\u201d<\/p>\n

Ich staun\u00adte. Etwas Wah\u00adres war in dem, was sie sag\u00adte, und doch war ich mir des\u00adsen nie bewusst gewe\u00adsen. So anders erscheint man also den andern als sich selber.<\/p>\n

\u201e<\/span>Viel\u00adleicht stimmt das, was Sie sagen\u201d, gab ich zu, \u201eaber viel\u00adleicht nur, weil ich dem B\u00f6sen nie begeg\u00adnet bin.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Wie Sie das sagen \u2014 \u201adem B\u00f6sen\u2019 \u2014 als w\u00e4re er der B\u00f6se in Per\u00adson!\u201d Merk\u00adw\u00fcr\u00addig, sie sprach nicht emp\u00f6rt, nicht beleidigt.<\/p>\n

H\u00e4t\u00adte sie das nicht sein m\u00fcs\u00adsen, wenn sie auch nur einen Fun\u00adken von Nei\u00adgung f\u00fcr ihn f\u00fchlte?<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich mein\u00adte nur, \u201adas B\u00f6se\u2019, nicht \u201ader B\u00f6se\u2019 \u201d ver\u00adsuch\u00adte ich richtigzustellen.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ach, das macht Ihre Mei\u00adnung auch nicht viel schmei\u00adchel\u00adhaf\u00adter\u201d, lach\u00adte Maria \u2014 sie schien dar\u00adauf aus, das Gan\u00adze ins L\u00e4cher\u00adli\u00adche zu zie\u00adhen. Es hat\u00adte wirk\u00adlich nicht den Anschein, als sei sie so von Her\u00adzen betei\u00adligt, wie ich gef\u00fcrch\u00adtet hat\u00adte. \u201e\u00dcbri\u00adgens macht es Ihrem guten Her\u00adzen nicht viel Ehre\u201d, fuhr sie fort, \u201ehin\u00adter\u00adr\u00fccks \u00fcber einen Men\u00adschen her\u00adzu\u00adfal\u00adlen, den die Natur \u2014 oder das Schick\u00adsal \u2014 so \u00fcbel behan\u00addelt hat, dass man eigent\u00adlich Mit\u00adleid mit ihm haben m\u00fcss\u00adte. Sagen Sie nicht, er ist bestraft oder gezeich\u00adnet \u2014 er hat\u00adte die Krank\u00adheit schon als Kind.\u201d<\/p>\n

Auch dar\u00ad\u00fcber hat\u00adten sie also gespro\u00adchen \u2014 wie bekannt muss man schon mit\u00adein\u00adan\u00adder sein, um ein so gehei\u00admes, wenn auch so offen\u00adsicht\u00adli\u00adches The\u00adma zu er\u00f6r\u00adtern! Pflegt nicht ein Mensch sei\u00adne Gebre\u00adchen und \u00e4u\u00dfe\u00adren M\u00e4n\u00adgel zu ver\u00adleug\u00adnen, als w\u00e4ren sie nicht da, sie tot\u00adzu\u00adschwei\u00adgen in der heim\u00adli\u00adchen Hoff\u00adnung, der ande\u00adre k\u00f6nn\u00adte sie viel\u00adleicht doch \u00fcbersehen?<\/p>\n

\u201e<\/span>Aber viel\u00adleicht ist es gera\u00adde die Krank\u00adheit und die \u2014 die Fol\u00adgen der Krank\u00adheit, die ihn b\u00f6se gemacht haben?\u201d Ich war froh, dass Mari\u00adas ruhi\u00adge Art es mir m\u00f6g\u00adlich mach\u00adte, die\u00adsen Ein\u00adwand aus\u00adzu\u00adspre\u00adchen. Sie schwieg eine Wei\u00adle, als w\u00e4re sie noch nicht auf die\u00adsen Gedan\u00adken ver\u00adfal\u00adlen, als erw\u00e4\u00adge sie sei\u00adne Wahr\u00adschein\u00adlich\u00adkeit. Aber sie schien sie schlie\u00df\u00adlich doch abzutun.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich glau\u00adbe, Sie sind kei\u00adne gro\u00ad\u00dfe Psy\u00adcho\u00adlo\u00adgin\u201d, sag\u00adte sie und sch\u00fct\u00adtel\u00adte den Kopf. \u201eEin Kind kann doch sehen, dass er ein ungl\u00fcck\u00adli\u00adcher Mensch ist, dass er ungl\u00fcck\u00adlich sein muss in sei\u00adner Haut, ja, im wahrs\u00adten Sin\u00adne des Wor\u00adtes. Und ungl\u00fcck\u00adli\u00adche Men\u00adschen sind nicht b\u00f6se.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Nicht?\u201d frag\u00adte ich. Ich war mir sel\u00adber nicht sicher \u2014 ungl\u00fcck\u00adlich sein, heisst lei\u00adden, und lei\u00adden schien sich aller\u00addings nicht zu ver\u00adtra\u00adgen mit t\u00e4ti\u00adger Bos\u00adheit. \u00dcbri\u00adgens war es nicht Bos\u00adheit, deren ich ihn ver\u00add\u00e4ch\u00adtig\u00adte. Es war wirk\u00adlich \u201edas B\u00f6se\u201d schlecht\u00adhin. Ich konn\u00adte mir bei\u00adlei\u00adbe nichts dar\u00adun\u00adter vor\u00adstel\u00adlen, es war nur ein ganz unge\u00adnau\u00ades Gef\u00fchl, alles konn\u00adte dar\u00adun\u00adter fal\u00adlen. Aber Bos\u00adheit war von den Din\u00adgen, die das B\u00f6se umschlo\u00df, noch fast das harmloseste.<\/p>\n

Konn\u00adte man ungl\u00fcck\u00adlich sein und b\u00f6se ?<\/p>\n

\u201e<\/span>Aber er hat nicht die Augen, die ungl\u00fcck\u00adli\u00adche Men\u00adschen haben\u201d, sag\u00adte ich schlie\u00dflich.<\/p>\n

Maria lach\u00adte wie\u00adder, \u201eMan muss sich ja vor Ihnen h\u00fcten\u201d, sag\u00adte sie, wie man das zu einem Kind sagt, von dem man sich bei einer Kraft\u00adpro\u00adbe im Spa\u00df geschla\u00adgen gibt. \u201eWie genau Sie alles sehen! Ich m\u00f6ch\u00adte nicht wis\u00adsen, wie Sie mich sehen.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Danach k\u00f6n\u00adnen Sie ruhig fra\u00adgen\u201d, erwi\u00adder\u00adte ich. \u201eBei Ihnen bin ich im ent\u00adge\u00adgen\u00adge\u00adsetz\u00adten Sin\u00adne par\u00adtei\u00adisch. Wenn ich Sie nicht gern h\u00e4t\u00adte, w\u00fcr\u00adde mir nichts dran lie\u00adgen, Sie zu warnen.\u201d<\/p>\n

Sie schwieg eine Wei\u00adle nach\u00addenk\u00adlich, als m\u00fcss\u00adte sie unter die\u00adsen Gesichts\u00adpunkt alles noch ein\u00admal \u00fcber\u00adden\u00adken. Wir waren zu Hau\u00adse ange\u00adlangt und stie\u00adgen die Trep\u00adpen hin\u00adauf. Als wir vor unse\u00adrer T\u00fcr stan\u00adden und ich auf\u00adge\u00adsperrt hat\u00adte, gab sie mir pl\u00f6tz\u00adlich die Hand. Wir gaben uns nie die Hand. Da wir im sel\u00adben Zim\u00admer auf\u00adstan\u00adden und schla\u00adfen gin\u00adgen, w\u00e4re es albern gewe\u00adsen, h\u00e4t\u00adten wir uns st\u00e4n\u00addig die Hand geben wol\u00adlen. Jetzt gab sie mir die Hand. Es war wie ein Abschied.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ich bin Ihnen dank\u00adbar, dass Sie sich soviel Gedan\u00adken um mich machen\u201d, sag\u00adte sie. \u201eAber ich glau\u00adbe, es lohnt sich nicht.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Was hei\u00dft das? Wie mei\u00adnen Sie das?\u201d frag\u00adte ich und schloss hin\u00adter mir die T\u00fcr.<\/p>\n

\u201e<\/span>Mein Leben ist ver\u00adpfuscht. Ich h\u00e4t\u00adte es f\u00fcr eine gro\u00ad\u00dfe Sache ein\u00adset\u00adzen k\u00f6n\u00adnen, aber das woll\u00adte ich nicht. Jetzt ist es blo\u00df, wie wenn man vom sin\u00adken\u00adden Schiff in ein Ret\u00adtungs\u00adboot steigt. Die Chan\u00adce, dass man an Land kommt, steht eins zu tausend.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Sie wer\u00adden ihn also wirk\u00adlich wie\u00adder\u00adse\u00adhen?\u201d frag\u00adte ich. Ihre ruhi\u00adge Art, das Gan\u00adze zu bere\u00adden, ihre Unemp\u00adfind\u00adlich\u00adkeit hat\u00adten mich hof\u00adfen las\u00adsen, es w\u00e4re viel\u00adleicht doch nicht so.<\/p>\n

Sie sa\u00df auf ihrem Bett und hat\u00adte sich eine Ziga\u00adret\u00adte ange\u00adz\u00fcn\u00addet. Jetzt nick\u00adte sie.<\/p>\n

\u201e<\/span>Wir haben uns ver\u00adab\u00adre\u00addet\u201d, sag\u00adte sie. \u201eSie wuss\u00adten es nicht, aber Sie haben es gef\u00fchlt. Ich mag Ihnen auch nichts vormachen.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Er hat Angst vor mir, des\u00adhalb hat er\u2019s heim\u00adlich getan\u201d, sag\u00adte ich. \u201eMaria \u2014 muss es denn die\u00adser Mann sein? Sie sind doch so jung! K\u00f6n\u00adnen Sie nicht erst alles in Ord\u00adnung brin\u00adgen und dann Geduld haben und das Ver\u00adtrau\u00aden, dass Sie doch ein\u00admal Lie\u00adbe fin\u00adden werden?\u201d<\/p>\n

Sie war auf\u00adge\u00adstan\u00adden und stand jetzt am Fens\u00adter. Der Rauch ihrer Ziga\u00adret\u00adte weh\u00adte an der Schei\u00adbe ent\u00adlang, zog sich am Glas hin\u00adaus in die Nacht.<\/p>\n

\u201e<\/span>Ver\u00adtrau\u00aden \u2014 zu wem?\u201d frag\u00adte sie. \u201eIch wei\u00df, f\u00fcr Sie muss das alles schmut\u00adzig aus\u00adse\u00adhen und unor\u00addent\u00adlich. Zu Ihnen w\u00fcr\u00adde es nicht passen.\u201d<\/p>\n

\u201e<\/span>Es passt auch zu Ihnen nicht\u201d, sag\u00adte ich und frag\u00adte mich, wie ich das hat\u00adte sagen k\u00f6n\u00adnen. Aber sie zuck\u00adte nur die Achseln.<\/p>\n

\u201e<\/span>Wenn ich zu Gott Ver\u00adtrau\u00aden haben k\u00f6nn\u00adte\u201d, erwi\u00adder\u00adte sie \u201edann k\u00f6nn\u00adte ich viel\u00adleicht auch Geduld haben. Aber ich habe bei\u00addes nicht.\u201d<\/p>\n

Dage\u00adgen gab es nichts zu sagen. Ich ging zum Regal, nahm Ser\u00advi\u00adet\u00adten und Geschirr und fing an, den Tisch zu decken. Das Dun\u00adkel von ges\u00adtern war aus dem Zim\u00admer gewi\u00adchen, aber es war nur ein\u00adge\u00adtauscht gegen ein ande\u00adres. Oder hat\u00adte bei\u00addes mit\u00adein\u00adan\u00adder zu tun? Ich wuss\u00adte es nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Der n\u00e4chs\u00adte Tag war ein Sonn\u00adabend, also kei\u00adne Vor\u00adle\u00adsun\u00adgen f\u00fcr mich. Maria hat\u00adte eine um acht in einem Insti\u00adtut in der N\u00e4he. Sie stu\u00addier\u00adte Medi\u00adzin, unse\u00adre Stu\u00addi\u00aden\u00adpl\u00e4\u00adne lie\u00adfen auf ganz ver\u00adschie\u00adde\u00adnen Glei\u00adsen. Ich streck\u00adte mich und dreh\u00adte mich noch ein\u00admal auf die ande\u00adre Sei\u00adte im Bett, als sie fort\u00adge\u00adgan\u00adgen war. Dann fiel mir das Wort \u2026 Die Geis\u00adter der Mol\u00addau \u2014 Kapi\u00adtel 3 Die Mario\u00adnet\u00adte<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-1402","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-prag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1402","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1402"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1402\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1521,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1402\/revisions\/1521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1402"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1402"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/stefan-soyka.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1402"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}