define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true); Politik - HOME https://stefan-soyka.de Stefans Blog Fri, 05 Feb 2021 10:38:34 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Sechs Jahre Vorsprung für Tesla https://stefan-soyka.de/?p=1892 Fri, 25 Dec 2020 13:11:20 +0000 https://stefan-soyka.de/?p=1892 Sechs Jahre Vorsprung für Tesla weiterlesen]]>

Ein paar Gedanken zu https://www.spiegel.de/auto/tesla-zerlegtes-model-3-offenbart-grossen-technologievorsprung-a-d89e14e3-769a-427c-bd0e-374140f23939

Quelle: Wiki Commons

Ich arbeite in der IT-Abteilung eines Krankenhauses und musste Heiligabend damit verbringen, herauszufinden, warum die Laborwerte der Blutgasanalysen nicht in die klinischen Systeme übertragen wurden. Das Wunder ist aber eigentlich, dass es überhaupt irgendwann und sporadisch funktioniert hatte. Jedenfalls war es Heiligabend nicht möglich, jemanden zu finden, der das Zusammenspiel der beteiligten System soweit verstand, dass er oder sie in der Lage gewesen wäre, das Problem zu analysieren. Diese Erfahrung mache ich zunehmend: Komplexe System werden als Black Boxes akzeptiert, die informatik-typisch zwei Zustände kennen: Sie funktionieren oder sie funktionieren nicht. Tesla scheint das Glück und das Verdienst zu haben, das Zusammenspiel und die Parallelität der verschiedenen Steuerungen in der eigenen Hand zu haben, mit einer Entwicklungsabteilung, die versteht, was da vorgeht, in der Lage ist, Fehler zu fixen und das System weiter zu entwickeln. Von diesem Anspruch haben sich deutsche Hersteller in vielen Bereichen der Industrie verabschiedet. Da liegt ein Dilemma. Die Einsicht, dass man nicht alles einkaufen kann ohne die Kontrolle aufzugeben, muss irgendwann auch in Deutschland Fuß fassen oder wir werden eines Tages vor unserer Technik stehen wie ein mittelalterlicher Handwerker vor einer ägyptischen Pyramide: mit ungläubigem Staunen, aber ohne eine Spur von Verständnis.

]]>
Digitale Behörden: Innenminister wollen vernetzte Melderegister „mit einer Art” Personenkennziffer https://stefan-soyka.de/?p=1838 Tue, 25 Jun 2019 07:08:22 +0000 https://stefan-soyka.de/?p=1838 Digitale Behörden: Innenminister wollen vernetzte Melderegister „mit einer Art” Personenkennziffer weiterlesen]]> Meine Meinung zu dieser Meldung auf heise.de:

Das Verbot einer PKZ beruht auf dem informationellen Selbstbestimmungsrecht, das Lutterbeck et al. in einem Gutachten für den Prozess formuliert haben, der letzten Endes zum „Volkszählungsurteil” geführt hat, wenn ich mich recht erinnere(!).
Ist also weder ein Gesetz noch unmittelbar Bestandteil der Verfassung, nicht mal Richterrecht, sondern wurde in Analogie zu den in der Verfassung verankerten Grund- und Freiheitsrechten postuliert.
Bis jetzt hat das ausgereicht, um die Angriffe von Unternehmen und Behörden auf das Privatleben abzuwehren (z. B. exzessive Videoüberwachung im öffentlichen und halböffentlichen Raum, PKZ, …), aber eine Erosion durch zurückgehende Sensibilität gegen Eingriffe in die Privatspäre und zunehmende „ich habe nichts zu verbergen” Mentalität meine ich zumindest zu beobachten.
Das ist m. E. ein Hinweis darauf, dass die Eingriffsrechte von Unternehmen und Behörden (und auch von natürlichen Personen) in die Privatssphäre Dritter durch Datenspeicherung und ‑verarbeitung im weitesten Sinne auf ein solideres Fundament gestellt werden müssen, z. B. durch einen Verfassungszusatz (gibt es das in Deutschland überhaupt?) oder durch Gesetz.

]]>
De mortuis https://stefan-soyka.de/?p=1373 Wed, 11 Nov 2015 09:25:32 +0000 https://stefan-soyka.de/?p=1373 De mortuis weiterlesen]]> nihil nisi bene. Aber bei so viel Lobhudelei und Zustimmung hätte es dem  dahingeschiedenen Altbundeskanzler Helmut Schmidt  ja in den Ohren geklungen. Recht wäre es ihm sicher nicht gewesen, im besten und wahrscheinlichen Falle egal. Über sein Wirken als Elder Statesman ist mir nicht viel bekannt, als nicht Zeit-Leser, aber als Politiker stand er für alles, was meine Generation hoffnungsvoll durch Willy Brand für überwunden hielt.

Er war so sehr Preuße wie man es als Hamburger überhaupt sein kann. Militärisch geprägt, pragmatisch, eine große Führungspersönlichkeit sicherlich, aber mit einem eigentümlich unklaren ethischen Hintergrund. Macht und die Mächtigen waren ihm wichtig. Auf jeden Fall Henry Kissinger war er mehr zugeneigt als Lech Walesa. Anerkennung für sein politisches Wirken erntete er dafür, dass er — mit oder gegen seine Partei oder Regierung — das durchsetzte, was ihm in dem Moment für notwendig erschien. Das Wort opportun vermeide ich aus Pietät. Im großen und ganzen trifft das natürlich auch auf den Amtsnachfolger Helmut Kohl zu. Dennoch können wir drei Kreuze machen, dass das Schicksal Kohl zum Wendekanzler gemacht hat. Mit Helmut Schmidt, dessen dürfen wir gewiss sein, hätte es keine Wiedervereinigung gegeben. Er hätte drauf gedrungen, dass die DDR besenrein an den Westen übergeben wird.

Also nehmen wir Abschied von dem letzten großen Vertreter einer Generation und eines Menschenschlages, der unser Land lange geprägt hat. Wie oft, wenn man am Grab steht, ist beides vorhanden, Trauer und Erinnerungen, aber auch Erleichterung, dass ein Weg, der am Ende voller Mühe war, zu Ende geht.

]]>
Alles rennet, rettet, flüchtet https://stefan-soyka.de/?p=1369 Mon, 09 Nov 2015 11:20:24 +0000 https://stefan-soyka.de/?p=1369 Alles rennet, rettet, flüchtet weiterlesen]]> Deutschland kann nicht alle aufnehmen — das kann Deutschland nicht leisten — die Kommunen sind überfordert — die Ängste der Anwohner ernst nehmen — die Sorgen der Menschen entkräften …

Manchmal unterscheidet sich das wirkliche Leben von den Geschichten von Bob, dem Baumeister. Wenn Bob sagt „ja, wir schaffen das”, dann heißt es, wir schaffen das ohne Mühe und Schmerzen, weil wir das können und wissen wie es geht. Wenn der gleiche Satz fällt im Zusammenhang mit den Menschen, die aus ihren Heimatländern zu uns flüchten, dann wäre es ein Irrtum zu glauben, dass wir das schaffen können ohne Anstrengung und ohne selbst Einschränkungen hinzunehmen, denn die Situation ist beispiellos und Patentrezepte gibt es nicht. Viele Fehler müssen noch gemacht werden, bevor es klappt. Es gibt gar keine Alternative dazu, sich der Aufgabe zu stellen, denn die Menschen haben ja zum großen Teil nicht erst vor zu flüchten und werden durch eine menschenwürdige Behandlung bei uns dazu ermutigt. Diese Menschen sind ja zum großen Teil schon in Deutschland oder in einem der Nachbarländer angekommen nach unbeschreiblichen Strapazen und werden sich nicht davon abhalten lassen, nach all dem, was sie erlitten haben, den Rest des Weges auch noch hinter sich zu bringen, dorthin, wo sie Sicherheit und Aufnahme erwarten.

Vor 25 Jahren haben wir mit Inbrunst und Überzeugung und am Ende mit Erfolg gefordert, dass die Mauer, die die Menschen von Freiheit und Wohlstand trennt, fallen muss. Wie kann man denn heute mit gutem Gewissen genau das Gegenteil fordern, nämlich einen Zaun zu bauen, der die Menschen davon abhält dahin zu gehen, wo sie in Sicherheit sind und eine Perspektive haben? Damals war es das im Grundgesetz formulierte Ziel der Vereinigung der beiden deutschen Staaten, heute das grundgesetzliche Asylrecht. Jedem, der heute den Zaun zurück haben möchte, kann man nur zurufen, „es ist wieder Zeit, was du hast, mit anderen zu teilen, sieh es besser ein”.

Na gut, grummeln Wendegewinnler de Maizière und Konsorten, aber nur kurz und nur, wenn es gar nicht anders geht. Und wieder falsch. Manche lernen es irgendwann im Leben, andere nie: nur wer mehr tut als unbedingt notwendig, hat am Ende Erfolg. Wer jetzt Menschen einsperrt bis der Krieg in Syrien vorbei ist in der Absicht, sie dann sofort zurück nach Hause zu schicken, macht zwei Fehler: er denkt, der Krieg in Syrien ist bald vorbei. Im Ernst, das haben die Russen in Afghanistan auch gedacht. Man kann auch nicht eine Million Menschen hinhalten, ohne ihnen Beschäftigung und Perspektive zu bieten. Was dabei herauskommt, kann man an den Palästinensercamps studieren: Radikalisierung und Kriminalität.

So schwer es fällt, in Deutschland haben wir die Aufgabe bekommen, die Situation zum Vorteil aller zu entwickeln um Schaden abzuwenden. Das heißt, die Menschen,die zu uns geflüchtet sind, dauerhaft mit Wohnraum und Beschäftigung zu versorgen, sie ihre eigenen kulturellen Wurzeln wiederfinden zu lassen und und ihnen beizubringen, ihre neue Heimat Deutschland zu mögen.

]]>
Geiz ist geil https://stefan-soyka.de/?p=1340 Tue, 07 Jul 2015 09:28:21 +0000 https://stefan-soyka.de/?p=1340 Geiz ist geil weiterlesen]]> Das war gestern für Arbeitnehmer ein schwarzer Tag, der Einfluss der Gewerkschaften als Tarifpartei wurde von zwei Arbeitgebern erfolgreich marginalisiert. Das es sich in beiden Fällen um frühere Staatsbetriebe handelt — Post und Lufthansa — kann kaum trösten. Auch der Ausgang der Bahn-Schlichtung in der letzten Woche schwächt gewerkschaftliche Positionen. Arbeitgeber haben Morgenluft geschnuppert und machen tarifvertragliche Errungenschaften von Jahrzehnten durch Ausgliederung von Bereichen und Mitarbeitern in tariflich nicht erfasste oder schlechter gestellte Töchter zunichte, das ist ja das gemeinsame Thema von Post und Lufthansa.

Natürlich steht bei den Fliegern der Ausgang noch in den Sternen, aber der Arbeitgeber hat die Schlichtung platzen lassen, indem er von vorneherein erklärt hat, über die Auslagerung von Personal in die tariflich benachteiligte Tochter German Wings (ehrlich Leute, der Name ist verbrannt, billig sind dort nicht nur die Abfindungen für Opfer des billigen Flugbetriebes) in der Schlichtung gar nicht sprechen zu wollen. Die daraufhin verbreitete Pressemeldung, die Gewerkschaftsseite hätte die Schlichtung boykottiert, stellt die Tatsachen gerade mal auf den Kopf.

Ganz im Gegensatz dazu ist die wirtschaftliche Situation der Bundesrepublik Deutschland einfach blendend wie davor lange nicht mehr. Das wird natürlich nicht so bleiben, denn ohne dass das Jammern je aufgehört hätte, geht es uns ja schon eine Weile so gut. In ein paar Monaten, wenn es wieder bergab geht, werden wir wahrnehmen, dass in welchem Schlaraffenland wir uns gesonnt haben. Mit anderen Worten: wenn es je etwas zu verteilen gegeben hat, dann jetzt. Trotzdem „optimieren” Unternehmen ihre Arbeitskräfte, als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen.

Die Haltung vieler privater Verbraucher, die der frühere Slogan des bekannten Elektronik-Fachmarkts wiedergibt, scheint jetzt auch das Management vieler Unternehmen erfasst zu haben: Obwohl Geld in den Kassen ist, wird gegeizt auf Teufel komm raus, „keinen Cent dem Klassenfeind”, „Stücklohnkosten müssen runter!”. Man gewinnt den Eindruck, das Management sei vielerorts im Unterrichtsfach Marxismus-Leninismus über marktwirtschaftliche Zusammenhänge belehrt worden und setze das Gelernte mit Inbrunst um.

Hier biete ich mal eine andere naheliegende Erklärung an: wenn die Geschäfte schlecht gehen, ist das Geld für solche „Umstrukturierungen” gar nicht vorhanden und den Unternehmen bleibt nichts übrig als zähneknirschend weiter zu wursteln. Nur wenn ordentlich Geld in der Kasse hat, kann man sich einen großzügigen Umbau leisten, wie die Post ihn gerade durchzieht, eleganterweise ohne dass man vorher ein Sterbenswörtchen davon gehört hat.

Man kann der Arbeitnehmerseite nur raten, alles mitzunehmen, was es im Moment gibt. Falsche Animositäten sind unangebracht, streiken muss man, wenn Arbeitskräfte gebraucht werden, wenn es dem Arbeitgeber weh tut und wenn es Geld gibt, dass nur darauf wartet, dass es sich einer nimmt. Was liegen bleibt, nehmen Eigentümer (oft genug der Bund), Anteilseigner, Anleger und andere Gruppen, die jetzt im Verteilungskampf eigentlich mal eine Runde aussetzen müssen.

Die nächste Baisse kommt bestimmt. Wenn Schlaraffenland erstmal abgebrannt ist, wird ein großes Heulen und Zähneklappern anheben.

]]>
Es kann doch nicht sein … https://stefan-soyka.de/?p=1328 Fri, 26 Jun 2015 12:09:40 +0000 https://stefan-soyka.de/?p=1328 Es kann doch nicht sein … weiterlesen]]>

„Dass der Bundestag auf so eine Lösung zurückgreifen muss, zeigt, wie gravierend der Angriff auf die IT-Infrastruktur des Bundestags ist”, sagt der netzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Lars Klingbeil, dem SPIEGEL. Eine Dauerlösung könne dies jedoch keinesfalls sein. „Es ist mit dem freien Mandat unvereinbar, dass eine Regierungsbehörde entscheidet, auf welche Informationen Abgeordnete zugreifen dürfen, und diese Kommunikation zudem protokolliert.”

Quelle: spon, 26.6.15

Wie ich in meinem früheren Beitrag schon vermutet habe, hält so eine Bundeströte es für eine Beschneidung der parlamentarischen Freiheit, wenn Abgeordnete daran gehindert werden, auf gefährlichen Seiten zu surfen. Aber wie soll es denn sonst gehen? Man kann wohl davon ausgehen, dass die Abgeordneten nicht in der Lage sind, die Gefahr selbst zu erkennen, sonst wäre man nicht in der misslichen Situation, in der man sich jetzt befindet. Natürlich ist das Browserfenster kein rechtsfreier Raum. Wenn man beim Surfen kein Unrecht begehen könnte, bräuchten wir keine Diskussion über Vorratsdatenspeicherung und was die Dödelköpfe im Bundestag sonst so umtreibt. Wenn jemand im Netzwerk einer Organisation wie dem Bundestag einen Computer zum Surfen benutzt, handelt die Organisation geradezu fahrlässig, wenn sie nicht in Lage ist, rechtswidriges Verhalten auf den Verursacher zurückzuführen, sie würde sich ja der Mithilfe schuldig machen. In der Beziehung ist der Bundestag halt nichts anderes als ein besseres Internetcafé.

Im privaten Raum fordere ich natürlich, nicht ausgespäht zu werden. Diese Aussicht scheint die Abgeordneten zum großen Teil nicht zu beunruhigen.

]]>
Bundestag beschließt IT-Sicherheitsgesetz https://stefan-soyka.de/?p=1298 Tue, 16 Jun 2015 17:21:37 +0000 https://stefan-soyka.de/?p=1298 Bundestag beschließt IT-Sicherheitsgesetz weiterlesen]]> Ja Herrschaftszeiten, bin ich denn der einzige, dem der Witz nicht entgeht? Der Bundestag, gerade vorgeführt als größte einzelne Versammlung von IT-Dummies, beschert Deutschland jetzt IT-Sicherheit.

027Nee, schon klar, ein Volksvertreter lässt sich von einem Nerd nicht sagen, auf welchen Link er klicken darf. Und von einem Schlapphut hört er sich nicht an, was Schlapphüte mit Computern anstellen. Virenscanner? Brauchen die offenbar nicht. „Es kann doch nicht sein, dass die Informationsfreiheit des Parlaments von der Zustimmung eines Programms abhängt!” Überhaupt: „es kann doch nicht sein, dass ..”, wenn man jetzt einen Euro bekäme für jedes Mal, das jemand das in ein Mikrofon sagt, wären die Sorgen vorbei. Allerdings: in meinen Ohren klingt da nur Hilflosigkeit nach und Mangel an Phantasie. Denn meistens kann es ja nicht nur sein, sondern es liegt klar zutage, dass es schon passiert ist.

Es sind immer die selben Krankheiten, unter denen Politiker leiden. Erstens: Für Politiker gelten andere Regeln. Sie dürfen überall rauchen, schnallen sich nicht an, müssen nicht wissen, wo der nächste Feuerlöscher hängt. Und zweitens: wenn sie meinen, dass etwas nicht stimmt, dann müssen sie es regeln. Wie — ist wurscht. Verstehst nix davon? Muss ich nicht, ich seh’ ja was nicht stimmt.

]]>
Putin stänkert https://stefan-soyka.de/?p=1292 Tue, 16 Jun 2015 17:04:55 +0000 https://stefan-soyka.de/?p=1292 Putin stänkert weiterlesen]]> Immer stänkert Putin, klaut sich die Krim, schickt Soldaten in die Ost-Ukraine und modernisiert die Sprengköpfe von 40 Interkontinentalraketen (von 1520, auf die sich die Großmächte jeweils genehmigt haben). Ja, da muss man sich doch ärgern, ist der Mann denn verrückt geworden?

Mögen muss man ihn nicht (obwohl ich richtige Putin-Fans kenne, ganz junge Leute), und er benimmt sich wirklich ziemlich unzivilisiert (vielleicht macht ihn das so beliebt). Das Geschehen in der Ost-Ukraine ist tragisch und kostet fast jeden Tag Menschenleben. Aber das alles ist nicht von alleine passiert. NATO und EU sind an der Entwicklung schuld durch ihre ebenfalls tragische Fehleinschätzung, sie könnten sich über die russischen Interessen hinwegsetzen. Dabei sind NATO-Staaten schon aus vielen fragwürdigeren und geringeren Anlässen mit Waffengewalt vorgegangen, um ihre vermeintlichen Rechte durchzusetzen, z. B. auf den Falklandinseln oder in Grenada.

Staaten verteidigen ihre Interessen, ob wir das mögen oder nicht. Absehbar war jedenfalls, dass die Ausweitung des westlichen Militär- und Wirtschaftsbündnisses nach Osten Russland irgendwann auf den Plan rufen musste. Spannend war dabei nur, wie weit es dabei gehen würde, im ersten Schritt. Die Annexion der Krim war ein Pflock, den Russland einrammen musste — so weh es tut und ungeachtet dessen, wie wenig Vorteile es daraus schöpfen kann.

Nun entbehrt es nicht der Komik, wie Putin dabei vorging, denn es ist ja geradezu eine Karikatur westlichen Demokratieverständnisses. Man lässt die Bevölkerung abstimmen und am nächsten Tag übernimmt man das Rathaus und was dazu gehört. Das ist ja schon ein bisschen holzschnittartig, aber keiner kann sagen, er wäre nicht gefragt worden. Natürlich wäre nicht abgestimmt worden, wenn man sich des Ergebnisses nicht sicher gewesen wäre, nur ändert das gar nichts.

Das Votum für den Wechsel auf der Krim bildet eine stärkere demokratische Legitimation als — zum Beispiel — die Maidan Proteste. die westliche Politiker mit leuchtenden Augen und ohne dessen müde zu werden als Beweis für den Willen des ukrainischen Volks herangezogen wurden, sich dem europäischen Wirtschaftsbündnis und später der NATO anzuschließen. Wenige erkannten, dass man mit dem Feuer spielte, dass man die noch nicht gefestigte Demokratie in der Ukraine auf eine zu harte Zerreißprobe stellte, dass man die Akteure nicht richtig einschätzte und dass man mit den Feuern auf dem Maidan schließlich die ganze Region in Brand setzte, indem man lange genug aufmunternd hineinblies.

Aber war ist das so schwer zu sehen? Oder spielte es einfach keine Rolle, ließ man es drauf ankommen, dass sich der Konflikt zu dem entwickelte, was wir heute dort sehen? Aus amerikanischer Sicht ist die Ukraine weit entfernt. im Zweifel leben in den USA mehr Ukrainer als in Kiew, so dass man genug übrig hat, wenn dort alles in die Luft fliegen sollte. Den Politikern in Europa sollte das Problem näher liegen. Das hat sie nicht daran gehindert, mit dem Feuer zu spielen. Bösen Willen mag man nicht unterstellen, es bleibt nur schiere, abgrundtiefe Dummheit übrig.

]]>
Apropos Griechenland https://stefan-soyka.de/?p=1279 Mon, 15 Jun 2015 09:03:27 +0000 https://stefan-soyka.de/?p=1279 Apropos Griechenland weiterlesen]]> Es ist doch wirklich zum Lachen, wie die die ganzen wichtigen Europäer sich aufplustern, weil sie nicht ernst genommen werden. „Geduld am Ende” kräht der eine,  der andere „die Zeit wird knapp”, haha, die Zeit wird knapp für Griechenland, neue Schulden aufzunehmen, um die alten Schulden zu bezahlen? Wie dämlich ist das denn? Oh, sonst ist Griechenland plötzlich nicht mehr kreditwürdig — wer leiht denn einem Staat mit diesem Schuldenberg Geld, wenn er bei gesundem Verstand ist? Da sieht man mal, wie verzweifelt andere EU-Staaten wirklich sein müssen, dass sie Geld für die Schuldentilgung anbieten. Sozusagen nach einem kurzen Abstecher durch die griechische Staatskasse zurück in die Kassen der Gläubiger, und alles nur, um die Illusion eines funktionierenden Schuldendienstes zu vermitteln.

Kosta und Makis, Gunne Freunde und Chefs vom letzten Jahr
Irgendwo in Athen

Als Gegenleistung dafür, dass Griechenland ein paar Milliarden Euro bekommt, um seine nächste Schuldenrate zu bezahlen — beileibe nicht genug, um alle Raten zu bezahlen, die in diesem Jahr fällig werden — soll die Armut im Lande noch schlimmer werden und das bisschen Wirtschaft, das noch am Leben geblieben ist, mit einer höheren Umsatzsteuer abgewürgt werden? Sozusagen „als Zeichen des guten Willens”? Äh — völlig vergessen, wer diese griechische Regierung gewählt hat, und wer die wirklichen Nutznießer des griechischen Importwunders sind? Jawohl, die deutschen Exportweltmeister profitieren von griechischen (und spanischen, portugiesischen, …) Investitionen, die jedes Jahr für sieben Milliarden Rüstungsgüter und Kommunikationstechnologie nach Griechenland exportieren, aber dafür den Griechen nur für zwei Milliarden Weintrauben, Ouzo und Ziegenkäse abnehmen. Da kommen halt in dreißig Jahren 150 Milliarden zusammen, mit Zins und Zinseszins. Schuld sollen jetzt die Reeder sein mit ihren schicken Yachten (made in Germany, of course) und die kleinen Händler, die für die Melonen aus dem eigenen Acker keine Mehrwertsteuer abführen wollen. Und natürlich die 60-jährigen, die bei 40 Grad im Schatten keine schwere körperliche Arbeit mehr verrichten.

Man muss nur mal die Zahl der Sonnentage im Jahr vergleichen. Athens rules, Brussels sucks. Die vernünftigen Argumente und der Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen und Forderungen gegenüber Griechenland sind den Europa-Politikern längst abhanden gekommen. Hallo, hat jemand den Schuss nicht gehört? Die Griechen machen nicht mit, weil die Forderungen der EU-Staaten keine Perspektive bieten. Selbst wenn sie sich mit wohlfeilen Versprechungen noch dieses Mal Geld von der EU verschaffen, so sind sie doch in ein paar Wochen wieder in der selben Situation. Was sollen sie dann tun? Tafelsilber und Pensionskassen sind geplündert, sollen sie die Mehrwertsteuer auf 50 Prozent heben und das Pensionsalter auf 90? Das Känguru hat völlig Recht: „Schulden sind wie Gott, nur wer an sie glaubt, muss sie fürchten.”

]]>